Wassernot: Willkommen in der Wüste!

Verbotsschild: Nicht schießen!

Schon in der Schule habe ich gelernt: Kanada hat die größten Süßwasservorräte der Welt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit fast 23tausend Kubikmetern Wasservolumen enthalten allein schon die Großen Seen am kanadisch-amerikanischen Grenzgebiet gut 22 Prozent des Frischwasserbestandes der Welt. Umso mehr überrascht es, dass hier dauernd von „Wasserknappheit“ die Rede ist. Ich vermute mal, das hat weniger mit den Ressourcen zu tun und mehr mit der Verwaltung und Verteilung des Wassers. Mit der Administration also. Das erste, das Besucher zurzeit sehen, wenn sie auf unseren kleinen Ort in der Nähe von Montréal zufahren, ist ein mannshohes Schild: „Gießen bis auf weiteres verboten!“ Es sieht gefährlich aus und zeigt eine Hand am Drücker. Bei Strafandrohung dürfen also Rasenflächen nicht mehr gewässert und Blumen nicht mehr gegossen werden. Zumindest nicht, wenn das Wasser aus dem Schlauch und nicht aus der Kanne kommt. Für uns ist das echt doof. Ausgerechnet jetzt, da unser Haus zum Verkauf steht und immer wieder Interessenten vorbeikommen, um sich das gute Stück anzusehen, sieht unser sonst so gepflegter Wimbledon-Rasen aus, als hätte eine Horde von Wildschweinen darauf Rugby gespielt. Braun und voller Löcher. Das Gras schreit förmlich nach Wasser. Nur: Die Gemeindeverwaltung hat uns den Hahn abgedreht. Dass die Swimmingpools in der Nachbarschaft trotzdem immer bis zum Anschlag gefüllt sind und das Wasserverbot für sie offensichtlich nicht gilt, sei hier fast neidfrei und lediglich am Rande erwähnt. GRRRRHHHHH! Es gibt hier übrigens keine Wasseruhren. Das heißt, der Wasserverbauch wird nicht individuell abgelesen, sondern als Fixtarif mit der Haussteuer abgerechnet. Noch Fragen?

Sandstürme und Schlaglöcher so groß wie Liechtenstein

Unsere Dorfstraße: Kein Wasser, viel Staub.

Überhaupt kommen mir kanadische Bürokraten manchmal vor wie Regisseure von einem anderen Stern. Die Straße, die zu unserem Haus führt, ist nicht geteert, eine unbefestigte Dorfstraße also. Das wäre nicht weiter schlimm, denn wir wussten ja beim Hauskauf, worauf wir uns einlassen (auch wenn uns schon seit 20 Jahren versprochen wird, die Straße zu teeren). Was mich wirklich zur Weißglut bringt, ist der Zustand dieser unbefestigten Straße. Man wird ja bescheiden mit der Zeit. Aber Schlaglöcher so groß wie Liechtenstein gehören verboten. Sie machen nicht nur die Stoßdämpfer an unserem armen Smart kaputt, sondern auch meine Nerven. Und sind es nicht das Bewässerungsverbot und die Schlaglöcher, dann ist es der Staub, der uns die Sicht vernebelt.

Danke, Gemeindeverwaltung!

Ganz besonders schlimm wurde es nach der Trockenperiode der letzten Wochen. Jedes Mal, wenn ein Auto durch unser Wohngebiet fährt, sieht es aus wie nach einem Sandsturm in der Sahara. Anrufe, Mails, Briefe, persönliche Gespräche – all das beeindruckt die Gemeindeverwaltung nicht wirklich. Warum auch? Das Rathaus liegt an einer fein geteerten Straße. Und die Blumenrabatte davor kommen mir immer frisch gewässert vor.

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