„Cheapy Tuesday“ im Vorstadt-Kino

Wir lieben Kino! Im Winter kann es passieren, dass wir uns zweimal pro Woche einen Film ansehen. Im Sommer bleibt es meistens bei einem Kino-Abend. Manchmal lassen wir auch eine Woche ausfallen, aber das kommt eher selten vor. Am liebsten sehen Lore und ich Québecker Filme. Es sind meistens keine schönen, ästhetisch wertvollen Filme. Dafür sind sie schräg und kommen aus dem prallen Leben. „Bon Cop. Bad Cop“ ist so ein Film. Er erzählt die Geschichte einer, in Deutschland würde man sagen, „multikulturellen“ Polizistenbesetzung. Weil die Leiche just an der Grenze zwischen den Provinzen Québec und Ontario gefunden wurde, können sich die Cops nicht darauf einigen, in wessen Hoheitsgebiet nun die Ermittlungen fallen. Also machen sich zwei Beamte aus je einer Provinz gemeinsam an den Fall. Der eine Bulle kommt aus Québec, der andere aus der Nachbarprovinz Ontario. Québec und Ontario haben ein sehr spezielles Verhältnis zueinander, das macht die Ermittlungen nicht einfacher. In Québec regiert die Lebenslust, in Ontario das Geld. Es macht einfach mehr Spaß, in einem Montréaler Straßencafé ein gepflegtes Glas Weißwein zu trinken als irgend einen Schlonzdrink in Hawkesbury aus dem Pappbecher. Egal.

Dienstag ist bei uns „Cheapy Tuesday Movie Night„. Kinobesuche kosten dienstags nur $ 5.99 $ statt $ 12.25. Mehr Unterhaltung für weniger Geld geht nicht. Da geht dann auch nicht gleich die Welt zugrunde, wenn der Film nicht immer ganz großes Kino ist. „Not even a rental„, sagt unser Freund Doug zu solchen Schinken, die man am besten schnell wieder vergisst.. Es lohnt sich nicht einmal, sie im Videostore auszuleihen. Gestern war wieder „Cheapy Tuesday„, Zeit für Lore und mich, uns auf den Weg ins „Colisée Kirkland“ zu machen. Das ist ein Vorstadtkino, das auf den ersten Blick tatsächlich etwas von einem Amphitheater hat. Eine riesige Beton-Auster mit zwölf prächtig ausgestatteten Kinosälen und einem großen Spielbereich. Hier wird geflippert und geballert, es werden virtuelle Autorennen gewonnen und verloren. Vor allem aber wird viel Geld ausgegeben. Und weil die Preise dienstags erschwinglich sind, stapeln sich entsprechend viele Teenager vor dem Kino, im Spielbereich, an den Fastfood-Kiosken und natürlich in den Kinosälen selbst.

„THE HELP“: Schluchzen erlaubt

Gestern haben wir „The Help“ gesehen. Es ist ein brandneuer Film mit Emma Stone in der Hauptrolle. Der Film spielt in den sechziger Jahren im super rassistischen Mississippi, dauert zweieinhalb Stunden und hat wunderschöne Momente. Aber er bringt inhaltlich nichts, das man nicht schon irgendwo anders gesehen hätte. Eine Mischung aus „Vom Winde verweht“ und „Driving Miss Daisy“. Schwarz-Weiß in Farbe, alles wunderbar gedreht und mit einer tollen Besetzung. Aber von der Story her nichts Atemberaubendes. Ein schöner „Tearjerker„, bei dem viel geschluchzt wurde. Ist ja auch klar, wenn unmittelbar vor einem auf der Leinwand solche Ungerechtigkeiten passieren. Aber bei einem Eintrittspreis von $ 5.99 kann man sich schließlich auch noch ein paar Tempotaschentücher zum Popcorn leisten. Gestern hat es sich also auf jeden Fall gelohnt, den Film zu sehen. Vor etwa drei Wochen dagegen überhaupt nicht. Da haben wir uns „Bad teacher“ angesehen. Bad? Bader geht’s gar nicht. Nicht nur dass Cameron Diaz eine Katastrophe war. Nach dem Ende des Films hat der eigentliche Ärger erst richtig begonnen.

Achtung! Vorstadt-Detektive im Einsatz

Ohnehin schon mächtig enttäuscht von diesem unnötigen Hollywoodschinken, entdeckten wir nach der Rückkehr zum Auto einen Strafzettel. Der klebte nicht etwa an der Windschutzscheibe unseres kleinen Smart-Cabrios, sondern lag IM Auto, AUF dem Fahrersitz. Irgendwelche Vorstadtbullen hatten an diesem Abend wohl nichts Besseres zu tun, als sich an die Türen der Autos auf dem Kinoparkplatz zu machen. War eine Tür versehentlich nicht abgeschlossen, wie bei uns, gab’s ein Ticket. Angeblich will man damit potenziellen Autodieben den Wind aus den Segeln nehmen. Ich empfinde die Art und Weise, wie und vor allem wo der Strafzettel deponiert wurde – in meinen vier Autowänden! – als eine ungeheuerliche Verletzung meiner Privatsphäre. Und erst richtig in Rage sind wir gekommen, als wir den Betrag auf dem Strafzettel lasen: 52 Dollar. Das sind mehr als acht Cheapy-Tuesday-Kinobesuche. HELP!!

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