Blog-Schock am Morgen

Ganz ehrlich? Die zahlreichen Reaktionen auf meinen kleinen Kanada-Blog (“My little dog-and-pony-show”, würde David Letterman sagen) haben mich total überrascht und auch ein bisschen berührt. So viel Anteilnahme an unserem Leben in Kanada hätte ich nicht erwartet. Nach gerade mal sieben Posts war meine Mailbox bereits heute früh zum Bersten voll – wie schön! Es freut mich, dass offensichtlich so vielen von euch meine kleinen Schmankerln aus dem ganz normalen kanadischen Wahnsinnsalltag gefallen. Nach so vielen Jahren in Hörfunkstudios und Seminarsälen hatte ich schon fast vergessen, wie viel Spaß das Schreiben machen kann. Jetzt habe ich den schönsten Beruf der Welt eben ins Internet verlegt.

Das beste daran: Ich kann endlich ohne Zeitdruck schreiben, muss keine Themenvorgabe beachten und auch keine journalistischen Grundsätze einhalten. Auf meiner eigenen Plattform darf ich (hoffentlich!) ungestraft Information und Meinung vermischen, Spekulationen anstellen und bei den Fotos sogar auf die im Onlinejournalismus vorgeschriebenen ALT-Tags verzichten. (SeminarteilnehmerInnen: bitte weghören!) Nur einem journalistischen Prinzip werde ich auch auf dieser Spielwiese treu bleiben: Was wahr ist, muss wahr bleiben.

Mein Uralt-Kumpel Börnie sorgt sich um mich von seiner Allgäu-Ranch aus: das willst du jetzt täglich machen? immer eine neue geschichte? wäre mir zuviel arbeit. aber vielleicht ist täglich ja auch nicht nötig. ich habe deinen dienst jedenfalls jetzt mal abonniert und werde ihn immer mal wieder überfliegen. das meiste aus deiner privatsphäre kenne ich ja sowieso schon, außer wenn du in neuen filmen warst.”

Na bitte. Jetzt weiß Börnie eben auch so weltbewegende Dinge, wie oft ich im Kino war und ob es sich gelohnt hat, $ 5.99 für einen eher peinlichen Chick-Flick hinzulegen. Ob der Blog täglich, wöchentlich oder alle drei Tage erscheint – das wird sich zeigen. Schließlich peile ich damit kein Geschäftsmodell an. Auch das empfinde ich als einen Luxus, den ich nie hatte: Ich gönne mir künftig die Freiheit, den Erscheinungsrhythmus selber zu bestimmen.

Ahhh … die Gnade des Alterns.

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