Kein Schmu: Ich kann zaubern!

In Kanada ist der Winter lang. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen. Ich habe mir etwas Zauberhaftes ausgedacht und mich bei der “Magic Academy” eingeschrieben. Jetzt kann ich Wasser verschwinden lassen und ein Seidentuch aus dem Mund zaubern. Nur das mit den Jungfrauen zersägen habe ich noch nicht raus.

Ballon-Trick

“Magic Academy” ist ein großes Wort für ein kleines Zimmer, das an den Zauberladen angrenzt. Aber Nordamerikaner lieben nun mal große Worte. Also bin ich seit ein paar Jahren Absolvent der “Akademie der magischen Künste”. Mein Zauberlehrer heißt Guy und ist im Hauptberuf Anwalt. Das Zaubern hat er von seinem Vater gelernt. Der war Polizist.

“Magic Herby”: Bei besonderen Anlässen mit Zylinder

Ein anderer Zauberschüler ist bei der Montrealer Mordkommission. Außerdem saßen in meinem Lehrgang noch eine Redakteurin der Lokalzeitung und ein Ingenieur namens Pierre. Seitdem Pierre das Zauber-Zertifikat in der Tasche hat, nennt er sich “Pierrot le Magicien“. Wenn ich mein Zauberer-Jackett anziehe, hefte ich mir ein Schild ans Revers, auf dem “Magic Herby” steht. So einfach ist das hier.

Bei besonderen Anlässen setze ich einen Zylinder auf. Dass ich mit Jackett zaubere, muss sein. Meine Zuschauer können lange darüber rätseln, was ich in welcher Tasche verschwinden lasse.

Becher-Trick

Bescheidenheit ist nicht die Tugend des Zauberers. Deshalb gleich mal vorneweg: Ich kann ein paar echt tolle Tricks. Zum Beispiel nehme ich die Zeitung von heute, forme einen Trichter daraus und gieße Wasser rein. Dann falte ich die Zeitung einfach auseinander und blättere darin. Und es entweicht kein Tropfen Wasser. Dann der Knaller: Ich blase einen ganz normalen Luftballon auf und steche eine Stricknadel rein. Nichts. Nicht mal heiße Luft. Pure Magie.

Vor einigen Jahren war ich im Mekka aller Zauberer, dem “Magic Castle” in Los Angeles. Es ist eine alte Villa in den Bergen von Hollywood. David Copperfield hat dort seine ersten Tricks zum Besten gegeben. Ich war nur Zuschauer. Wer im “Magic Castle” Einlass begehrt, muss Referenzen haben. Mich hatte mein Zauberlehrer empfohlen. Einlass ist erst ab Mitternacht. Kleiderordnung: Ganz in Schwarz. Du klopfst am Portal an und eine ausgestopfte Eule streckt dir ihr Ohr entgegen. Da flüsterst du dein Zauberwort rein – und auf wundersame Weise öffnet sich die Tür. Jedes Zimmer ist einem anderen Medium gewidmet: Zaubern mit Münzen, Seidentüchern, Seilen und Spielkarten. Die Nacht im “Magic Castle” gehört zu den Highlights meiner Zauberer-Karriere.

Kinder lieben Zauberer. Aber nicht jeder Magier zaubert gerne vor Kindern. Zwerge haben einen sicheren Instinkt dafür, wie man einen Zauberer aus dem Konzept bringt. Beim Zaubern dreht sich alles um Timing. Und Ablenkung. Kinder kennen das perfekte Timing, wie sie dich ablenken können. Nie habe ich mehr unter meinem Zylinder geschwitzt als bei Kindergeburtstagen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich mein Hobby ausgerechnet in Montréal entdeckt habe. Harry Houdini, der berühmteste aller Zauberer, ist hier vor 85 Jahren gestorben.

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