Der Trucker-Pastor vom Highway 1

Wenn ich auf Reisen bin, kann ich leider nicht täglich bloggen. Deshalb der Griff ins Archiv. Hier finden Sie von Zeit zu Zeit die Textversion meiner Hörfunk-Reportagen. Die Manuskripte wurden nicht aktualisiert!

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WINNIPEG / MANITOBA

Trans-Canada-Highway-Number-One, irgendwo zwischen Kenora/Ontario und Winnipeg/Manitoba: Der Trucker Phil Cooder, 52, lädt seine Brummie-Kollegen über Walkie-Talkie zum Gottesdienst ein.

“Will irgendjemand von Euch da draußen über Jesus Christus reden? Bitte antwortet mir!”, krächzt es auf der Neunzehner-Frequenz in Hunderten von Lastwagen gleichzeitig. Oft finden sich dann drei, vier Lkw-Fahrer zum Gespräch über Funk. Stundenlang wird dann über Gott geredet, werden Hymnen gesungen, während der Laster mit hundert Stundenkilometern über den nächtlichen Highway braust.

Phil Cooder schippert Stahlseile durch Nordamerika – und das schon seit 30 Jahren. Dass er bei seinen Reisen quer über den Kontinent irgendwann zu Gott gefunden hat, wundert den ehemaligen “Bad Boy” selbst am meisten:

Phil Cooder ist Trucker und Seelsorger in einem – oft nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Der gebürtige Neufundländer gehört einer religiösen Bewegung an, die schon vor 50 Jahren in Kanada gegründet wurde, dann aber für lange Zeit in Vergessenheit geriet. Erst seit kurzem erlebt die Organisation “Transport for Christ” so etwas wie ein Comeback. Überall auf den Autobahnhaltestellen entlang der kanadischen Highways werden über Funk angekündigte Freilichtgottesdienste veranstaltet:

Pastor Paul Legere ist hauptberuflicher Trucker-Seelsorger. Er sitzt an diesem Morgen in einem Wohnmobil an der Autobahnraststätte Thunder Bay bei Toronto. Das Fahrzeug ist eine fahrende Kirche. Nur vereinzelt klopfen die Trucker zögernd bei ihm an.

Sie wollen reden: über ihre Familien, ihre Geldsorgen, über Gott und die Welt eben. Pastor Legere kennt das Leben der Trucker. Er war selbst einer, ehe er Pastor wurde.

Die Versuchungen werden nicht weniger sondern mehr. Die Anforderungen an den Trucker ebenso. Da hilft der Glaube, sagt der fahrende Pastor. “Transport for Christ” eben.

(Sendung vom 19-5-2001)

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