TV-Nachrichten splitternackt

Wenn ich auf Reisen bin, kann ich leider nicht täglich bloggen. Deshalb der Griff ins Archiv. Hier finden Sie von Zeit zu Zeit die Textversion meiner Hörfunk-Reportagen. Die Manuskripte wurden nicht aktualisiert!

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TORONTO / ONTARIO

Diane ist von Beruf Sprechstundenhilfe und liebt Katzen. Carmen verdiente bis vor kurzem noch als Modefotografin ihren Lebensunterhalt. Holly ist Jazz-Tänzerin mit einem Faible für Bücher. Victoria unterrichtet Yoga. Eines haben die vier Frauen gemeinsam: Sie sind jung, sie sind schön – und sie können gut reden. Mehr noch: Sie können gut reden während sie sich splitternackt ausziehen.

Denn Multi-Tasking ist Grund-Voraussetzung beim Internet-Service Naked-News. Die Moderatorinnen entblättern sich, während sie die Nachrichten verlesen – gelegentlich ein bisschen holprig.

Beim Erdbeben greift sich die Dame an die Bluse, bei der Arbeitslosenquote löst sich der BH und just als die Tierliebhaberin Diane über den Rinderwahnsinn in Deutschland plaudert, fällt auch das Höschen.

Produziert wird Naked-TV in Toronto von einer Dot.com-Firma, die sich E-Galaxy nennt. Mit angeblich über fünf Millionen Stamm-Besuchern verbucht der Service sensationelle Mausklick-Raten. Die täglich wechselnden Nachrichten sind, das muss man den Producern lassen, seriös gemacht und journalistisch in Ordnung. Bei der Präsentation sprechen die Internet-Anbieter eine Zielgruppe von Männern um die vierzig an. Eine gewisse Perversion gehört dazu, wenn man sich von einer Splitternackten erzählen lässt, dass es beim U-Boot-Manöver vor Hawaii Tote gegeben hat.

Bisher waren im Naked-News-Kanal nur Frauen zu sehen. Das soll bald anders werden: Per Zeitungsanzeige sucht die Produktionsfirma jetzt auch männliche Strip-Models. Zum Vorstell-Termin soll der Kandidat doch bitteschön die Badehose mitbringen, heißt es auf der telefonischen Band-Ansage.

Wie es mit der Bezahlung der News-Models aussieht, bleibt das Geheimnis der Kandidaten. Gemunkelt wird, dass sich das Honorar der Nacktrichten-Sprecherinnen an den Quoten  orientiert. Die werden nicht zuletzt daran gemessen, wie viele E-Mails während der Nachrichten-Übertragung an die jeweiligen Moderatorinnen eingehen.

(Sendung vom 21-2-2001)

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