Tram-TV: Mehr Spaß geht nicht

Es gibt immer noch Freunde, die überraschen mich. Andreas ist einer von ihnen. Wir kennen uns noch aus SWF3-Zeiten. Er: Der begnadete Moderator mit der Bärenstimme. Ich: Der Bären-Korrespondent aus einem begnadeten Land. Vom Mikrofon hat sich Andreas längst verabschiedet. Heute macht er Straßenbahn-Filme. Wir treffen uns in einem Wirtshaus in Köln.

„Tram-TV“ wurde von ein paar Jungs und Mädels gegründet, die viel Zeit und viel Talent haben. Und auch ein klein bisschen verrückt sind. Nach Straßenbahnen. Motto: „Wir sind Profis und engagierte Amateure. Und genau das ist der Trick.“

Im „3-Wagen-Tatra-Zug“ von der Haltestelle Beesen zur Soltauer Straße

Die erste elektrische Straßenbahn der Welt fuhr ab 1881 in Lichterfelde bei Berlin. Gebaut wurde sie von Siemens.

Manche Menschen bekommen glänzende Augen, wenn sie einen Lamborghini sehen, oder ein Rennpferd. Andreas gerät ins Schwärmen, wenn er von einem 3-Wagen-Tatra-Zug in Halle an der Saale erzählt. Zwischen den Haltestellen Beesen und Soltauer Straße haben er und seine Tramtruppe eine „Führerstandmitfahrt“ gedreht. So heißt das in Strassenbahnfilmemachersprech, wenn eine Digicam mit Saugnäpfen an die Windschutzscheibe einer Tram geklebt wird und drauf los filmt.

Die Führerstandmitfahrt-Filme sind im Online-Shop von Tram-TV zu haben. Oder auch im Buchladen des Kölner Hauptbahnhofs. Gedreht haben die Trammer schon in ganz Europa. In Blackpool und in Nizza, in Paris und auch in Wien. Und auch in Naumburg im wilden Osten. Sachsen-Anhalt.

Abenteuer auf Schienen: Von Weichen und Leidenschaften

Immer der Schiene nach: Tram-TV

Und immer geht es um Straßenbahnen, um Weichen, um Schienen und auch um Leidenschaften.

Andreas war erst ein leidenschaftlicher Radiomann und dann ein leidenschaftlicher Fernsehmoderator. Für die größten Sender Deutschlands hat er einem Millionenpublikum die Welt erklärt. Heute ist er leidenschaftlich gerne Rentner. Und erklärt Menschen, wie abenteuerlich eine Fahrt von Bochum nach Heven sein kann.

Borat wäre stolz auf das Team von Tram-TV: Zwar nicht in Kasachstan, dafür aber auf dem internationalen Dokumentarfilmfestival von Aserbaidschan gewannen die Kölner im Frühjahr die „Goldene Kurbel“.

Und der Kumpel aus Kanada hatte keine Ahnung

Andreas erzählt das alles zwischen Kölsch und Magenbitter und Kölsch und Linsensuppe. So, als wäre es das natürlichste der Welt, wenn ein bekannter Moderator das Fernsehstudio gegen den Führerstand einer Vorstadt-Tram eintauscht. Und freut sich dabei wie ein Schneekönig, dem Kumpel aus Kanada etwas verraten zu haben, von dem der bislang keine Ahnung hatte.

Vielleicht sollte man alten Freunden einfach öfter mal Fragen stellen. Dann bekommt man auch die Antworten dazu.

Mit der Tram 1 einmal quer durch Halle

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