Peter Maffay: Danke, Du!

Mein 2CV, Wäschetrockner inklusive, auf dem Parkplatz der Kreiszeitung (ca. 1972).

Eben habe ich mir im Internet die letzte „hart aber fair”-Sendung angesehen. Klasse. Einer der Gäste war Peter Maffay. Ein großer, kleiner Mann. 168 Zentimeter Power. Ich habe Peter Maffay 1972 getroffen. Als Lokalreporter für die Waiblinger Kreiszeitung. In meiner Stammdisco hatte er eine Autogrammstunde gegeben. Anschließend fuhr ich ihn mit meinem 2CV zum Interview in die Redaktion. Während der Fahrt im Döschwo schrieb er mit einem Filzstift auf die Sonnenblende: „Danke, Du! Peter Maffay”.

„DU“ war eine Zeitlang ein Schimpfwort unter coolen Jungs. Oder solchen, die sich dafür hielten. Auf meiner Sonnenblende sahen diese zwei Buchstaben aus wie ein Ritterschlag. „DU“ war eine Schlagerschnulze, die eigentlich gar nicht ging. Und doch wurde in deutschen Diskotheken während der 60er und 70er-Jahre vermutlich nie inniger geknutscht als zu den Tönen von „DU“. Mehr als ein halber Millimeter Körperabstand war bei diesem Song einfach nicht möglich. Als Plasberg jetzt bei „hart aber fair“ von Peter Maffay wissen wollte, ob dieses Lied Fluch oder Segen für ihn wurde, antwortete der ganz cool: „Es wurde ein Hit“.

Klar, dass die Sonnenblende bis zum Verkauf meines 2CV nie wieder gewaschen wurde. Wer sie berührte, musste mit Glacé-Handschuhen ran. Da war ich eigen. Ich wollte nie wieder ohne mein ganz persönliches Peter-Maffay-DU sein. Die Autofahrt und das anschließende Interview mit Peter Maffay waren meine erste Begegnung mit einem berühmten Menschen. Ich kannte sonst keinen, über den man in „Bravo“ lesen konnte. Er war schon damals ein Großer. Ob er, wie er jetzt bei Frank Plasberg schalkte, damals hohe Absätze getragen hat, um größer zu erscheinen, weiß ich nicht. Menschliche Größe in Zentimeter zu messen, war nie mein Ding.

Peter der Große machte sich eher klein. Er wollte die Druckerei sehen. Und die Setzerei. Die Männer, die Rotationsrollen vom Laster ins Lager schoben, begrüßte er einzeln mit Handschlag. Als ich ihn zum Mittagessen in die Verlags-Kantine mitnahm, verstummte dort die komplette Belegschaft. Stille. Mehr an Huldigung geht nicht im Schwäbischen.

Ich weiß noch genau, was es an diesem Tag zu essen gab: Gaisburger Marsch. Kartoffel-Gemüse-Spätzle-Eintopf. Frau Haug, die Frau des Hausmeisters, siezte Herrn Maffay beim Servieren. Der sagte: „Sie können ruhig DU sagen. Das machen doch alle.“

Frank Plasberg machte es in der „hart aber fair“-Sendung nicht. Dass Frank den Peter, den doch alle duzen, siezte, hat vermutlich mit ARD-Gepflogenheiten zu tun. Sicher auch mit Respekt. Diesen Respekt hat Peter Maffay verdient, finde ich. Ein Junge aus Rumänien, der mit seiner Band als Vorgruppe bei einem Stones-Konzert mit Kürbissen, Kartoffeln und Tomaten beworfen wird und trotzdem weiter macht – bravo!

Du, Peter: Danke!

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