Sprach-Killer unter uns!

Jetzt weiß man also, wer die „Döner-Morde“ auf dem Kerbholz hat. Und der „Pizza-Killer“ von Aschaffenburg hat auch lebenslänglich bekommen. Auch der „Mafia-Mörder“ von Duisburg sitzt hinter Schloss und Riegel. Fragt sich nur, wann endlich der „Sauerkraut-Killer“ geschnappt wird.

Etikette wie diese müssen Menschen mit Migrationshintergrund wehtun. Im kanadischen Journalismus sind solche Diskriminierungen undenkbar. Gut so!

So ein Titel? Undenkbar in Kanada!

Eine Kollegin, die an einem meiner Seminare teilgenommen hat, verfasste neulich einen treffenden Kommentar: Warum eigentlich Döner-Morde?“, schreibt Pinar Abut in der „Welt“-Kompakt. „Nur zwei der zehn  Opfer wurden in ihren Döner-Buden niedergeschossen. Das reicht dennoch nicht aus, diese Morde mit der Bezeichnung Döner-Morde ins Lächerliche zu ziehen.“

Dass die Autorin selbst türkischer Herkunft ist, tut hier nichts zur Sache. Oder sollte nichts zur Sache tun.

Bezeichnungen, die dazu dienen, ein ganzes Volk zu diskriminieren, oder zumindest durch den Kakao zu ziehen, gibt es natürlich auch in Kanada. Aber nur umgangssprachlich und so gut wie nie in der Presse. So wird ein Deutscher in geselliger Runde schon mal als „Kraut“ bezeichnet, oder ein Ukrainer als „Borscht“. Als „Paki“ gilt im Proll-Englisch ein Kanadier pakistanischer Herkunft. Als „Frogs“ werden in Kanada noch immer Franzosen tituliert, weil sie angeblich ihre Froschschenkel so lieben.

Pepsi-Werbung in Québec

Umgekehrt müssen sich meine frankokanadischen Freunde öfter mal anhören, sie seien alle „Pepsis“. Die Schimpfe kommt vor allem aus englischsprachigem Mund – Folge einer Marketing-Kampagne in den 60er-Jahren. Die richtete sich speziell an die als knausrig geltenden Québecer. Der Slogan: „Pepsi-Cola hits the spot. Twelve full ounces, that’s a lot“ (Anm.: Coke-Flaschen beinhalteten nicht 12, sondern nur 7 Unzen) „Twice as much for a nickel, too. Pepsi is the drink for you“. Manche behaupten, Französisch-Kanada habe den „Pepsi“-Titel auch abgekriegt, weil die Québecer lediglich eine Kopie des „real thing“ (in diesem Fall Frankreich) seien.

Afghanen = Kümmel-Mörder? Nicht in Kanada.

In Kingston (Ontario) wird zurzeit gegen eine kanadische Familie verhandelt, die vier Frauen ertränkt haben soll. Immer mal wieder weist die Presse darauf hin, dass die Angeklagten aus Afghanistan stammen. Das ist auch richtig so, vor allem wegen eines möglichen Tatmotivs, das auf „Ehrenmorde“ hinauslaufen könnte. Aber damit ist dann auch schon gut.

Ein Journalist, der die Angeklagten als Kümmel-Mörder bezeichnen würde, hätte seine berufliche Zukunft vermutlich hinter sich.

Schön, als Kraut in so einem Land zu leben.

 

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