Fremdschämen für Kanada

foto: yukonbay

Es gibt Zeiten, da bin ich richtig stolz darauf, Kanadier zu sein. In den letzten Tagen schäme ich mich allerdings ein bisschen für mein Land. Kanada hat sich beim Gipfel in Durban nämlich wie ein Umweltschwein benommen. Während der Rest der Welt unserem Planeten neue Lebensgeister einzuhauchen versucht, schlägt sich Kanada auf die Seite der Dreckschleudern. Und steigt aus dem Kioto-Protokoll aus.

Stolz bin ich auf Kanada meistens, wenn die USA sich politisch wieder einmal dermaßen daneben benehmen, dass Kanada eigentlich nur besser dastehen kann. Nehmen wir den Irak-Krieg: Ottawa war dagegen und hat den Amis die kalte Schulter gezeigt: Keine kanadische Rakete wurde abgefeuert. Ich hätte pausenlos die kanadische Flagge schwenken können.

Harper am Zügel der Wirtschaft - Foto: dapd

Umgekehrt könnte ich die Regierung in Ottawa zurzeit genauso pausenlos an die Wand nageln. Wer Bilder von verzweifelten Eisbären sieht, die unter den Tatzen keinen Halt mehr haben, weil ihnen das Softeis wegschmilzt, muss sich fragen, ob den Politikern eigentlich das Hirn eingefroren ist. Selbst China wundert sich über die Haltung Kanadas, und das will etwas heißen.

Auf den Punkt gebracht: Kanada steigt aus dem Kioto-Protokoll aus. Damit weigert es sich, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid gesetzlich zu begrenzen. Dabei hat es 2010 den höchsten CO2-Anstieg gegeben, der je verzeichnet wurde.

Und was macht Kanada? Genehmigt noch kurz vor dem Umweltgipfel in Durban ein neues Teersand-Projekt im Norden der Provinz Alberta. Selbst Leute, die hinter dem Projekt stehen, räumen ein: Jährlich werden eineinhalb Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft gejagt. Das entspricht dem Dreck von 270 000 Autos.

Wenn ich den kanadischen Umweltminister Peter Kent jetzt sehe, wie er ohne einen Hauch von Selbstzweifel in Durban sein sauberes Kanada verkauft, könnte ich schreien. Vor allem aber habe ich einmal mehr Zweifel an der Integrität nicht nur von Politikern, sondern auch von Journalisten.

Umweltminister Kent - Foto: TheStar

Mr. Kent war nämlich, ehe er von der konservativen Regierung ins Parlament berufen wurde, eines der bekanntesten kanadischen Fernsehgesichter. Stets tief besorgt über die umweltpolitischen Fehlleistungen in Ottawa. So jedenfalls hat er sich im Fernsehen verkauft. Bei diesem Mann hatte auch ich jahrelang das Gefühl: Der tickt wie du. Bei dem ist mein politisches Geiwssen gut aufgehoben. Doch kaum hatte er seinen Studiohocker geräumt und seine Familienfotos auf dem Ministerschreibtisch aufgebaut, war es damit vorbei. Plötzlich schlägt sein Herz für die Politik seines stockkonservativen Premierministers Stephen Harper. Und verteidigt Dreckschleuder-Projekte, die eigentlich jedem Kanadier die Schamesröte ins Gesicht treiben müssten.

Cool, Canada. So macht man sich Freunde.

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