Laudatio auf meine Latschen

Eigentlich sollte dieser Blog-Eintrag eine Lobeshymne auf meine alten Wanderschuhe werden. Leider haben sie mich gestern kläglich im Stich gelassen. Bei einem Spaziergang durch unseren Dorfwald wollten sie mich einen Abhang hinabstürzen sehen. Abgerutscht. Überschlagen. Einfach so. Böse Boots! Jetzt schmerzt die Schulter und mein Ego hat einen blauen Fleck. Kleine Laudatio auf meine Latschen.

Nein, Frau Sinatra, These Boots are not only made for walking. Auch für running. Und hiking. Und biking. Und boating. Und escpaping. Wenn Boots Bücher schreiben könnten, stünde in jedem Schuhregal ein Bestseller.

Den ersten Härtetest haben meine NorthFace im australischen Outback bestanden. Das war vor 15 Jahren. Dass ich den beschwerlichen Weg vom Wüstensand auf die Spitze von Ayers Rock geschafft habe, ist weniger meiner Fitness zuzuschreiben als meinen Stiefeln. Mit Tennisschühchen bezwingt man so ein Monstrum nicht.

Und weil es auf dem Uluru so gut geklappt hat, durften sich meine Boots kurze Zeit später gleich nochmal bewähren. Wieder in Australien. Diesmal aber richtig. Auf dem Weg zum Hostel in Alice Springs hatte mich ein Aborigine mit einer Eisenkette bedroht. Meine Stiefel waren schneller als der Gegner. Super, Boots!

Jahre später dann: Uruguay. Ein Kerl mit spitzen Stiefeln setzte mir in der Altstadt von Montevideo eine Knarre ins Genick. Vielleicht war es auch ein Finger. Oder eine Chorizo. Ich werde es nie erfahren. Der Gaucho verlangte „moneymoney“, sonst „bumbum“. Und wieder waren es meine Boots, die mich retteten. Sie trugen mich schnell in einen nahe gelegenen Markt. Danke, Boots!

Ihren wohl dramatischsten Einsatz hatten meine Schuhe in Manhattan. Dort mussten sie mit mir zehn Tage durch den Staub von Ground Zero waten. Sahen verzweifelte Angehörige von Terror-Opfern. Mussten mitanhören, wie mich ein Junge anflehte: „Nimm mich mit in die Trümmer. Ich will meinen Papa finden.“ Arme Boots.

Alles in allem hatten die WorldWideBoots jedoch ein beschauliches Leben: Campingtrips durch die Adirondacks, Radtouren in Québec, romantische Mallorca-Walks, atemberaubende Hikes in Alaska und im Yukon. Bergwanderungen in Südtirol. Dazwischen kilometerlange Spaziergänge durch Montréal, Ummendorf und Havanna. Und eine Kletterpartie in den Kopf der Freiheitsstatue. Toll gemacht, Boots!

Nur gestern, beim Walk durchs Wäldchen, wurde es noch einmal brenzlig für die alten Kameraden. Aufpassen, Boots!

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