Gletscher-Schmelze in der Arktis

Wenn ich unterwegs bin, kann ich leider nicht täglich bloggen. Deshalb hin und wieder der Griff ins Archiv. Hier finden Sie Manuskripte meiner Hörfunk-Reportagen. O-Töne können hier leider nicht eingestellt werden.


Die Beiträge wurden nicht aktualisiert. Deshalb: Kein Anspruch auf Vollständigkeit!

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AUJUITUK / NUNAVUT

Neunzehntausend Quadratkilometer Eis und Schnee: Kein Baum, kein Strauch, nur Gletscher, soweit das Auge reicht. Das ist Aujuituk, der größte Nationalpark des kanadischen Nordens. In Inuktitut, der Sprache der Inuit, heißt Aujuituk „Das Land, das niemals schmilzt.“

Dorthin, nördlich des Polarkreises, zieht es jedes Jahr Tausende von Abenteuer-Touristen. Sie kommen hierher, nördlich des Polarkreises, um die wohl spektakulärsten Gletscher Nordamerikas zu bezwingen. Doch in diesem Sommer kommen die Gletscher-Touristen nicht auf ihre Kosten: Das Eis schmilzt und ist brüchig. Matsch statt Gefrorenes – die Amerikanerin Anita J. hat schon viele Gletscher bezwungen. Die jüngste Expedition durch den Aujuituk-Park wäre ihr beinahe zum Verhängnis geworden.

Keine Frage: Der Treibhaus-Effekt hat jetzt auch die kanadische Arktis erreicht. Wo gewöhnlich um diese Zeit meterdicke Eisschichten zum Wandern einladen, bilden sich reißende Flüsse. Und das, sagt Pauline Scott von der Nationalpark-Verwaltung in Pangnirtung, kann höllisch gefährlich werden.

Mehrere Touristen mussten seit Beginn der Urlaubssaison aus lebensgefährlichen Situationen gerettet werden: Ein Australier war beim Überqueren eines Flusses im Eis eingebrochen. Eine Kanadierin wurde unverhofft vom Schmelzwasser umzingelt. Drei Tage und Nächte lang war sie verschollen. Dann erst entdeckte ein Hubschrauber-Pilot die verzweifelte Frau.

 „Wer sich in Gletschergebiete begibt, muss damit rechnen, einzusinken“, warnt eine Sprecherin der kanadischen Nationalparks. Doch es droht noch eine andere Gefahr: Ungewöhnlich viele Eisbären streunen diesen Sommer durch die Gletscher-Gebiete des kanadischen Nordens. In der Nähe von Iqaluit haben Polarbären eine Gruppe von Bergarbeitern angefallen. Bei Pangnirtung konnten sich Wanderer vor streunenden Eisbären gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Wegen der zunehmenden Gefahr durch Polarbären erwägt die kanadische Regierung jetzt eine Sonderregelung für die Besucher der nördlichen Nationalparks: In bestimmten Fällen sollen Gletscher-Wanderer schon bald Schusswaffen mit sich fűhren dürfen.

(Sendung vom 13-8-2001)

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