Kanada: Natur ohne Pfad

Kanada mag das zweitgrößte Land der Welt sein. Aber wer die Natur nutzen möchte, kommt schnell an seine Grenzen. Wandern verboten! Betreten verboten! Skifahren verboten! Schwimmen, reiten, campen, radfahren verboten! Ist dann der Spaß wirklich mal erlaubt, lässt sich der Besitzer den Zutritt teuer bezahlen. Und der Besitzer ist meistens der Staat.

Wir wohnen mitten in einem Waldgebiet. Paradiesische Verhältnisse für Gassi gehen, Mountainbiken, Skilanglauf und Spaziergänge. Denkt man. Das Gegenteil ist der Fall: Der einzig begehbare Waldweg ist in Privatbesitz. Jede Menge Verbotsschilder lehren dich das Fürchten. Dann eben nicht.

Oka-Park: $ 10.87 pro Person.

Wir wohnen in der Nähe des Lake of Two Mountains. Paradiesische Verhältnisse für Spaziergänge am Ufer des Sees. Denkt man. Das Gegenteil ist der Fall: Der einzig begehbare Uferstreifen gehört zu einem beliebten Ausflugs-Restaurant. Wer nicht im „Willow Inn“ einkehrt, hat dort nichts zu suchen. Also, dann eben auf die andere Seeseite, nach Oka. Schade: Die hübsche Strandpromenade ist restlos zugebaut. Mehr als 50 Meter ans Ufer kommt keiner ran, dem nicht eines der Seegrundstücke gehört. Das heißt, doch: Wer zuvor einen kleinen Nationalpark durchquert, darf auch ans Wasser. Doof nur: Der Tagespass für den Park kostet $ 10.87 pro Person. Langlaufskifahren im Winter? Nicht, wenn die Zehnerkarte $ 86.98 kostet. Pro Person.

Blick auf den Lac Dufresne: Die frohe Aussicht kostet Geld

In der Nähe unserer Blockhütte lädt ein Berg zum Besteigen ein. Nicht sehr hoch, aber hübsch, mit einer richtig schönen Aussicht von oben. Schade: Wer die frohe Aussicht genießen möchte, muss erst mal richtig tief ins Portemonnaie greifen.

Ich könnte Dutzende von Beispielen dieser Art aufzählen, allein in unserem Umkreis. Wenn es um Wanderwege, Rastplätze und Skiloipen oder überhaupt Freizeitmöglichkeiten geht, ist es ganz schnell vorbei mit der viel gepriesenen kanadischen Freiheit. Eine Ausnahme sind dabei die National- und Provinzparks. Aber die kosten – siehe oben – Eintritt. Ein Glück, dass wenigstens die Stadt Montréal ein Netz von tollen Spazierwegen hat. Aber mal im Ernst: Zum Wandern in die Stadt? Was ist das denn?

Lac Dufresne: Kohle für Blick.

Und weil der Staat so gerne den Riegel vorschiebt, wenn es um Freizeitspaß geht, weichen Viele, die gerne mal eine Runde in der frischen Luft drehen, auf Privatgrundstücke um. Zum Beispiel auf Angell Woods, nicht weit von hier. 80 Hektar Land. Spaziergänge, Gassi gehen, Radfahren. Toll. Jahrelang ging alles gut. Die Besitzer ließen Besucher ihres Privatgrundstücks einfach gewähren. Das war nett von ihnen.

Ohrfeige für den Sicherheitspolizisten: Ich will mehr Land!

Als jedoch die Stadtverwaltung jetzt damit anfing, sich mit den riesigen Parkanlagen zu brüsten und Besucher sogar offiziell einzuladen, sich dort zu erholen, platzte den Landbesitzern der Kragen. Sie riegelten das Gebiet ab, stellten Warnschilder auf und lassen das Gelände neuerdings von Sicherheitspersonal bewachen. Jetzt kam es zum Eklat. Eine Frau, frustriert über den Verlust ihres Stammwäldchens, verpasste einem der security guards eine Ohrfeige.

Körperverletzung wegen Landmangels. Im zweitgrößten Flächenstaat der Welt.

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