Ballermann ohne Ballaballa

Und wo bitte geht’s zum Ballermann? Zur verrufendsten Partymeile Europas? Zum Kotztempel der Balearen? Wo der deutsche Proll in Sandalen und braunen Wollsocken das Bier eimerweise mit dem Strohhalm säuft und dabei Schöne Maid grölt? Wo Jeder Jede in den Schritt fasst und noch schlimmer? Bisher: Fehlanzeige.

Seit fünf Tagen sind wir jetzt auf Mallorca. Aber bis heute habe ich noch keinen Krakeeler gehört, keinen Besoffenen gesehen. Und Sex on the Beach gibt‘s allenfalls auf der Getränkekarte. Und überhaupt: Wo bitte steht Jürgen Drews Bett? Im Kornfeld jedenfalls nicht.

Im Frühjahr ist der Ballermann, oder S’Arenal, wie die Vergnügungsmeile außerhalb von Palma bei den Locals heißt, ein richtig schöner Flecken Erde. Die Invasion der Barbaren kommt bestimmt. Aber bis dahin bin ich längst wieder im kanadischen Busch. So lange genieße ich noch den Blick auf die Traumkulisse von Palma, mit der Kathedrale vorne, dem Yachthafen links und den schneebedeckten Gipfeln des Tramatura-Gebirges zur Rechten.

Es gibt Schlimmeres, als nach einem 15-Kilometer-Walk von Palma nach S’Arenal bei Tapas und Vino Blanco den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Das Ganze bei sommerlichen Temperaturen, im kurzärmeligen Hemd.

Der angeblich so peinliche Paradestrand der Deutschen auf Mallorca ist um diese Jahreszeit blitzsauber. Der Service in den Restaurants könnte nicht besser sein. Und im Vergleich zu Montreal bewegen sich die Preise auf Sommerschlussverkaufs-Niveau. Kein Gedränge auf der fast ausgestorbenen Hauptstraße. Mal abgesehen von ein paar nervigen Radfahrern, die immer noch nicht kapiert haben, dass Sport Mord ist, herrscht hier nur Friede, Freude, Ensaimada.

Ballermann-Bashing? Ohne mich. Zumindest bis jetzt.

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