Mein neues Baby ist da!

Ich hab’s getan. Und fühle mich kein bisschen schlecht dabei. Im Gegenteil: „Du strahlst ja, als kämst du direkt aus dem Bonbonladen“, freut sich der Sohn. Und die Frau an meiner Seite wähnt mich ohnehin schon seit Stunden im siebten Himmel. Kein Wunder: Mein jüngstes Baby hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ein Ende der Glückseligkeit ist nicht in Sicht.

Mein Kleiner wiegt gerade mal drei Pfund und heißt MacBook Air. Nach fast 30 fetten PC-Jahren habe ich mich für die schlanke Version entschieden und den coolsten Laptop gekauft, den ich je hatte. Und das will etwas heißen.

Der Erste: TRS-80 von Radio Shack

Schon 1983 läutete ich das Computerzeitalter mit einer Plastikbox mit dem schönen Namen TRS-80 Model 100 von RadioShack ein. Danach kamen zahllose Desktopgeräte und Notebooks. Mit vielen Glücksmomenten und fast genau so vielen Abstürzen.

Dass die PC-Ära, zumindest im Notebook-Bereich, seit heute der Vergangenheit angehört, hat nicht nur technische Gründe. Es ist auch eine Frage der Ästhetik. Ein Apple-Computer ist mehr als ein Werkzeug, mit dem man im Internet surfen und Blogs schreiben kann. Ein Mac ist ein Meisterwerk, „A Piece of Art“, wie mir mein Londoner Freund Mike eben per Skype beipflichtet.

Der neue: MacBook Air

So dünn. So schön. So geschmeidig. Und dabei mit einem Muskelpaket ausgestattet, das Arnie wie den Suppenkasper aussehen lässt. Der Mac ist wie eine tolle Frau. Er kann alles. Und er verzeiht alles. Geht charmant über die Unsensibililäten meiner Ummendorfer Wurstfinger hinweg. Ermahnt mich nicht, wie Windows das gerne tut. Und strahlt mich mit seiner beleuchteten Tastatur an wie ein Honigkuchen auf Steroid.

Dabei hätte ich ums Haar den Bogen wieder nicht gekriegt. Noch vorgestern siegte der Bedenkenträger in mir, der sich zum hundertsten Mal von der angeblichen Unverträglichkeit von Windows-Programmen mit Apple-Produkten einschüchtern ließ und erneut einen PC ins Haus schleifte. Diesmal war es ein schlankes Ultrabook von Hewlett Packard, ein wirklich feines Teil. Nur: So richtig glücklich machte mich das Neue nicht. Zu sperrig im Anschlag, zu düster im Display, zu naseweis. Zu Windows eben.

Der Weg zurück in den Computerladen ist mir nicht leicht gefallen. „Wo ist das Problem?“, will die Managerin wissen, die zur Geldrückgabe an die Kasse kommen musste. „Das Problem ist, dass der Laptop hier zwar so tut, als wäre er ein Mac, in Wirklichkeit aber immer noch ein PC ist.“ „Und was ist so schlimm an einem PC?“, will die Computerfrau jetzt wissen. „Niiiichts!!!! Gar nichts!.“

Nur, dass es eben kein Mac ist.

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