Nie wieder Salatbesteck!

Man müsste öfter umziehen. Nicht alle 24 Jahre, wie wir das gemacht haben. Jedes Jahr einmal. Ach was, jeden Monat. Mindestens. Es besuchen dich plötzlich Menschen, die Prosecco und Blumen mitbringen und du bekommst liebevolle Mails mit gedachtem Salz und Brot. Und dann all die Essens-Einladungen!

Die erste kommt vom Sohn. Der will, dass wir uns in unserem neuen – und seinem alten – Viertel wohlfühlen und lädt uns deshalb zum Italiener in St. Henri ein. Wir waren schon mal vorkosten. Die Pasta schmeckt himmlisch, der Wein göttlich. Es lohnt sich, dort hinzugehen. Die Einladung lösen wir irgendwann mal ein, wenn uns der Schweiß nicht mehr in die Suppe tropft und die Touristen die besseren Plätze wieder den Einheimischen überlassen. Uns Einheimischen!

Die zweite Essenseinladung kam vom Makler. Der hat unser Haus so professionell beworben, dass eine junge Familie gar nicht anders konnte als die Immobilie schließlich zu kaufen. Zu einem Preis, der nicht nur uns glücklich stimmte, sondern ganz offensichtlich auch den Makler. Man denke nur an seine Provision.

Kleine Portion, großer Preis: Das Restaurant mit dem accent ague

Der Häusermakler ließ sich nicht lumpen. Der Essensgutschein, den er uns geschenkt hat, ist für ein Restaurant mit einem accent ague, in dem die Portionen so klein sind, dass du sie mit der Lesebrille suchen musst. Dafür sind die Preise so hoch, dass Leute für ein Abendessen glatt ihre Lebensversicherung beleihen.

Dafür gibt’s dann aber auch gehobelte und in Himbeerwasser marinierte Trüffelchen mit Wasabischaum, das Ganze auf einem Bett von exotischen Kräutern, deren Namen ich nicht aussprechen kann. Aber man ist ja für alles offen.

Tipp vom Insider: Fritten vor der Hauptmahlzeit

Das mit den Miniportionen weiss ich übrigens von Freunden, die dort diniert haben. Hinterher haben sie bereut, dass sie sich auf dem Weg zum Restaurant nicht kurz bei Burger King Fritten auf die Hand gekauft haben. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir in so einem Food Tempel auch noch satt werden wollten.

Das Vorkosten haben wir uns übrigens angesichts des Preis-Speisungsverhältnisses geschenkt.

Und jetzt noch Post aus Winnipeg. Eine gute Freundin aus meinen Manitoba-Tagen beschenkt uns mit feinen Gedanken zum neuen Zuhause und wünscht guten Appetit im Steakhouse, Essensgutschein inklusive. Vorkosten nicht nötig, wir kennen den Laden. Passt.

Steak statt Spätzle für den Schwabokanadier

Wie sich die Zeiten doch ändern: Als ich in den 70er-Jahren als junger Reporter nach Kanada kam, war es genau diese Frau, die mich mit Flädlessuppe, Maultaschen und Kässpätzle hochpäppelte, wenn mal wieder das Heimweh nagte. Und jetzt anstelle der schwabokanadischen Variante eben Steak statt Spätzle. Damit lässt es sich wunderbar leben.

Dankenswerterweise denken unsere Freunde mit, wenn es ums Beschenken geht. Keiner hat bisher etwas zur Inneneinrichtung im neuen Loft beigetragen. Keine Bilder, kein Tranchiermesser, nicht einmal Salz- und Pfefferstreuer. Das ist uns geschmackstechnisch sehr recht, denn Schöner Wohnen ist ja schon etwas sehr Individuelles. Abgesehen davon könnte uns jetzt ein neues Salatbesteck vor ein echtes Raumproblem stellen. Von einer Blumenvase ganz zu schweigen.

Wie sinnvoll sind angesichts solcher Bedenken doch Geschenke, die sich in nichts auflösen. Oder so ähnlich.

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