Zwei Bravos für die Separatisten!

Na bitte, geht doch: Ich komme seit der Wahl der separatistischen Parti Québecois vor einer Woche nicht mehr aus dem Staunen heraus. Was die liberale Vorgänger-Regierung unter dem gescheiterten Jean Charest in neun Jahren nicht fertig brachte, schaffte seine Nachfolgerin Pauline Marois jetzt in weniger als einer Woche.

Erste Überraschung: Die Separatisten haben angekündigt, Québecs einziges Kernkraftwerk Gentilly Ende des Jahres abzuschalten. Das ist die beste Nachricht seit langem. Vorgänger Jean Charest hätte, wäre er wiedergewählt worden, den 30 Jahre alten Meiler für zwei Milliarden Dollar aufgerüstet. Grrrrhhhh …. Gänsehaut!

Auch ohne das AKW Gentilly werden Quebecer Stromkunden nicht darben: Die zweitgrößte Provinz Kanadas bezieht lediglich 3 Prozent des Energiebedarfs aus Atommeilern. Den Rest liefern Wasserkraftwerke. Die sind ohnehin nicht ganz ausgelastet, so dass es kein Problem sein dürfte, den Verlust atomarer Energie durch erneuerbare Wasserkraft aufzufangen.

Zweite Überraschung: Die Separatisten haben angekündigt, die größte und wohl auch letzte Asbestmine Kanadas zu schließen. Auch davor hatte sich die liberale Vorgängerregierung seit Jahren gedrückt. Schlimmer noch: Jean Charest hatte den Bewohnern des Städtchens Asbestos, unweit von Montréal, während des Wahlkampfs sogar zugesichert, den Betrieb wieder in vollem Umfang aufzunehmen.

Die Parti Québecois, die künftig eine Minderheitsregierung im Landtag von Québec stellen wird, macht die Asbestmine dicht. Arbeiter, die dadurch ihre Jobs verlieren, sollen fair entschädigt werden. Gut so! Asbest ist ein Teufelszeug, das Hunderttausende auf dem Gewissen hat und fast nur noch in Drittweltländer exportiert wird. Mit einer Industrie, die viele Menschen in den sicheren Tod schickt, will sich die neue Regierung jedoch nicht ins Bett legen. Bravo!

Enttäuschung: Dass die Separatisten die Sprachengesetze weiter verschärfen wollen, die verhasste Sprachenpolizei mit noch größerer Macht austattet und damit englischsprachigen Quebecern das Leben schwer machen wird, tut angesichts der sonst so klugen und von Menschlichkeit geprägten Entscheidungen der neuen Regierung richtig weh. Schade eigentlich.

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