Oktoberfest mit Bier im Becher

Es gehört schon ein wenig Chuzpe dazu, mit einem umgehängten Oktoberfestherz in den Airport-Shuttle von Dorval nach Downtown Montreal zu steigen – und das in nüchternem Zustand. Aber was tut man nicht alles aus Freude über ein Gastgeschenk, das die Frau an deiner Seite aus München mitgebracht hat. Zum ersten Mal in ihrem Leben war Lore mit Freunden über die Wiesn geschlendert. Das Herz als Mitbringsel musste sein.

Ochsen am Grill und Bierkrüge so groß wie Gießkannen sind nicht jedermanns Sache. Man muss das Oktoberfest auch nicht mögen, aber man sollte es einmal erlebt haben. Als Kinder waren wir häufig auf der Wiesn. Aber das letzte Mal, dass ich ein Herz-am-Bandl um den Hals hängen hatte, ist fast 50 Jahre her. Und jetzt kommt also Lore aus Deutschland angereist und bringt mir wieder eins. Wie schön!

In Kitchener tanzt der Bär

Oktoberfeste gibt es auch in Kanada, das größte davon in Kitchener/Ontario, nicht weit von Toronto. Ich war, um ehrlich zu sein, nie dort, habe mir aber sagen lassen, dass dort der Bär tanzt. Was immer das in Kanada heißen mag. Früher hieß Kitchener übrigens wegen seiner stark vertretenen deutschen Bevölkerung „Berlin“. Es gab jedoch, wie wir wissen, in der Geschichte eine Phase, als deutsche Bezeichnungen keine so richtig gute Idee mehr waren. Also einigte man sich wieder auf Kitchener.

Auch zu meiner Zeit in Winnipeg/Manitoba wurde jedes Jahr Oktoberfest gefeiert. Ich glaube mich erinnern zu können, dass aus Marburg jahrelang ein freundlicher Herr in Sepplhosen eingeflogen wurde. Der zog dann eine Woche lang als „Mister Oktoberfest“ ein Bühnenprogramm ab und fiel vor allem durch seinen drolligen deutschen Akzent auf. Irgendwann verschwand der Pseudo-Bayer dann wieder und lebte ein vermutlich beschauliches Leben an der Lahn.

Statt Bierzelt eine Eishockey-Arena

So richtig erwärmen konnte ich mich für diese Festivitäten nie. Vielleicht liegt es daran, dass das Oktoberfest nicht in Zelten stattgefunden hat wie in München, sondern in einer überdachten Eishockeyarena. Ein anderer Grund für meine Abneigung gegen Volksfest-Kopien dieser Art sind die Plastikbecher, aus denen Bier, Schnapps und Wein getrunken werden.

Dass es für die Veranstalter durchaus Sinn macht, Plastik statt Glas- oder Steinkrüge zu servieren, leuchtet ein. Keine Schlägereien, bei denen das Opfer einen Bierkrug aufs Haupt kriegt und auch sonst keine Scherben. Trotzdem: Bier gehört nicht in den Plastikbecher und Wein noch weniger. Andererseits erinnere ich mit Schrecken an eine Szene während des Kölner Karnevals. Nach einer der närrischen Nächte verwandelte sich der „Alte Markt“ in eine Müllkippe mit Tausenden von zerdepperten Bier- und Weinflaschen. Lustig ist anders.

Das mit den Festivitäten ist in Kanada so eine Sache. Klar, es ist schön, wenn man  ohne Scherben im Kopf auch nach einer feuchtfröhlichen Nacht noch den Heimweg antreten kann. Aber muss es denn immer gleich sooo gesittet zugehen? Bei den meisten Open-Air-Festivals, die ich hier besucht habe, war es streng verboten, Alkohol hinter die Eingangsschranken zu schmuggeln. Das Sicherheitspersonal durchsucht Taschen und Rucksäcke nach Bier und Schnapps – kein einladender Auftakt für ein fröhliches Fest.

Dabei können auch Kanadier ganz gut feiern. Vor allem die Frankokanadier hier in Québec sind für ihre Parties bekannt. Aber so richtig in Stimmung kommt man nur schwer, wenn die Verbotsschilder („No Smoking!“ „No alcohol, No drugs!“) prominenter sind als die Bühnendekoration.

Kanadagänse? Alles Kacke!

Überhaupt mag der Kanadier seine „Don’t-do-list„.  An einem Teich habe ich neulich Schilder gesehen, auf denen vor dem Füttern von Kanadagänsen gewarnt wird. Dass Tiere in der freien Wildbahn nicht gefüttert werden sollen, liest man ja auch in Deutschland öfter. Bizarr fand ich jedoch die Begründung für das kanadische Fütterungsverbot: Jede Gans hinterlässt angeblich pro Sitzung 100 Gramm Kacke. Diese Menge, so hieß es auf den Verbotsschildern, sei völlig unakzeptabel und stelle einen Verstoß gegen die Umweltbestimmungen dar. Ganz ehrlich? Ich finde eher, so ein Fütterungsverbot ist ein Verstoß gegen den Tierschutz.

Wobei wir zwar nicht wieder beim Oktoberfest wären, aber trotzdem: Prost!

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