Meine Multikulti-Filmtruppe

Als Schauspieler zu arbeiten, ist kein Zuckerschlecken. Gleich gar nicht, wenn man blutiger Anfänger ist wie ich. Der erste Drehtag war anstrengend und leider nur mäßig erfolgreich. Die Szenen, die heute aufgenommen wurden, müssen fast durch die Bank neu gedreht werden.

Das hat zum Teil mit dem Wetter zu tun, ein bisschen auch mit der Technik. Aber auch mit der Chemie untereinander. Die stimmt zwar beim Frühstück, beim Essen, beim Geschichten erzählen in der Küche der Lodge, wo wir wohnen und arbeiten. Aber beim Dreh selbst hat es zwischen uns noch nicht so richtig Klick gemacht.

Dabei könnte die Truppe nicht liebenswürdiger sein. Da ist John, Mitte 60, der sich als Bühnenschauspieler und in ein paar Filmen einen ordentlichen Namen in Montreal gemacht hat. Gebürtiger Ire, fröhlich, offen mit einer wunderbaren Herzensbildung.

Luca, 23, lebt vom Film und für den Film. Johnny Depp-Typ. Vater Italiener, Mutter Algonquin-Indianerin und das, was man hier als „Chick Magnet“ bezeichnet. Auf Typen wie ihn müssen die Frauen einfach fliegen. Denke ich mal.

Julien aus Paris. Hat jahrelang in Frankreich Film und Theater gemacht, ehe er nach London übergesiedelt ist. Dort hat er drei Jahre hauptsächlich Studioarbeit geleistet. In meinen Augen der beste Schauspieler am Set. Ein Clown, obwohl er, wenn er sich unbeobachtet fühlt, immer ziemlich düster dreinschaut.

Zoë, 50, Halbgriechin, Fotografin mit beeindruckendem Portfolio. Hin und wieder mal eine kleine Filmrolle. Die Verschwiegene am Set. Vielleicht auch die Nachdenkliche. Am Samstag unterbricht sie die Dreharbeiten mal kurz für ihre Hochzeit. Einen Tag später wird sie bereits wieder hier sein. Wahnsinn, was manche Leute tun, um in einem Film mitspielen zu können.

Raquel, 27, Frankokanadierin mit einigen Filmen im Resümee. Piercing, hübsch und sicher auch sehr talentiert. Kann aber vom Filmen leider nicht leben. Macht deshalb gelegentlich Musik in Las Vegas, fotografiert in irgendwelchen Studios oder arbeitet als Kellnerin in einer angesagten Montrealer Bar.

Und dann ist da noch Sterling, der Regisseur. Eigentlich Dokumentarfilmer und Musikvideoproducer. „Belle“ wird sein erster 90-Minuten-Featurefilm sein. Mitte 30, hochmotiviert, professionell und einfach nur ein klasse Typ. Für ihn ist dieser Film mehr als eineinhalb Stunden Unterhaltung. Er will sich damit auch in diesem Genre einen Namen machen.

Thibeau ist Sterlings rechte Hand. Regieassistent, Tonmensch, der Mann für die gute Laune am Set. Dreadlocks, Mitte 20, Belgier, Eltern Kongolesen. Hat zwei Jahre auf Mallorca als Animateur gearbeitet und legt, wenn er nicht gerade Musik auflegt, das beste Barbecue-Chicken aller Zeiten auf den Grill.

Diese manchmal etwas chaotische, aber immer liebenswerte Multikulti-Truppe will es also innerhalb der nächsten Wochen schaffen, einen Film an den Start zu bringen, für den sich nicht nur keiner schämen muss, sondern jeder stolz darauf sein kann.

Schaun mer mal.

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