Es darf gelacht werden

Entschuldigung, aber ich muss schon wieder über den Film schreiben, den wir zurzeit drehen. Es sind einfach zu viele Erfahrungen auf einmal, die da auf mich hereinschneien. Und wenn ich sie nicht gleich aufschreibe, dann verschwinden sie vielleicht irgendwo im Nirwana. Und das wäre ein Jammer. Nicht für die Menschheit, aber für mich.

Zu behaupten, dass die Dreharbeiten bisher eine tolle Erfahrung gewesen sind, würde der Intensität, die mit so einer Aktion einhergeht, nicht gerecht werden. Das Leben in der Lodge, wo die komplette Crew nun schon seit mehr als einer Woche wohnt und arbeitet, hat etwas von einem Jugendherbergs-Aufenthalt für Erwachsene. Man steht zusammen auf, isst zusammen, geht oder fährt gemeinsam zum Drehort, kommt abends wieder zusammen zurück und ist zwar richtig geschafft, aber auch richtig zufrieden.

Die meisten im Team sind jung, zwischen Anfang 20 und Mitte 30. Dass das Zusammenleben zwischen ihnen, John und mir (er 65, ich 63) trotzdem wunderbar klappt, grenzt fast schon an ein Wunder. Es gäbe so viel Potential für Reibungsflächen, bedingt durch Zeitdruck, Logistik, Wetter, spezielle Befindlichkeiten – aber es hat bisher nicht ein einziges Mal im Getriebe geknirscht. Im Gegenteil, auch nach einem zwölfstündigen Drehtag sitzen wir gerne und ohne Not gemeinsam am Tisch, essen zusammen, surfen im Web, machen oder hören Musik und freuen uns über die vielen schönen Dinge die uns der Drehtag wieder beschert hat. Zickenfaktor: Null.

Abgesehen von der sozialen Komponente, die mir dieser Dreh beschert, finde ich vor allem die Filmerfahrung selbst super spannend. Und lustig. Die Szene mit dem Kanu, zum Beispiel. Luca, mein Tonmann im „Film im Film“, musste mit mir zusammen im Kanu um eine kleine Insel herum auf dem Lac Cornu paddeln. Irgendwas stimmte nicht, wir kamen beide nicht richtig voran.

Am Dock, von wo aus das Kamerateam uns filmte, wunderten sie sich schon über unser ungelenkes Navigieren auf dem See und wurden langsam ungeduldig. Irgendwann war die Szene dann abgedreht. Abends, beim Anschauen der „dailys“, der tagsüber aufgenommenen Clips also, war klar: Wir hatten im Kanu die falsche Sitzposition eingenommen. Eigentlich verständlich, dass kein Tempo zustande kommt, wenn du im Boot mit der stumpfen Seite voraus ins Wasser stichst. Sterling, der Regisseur, kommentierte den Irrtum gelassen: „Das kommt davon, wenn ein Italiener und ein Deutscher im Kanu auf einem kanadischen See unterwegs sind.“ Ob die Szene nachgedreht werden muss, steht noch nicht fest.

Mit Sicherheit nicht als Teil des Film zu sehen sein wird jedoch diese Szene, die auf mein Konto geht: Damit die Akteure vor laufender Kamera nicht aus dem Bild „aussteigen“, werden für bestimmte Szenen so genannte „Marker“ gesetzt. Das sind Sandsäcke, die ein Entfernen aus dem Kamera-Aufnahmefeld schwierig machen. Und was macht ein blutiger Anfänger wie ich? Stolpert gleich bei der allerersten Szene über den Sandsack.

Sterling, der gute Mensch von der Regie, geriet auch darüber nicht in Panik. Im Gegenteil: Das wird ein klasse „Blooper“, meint er. „Bloopers“ heißen die Szenen, die beim Dreh in die Hose gingen und manchmal im Abspann des Filmes gezeigt werden.

Kleiner Trost: Wenn ich es bei meinem Schauspieltalent schon nicht in den Eröffnungstrailer schaffe, dann wenigstens mit einer Lachnummer in den Abspann.

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