Neues vom Montrealer Sumpf

Es gibt viele Gründe, nicht in den Ruhestand zu gehen. Man hat Spaß an der Arbeit, will seine sozialen Kontakte nicht aufgeben, braucht die Extra-Kohle. Oder aber man mag einfach nicht auf die schönen Bestechungsgeschenke verzichten, die so ein Job bei der Montrealer Stadtverwaltung mit sich bringt.

Das war der Grund, warum der für viele städtische Bauvergaben zuständige Ingenieur Luc Leclerc auch sieben Jahre nach dem offiziellen Ruhestand noch an seinem Schreibtisch klebte.

Ingenieur Luc Leclerc (Screenshot der CBC-Website)

Unglaublich, was die Untersuchungskommission so alles zum Vorschein bringt, die nun schon seit Wochen Aufklärung über die Korruption im Montrealer Rathaus bringen soll. Monsieur Leclerc ist nur eines der vielen Rädchen, die von der Bauindustrie geschmiert wurden. Mehr als eine halbe Million Dollar habe er im Laufe der Jahre an Bakschisch eingesackt, gab der Mann jetzt zu. Dafür, dass er bei der Vergabe von Straßenbauprojekten und Brückenbauten das letzte Wort hatte, ließ er sich von den Firmen oft mit 25 Prozent und mehr schmieren.

Lkw-Kolonnen mit Bestechungsgeschenken

Besonders gut ging es Leuten wie Leclerc um die Weihnachtszeit herum. Da seien ganze Lkw-Kolonnen vor dem Rathaus vorgefahren, um ihre Bestechungsgeschenke abzuliefern. Ob er sich denn nicht schlecht dabei vorgekommen sei, Geld, Luxusreisen und hochwertige Güter von Baufirmen in Empfang zu nehmen, denen er die Aufträge zuschanzte, wollte die Vorsitzende der Untersuchungskommission von Monsieur Leclerc wissen. „Schlecht?“, grinste der zurück, „wieso denn auch? Alle anderen habe es doch auch getan“. Erst auf Drängen der Kommissionsvorsitzenden liess sich der ungetreue Diener dann doch noch zu einem kleinlauten „I’m sorry“ bewegen.

Erst als der Stadtrat von Montreal eine Ethik-Kommission einsetzte, um Bestechungs-Gerüchten auf den Grund zu gehen, nahm Luc Leclerc seinen Hut. Seither führe er ein recht sorgenfreies Leben sagt er. Danke, es gehe ihm gut.

Die Stadt der einstürzenden Neubauten

Dafür geht es der Stadt Montreal umso schlechter. Die Metropole gleicht einstürzenden Neubauten. Ganze Straßenzüge mussten aufgerissen werden, weil bei den Bauarbeiten geschludert wurde. Brücken bröckeln oder stürzen ein, es gab bereits Tote.

Zurzeit ist die Stadt mit ihren dreieinhalb Millionen Einwohnern übrigens führerlos. Der Oberbürgermeister hatte in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen sein Amt niedergelegt. Mehrere hochrangige Bedienstete ebenfalls. Noch diesen Monat soll ein Interimschef fürs Rathaus gewählt werden.

Na, dann mal viel Glück!

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