Schön, schnell, reich, berühmt.

IMG_1994Man kann über Autorennen denken, wie man will: Die Formel Eins tut Montréal gut. Nicht nur pumpen die mehr als 300.000 Besucher um die 90 Millionen Dollar in die Wirtschaft. Die Woche vor dem „Großen Preis von Kanada“ am kommenden Sonntag zaubert meiner Stadt endlich mal wieder jenes Lächeln ins Gesicht, das ich in letzter Zeit häufig vermisst habe.

War es der lange Winter? Ist es die schwächelnde Wirtschaft? Haben mich drei Monate Mallorca „versaut“, wie mein ziemlich bester Freund mutmaßt? Hat sich womöglich an meiner eigenen Einstellung zum Leben in Kanada etwas geändert? Irgendwie dümpelt in letzter Zeit mein Enthusiasmus für die von mir sonst so geliebte Stadt Montréal ein wenig vor sich hin.

Doch jetzt sieht die Welt plötzlich wieder heiterer aus. Wer an einem lauen Frühsommerabend einen Spaziergang über die Rue Ste.Cathérine, die Crescent Street oder die Avenue de la Montagne macht, kann sich dem Zauber nicht entziehen, den dieses Weltsport-Event mit sich bringt.

Clubber aus Italien stehen vor den angesagten Discos Schlange, die Straßencafés bis auf den letzten Platz besetzt. Hin und wieder ein bekanntes Gesicht, ein Mini-Auflauf mit Blitzlichtgewitter aus dem Handy. Was im Showbusiness Rang und Namen hat, lässt sich irgendwann bei der Formel Eins sehen.

f1_shirtBei mindestens 20 Formel-Eins-Rennen war ich als Reporter dabei, übrigens schon viele Jahre vor meiner späteren Akkreditierung für die ARD. Es waren Termine, die ich nicht missen möchte, auch wenn mir der Automobilsport selbst nicht viel bedeutet. Ein Auto muss mich von A nach B bringen. Fertig. Dass ich beim Anblick eines Silberpfeils Erotik empfinde, könnte ich nun wirklich nicht behaupten. Und trotzdem verleiht mir die wunderbare Ästhetik dieser Boliden so etwas wie ein Glücksgefühl.

Überhaupt kann man sich der Faszination schwer entziehen, die mit dem Formel-Eins-Zirkus einhergeht. Brillies, Promis, Proll. Dazu Tausende von Journalisten, die in diesen Tagen und Nächten vor dem Großen Rennen das Gesicht dieser Dreieinhalb-Millionenstadt prägen. Mechaniker, Agenten, Groupies, die Fahrer selbst. Und jede Menge Touristen.

Vor allem aber sind es die Promis, deren Namen und Gesichter man sich merkt. Ein wenig Namedropping sei an dieser Stelle erlaubt:

Die Begegnung mit dem Beatle George Harrison gehörte kurz vor dessen Tod zu den schönsten, die ich am Rande des Renngeschehens hatte. Ein ganz spezielles Erlebnis mit dem ehemaligen Sprintweltmeister Ben Johnson war anstrengend. Der Anblick von Ozzy Osbourne eher bizarr. O-Töne von Michael Schumacher einzufangen, empfand ich als lästig bis demütigend. Nikki Lauda war da bei ablehnenden Bescheiden schon ehrlicher: „Koa Lust jetza“.

Ein reines Vergnügen dagegen die Begegnung mit der Renn-Legende Jackie Stewart, an dessen Seite ich die Rennpiste erkunden durfte. Jack Nicholson zwischen Ferraris und Silberpfeilen zu sehen, war gewöhnungsbedürftig. Michael Douglas mimte den Fan, Rod Stewart stellte viele Fragen und Tom Cruise war einfach nur da. Boris Becker ohnehin.

Und dann ist da noch der Mann, der mit Zigarre im Mund, neben mir am Urinal steht, meine Skepsis durchschaut und schließlich durch den Qualm hindurch ein „Yep, it’s me!“ grinst. Sylvester Stallone wir er pinkelt und lebt.

An der Piste wird man mich dieses Wochenende vergeblich suchen. Aber – Peter Stuyvesant lässt grüßen – vom Duft der großen, weiten Welt werde ich mich auch dieses Jahr wieder beflügeln lassen.

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