Showtime im Schwimmbecken

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Es gibt viele Arten, einen Samstagabend in Montreal zu verbringen. Man könnte in einem der 5000 Restaurants speisen. Oder den NHL-Cracks der „Montreal Canadiens“ beim Siegen zuschauen. Wer’s ganz verwegen wünscht, könnte sich in der sündigen Meile rund um den Boulevard St. Laurent vergnügen. Wir haben uns ein stillgelegtes Hallenbad im Osten der Stadt ausgesucht. Dort gab’s eine Burlesque-Show im Schwimmbecken.

Die Vorstellung selbst ist schnell beschrieben: Spärlich bekleidete Frau verstrickt sich in einem Fischernetz. Oder: Argentinischer Jongleur wird nervös und kommt ins Straucheln, weil plötzlich die Bühne in Flammen steht und dem Künstler der Boden unter den Füßen zu heiß wird.

Dass das Feuer nicht etwa zur Show gehörte, sollte erwähnt werden. Das hatte nämlich versehentlich die Feuerschluckerin entfacht, die vor dem Jongleur dran war. Egal. Alle leben noch, keiner wurde verletzt. Und das bisschen Bühnendekoration ist schnell ersetzt.

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Spass im Pool: Das Finale © Bopp

Das Besondere an diesem Abend waren also nicht die Akteure. Es war die Location. In gut zwei Metern Tiefe saß auf Klappstühlen ein Teil des Publikums. Der Rest schaute vom Beckenrand aus zu. Ein kleines Orchester spielte auf einem wohl nachträglich angelegten Podest, was nicht nur der Optik dienlich war, sondern auch der Akustik. Jeder im Bad konnte die Band hören und sehen. Und weil zu einem echten Montrealer Spektakel immer eine Bar gehört, war auch dafür gesorgt. Die befand sich im früheren Umkleideraum für Mädchen.

Ich finde, die Nutzung dieser ausrangierten, aber immer noch bestens erhaltenen Schwimmbäder ist eine großartige Idee. Weil andere das wohl auch so sehen, gibt es in der Stadt meines Herzens inzwischen einige davon. Das Bain St-Michel und das Bain St-Mathieu sind nur zwei von denen, die ich kenne.

Dies wiederum veranlasste unsere Abendbegleitung zu der berechtigten Frage: „Badet hier eigentlich keiner mehr“?

Genau so ist es. Weil die immerklamme Stadt Montreal Wichtigeres zu tun hat, als ihren Bewohnern auch im Winter ein Badevergnügen zu ermöglichen, wurden im Laufe der letzten Jahre mehrere Hallenbäder geschlossen. Zum Leidwesen derer, die jetzt keinen öffentlichen Pool mehr in der Nachbarschaft haben. Und zur Freude jener, die Shows im Trockenbecken einfach lustiger finden als immer nur Bahnen zu schwimmen.

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