Ein bisschen Frieden am See

lac_dufresneViel gibt es nicht zu berichten, wenn du die Tage und Nächte in einer Hütte verbringst, die zwölf Kilometer vom nächsten Dorf entfernt an einem wunderschönen, klaren See liegt. Zwei Autostunden nördlich der Großstadt Montréal wird deine Welt plötzlich ganz klein. Wenn sich dann aber mal Leben zeigt, sind es Momente, die man nicht mehr vergisst.

Die Eule, die dich – aus dem Nichts! – von einem Ast aus mit so eindringlich großen Augen ansieht, als hätte sie sich eigens für diesen Augenblick von der Natur schminken lassen.

Das Streifenhörnchen, das mit der Lässigkeit des Cirque-de-Soleil-Akrobaten vom Hausdach auf einen Ast und von dort aus aufs Vogelhäuschen springt – das alles für eine Handvoll Körner.

Die Blue Jays, die lauthals die Finken verjagen, die wiederum die Spatzen verjagen, wenn es ums Anstellen am Futtertrog geht.

Der Waschbär, der plötzlich zwischen den Butterblumen auftaucht und dezent schnaubend übers Grundstück streift, als wolle er einfach nur kurz mal Hallo sagen. Und so ganz beiläufig fragen, ob’s was zu futtern gibt.

Und dann, als du gerade am Ufer sitzt und deinen Sundowner zu dir nimmst, marschiert zwei Meter von dir und deinem Drink entfernt die edelste Tierparade, die es diesseits von Afrika gibt: Vier Nerze im Gänsemarsch, putzige Pelztierchen, die sich vermutlich nicht einmal im Ansatz darüber im Klaren darüber sind, wie wertvoll sie für ein paar Damen wären, die noch nichts davon gehört haben, wie unanständig es ist, der Mode wegen Jagd auf Tiere zu machen.

Um dein Entsetzen über diesen Gedanken schnell wieder los zu werden, wirfst du noch kurz einen Blick auf die kleine Bucht vor deiner Hütte und wunderst dich, warum die rote Seerose vom Vorjahr jetzt plötzlich gelb aus dem Wasser ragt. Weil’s die Natur so will, sagt sie dann, die Frau an deiner Seite. Die Natur will es auch, dass die roten Blumen auf der Wiese abends die Köpfe hängen lassen, nur damit dich die fettgelben Butterblumen daneben um so leuchtender anstrahlen können.

Den Stechmücken, die hier Moskitos heißen, ist dieses Schauspiel wurscht. Und auch die Bremsen und Black flies machen sich nichts aus Naturspielen. Sie haben sich einfach nur vorgenommen, lästig zu sein. Und das schaffen sie jeden Tag aufs Neue.

Dann wird es Abend am See, die Sonne sagt Tschüss und du denkst, der Tag ist gelaufen. Und plötzlich kommt wie eine Rakete ein vollfetter Loon auf Augenhöhe auf dich zugeschossen, ein kanadischer Seetaucher, dessen schriller Schrei in keinem kanadischen B-Movie fehlen darf. Der Loon macht sich nichts aus dir und deinem leicht verpeilten Blick. Er setzt zur Landung an, will Futter haben. Davon schwimmt im See genug.

Irgendwann geht dann der Abend in die Nacht über und du liegst bei offenem Fenster in deiner Blockhütte und denkst, jetzt hat ein Verrückter die Leuchtreklame angemacht. Aber es sind Glühwürmchen, die einfach noch einen draufsetzen wollen auf einen ganz gewöhnlichen Tag am kanadischen See.

Fehlt nur noch ein Braunbär, der das Naturschauspiel toppen würde. Aber der hat sich den Auftritt im Zirkus der Tiere für heute verkniffen, weil ihm die Bullfrogs mit ihrem Kröten-Gequake dann doch zu sehr auf den Geist gegangen wären.

>>>  Hier gibt’s mehr zum Leben in der Blockhütte am Lac Dufresne  <<<

Advertisements

Ein Gedanke zu „Ein bisschen Frieden am See

  1. So idyllisch geht es bei Euch zu, man koennte neidisch werden. Die Idee, dass Du auf einen Auftritt des Braunbaeren wartest, nehme ich Dir allerdings nicht ab. Frei nach einem Koelner Karnevalsschlager: „So last Euch von den Muecken mal ordentlich verjuecken“. – Ist nicht so gemeint ) Es ist gut, hin und wieder einem morgendlichen Blog von Dir zu entdecken.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s