Der ultimative Schnäppchentag

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Wenn es um Kohle und Kommerz geht, stehen Kanadier ihren Nachbarn südlich der Grenze um nichts mehr nach. Noch bis vor kurzem stieß man hier allenfalls beim Zappen durch die US-Kanäle auf den Begriff „Black Friday“. Jetzt führt auch in Kanada kein Weg mehr daran vorbei: Der heutige „Black Friday“ gilt als der ultimative Schnäppchentag schlechthin.

Warum der Freitag nach dem amerikanischen Thanksgiving Day „Black Friday“ heißt, ist nicht ganz klar. Angeblich, weil Menschen an diesem Brückentag massenweise krank feiern und die Arbeitgeber damit zur Verzweiflung treiben.

Eine Million Kanadier bleiben heute ihrer Arbeit fern, lese ich eben in einer Umfrage der IPG Media. Mehr als 80 Prozent davon haben sich vorgenommen, ein Schnäppchen zu ergattern. Und sei es das zweite Auto, das ein Montrealer Pkw-Händler beim Kauf des Erstwagens kostenlos dazu gibt. Two-for-One beim Autokauf – so einen Deal habe ich in mehr als 30 Jahren Kanada noch nirgends gesehen.

Vor allem Jugendliche laufen den „Black Friday“-Schnäppchen scharenweise hinterher. Wenn ein Elektronikladen seine Preise für fast alle Gadgets halbiert, dann ist zu erwarten, dass Schnäppchenjäger vor den Läden im Schlafsack übernachten, um am Morgen einen der so genannten „door crashers“ zu ergattern. Das sind jene Artikel, die fast zum Nulltarif verschleudert werden, nur um potenzielle Käufer an die Ladentür zu locken.

Der „Black Friday“ sei der neue „Boxing Day“, erzählte mir vorhin der junge Baguette-Verkäufer am Boulevard St. Laurent. Dabei dachte ich immer, zum verkaufsoffenen 2. Weihnachtstag gebe es keine Steigerungsmöglichkeiten mehr. Da kann es nämlich schon mal passieren, dass dir bei der heißen Schlacht am Kassenbüffet kurz vor dem Ziel die um 60 Prozent reduzierte Digicam aus der Hand gerissen wird.

Wie gesagt: Warum der verrückteste aller Einkaufstage „Black Friday“ heißt, ist nicht genau zu eruieren. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, die am „Schwarzen Freitag“ im Oktober 1929 ihren Lauf nahm, soll der Schnäppchentag jedenfalls nichts zu tun haben.

Wäre ja auch etwas bizarr. Schließlich ging es damals rapide abwärts, als die Wertpapierkurse an der New Yorker Börse zusammenbrachen. Heute werden an diesem Tag dagegen Milliardenumsätze gemacht. Tendenz steigend.

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Nachtrag: „Von wegen Kanada und USA!“, meldet sich eben ein Freund aus Köln. Auch dort locken inzwischen Geschäfte mit „Black Friday“-Deals. Ganz so spektakulär wie hier scheinen die Schnäppchen in Deutschland allerdings nicht auszufallen. Der Kölner Kumpel schickt eine Anzeige, in der es auf „20 ausgewählte Produkte“ gerade mal 20 Prozent Rabatt gibt. Da ist noch Luft nach oben, würde der Kanadier zu solchen Mini-Schnäppchenpreisen sagen. Oder eher: „The sky is the limit“.

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2 Gedanken zu „Der ultimative Schnäppchentag

  1. Amazon versucht auch in Deutschland seine Kunden mit dem Black Friday zu locken. Vor ein oder zwei Jahren gab es hier tatsächlich „Schnäppchen“. Inzwischen ist aber hauptsächlich das Zeug reduziert was sowieso keiner haben will und die wirklichen „Schnäppchen“ sind schneller weg als man gucken kann. Im Einzelhandel ist mir dieses Phänomen bisher nicht aufgefallen. Ist auch gut so.

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  2. Das beschriebene Konsum-Phänomen verschiebt sich auf Wunsch der Kunden offensichtlich auf donnerstags, Thanksgiving Day. Macy’s Kaufhaus in NYC hatte wohl bereits um 5:00 früh eine Warteschlange von 1500 Kunden. Ich glaube, viele Menschen entwischen auch der Verwandtschaft, evtl. gleich nach dem „Turkey Lunch Feast“. So meiden sie das durchaus bekannte „Familien-Konflikt-Potential“. Black Friday klingt doch auch viiiel zu negativ..oder ? Die Kasse klingelt, die Börse brummt. Als Augenschmaus treten Cheerleaders auf. Das ist Turbo-Kapitalismus! Shopping gone mad. Bleibt nur online-shopping. Wie langweilig!
    Rolfo

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