Die armen Schlucker von Palma

TonnenJeder kennt sie, keiner mag sie. Dabei waren sie noch vor wenigen Jahren gefeiert worden wie die Rockstars der Abfallbeseitigung. Heute sind die 360 braunen Müllmännchen, die über die Altstadt von Palma verteilt sind, ein trauriger Anblick. Mit ihren hässlichen Plastikhauben erinnern sie an arme Schlucker, denen die Luft ausging.

Und genau so ist es auch. Mit großem Brimborium waren die Roboter ähnlichen Figuren vor 13 Jahren in Betrieb genommen worden. Die Anlage machte Sinn: Damit die lauten und stinkigen Müllwagen nicht mehr durch die engen Gässchen der Altstadt von Palma navigieren mussten, wurde ein unterirdisches Absaugsystem installiert.

Doch wie so oft, wenn die EU die Finger im Spiel hat, ging auch diesmal wieder einiges gründlich daneben. Das unterirdische Rohrsystem, durch das der Abfall, abgesaugt und in eine zentrale Müllverbrennungsanlage transportiert werden sollte, hielt dem Druck nicht Stand. Bei Saug-Geschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern erwiesen sich die Rohre als porös. Beim Bau war das falsche Material verwendet worden.

Und überhaupt schnellten die Installationskosten mit Müllgeschwindigkeit in die Höhe. Sollte das zunächst als „Revolution von Palma“ gefeierte Absaugsystem urspünglich 18 Millionen Euro kosten, betrug die Endabrechnung schlappe 9 Millionen Euro mehr. Von den 27 Millionen hatte die EU knapp die Hälfte übernommen.

Seit der Stilllegung der braunen Tonnen im Mai 2012 ist nicht viel passiert. Das heißt doch: Die Containerköpfe wurden mit Plastikfolie versiegelt. So kam niemand mehr auf die Idee, die Müllmännchen zu füttern. In unmittelbarer Nähe der damals so trendigen Tonnen stehen heute ganz normale Abfallcontainer, die leider allzuoft hoffnungslos überfüllt sind. Es liegt also einiges im Argen mit der Müllentsorgung auf Mallorca.

Und natürlich wird prozessiert. Palma will Kohle. Während des gerade angelaufenen Schadensersatzprozesses der städtischen Energiebetriebe Emaya gegen den Hersteller Envac Iberia dürfen die braunen Männchen aus Gründen der Beweisführung noch stehen bleiben.

Danach kommen sie in den Müll.

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2 thoughts on “Die armen Schlucker von Palma

  1. Stimmt. Nach Katalonien, Irland und Italien erhält Mallorca jetzt auch
    noch von der Nachbarinsel Menorca Müll. Da soll noch einer schlau draus werden :)

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  2. Wurde auf Mallorca nicht auch eine riesige Müllverbrennungsanlage gebaut, die gar nicht ausgelastet wird und zur Folge hat, dass Müll vom Festland importiert wird?
    Schon krass wo überall Geld vom Steuerzahler verschwendet wird.

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