Sonneninsel mit Schattenseiten

bannWer auf einer Sonneninsel überwintert, muss auch mit den Schattenseiten leben. Wenn auf Mallorca die Touristen wie Heuschrecken einfallen, einem die guten Plätze in der Stammbar wegschnappen und überhaupt alles besser wissen als die Einheimischen, sinkt der „Spaßfaktor Palma“ schnell um ein paar Prozentpunkte.

Nehmen wir Dienstag voriger Woche. Da legten sechs Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen an. Hätten sie sich in eine Reihe gestellt, wäre die Schlange mehr als zwei Kilometer lang gewesen. Die Schiffs-Schlange, nicht die der Touristen.

Manche der Schiffe beherbergen 2500 Passagiere, andere mehr, manche weniger. Jeder der Sehleute lässt bei seinen Landausflügen im Schnitt 100 Euro liegen, rechnete die Tourismusbehörde vor längerer Zeit einmal vor. Macht mal kurz Einnahmen von 2 Millionen. Nicht schlecht für einen ganz gewöhnlichen Dienstag im Mai.

Im Hafen von Palma kamen im Jahr 2015 insgesamt 1,7 Millionen Kreuzfahrtpassagiere an, das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr. 2016 werden es noch mehr sein. Die Oceanliner meiden zunehmend Häfen in Ägypten, Tunesien, Griechenland und der Türkei. Als Alternative wird jetzt verstärkt Mallorca angefahren.

Die Folge: Der Sparstrumpf von Palma platzt aus allen Nähten. Die engen Gassen der Altstadt auch. Vor allem die Fußgängerdichte in schmalen Einkaufsstraßen wie Calle San Miguel oder Calle Sindicat kann einem leicht die Lstrasseuft abschnüren.

Besonders eng wird es in Palma bei schlechtem Wetter. Da strömen dann nicht nur die Kreuzfahrer in die Gassen, sondern auch die Sommerfrischler, denen das Strandleben bei bewölktem Himmel nicht mehr das erhoffte Mallorca-Feeling bietet. Also wird Jack Wolfskin gesattelt – und ab geht’s von den All-inclusive-Anlagen in Paguera, Can Pastilla oder Arenal in Richtung Hauptstadt.

Schmollen auf hohem Niveau: Wenn wir, die wir die Gastronomie auch während der kargen Wintermonate am Laufen halten, im Mai vergeblich nach unseren angestammten Plätzen Ausschau halten, schmerzt der Blick auf das Abflugdatum Ende Mai ein ganz klein bisschen weniger.

In Montréal ist immer irgendwo (m)ein Barhocker frei.

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