Die Hassliebe zum Radfahrer

Schick sehen sie aus in ihren Votec-Jerseys und den hautengen Power-Trail-Shorts mit dem eingebauten Schnitzel im Schritt. Wenn sie dann wie Asthmatiker auf Steroid an dir vorbeirauschen, könnte man sie glatt für Gladiatoren im Sattel halten.

Aber es sind nicht einmal so sehr die eng anliegenden Trikots, mit denen sie ihre sportliche und sonstige Potenz zur Schau stellen. Es ist dieser metallene Gleichklang, wenn Dutzende von ihnen sekundengenau die Gänge wechseln.

Willkommen im Radlerparadies Mallorca! Fast 200 000 von ihnen kommen jedes Jahr auf die Insel, um ihren Stahlrössern endlich mal so richtig die Sporen geben zu können.

Vermutlich ist kein anderer Landstrich der Welt besser geeignet für Radfahrer als Mallorca. Hier stimmen Geografie, Topografie, Infrastruktur und Gastronomie. Hier ist der Radler noch König. Auch wenn hin und wieder das gemeine Volk die Damen und Herren hoch zu Ross am liebsten in den Abgrund stürzen würde.

Sie sind die Anarchisten der Landstraße. Sie blockieren Fahrspuren, die eigentlich Autos und Linienbussen gehören, rasen mit einem Affenzahn durch Fußgängergruppen und nerven selbst noch dann, wenn sie ihr Tagespensum längst erledigt haben.

Wo Wanderer im Gasthaus ihre müden Leiber genüsslich in den Sessel fallen lassen, kennt der Radfahrer keine Gnade. Nichts ist wichtiger als sein Fußleiden. Da darf auch mal der Esstisch als Ablage herhalten.

Der Radler, das seltsame Wesen: Ich beobachte in meinem Stammlokal jeden Winter einen schwer übergewichtigen Norweger, dessen größte sportliche Leistung darin besteht, seine Pfunde in die Radlerhose zu quetschen, ohne je Berührung mit einem Fahrradsessel aufzunehmen. Nach dem Motto: Keine Sportart ist schöner als die, die man in sitzender Position betreiben kann.

radMan liebt sie und man hasst sie. Sie werden zum Teufel gewünscht und herbeigesehnt. Selbst Kneipiers und Restaurantbetreiber sind sich nicht ganz einig, ob die Radler nun Fluch oder Segen sind.

Wenn er sitzt, der Radler, dann sitzt er lange. Gerne auch bei einer Radler-Halbe, die dem Kneipier noch nicht einmal den Klopapier-Verschleiß bezahlt, den die Damen und Herren von und zum hohen Ross verursachen.

Aber Mallorca braucht die Fahrrad-Touristen. Vor allem während der Wintermonate, wenn der Ballermann noch ganz weit weg ist, bilden die Radler eine wichtige Einkommensquelle.

Hotels, die sonst vor Leere gähnen würden, erwachen bereits im Januar aus dem Dornröschenschlaf, wenn die Radler zu Tausenden in Can Picafort, Alcudia oder Can Pastilla einfallen.

Nachdem sie sich und ihre Mitwelt lange genug traktiert haben, packen die Radtouries dann ihre mitgebrachten Bikes wieder ein, nicht ohne sie vorher mit erlesenen Tüchern abgewienert zu haben – so, als gelte es, die Geliebte in Samt und Seide zu verschnüren.

Ende April, Anfang Mai wird es selbst dem coolsten Radler zu warm. Es macht sich ein Aufatmen breit unter Bus- und Pkw-Fahrern, aber auch unter Wanderern und gemeinen Fußgängern.

Endlich gehört Mallorca wieder denen, die auch ohne Elite-Pants und Cube-Trägerhose Spaß haben können.

(Sorry Fränkie, Gerald, Anita, Fred, Robert, Sabine, Mike … Ich weiß: Nichts ist geiler als Radfahren auf Mallorca!)

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4 Gedanken zu „Die Hassliebe zum Radfahrer

  1. So, und jetzt muss der Fränkie auch noch was sagen :-)

    Jepp, das sind Massen von Radfahrer die da im Frühjahr die leeren Hotels wieder füllen und vielen Einheimischen Brot und Spiele geben – nicht ohne Eigennutz natürlich. Und wenn man dann so abends in der Stammkneipe umherschaut – da bleibt es nicht nur bei einem Radler. Trotz Halbpension ist dann auch einmal das Steakhaus Pflicht- trotz schwäbischer Wurzeln! Der wirtschaftliche Aspekt ist halt das eine. Trotz Behinderungen der Autofahrer – die sich leider nicht immer vermeiden lassen – sind vielen Einheimischen die Radler vermutlich deutlich lieber als lautstark grölende Suffköpfe. Immerhin geht es am nächsten Tag ja wieder früh auf die Piste… :-)
    Tja Herby, Anfang April 2018 diskutieren wir in der Bar Bosch persönlich mit Dir das Thema :-) Gerald und ich haben vorsorglich schon wieder gebucht – zum Leidwesen der Bus- und Autofahrer.

    Wir freuen uns riesig auf Lore und Dich!!!!

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  2. Tja , Life in the fast lane ! Nicht ganz ungefährlich mit ihren Klick und Klettmechanismen an den Pedalen !
    Es gibt genügend Teilnehmer, die jedes Jahr Verletzung erleiden bei Stürzen ,oder dabei sogar ums Leben kommen ! Geschwindigkeit.
    Die Fahrradbekleidung erfüllt hoffentlich ihren Zweck ! Der Anblick ist allerdings schon sehr gewöhnungsbedürftig ! Sie sehen alle etwas aus wie von einem anderen Stern !?
    Aber , die Körperertüchtigung ist letztendlich der entscheidende Faktor !
    Sie haben den Couch Potatos da dann doch einiges voraus!
    Wie sage ich immer ? :
    ‚Jeder hört auf einen anderen Trommler ‚!
    . und das ist gut so- Oder ?
    Cheers, R..🏝

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  3. Oh ja, du sprichst mir aus der Seele aber ich muss auch zugeben es gibt auch gute Radfahrer, die zeigen alles an, versuchen schön rechts zu bleiben oder geben dir mal ein Zeichen, dass es jetzt gut zum Überholen ist.

    Leider musste ich auch schon 2 Fahrradfahrer von der Straße kratzen, weil sie der Meinung waren die Straße von Lluc runter mit vollem Speed zu fahren und immer wieder vergessen, dass es kleine Steinchen auf der Straße gibt. Zack liegen sie da

    Trainieren ist ja schön und gut aber jeder sollte etwas Rücksicht nehmen und dann sind wir alle friedlich.

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