Zum Abschied geht’s in die Luft

Unser neunter Mallorca-Winter ist Geschichte. Nach fünf Monaten am Mittelmeer geht es zurück ins heimische Kanada. Mit einem Abschied, wie Sie ihn vermutlich noch nie erlebt haben.

Ein Freund hat von unserer Dachterrasse in der Calle San Miguel aus seine Drohne in den strahlenden Mallorca-Himmel geschickt. Herausgekommen ist dieses spektakuläre Video, das Palma noch einmal in seiner ganzen Schönheit zeigt. Lehnen Sie sich zurück und heben Sie mit uns ab.

Mallorca17 fing mit einer Schlechtwetterphase im Januar an, die viel Regen, Wind und Temperaturschwankungen brachte. Zur Belohnung wurde uns eine selten schöne Mandelblüte geschenkt, die sich wochenlang wie ein Teppich über die Hügel und Täler legte.

Und natürlich gab es auch diesmal wieder traumhafte Wanderungen, die uns in fast jeden Winkel der Insel führten. Fünf Monate ohne Auto, nur mit Bus, Bahn und zu Fuß. Geht doch!

Und dann: Wunderbare Begegnungen mit Menschen, die mir neu in mein Leben gespült wurden, oder die ich schon seit Jahren und Jahrzehnten kenne. Zwei Kurzbesuche in Deutschland waren dabei, jeder von ihnen mit der Erkenntnis: Es geht doch nichts über Familie und Freunde.

Palma im Frühling war dann laut, zum Bersten voll mit Touristen und zum Schluss noch heiß, wie wir die Insel nie zuvor erlebt hatten. Was uns nicht davon abhalten wird, wieder zu kommen. Eine bessere Alternative zu diesem herrlichen Flecken Erde muss mir erst einmal jemand zeigen.

Adios Mallorca. Bonjour Montréal. Life is beautiful 💚

Und hier noch eine kleine “Best-of-Mallorca”-Diashow:

 

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Palma: Das große Bar-Sterben

Bar Cristal innen

Bald Vergangenheit: Die “Bar Cristal” an der Plaça España.    Foto: Martin Mueller

Mit Alfonso fing es an. Damals, vor drei Jahren, schob ich die Schließung seiner „Bar Borne“ einfach noch auf doofes Timing. Dass unsere Stammbar an der Plaça de la Reina dicht machte, war blöd. Aber so was passiert halt mal. Inzwischen bin ich ein bisschen weiser, wenn es um Mallorca geht: In Palma hat ein Barsterben eingesetzt. Und ich mittendrin.

Nach der Schließung der „Bar Borne“ ging ich dorthin, wo auch tausend andere jeden Tag hingehen, in die „Bar Bosch“, nur einen Steinwurf von Alfonso entfernt. Aber „zum Bosch“ gehen viele – und ich brauchte wieder eine Bar für mich.

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Die “Bar 1916”, ebenfalls an der Plaça España

Ich hatte Glück. Die „Bar 1916“ war genau das Richtige. Ein alteingesessenesEtablissement an der Plaça España, mittiger geht nicht in Palma. Der Cortado schmeckt auch dort vorzüglich und ist mir einmal mehr nach Bier, Wein oder einem Bocadillo, servieren die fixen Jungs und Mädels vom „1916“ immer genau das Richtige. Nie ohne ein paar Oliven dazu oder ein Häufchen Nüsse. Und immer ein herzliches “Hola!“, ein Händedruck und ein ¿qué tal?’ Meistens alles zusammen.

Javi, der Kellner, versteht viel von Fußball, Megan, die Barfrau, von der Welt. Menschen mit gelebten Leben. Hier war ich richtig.

Kaum ein Tag, an dem ich mich nicht über Javis „Barcos“ unterhielt oder mit Megan über ihre Heimat Bolivien plapperte. Life is good im 1916.

Und jetzt der Hammer: Die „Bar 1916“ macht dicht. Nach genau 91 Jahren. Elf davon stand Megan hinterm Tresen. Eine Katastrophe! ich hatte wieder einmal aufs falsche Pferd gesetzt.

Die Antwort auf die Frage: „Wie kann eine über 90 Jahre alte, gut gehende Bar einfach zumachen“?  erinnert mich an das, was mir damals schon Alfonso erzählt hatte:

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Alfonsos “Bar Borne” an der Plaça de la Reina

Die Pachtverträge waren noch während der Franco-Zeit geschlossen worden, alle einheitlich und zu ganz zivilen Preisen. Jetzt laufen die Fristen ab und kein Barbesitzer in Palma oder sonst wo ist bereit, das Zehnfache dessen zu bezahlen, was noch unter Franco galt. So viele Cortados kann eine noch so gut gehende Bar an der Plaça España nicht verkaufen, dass sich der Betrieb noch lohnen würde.

Also sterben die schönen Cafés und Bars in Palma nach und nach den langsamen Bartod. Das traditonsreiche „Café Lirico“ genauso wie das „1916“ und die unmittelbar daneben operierende Traditionsbar „Cristal“. Und auch die wohl älteste Café-Bar in Palma, das Forn des Teatre” hat neulich die letzte Ensaïmada serviert.

Schlimm genug, dass die wunderschönen Bars mit ihren Messing-Türgriffen und den Jugendstil-Kronleuchtern nach und nach schließen. Der eigentliche Skandal ist das, was aus ihnen wird.

Das „Lirico“ steht leer und wartet noch auf seine neue Bestimmung. Alfonsos „Bar Borne“ ist jetzt, zusammen mit der unmittelbar daneben liegenden Kneipe, eine edle Tapasbar.

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Geschlossen: “Café Lirico” © Alle Fotos: Bopp

Und das „1916“ und die Nachbarbar „Cristal“? Aus der einen wird ein Klamottenladen, den anderen hat ein Handy-Anbieter im Visier.

Und Megan, die vor elf Jahren aus Bolivien gekommen war und nie einen anderen Job hatte als Barfrau im „1916“, wird künftig in irgendeinem Büro arbeiten. Die Aufnahmeprüfung für einen „International Business“-Kurs hat sie heute bestanden.

Alfonso, der erste Barkeeper, mit dem wir uns vor vielen Mallorca-Jahren angefreundet hatten, arbeitet heute in einer leckeren Konditorei.

Der Besitzer der “Bar Bosch” dagegen macht keinerlei Anstalten, seinen Laden dicht zu machen. Warum auch? Sie gilt als die populärste Bar auf der gesamten Insel.

Köln: Wie Palma ohne Palmen

Dort, wo ich Dutzende Male beruflich zu tun hatte, war ich am Wochenende zur Abwechslung mal ganz privat. Bilanz eines Blitzbesuchs: Köln hat seinen Zauber nicht verloren.

Alles war diesmal anders als sonst. Ich flog nicht aus Montréal ein, sondern aus Mallorca. Das Hotel lag nicht am Dom, sondern im Szenenviertel.

Viel Zeit blieb nicht, um die Stadt zu genießen, die für viele Jahre so etwas wie ein „home away from home“ für mich war. Gerade mal 30 Stunden hatte der Logistikregisseur für meine Blitzvisite vorgesehen. Genug, um ein Stück Köln kennen zu lernen, das ich so noch nicht kannte.

Da war es wieder, das Geh-Gen. Schon kurz nach dem Frühstück meldete es sich und wollte wieder Forrest Gump spielen, so weit die Füße tragen. Sie trugen uns genau 17 Kilometer weit, vom Dom bis nach Rodenkirchen und zurück – immer am Rhein entlang. Die Nacht war kurz gewesen, der Fußmarsch dafür umso länger.

Ein bisschen Montréal, ein wenig Palma: Die Frachtschiffe auf dem Rhein erinnern an den Sankt-Lorenz-Strom. Die Kneipen und Straßencafés, die Masse an Touristen – das alles ähnelt schon sehr der Altstadt von Palma.

Achtung, Spaßbremse: Dass die meisten Straßenmusiker auch in Köln unterirdisch schlecht sind, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Köln werde auch das „Rom des Nordens“ genannt, hatte in der Nacht noch der Taxifahrer gesagt. Mich wundert diese Charakterisierung nicht. Ein gewisses mediterranes Flair ist diesem lebenslustigen Flecken Erde nicht abzusprechen. Millowitsch meets Mallorca.

Zwar wachsen in Köln, soweit ich weiss, keine Palmen. Dafür werden auf Marktständen Pfingstrosen und Spargel angeboten. Auch das noch: Vor einem loftigen Designerstudio gucken frech mit dunklen Augen ein gutes Dutzend Olivenbäume ins rheinische Land – so, als stünde ihre botanische Wiege am Rheinufer und nicht am Mittelmeer.

Feste feiern, Freunde sehen, gewohnte Wege mit neuen Augen begehen. Frische Perspektiven gewinnen, vor deren Hintergrund sich alte Ansichten relativieren. Menschen besuchen, deren Geschichte – und Geschichten – mit zunehmendem Alter wichtiger werden.

Erinnerungs-Optimismus, der vieles aus der Vergangenheit erklärt, manches aber auch verklärt, ist eine feine Sache.

Mallorca: Menschen am Meer

Ein typischer Tag an der Playa de Palma: Menschen gehen ihrer Arbeit nach. Die Straßenhändler verkaufen am Strand so ziemlich alles: Von der Sonnenbrille über den aufgesetzten Nasenpenis bis zum Kuschelaffen. Die Frauen, in landesüblicher Tracht, bieten Haarverlängerungen an. Es handelt sich fast ausschließlich um Menschen aus dem Senegal. Sie haben es nicht leicht auf Mallorca. Viele von ihnen haben keine Aufenthaltsgenehmigung. Polizeirazzien sind an der Tagesordnung. – Mehr zum Thema gab’s neulich hier im Blog: „Hundert Jahre Garantie auf die Rolex“.

 

 

Der Klassiker zum Schluss

Wie oft wir die Strecke von Sóller nach Deià schon gewandert sind? Ich weiss es nicht mehr. Sechsmal vielleicht? Vielleicht auch mehr. Egal. Für mich ist und bleibt es die perfekte Wanderung auf der Insel. So schön. So abwechslungsreich. So Mallorca.

Schon oft war im Blog von dieser Wanderung die Rede. Deshalb schenke ich mir heute Details. Nur so viel: Es war heiß. Und es war wunderschön!

Es hat schon Tradition: Die jeweils erste und letzte Wanderung unserer Mallorca-Winter führen immer von Sóller nach Deià. Oder auch umgekehrt, so wie heute. Egal welche Richtung: Die etwa 13 Kilometer lange Strecke ist zu jeder Jahreszeit ein Traum.

Im mallorquinischen Winter ist die Luft klar und frisch und man freut sich über jede Blüte. Im Frühjahr, wenn die Natur aus allen Nähten platzt, erahnt man bereits, was der Frühsommer bringen wird: Ein Feuerwerk von Blumen, Früchten, Wildgräsern und Vögeln.

Bei Temperaturen von um die 28 Grad war es heute fast schon zu heiß für diese Wanderung. Deshalb wird es für dieses Jahr wohl auch die letzte gewesen sein.

Wie schön: Der nächste (Wander-)Winter kommt bestimmt!

Damit die früheren Wanderungen nicht in Vergessenheit geraten – heir sind einige Links dazu:

Sóller: Berge, Meer und Piraten

Sóller-Deià: Steiniger Weg durchs Paradies

Kurz vor Kanada noch eine Memory-Tour

Der Klassiker: Von Deià nach Sóller

 

Wanderung mit Widersprüchen

„Warum“, fragte der Bruder vor ein paar Tagen,“ geht ihr eigentlich immer wieder nach Mallorca und nicht auch mal woanders hin“? Die Antwort kannte er schon: Weil ich nirgends in der Welt auf so kleinem Raum so viel geballte Schönheit gesehen habe wie auf Mallorca. Nicht in Kalifornien, nicht in der Karibik, nicht in Südamerika, nicht in Australien. Nicht einmal auf Hawaii. Und das will etwas heißen.

Heute hätte ich Eberhard den Beweis für diese gewagte These antreten und alle Zweifel ausräumen können.

Die Wanderung von Cala Agulla über Talaia de Son Jaumell zur Cala Mesquida zurück nach Cala Ratjada war der Hammer. Anstrengend war sie und lang und steil und dabei war es auch noch sommerlich heiß. Doch der Panoramablick von dem ehemaligen Piraten-Aussichtsturm in Richtung Cap Formentor und bis nach Menorca war schlicht sensationell.

Dabei war die heutige Tour eine Wanderung der Widersprüche.

Nie zuvor waren wir so früh aufgestanden (05:30 Uhr) und so lange unterwegs (4 Stunden), um überhaupt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen. Weil der Zug von Palma nach Manacor Verspätung hatte, saßen wir fürs Erste in der zweitgrößten Stadt Mallorcas fest. Höhepunkt unseres Stadrundgangs war die Orgelprobe in einer wahrhaft schönen Kirche, deren Pforten – gottseidank – doch geöffnet waren.

Irgendwann kam dann auch der Anschluss-Bus und brachte uns in das Touristenstädtchen Cala Ratjada. Schon bald verzogen sich die Wolken – und schon waren wir am Strand. Nicht zum Chillen, sondern zum Auftakt-Cortado. Vom Strand aus führte die Wanderung über steiles, schwer zu navigierendes Gelände hinauf zur Ruine des Wachturms Torre de Son Jaumell.

Erst kam das Vesper – und dann der Abstieg.

Der führte über einen alten Schmugglerpfad in ein Idyllisch gelegenes, aber leider mit Hotels vollgepflastertes Touristendorf: Cala Mesquida.

Endstation? Keine Spur! Jetzt ging es über einen sandigen, mit Wurzeln gespickten Weg zurück zur Cala Agulla und anschließend nach Cala Ratjada.

Als hätte der Tag nicht ohnehin schon genügend Highlights geboten, sorgte der Besuch von Tinas Toasteria in Cala Ratjada für einen würdigen Abschluss. Tina und Gerhard Kolberg – sie aus Berlin, er aus Dortmund – hatten das Lokal erst zwei Tage zuvor eröffnet.

Die Speisekarte liest sich verheißungsvoll. Das Wirtsehepaar strahlt genau jene Liebenswürdigkeit aus, die zwei müde Wanderer nach den vorausgegangenen Strapazen besonders zu schätzen wissen.

Der Weißwein und die Halbe Warsteiner schmeckten nie besser.

 

Ummendorf und das pralle Leben

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Ummendorfer unter sich: Bernhard, Herbert (nicht der!), Alfred, Josef, Claudia, Herbert (ja, der!), Irmgard und Arthur (von links nach rechts).

Es passt viel rein in so ein Wochenende – wenn man es dann auch reinlässt. Das vorgezogene Geburtstagsessen mit den Geschwistern fand in einem Landgasthof statt. Zum anschließenden Kaffeeklatsch luden Bruder und Schwägerin dann ins Geburtshaus des Autors ein. Der war für drei Tage vom heißen Mallorca ins eisgekühlte Oberschwaben gereist.

Der Temperatursturz tat der Stimmung keinen Abbruch. Es war das schönste Familientreffen, das man sich wünschen konnte. Mit Wurstplatten und Hochzeitssuppe, mit Plaudereien über die Zeiten beim Gesangverein, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fußballclub, der einfach nie aufsteigen wollte.

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Leichtes Frühstück  bei der Familie.

Es gibt da eine Frau in meinem Heimatdorf, von der es heißt, sie blicke alles, kenne jeden und sei dazuhin noch eine prächtige Organisatorin. Wenn der Bruder von dieser Frau dann noch vorschwärmt, sie sei vermutlich „die einzige Frau im Dorf ohne Feinde“, dann ist eigentlich klar, an wen man sich wendet, wenn man während des Blitzbesuchs in der alten Heimat noch einen Abend frei hat.

Diese Frau heißt Irmgard Ströbele und hat mir ganz kurzfristig eine zauberhafte Begegnung mit Menschen aus meiner Jugend beschert. KlassenkameradInnen, Nachbarn, Weggenossen – sie alle waren gekommen, um den vor 35 Jahren in Kanada verloren gegangenen Sohn in ihrer Mitte aufzunehmen.

Da war von gefangenen Lachsen in Alaska die Rede, die, hört man dem Erzähler zu, länger waren als der Ummendorfer Kirchturm hoch ist. Von einem Buch wurde gesprochen, das Sepp, ein früherer Postbediensteter, über „Ummendorfer Leute“ schrieb.

Eine frühere Nachbarin, Claudia, ließ ihren längst verstorbenen Vater noch einmal aufleben – auch so einer ohne Feinde im Dorf. Dass ausgerechnet dieser honorige Mann, der zeitweise Bürgermeister von Ummendorf war, dem Autor das Rauchen beibrachte, als der fünfzehn war, erstaunte selbst die Tochter nach so vielen Jahren.

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Bisschen Biskuitrolle von der Schwägerin.

Alfred war da, Sohn des einzigen Friseurs in Ummendorf. Mit ihm lassen sich genussvoll Schmankerln aus vergangenen Zeiten teilen. Und, ja: Ich konnte mich noch genau daran erinnern, dass der Figaro immer eine Salem ohne Filter rauchte und das Nescafé-Tütchen mit der Friseurschere öffnete. Da war der Alfred baff.

Dass unvermittelt noch zwei Frauen aus meiner Jugendzeit zu unserem „Silverhair-Club“ stießen, obwohl sie erst wenige Stunden zuvor von einer anstrengenden Wandertour entlang der Amalfiküste zurückgekommen waren, muß an dieser Stelle unbedingt auch dankend erwähnt werden.

Auch all die anderen, die an diesem denkwürdigen Abend zu „Giovanni“ gekommen waren, trugen zum Gelingen dieser Nostalgie-Veranstaltung bei.

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Oberschwaben: Senfgelb mit Wolken.

Aber das war noch lange nicht alles, was dieses lange Wochenende so brachte. Da passte noch ein Kurzbesuch bei Freunden im Allgäu rein. Und auch eine weitere Kaffeerunde mit Uli Herzog, dem lokalen Krimi-Schriftsteller, der demnächst seines zweites Buch auf den Markt bringt.

Wer immer der Regisseur war, der zu diesem Treff noch einen weiteren Klassenkumpel aus Biberacher Gymnasial-Zeiten an unseren Kaffeetisch spülte, hat einen Orga-Oscar verdient. Hansi, der jahrzehntelang als Landarzt gearbeitet hatte, freute sich wie der Schneekönig von Winterstetten, dass er jetzt in den Ruhestand kann.

Fehlt noch was? Achja, der Rückflug von Memmingen nach Palma. Der war diesmal ganz besonders kurzweilig. Irgendwie passt es es zu diesem Wundertüten-Wochende, dass man im Gespräch mit einer Sitznachbarin namens Julia tatsächlich noch gemeinsame Bekannte entdeckte.

Steine, Strand und ganz viel Meer

Wieder einer dieser paradiesischen Tage auf Mallorca: Eine Strandwanderung von Cap de ses Salines bis Colònia de Sant Jordi. In umgekehrter Richtung hatten wir die Tour bereits zweimal genossen. Jetzt war also der Leuchtturm am südlichsten Punkt der Insel Ausgangspunkt unseres „Beach Walk“.

Die – mit Pausen – etwa vierstündge Strecke selbst ist kein Problem und deshalb auch für unerfahrene Wanderer geeignet. Es gibt so gut wie keinen Höhenunterschied. Lediglich das Navigieren auf den steinigen Pfaden kann hin und wieder zur Wackelpartie werden. Aber es gibt nichts, das nicht zu bewältigen wäre.

So war denn die größte Herausforderung für uns nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin. Manchmal rächt es sich, wenn man sich als Auto-Verweigerer auf öffentliche Verkehrsmittel verlässt.

Sorgfältiges Fahrplan-Studium und persönlicher Schalterbesuch am Busbahnhof in Palma nützten nichts. In Campos hingen wir fest. Dabei hatte uns der freundliche Fahrer des tib-Busses nach einem Anruf bei der Zentrale versichert, ein Umsteigen in Richtung Salines sei möglich. War es aber nicht.

Da half nur ein Taxi.

Das war mit 30 Euro zwar nicht ganz billig. Dafür aber bot es eine halbstündige Plaudermöglichkeit mit einem super informierten Fahrer, der gnädig mit den holprigen Spanischkenntnissen eines deutschkanadischen Teilzeit-Mallorquiners umzugehen verstand. Von Real Madrid über Trump und Le Pen bis hin zum sagenhaften Reichtum der mallorquinischen Privatbank-Familie March – wir ließen nichts aus.

Bei der Ankunft am Cap de ses Salines fallen drei Dinge auf: Ein pittoresker Leuchtturm. Eine grandiose Sicht auf die im Mittelmeer liegende Insel Cabrera. Und ein Heer von Steinmännchen – gebaut mit herumliegenden Felsbrocken.

Diese Männchen sind – sorry für die plumpe Pointe – in letzter Zeit zum Stein des Anstoßes geworden. Umweltwissenschaftler der Balearen-Regierung wollen herausgefunden haben, dass der Bau dieser Steinmännchen das ökologische Gleichgewicht auf der Insel durcheinander bringt. Mit einer Warnung von oben wird neuerdings an Strand-Besucher appelliert, keine Männchen mehr zu bauen.

Ob diese eigentlich hübschen Figuren wirklich eine Gefahr für die Küstenfauna darstellen, kann ich nicht beurteilen. Im Vergleich zum Plastikmüll, der sich an den meisten Stränden ansammelt, dürften einige liebevoll aufgebaute Steinmännchen eher das kleinere Übel sein.

Wobei: Gestern zeigte sich die traumhaft schöne “Playa d’es Caragol” von ihrer besten Seite. Tüchtige HelferInnen müssen kurz vor unserer Wanderung mit der Müllbeseitigung beschäftigt gewesen sein. Bei den Beach-Walks der letzten beiden Jahre war der Strand noch in einem jämmerlich vermüllten Zustand.

Aufreger des Tages: Es gibt immer noch Touristen, die sich nicht um die Absperrungen scheren, die aus Gründen des Naturschutzes errichtet worden sind.

Wie blöd muss man eigentlich sein, über diese mit Seilen, Holzpfosten und Warnschildern gekennzeichneten Absperrungen zu klettern und sich dann in einem offensichtlich ökologisch fragilen Teil eines Naturschutzgebietes seinen eigenen Vorgarten einzurichten, in den Liegestuhl zu legen und sich dabei von den vorbeispazierenden Wanderern beim Doofsein und Bräunen zugucken zu lassen?

Diese Ignoranz macht mich fassungslos.

Die Strandwanderung selbst ist ein Naturerlebnis vom Feinsten. Einzelheiten möchte ich mir an dieser Stelle ersparen, da es bereits zwei frühere Blogposts zu diesem Thema gab. Hier sind sie:

STRANDWANDERUNG MIT HIPPIE-END

DER STRAND DER VERLIERER

Markt mit Menschen und Tieren

Seit neun Jahren verbringen wir nun schon Teile des kanadischen Winters auf Mallorca. Dass wir bis heute eine der Hauptattraktionen der Insel noch nie besucht haben, hat einen Grund: Auf dem Wochenmarkt von Sineu werden neben Obst, Gemüse, Fleisch und Käse auch lebende Tiere verkauft – und das ist so gar nicht unser Ding.

Tiere hin oder her – heute haben wir uns nun endlich ins Getümmel gestürzt. Der Markt ist riesig und erstreckt sich über den gesamten Ortskern der 3000-Einwohner-Gemeinde Sineu. Und tatsächlich bieten, soweit man das als Besucher beurteilen kann, auch „echte mallorquinische Bauern“ ihre Produkte an.

Der Ort selbst liegt genau in der Mitte der Insel. Wir haben, wie üblich, öffentliche Verkehrsmittel gewählt, um dort hin zu kommen. Die Bahn in Richtung Manacor benötigt, einschließlich einmal umsteigen, von Palma aus etwas mehr als eine Stunde.

Die Pfarrkirche Nuestra Senyora de los Angeles thront imposant über dem Dorf. Sie wurde 1248 erstmals geschichtlich erwähnt, war aber, wie das so oft auf Mallorca der Fall ist, genau zu unserer Besucherzeit geschlossen.

Es herrschten fast hochsommerliche Temperaturen, entsprechend voll waren die Straßen des kleinen Dorfes, als wir am späten Vormittag dort ankamen. Es waren überwiegend Touristen aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien, die oft Mühe hatten, sich zwischen den Hunderten von Marktständen einen Weg zu bahnen.

Ein Vergleich zu unserem Lieblingsmarkt in Santa Maria sei erlaubt: Die meisten landwirtschaftlichen Produkte waren in Sineu billiger als in Santa Maria, das nur wenige Kilometer außerhalb von Palma liegt. Die Auswahl an Wurst, Schinken, Käse, Obst und Oliven ist in Santa Maria jedoch größer.

Zwei Dinge hat Sineu, auf die ich liebend gerne verzichten könnte:

Als Straßenmusik-geschädigter Altstadtbewohner von Palma fand ich die diversen Bands, die den Marktplatz beschallten, schlicht zu laut und teilweise auch qualitativ unterirdisch.

Dass ich kein Freund von eingepferchten Lebenttieren bin, die in der Sommerhitze auf einen Käufer warten, versteht sich fast von selbst. Deshalb gibt’s davon auch keine Fotos in der Bildergalerie.