Ummendorf und das pralle Leben

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Ummendorfer unter sich: Bernhard, Herbert (nicht der!), Alfred, Josef, Claudia, Herbert (ja, der!), Irmgard und Arthur (von links nach rechts).

Es passt viel rein in so ein Wochenende – wenn man es dann auch reinlässt. Das vorgezogene Geburtstagsessen mit den Geschwistern fand in einem Landgasthof statt. Zum anschließenden Kaffeeklatsch luden Bruder und Schwägerin dann ins Geburtshaus des Autors ein. Der war für drei Tage vom heißen Mallorca ins eisgekühlte Oberschwaben gereist.

Der Temperatursturz tat der Stimmung keinen Abbruch. Es war das schönste Familientreffen, das man sich wünschen konnte. Mit Wurstplatten und Hochzeitssuppe, mit Plaudereien über die Zeiten beim Gesangverein, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fußballclub, der einfach nie aufsteigen wollte.

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Leichtes Frühstück  bei der Familie.

Es gibt da eine Frau in meinem Heimatdorf, von der es heißt, sie blicke alles, kenne jeden und sei dazuhin noch eine prächtige Organisatorin. Wenn der Bruder von dieser Frau dann noch vorschwärmt, sie sei vermutlich „die einzige Frau im Dorf ohne Feinde“, dann ist eigentlich klar, an wen man sich wendet, wenn man während des Blitzbesuchs in der alten Heimat noch einen Abend frei hat.

Diese Frau heißt Irmgard Ströbele und hat mir ganz kurzfristig eine zauberhafte Begegnung mit Menschen aus meiner Jugend beschert. KlassenkameradInnen, Nachbarn, Weggenossen – sie alle waren gekommen, um den vor 35 Jahren in Kanada verloren gegangenen Sohn in ihrer Mitte aufzunehmen.

Da war von gefangenen Lachsen in Alaska die Rede, die, hört man dem Erzähler zu, länger waren als der Ummendorfer Kirchturm hoch ist. Von einem Buch wurde gesprochen, das Sepp, ein früherer Postbediensteter, über „Ummendorfer Leute“ schrieb.

Eine frühere Nachbarin, Claudia, ließ ihren längst verstorbenen Vater noch einmal aufleben – auch so einer ohne Feinde im Dorf. Dass ausgerechnet dieser honorige Mann, der zeitweise Bürgermeister von Ummendorf war, dem Autor das Rauchen beibrachte, als der fünfzehn war, erstaunte selbst die Tochter nach so vielen Jahren.

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Bisschen Biskuitrolle von der Schwägerin.

Alfred war da, Sohn des einzigen Friseurs in Ummendorf. Mit ihm lassen sich genussvoll Schmankerln aus vergangenen Zeiten teilen. Und, ja: Ich konnte mich noch genau daran erinnern, dass der Figaro immer eine Salem ohne Filter rauchte und das Nescafé-Tütchen mit der Friseurschere öffnete. Da war der Alfred baff.

Dass unvermittelt noch zwei Frauen aus meiner Jugendzeit zu unserem „Silverhair-Club“ stießen, obwohl sie erst wenige Stunden zuvor von einer anstrengenden Wandertour entlang der Amalfiküste zurückgekommen waren, muß an dieser Stelle unbedingt auch dankend erwähnt werden.

Auch all die anderen, die an diesem denkwürdigen Abend zu „Giovanni“ gekommen waren, trugen zum Gelingen dieser Nostalgie-Veranstaltung bei.

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Oberschwaben: Senfgelb mit Wolken.

Aber das war noch lange nicht alles, was dieses lange Wochenende so brachte. Da passte noch ein Kurzbesuch bei Freunden im Allgäu rein. Und auch eine weitere Kaffeerunde mit Uli Herzog, dem lokalen Krimi-Schriftsteller, der demnächst seines zweites Buch auf den Markt bringt.

Wer immer der Regisseur war, der zu diesem Treff noch einen weiteren Klassenkumpel aus Biberacher Gymnasial-Zeiten an unseren Kaffeetisch spülte, hat einen Orga-Oscar verdient. Hansi, der jahrzehntelang als Landarzt gearbeitet hatte, freute sich wie der Schneekönig von Winterstetten, dass er jetzt in den Ruhestand kann.

Fehlt noch was? Achja, der Rückflug von Memmingen nach Palma. Der war diesmal ganz besonders kurzweilig. Irgendwie passt es es zu diesem Wundertüten-Wochende, dass man im Gespräch mit einer Sitznachbarin namens Julia tatsächlich noch gemeinsame Bekannte entdeckte.

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3 Gedanken zu „Ummendorf und das pralle Leben

  1. So schön geschrieben. Ich freue mich für dich, dass du ein tolles erlebnisreiches Wochenende in good old germany gehabt hast. Mögen noch einige folgen.

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  2. Hallo Herbert,
    da hast du dir aber zum Ende deines diesjährigen Europa-Trips ein wirklich wunderschönes Highlight bescheren lassen – und auch noch mit uns geteilt. Vielen Dank dafür!
    Auch wir trafen an diesem Wochenende viele Freunde wieder und viele von der Familie. Allerdings in einem Wechselbad der Gefühle. Die Freunde trafen wir bei der Trauerfeier für eine ganz, ganz liebe Freundin, die Familie am Tag drauf bei der Konfirmation unseres jüngesten Enkels.

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  3. Herzerwärmend erzählt, man spürt geradezu die Freude über das Wiedersehen mit der Jugend aus längst vergangenen Zeiten und die Herzlichkeit aus Deinen Worten! Danke für’s teilhaben lassen.

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