Glücklich im alten Leben zurück

Was für ein Geschenk! Die vergangenen fünf Monate durften wir die Leichtigkeit des Mittelmeers verspüren, während hier in Montréal Eis, Schnee und Hochwasser das Leben lähmten. Jetzt ist aber auch gut: Wir sind wieder da!

Fünf Monate sind eine lange Zeit. In fünf Monaten sterben gute Freunde, trennen sich liebe Menschen, werden Brücken gesprengt und Hochhäuser gebaut, wechseln Leute Job, Haarfarbe, Wohnung und Auto. Fünf Monate Abwesenheit sind zu lange, um hinterher zu tun, als sei alles beim Alten geblieben.

„Fremdelst du noch“?, fragte SIE gerade mal eine Stunde nach der Rückkehr von Mallorca nach Montréal. „Ja“, musste ich kleinlaut zugeben. „Wo ist eigentlich die Butterdose“.

Die Butterdose zu finden, stellte sich als die kleinere Aufgabe heraus. Die großen Fische waren: Kein Internetanschluss, neue Hausverwaltung, kein Handyplan mehr und der Akku beim drahtlosen Telefon ist auch leer. Wie also den Internetprovider anrufen? Wie gut, dass der Sohn ein geladenes Handy hat.

Muss eigentlich die Hausärztin ausgerechnet jetzt in Pension gehen, während wir nicht da sind? Und überhaupt: Warum geht dieses verdammte Kofferschloss nicht auf?

Reisen bildet, stimmt. Aber es nervt auch. Und der Weg ist schon lange nicht mehr das Ziel. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war ich so angefixt vom Kerosingestank, dass ich die ersten Minuten im Flugzeug regelrecht zelebrierte. Das Privileg, einer der wenigen Vielflieger in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zu sein, musste gefeiert werden. Das war vor 40 Jahren.

Heute? Fliegt doch jeder irgendwie von Flensburg nach Timbuktu und lässt seinen Koffer längst nicht mehr nur in Berlin stehen, sondern auch in Barcelona oder Anchorage. Oder dort, wo All-Inklusive-Vacations angeboten werden.

Sich mit dem Bord-Entertainment im Flieger vertraut zu machen, ist inzwischen ein Kinderspiel, auch wenn das bei jeder Airline anders funktioniert. Sich dann aber als alter Digitalhase von dem jungen Spund auf dem Vordersitz sagen zu lassen: „Das ist ein Touch-Screen und kein Push-Screen!“, nur weil der sich beim Kanalwechsel zu heftig gedrückt fühlt, tut weh.

Achtung, Opa erzählt dir gleich was vom Krieg: „Danke, ich bin schon mal geflogen“. Die Reise kann ja heiter werden.

Wurde sie zwar nicht so richtig, aber angekommen sind wir trotzdem. Vor allem weitgehend gesund, diesmal auch ohne bleibende Hörschäden.

Und mit der Erkenntnis, dass fünf Monate Abwesenheit zu lang sind, um so zu tun, als bliebe immer alles beim Alten.

 

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