Die Stimme Kanadas im Radio

Radio Canada International, deutsche Abteilung. Von links nach rechts: Georges Lissoir, Margaret Schwaikowsky, Gunter Michelson, Erwin Potitt, Herbert Bopp, Maggy Akerblom

„Hier spricht Kanada“ – dieser Satz hat jahrzehntelang Menschen in aller Welt bewegt, berührt und neugierig gemacht. Denn was auf die Anmoderation folgte, war eine halbstündige Live-Sendung in deutscher Sprache. Übertragen wurde sie von Radio Canada International (RCI), dem Auslandsdienst der Canadian Broadcasting Corporation (CBC).

Zu Beginn der achtziger Jahre war ich Teil der deutschen Redaktion, moderierte die Sendung, produzierte Beiträge, ging auf Reportage. Als ich danach Freier Kanada-Korrespondent für die Sender der ARD wurde, blieb keine Zeit mehr für Radio Canada.

Eigentlich schade, denn die Jahre, die ich in den Studios am Boulevard René-Lévesque im Osten von Montréal verbrachte, gehören in beruflicher Hinsicht zu den spannendsten meiner Kanada-Zeit. Das Arbeitsumfeld glich einer Miniaturausgabe der UNO. Das Sprachengewirr, das internationale Flair, das uns damals umgab, beflügelte die Sinne und sorgte für Kreativität im Kopf.

Beim Open House der CBC vor ein paar Tagen gab es jetzt eine ernüchternde Bilanz.

Von den ursprünglich 21 Sprachabteilungen bei RCI sind gerade noch drei geblieben: Englisch, Spanisch und Mandarin. Die anderen wurden aus Kostengründen gestrichen. Und überhaupt war die Zeit für das Rauschen im Aether abgelaufen. Die Kurzwelle hatte ihre Zukunft hinter sich.

Beim „Tag der offenen Tür“ mit dem Leiter der lateinamerikanischen Abteilung, Dr. Pablo Gomez Barrios aus Kolumbien.

Bei der Gründung des staatlichen Auslandssenders im Jahre 1945 wurde noch in Sprachen wie Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und Portugiesisch gesendet. Und natürlich war es Aufgabe des Senders, die Länder des Ostblocks mit unzensierten West-Nachrichten zu beliefern. Bis zu 16 Millionen Hörer schalteten sich pro Woche in die Sendungen ein.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Einführung des Internets hatten Kurzwellen-Sendungen ihre Daseins-Berechtigung verloren. Geblieben ist noch ein Skelett von Englisch, Spanisch und Chinesisch.

Herrenrunde mit Geschichte(n): Dr. Klaus Fleck aus Berlin, ein langjähriger Hörer von Radio Canada International. Dr. Peter Bernath, früher Berlin, heute Sherbrooke/Québec, ehemaliger Moderator der deutschsprachigen Sendung, am vorigen Freitag (6-10-2017) mit dem Autor im Carré St. Louis in Montréal.

Meine Erinnerungen an Radio Canada International sind trotz des Spaßfaktors bittersüß. Ein gut aufgelegtes Team sorgte täglich für 30 Minuten Information und Unterhaltung. Doch von den Männern und Frauen, mit denen ich bei RCI zusammen arbeiten durfte, sind gerade noch zwei am Leben: Maggy Akerblom und Dr. Peter Bernath. Beide wohnen noch immer in Kanada. Mit beiden bin ich noch immer eng befreundet.

Nicht mehr am Leben sind Margret Schwaikowsky, Erwin Potitt, Gunther Michelson sowie der Leiter der Programmgruppe Westeuropa, der Belgier Georges Lissoir.

Der „Tag der offenen Tür“ bei meinem ersten und einzigen kanadischen Radiosender, für den ich je gearbeitet habe, brachte viele Erinnerungen zurück. Doch dabei blieb es. Persönliche Begegnungen mit früheren Kolleginnen und Kollegen waren mir leider nicht mehr vergönnt.

Hintergründe und Videos zu Radio Canada International gibt’s >> HIER <<

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