Der Ozean vor meiner Tür

IMG_1555Meine Bucketlist? Ein Bagel-Frühstück mit Leonard Cohen. Gitarrenunterricht bei Eric Clapton. Und irgendwann mal am Meer wohnen. Für das Frühstück ist es jetzt ja leider zu spät. Clapton kann ich mir vermutlich auch abschminken. Bliebe noch das Meer.

Strandurlaub war häufig. Auf Kuba, in Australien, am Golf von Mexiko und auf Hawaii. Doch nach ein, zwei Wochen war immer Schluss mit Meeresrauschen und Salz auf den Lippen.

Seit gestern kann ich nun endlich Punkt drei meiner persönlichen Wunschliste abhaken: Ich lebe am Meer.

Sonnenuntergänge statt Schneeberge. Wellensingsang statt brüllende Räumfahrzeuge. Sandbänke statt Schlaglöcher. Auf meiner ganz privaten Fototapete sind neuerdings Windsurfer und Kitekids zu sehen, Komorane, Möven und Stehpaddler.

Nach neun Mallorca-Wintern in Palma wurde es Zeit für einen Wechsel. Traumhaft, die Jahre an der Plaza de la Reina. Herrlich, die Zeit am Prachtboulevard Borne. Nicht so berauschend waren  allerdings die letzten beiden Winter auf Mallorca.

Der Lärm der Innenstadt, die Krachmacher, die sich Straßenmusiker schimpfen, der Dreck und die Millionen von Urlaubern, die Palmas Altstadt genau so wunderschön finden wie wir. Nur: Sie gingen wieder, wir blieben. Und haben uns nach dem letzten Palma-Winter geschworen: Nie wieder Innenstadt.

Schon klar: Erste-Welt-Sorgen, die nicht nach Mitleid rufen.

Unser jetziges Domizil liegt weit genug von Palma entfernt, um der akustischen Dauerberieselung zu entgehen. Aber nahe genug, um spontan mal eine 15minütige Busfahrt in die geliebte „Bar Bosch“ im Zentrum dieser herrlichen Stadt zu unternehmen.

Ganz ohne Krach geht es natürlich auch am Meer nicht, denn der Ozean ist sein eigener Lautsprecher: Es bellt und zischt und blubbert und brodelt. Es wimmert und säuselt und brummt, knallt und flüstert. Und tatsächlich rauscht das Meer auch manchmal.

Das Meer ist auch seine eigene Duftkammer: Mal wabert es fischig und algig vor sich hin. Ein andermal dringt der Geruch von Tang zu uns herauf. Und natürlich riecht das Meer salzig, eigentlich fast immer.

Und dann die Farben des Meeres: Es ist grau und blau und braun und türkis. Wird das Wasser dann von einem Sturm durcheinander gerüttelt wie in der vergangenen Nacht, kokettieren die Krönchen der Wellen am nächsten Morgen in einem giftig-gelblichen Möchtegernweiss.

Das Meer ist seine eigene Wundertüte und immer gut für Überraschungen. Kommen Sie wieder, wenn Sie wissen möchten, was der Ozean vor meiner Tür während der kommenden Monate sonst noch so alles auf Lager hat.

Ich werde es ihnen flüstern.

2 Gedanken zu „Der Ozean vor meiner Tür

  1. Lieber Hebo,
    gleich zu Beginn ein grandioser Text! Man spürt regelrecht Deine Liebe zum Meer, zur Landschaft! Mein ewiges Fernweh zur Meerlandschaft versiegt, denn Du hast sie mir ins Wohnzimmer gezaubert! Ich höre sie, sehe sie und fühle sie. Vielen Dank.

    Gefällt 1 Person

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