Gefangen in der Wetterfalle

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Also, dann mal zum Wetter: Es ist seit ein paar Tagen regnerisch-kühl, oft auch windig. Alles in allem ziemlich unterirdisch fürs Mittelmeer. Denn anders als im heimischen Kanada ist hier die Erwartungshaltung groß. Schließlich sind wir vor allem wegen des Wetters nach Mallorca gekommen.

Die ersten zwei Wochen hat es sich dann auch, scheinheilig wie es ist, ordentlich benommen. Bei frühsommerlichen Temperaturen waren wir wandern, tranken Vino auf Terrassen, frühstückten Bocadillos auf dem Balkon.

Dann kam lieber Besuch. Und prompt schlug das Wetter um.

Was nun? Während der ersten Jahre in Kanada glaubte ich noch, mich fürs Wetter rechtfertigen zu müssen. „Entschuldigung, aber  es ist ein bisschen zu heiß für die Jahreszeit“. Oder: „Sorry, so bewölkt war es zum letzten mal vor sieben Jahren“. Oder auch: „Oh Gott, wo kommen den plötzlich all diese Mücken her?“

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Nie ohne meine Mütze: Wer in Kanada lebt und bei minus 26 Grad abgeflogen ist, den können plus 14 Grad nicht erschüttern.

Die Wahrheit ist: Es war schon immer zu heiß für die Jahreszeit. Bewölkt ist es immer dann, wenn man es nicht brauchen kann. Und dass Kanada das Mücken-Hauptquartier der Welt ist, weiß auch jeder, der schon mal da war. Im Winter präsentiert sich das Land meines Herzens mit Eis- und Schneestürmen. Etwas anderes erwartet auch keiner von Kanada.

Nicht so auf Mallorca. Genau 7.9 Stunden am Tag scheint hier im Schnitt die Sonne, lese ich im Wetter-Almanach. Nicht im Schnitt bedeutet das: Während der letzten vier Tage schien die Sonne genau gar nicht. Oder so ähnlich.

Dafür windete es so heftig, dass an den Stränden die orangefarbenen Flaggen ausgehängt wurden – nur eine Stufe von Rot entfernt. Rot bedeutet Weltuntergang.

The weather – what a mess!“, textet der Montrealer Freund, der den Winter in Malaga, auf dem spanischen Festland, verbringt. „We had to cancel our golf game again today!“Null Mitleid“, texte ich zurück. „In Montreal müsstest du das Golfspiel gleich gar nicht absagen. Auf die Idee, um diese Jahreszeit zu golfen, kommt dort ohnehin keiner“.

Hier sind wir wieder beim Glas, das halb voll ist und nicht halb leer.

Ehrlich leid tun mir die Menschen, die für ein paar Tage dem deutschen Schmuddelwetter entfliehen wollten und auch noch Geld dafür ausgegeben haben, um in die mallorquinische Regensuppe einzutauchen.

Als Langzeit-Insulaner sieht man so eine Schlechtwetterphase gelassener. Endlich das Buch fertig lesen, das bei 25 Grad im Schatten liegengeblieben war. Mails an Freunde schreiben, Fotos bearbeiten, Steuerunterlagen ablegen und den Sonnenuntergang vom Balkon aus endlich mal in Grau zu erleben, einer völlig neuen Mallorca-Farbe. Und überhaupt: Wer hat denn schon mal das unglaubliche Glück, die schneebedeckten Tramuntana-Berge zu sehen?

Und wenn dann alles erledigt ist, könnte man ja eigentlich auch mal einen Blogpost übers Wetter schreiben. Voilà!

PS: Petrus liest mit! Die Wolken haben sich verzogen. Über Palma ist der Himmel inzwischen blau. Wetter eben.

3 Gedanken zu „Gefangen in der Wetterfalle

  1. Ich kann Karnevalswetter bieten: Temperaturen nachts bei minus 5, tagsüber um die Null Grad. Dafür strahlend blauer Himmel. Weiberfastnacht eben. Dafür soll‘s am Montag für die Züge wieder regnen wie in den letzten beiden Jahren auch. Für uns kein Problem: Sonne im Herzen, Wein im Keller, Züge bei Bedarf bei Freunden im FS, während wir deren PC reparieren bzw. das Iphone für Blinde trainieren. Wetter? kennen wir nicht. Da hast Du völlig recht, Winter eben, im Februar nicht ganz unerwartet. 😉

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