Ein Fröhlichmacher namens Rob

Sein Traum? Als erster Mensch der Welt 150 Jahre alt zu werden, das wär’s. Wird er es schaffen? „Sehe ich so aus wie einer, der zu viel verspricht“? Jetzt grinst er und schickt dabei ein Zwinkern über seine gebräunten Gesichtshälften und du denkst für den Bruchteil einer Sekunde wirklich: Wenn es einer schafft, dann er.

Rob Overall heißt der alte Showman, „they call me Doc“. Ich treffe ihn auf dem Flohmarkt von Consell. Dorthin strömen Sonntag für Sonntag Tausende aus allen Ecken Mallorcas. Mehr Unnützes für weniger Geld geht nicht.

Rob verkauft keinen Ramsch. Es sind gut gebaute Gitarren, die er einmal in der Woche in seinem Vitara von Valdemossa nach Consell schippert. Bei Valdemossa, dort wo das Tramuntanagebirge das Meer küsst, lebt der liebenswerte Engländer auf einer kleinen Finca. Manchmal mit Partnerin („Anwältin aus Paris“), oft allein oder mit Freunden. Auf dem Flohmarkt in Consell verdient er sein Geld. Oder auch nicht.

Verkauft er eine Gitarre pro Sonntag, hat er seine Unkosten für Sprit und Standmiete raus. Bei zwei geht es ihm schon ganz okay. Mehr sind es nur selten. Aber weil er nicht nur Consell beliefert, sondern samstags auch Son Bugadelles bei Santa Ponsa, klappt das ganz gut mit dem Gitarrenhandel. Die Instrumente bringen ihm Leute an den Stand, die sie loshaben wollen. Man kennt sich in Gitarrenkreisen.

An Robs Stand sorgen ausgewachsene Männer für Kleine-Jungs-IMG_2680Stimmung. Da zupft einer, während ein anderer pickt. Dort schlägt und schrammt einer und wieder ein anderer glaubt, er könne hier einfach mal nachtunen, was längst gestimmt ist. Und dann diese Jam-Sessions! Gibt es eigentlich irgendjemanden, der nicht gerne mal in einer Band gespielt hätte? Oder gespielt hat?

So viele Experten mit so wenig Ahnung gibt es nur an Robs Gitarrenstand.

Nicht immer hat Rob sein Geld mit Gitarren verdient. Es gab eine Zeit, da hatte er seine eigene Stahlbau-Firma, das war in Kent/England. Danach verscherbelte er Landrovers in alle Welt „und alles, womit sich sonst noch handeln lässt“. Aufgewachsen ist er auf einer kleinen Farm in Norfolk. Von Gitarren und Landrovers damals noch keine Spur.

Die schulterlangen Haare, der graue Hippiebart, die Bikermütze, Armringe, Sonnenbrille, all der andere Schmuck und überhaupt? Er sei halt schon immer einer gewesen, der das Abenteuer und die Freiheit liebt. Harleys, Landrover, die Stones, die Beatles. Und Gitarren. Diese Mischung habe ihn schließlich auch nach Mallorca gebracht.

Es war vor 15 Jahren. Für einen Kumpel skipperte er Boote von Brighton aus nach Frankreich und von dort über die Kanäle ans Mittelmeer und schließlich auf die Balearen.

Der Kumpel, wie so vieles im Leben von Doc Overall, war auch nicht so ganz das, was man sich unter einem Normalbürger vorstellt. „Er war der Masseur des amerikanischen Präsidenten“. Welcher Präsident?, will ich wissen. „Bush“. Okay, Bush. Aber welcher Bush? Alle.

Jedenfalls war sein Kumpel ein guter Masseur und Rob nicht nur ein guter Typ sondern auch ein ganz guter Geschäftsmann. Also haben sie sich auf Mallorca zusammengetan und diese Finca bei Valdemossa gekauft.

Und die Gitarren? In diese Welt habe ihn Graham eingeführt, sein Sohn. Während er, Rob, nicht einmal einen Akkord spielen könne, sei sein Sohn ein Profi. Er singt und tanzt und spielt und kocht.

„Und wo ist dein Sohn“?

„In Ashville/USA“.

„Du meinst Nashville, Rob?“

„Nein, in Ashville, North Carolina“.

Dort, wo die Blueridge Mountains in den Himmel ragen, sei sein Sohn hingezogen. Und natürlich hat auch er sich einen Namen gemacht. Er sei dort bekannt als „The Singing Chef“. Nun ja, er koche und mache auch Musik. Was man eben so tut in Ashville. Übrigens habe der Sohn in Amerika eine Millionärin gefunden. Ach was, Millionärin. „She is a billionaire!“. Dann eben Milliardärin, warum auch nicht.

Wie er so gut gelaunt hinter seinem Verkaufsstand auf und ab tänzelt, könnte man glauben, man habe es mit einem spät pubertierenden Teenager zu tun. Dabei ist der Mann im Biker-Outfit 72. Zwei!und!siebzig! Echt jetzt.

Und weil er noch nicht einmal die Hälfte seines angepeilten Alters erreicht hat, plant er zurzeit sein Leben, 2. Teil. Schon bald möchte er auch anderen Menschen die Kunst eines langen, glücklichen Lebens verraten, gesunde Ernährung inklusive. Für professionelle Massagen steht sein Kumpel zur Verfügung, dem ja der Ruf als Bush-Masseur vorauseilt.

Zwei, drei Frauen würden er und der Kumpel gerne pro Sitzung therapieren, sagt Rob. Nur Frauen? „Männer stören bei solchen Sessions eher“, sagt er. Und wieder huscht dieses Zwinkern über sein Gesicht, das wir ja bereits von der 150-Jahre-Prognose her kennen.

Ich glaube übrigens, hinter Robs Geheimnis gekommen zu sein. Der fröhliche Gitarrenhändler nimmt sich einfach selbst nicht so richtig ernst.

3 Gedanken zu „Ein Fröhlichmacher namens Rob

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