Besuch im Allgäu: Wia dohoim

Die Wahrheit ist, dass ich nicht im Allgäu aufgewachsen bin, sondern im oberschwäbischen Voralpengebiet. Meine Wiege stand in Ummendorf, wo es auch schön ist, aber eben nicht ganz so pittoresk wie im 20 Kilometer entfernten Allgäu. Jetzt, da die Wahrheit auf dem Tisch ist, kann ich es ja sagen: Ich fühle mich im Allgäu so wohl, als wäre ich hier „dohoim“.

Das Allgäu ist der Landstrich, in dem Blumenwiesen für Milchkartons modeln, Käseschachteln Kult sind und das Mineralwasser Sprudel heißt. Und weißt du mal nicht so recht, wie das Häusle an der nächsten Straßenecke einzuordnen ist, dann tippst du einfach auf eine Käserei, ein Milchlädele oder ein Geschäft für Dirndlmoden und liegst wahrscheinlich richtig.

Im Allgäu selbst habe ich zwischen zwei Auslandsaufenthalten nur für kurze Zeit gelebt. Das war Mitte der 70er-Jahre, als sich die damals auflagenstärkste Tageszeitung Baden-Württembergs noch Redakteure für den „Landesüberblick“ leistete und sogar einen eigenen Polizei- und Gerichtsreporter. Das war ich.

Doch trotz dieser kurzen Lebensphase hatte das Allgäu für mich immer eine ganz besondere Bedeutung. Nicht nur, weil ich dort die Frau meines Lebens getroffen habe, sondern auch, weil ich dort mehr Freunde und Bekannte habe als irgendwo anders in der Welt, Familie und Verwandtschaft obendrein. Und auch meinen Freund Börnie, der diesen Blog seit 31. Oktober 2016 von einer anderen Welt aus kritisch verfolgt.

Als wir vor ein paar Tagen von Mallorca nach München flogen und von dort weiter mit dem Auto nach Leutkirch gereist sind, war ich mir zunächst nicht so sicher, ob das so eine gute Idee war. Mittelmeer gegen Kuhwiesen. Tapasbar gegen Bauernwirtschaft. Feldspaziergänge statt Strandwanderungen.

Nicht erst nach einer Woche ist mir klar: Es war eine großartige Entscheidung.

Das fängt schon beim Wetter an. Während es auf Mallorca ganz oft kalt, regnerisch und windig war, empfing uns hier ein lieblich-warmer Frühling. Sattgrüne Wiesen, kristallklare Bergbäche, blühende Bäume und Sträucher – und kaum eine Brise, dafür Sonne satt. Mit Temperaturen, die im kalten Kanada als Frühsommer durchgehen könnten.

Der morgendliche Gang zum Bäcker, der am Bachufer sein Lädele hat. Der Metzger, der schon in aller Herrgottsfrühe warme Leberkässemmeln verkauft. Die Apothekerin, die sich um den mallorquinischen Sonnenbrand auf deinen Lippen kümmert, als gelte es die Welt zu retten – das alles vermittelt mir ein Gefühl des Heimkommens.

Es gab in den letzten Tagen ganz viele schöne Dinge, die in unser Leben geplätschert sind: Eine tolle Ferienwohnung mit liebenswerten Gastgebern. Essen bei Freunden, Einladungen von Menschen mit Geschichten, wunderbare Spaziergänge und sogar eine Seilbahnfahrt in Österreich mit traumhafter Berg- und Bodenseekulisse.

Und dann gab es da noch die ganz besondere Überraschung, die einfach nicht zu toppen ist: Plötzlich stand der Sohn aus Montréal an der Tür. Als hätte er geahnt, wie sehr wir ihn in den vergangenen Monaten am Mittelmeer vermisst haben.

Unser Deutschland-Urlaub im wilden Süden hat eben erst angefangen. Freuen Sie sich auf weitere Episoden aus der spannenden Serie „Abenteuer Allgäu“.

 

Ein Gedanke zu „Besuch im Allgäu: Wia dohoim

  1. War eine tolle Zeit, als es noch den „Landesüberblick“ aus Leutkirch gab. Heutzutage heißt das Ding „Wir im Süden“ und kommt aus Ravensburg. Und gefühlt leiten das Leute, für die Oberschwaben bestenfalls zum Broterwerb dient. Am liebsten würde ich Dir zurufen „Tu’s noch einmal Sam!“

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