Mutiger Freund: Julian Bernstein

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Wenn Kollegen mit ihrer Arbeit Erfolg haben, ist das für mich immer ein Grund zur Freude. Besonders groß ist die Freude jetzt über die Auszeichnung, die mein befreundeter Kollege Julian Bernstein zuteil wurde. Gestern Abend wurde ihm in Nürnberg der “Alternative Medienpreis” in der Rubrik “Geschichte” verliehen.

Julian (36), hat seine Wurzeln in Saarbrücken und lebt seit März 2017 zusammen mit seiner aus Tunesien stammenden Frau Meriem in Montréal. Von dort arbeitet er freiberuflich für eine Reihe von Zeitungen und Radiosendern.

Es ist ein politisch und historisch hochbrisantes Thema, für das Julian Bernstein jetzt ausgezeichnet wurde. Es geht um den langjährigen saarländischen Ministerprsäident Franz Josef Röder (1909 bis 1979). Der damalige CDU-Politiker wird bis heute als “Landesvater” verehrt. Seine Nazi-Vergangenheit, so Julian Bernstein in dem jetzt preisgekrönten Beitrag für die “Saarbrücker Hefte”, hätten Archivare und Historiker über Jahrzehnte verschleiert.

Durch kluge Recherche sei es Julian Bernstein gelungen, das Thema “gut belegt und für den Leser immer nachvollziehbar“ aufzuarbeiten. Mit anderen Worten: preiswürdig.

Den Alternativen Medienpreis gibt es seit 19 Jahren. Er geht  an Medienschaffende, die, wie es auf der Homepage des Preisverleihers heißt, “unsere Welt kritisch und aus einer ungewohnten Perspektive betrachten”. Es brauche Mut, die Welt mit anderen Augen zu sehen, Missstände aufzudecken und über Unrecht zu berichten. “Alternativer Journalismus wird in unserer Gesellschaft Veränderungen bewirken”.

Gesponsert wird der mit 500 Euro dotierte Preis unter anderem von der Friedrich-Ebert-Stiftung und den Gewerkschaften ver.di und dju.

„Sorgfältig und auch mit persönlichem Risiko verbunden“ –  Laudatio auf Julian Bernstein

 

 

4 Gedanken zu „Mutiger Freund: Julian Bernstein

  1. Lieber Herbert Bopp, ich finde die Anmerkungen von Frau Dorothee Perry-Lyman vollkommen unkritisch und verstehe Ihre Replik in ihrem spezifischen Duktus (sprachlich) nicht so ganz… Julian Bernstein und sein Kompagnon von den Heinrich-Böll-Stiftung Saar, der das in den „Saarbrücker Heften“ losgetreten hatte, hinken mit ihren Fragen im Zeitplan des Diskurses analog zu meinen zugegebenermaßen polemisch gefärbten Bemerkungen oben/unten (?) zwangsläufig hinter dem Stand der Diskussion bezüglich eines Wieso-weshalb-warum-das-Ganze-so-und-nicht-anders her. Denn die Diskussion wird hier jetzt erst geführt, während sie anderenorts bereits von der Sache her, die man getrost auf das Saarland übertragen kann, was dieses aber nicht so gerne will, mehr oder weniger zu einem Abschluss gekommen ist … oder so. Deren ‚kämpferischer‘ Ton entsteht auch dadurch, dass sich große Teile der Gesellschaft schlicht nicht mehr dafür interessieren, die „Fachleute“ hingegen eigenartige Reflexe zeigen, die man eben eher aus den Zeiten der Filbinger- und Fritz-Bauer-Debatten kennt, aber jetzt nicht mehr erwartet hätte, und welche bei jeder Aufarbeitungsdebatte irgendwo auf unserem kleinen Planeten genau so wiederfinden kann (Argentinien, Kambodscha, Ruande, DDR – da warte ich immer noch auf Einsicht in meine Stasi-Akte – und und und und und und…. bestimmt bald auch in Nordkorea). Das, finde ich, hat Frau Perry-Lyman zumindest teilweise wohl gemeint und schön zum Ausdruck gebracht. Oder? Und natürlich wird immer etwas „erinnrt“; die Aufrüttler sehen sich auch in einer Tradition der historischen Erinnerungsarbeit und -kultur; kenne sie ja diesbezüglich sogar persönlich ;-) . Und zum ersten Mal findet hier auch nichts statt (latent wurde immer über das Thema gesprochen), aber zum ersten Mal so öffentlich … und so erstaunlich vehement, als hätten wir hier nicht auch andere emotional aufgeladene Themen zu verhandeln, was leider überhaupt nicht der Fall ist.

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  2. Liebe Dorothee, ich denke, du hast Julians preisgekroenten Text selbst nicht gelesen. Auf Wikipedia ist diese ganze Geschichte naemlich nur deshalb zu finden, weil Julian und ein anderer „Investigativer“ den Sachverhalt aufgearbeitet haben. Es wird also hier an „nichts erinnert“, sondern es findet zum ersten mal überhaupt eine Debatte darueber statt. Julian geht in dem Text ja sogar auf den Filbinger-Fall ein und stellt die Frage, wie das passieren konnte, dass man sich so lange davor gedrückt hat, auch bei Röder mal kritisch nachzuforschen. bzw. er versucht, diese Frage zu beantworten.

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  3. Dazu sollte man wissen, dass das Saarland immer zehn (Licht)Jahre hinterher hinkt … hinter allem … (liegt an der „Kleinen Wiedervereinigung“ von 1959) so selbstverständlich auch in der Aufarbeitung des hier Relevanten, wo dieser Zeitraum noch einmal um das dreifache länger ausfällt, weil der Herr Röder, zwanzig Jahre autoritär (be)herrschend, jedwede Aufarbeitung unterdrückt und aktiv verhindert hat und sich Hochrangige immer noch bemüßigt fühlen, dieses geschichtsvergessen(d)e Werk fortzuführen. Dem zu widerstehen, darin liegt die Leistung, für die die Auszeichnung zu recht vergeben wird; allerdings maximal stellvertretend für die (handvoll) übrigen Widerständler (w/m/s), die eine Gedächtniskultur erst einmal begründen wollen … von anderen Kulturen einmal ganz zu schweigen ;-).

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  4. Während der Wendung von Brandt mit Endstadium „Ostverträge“ wurde die NS-Vergangenheit besonders durch die Gegner der Verträge bereits heftig aufgearbeitet. Wir hatten zu den ganzen „Größen“ der BRD (besonders Filbinger) schon zu Beginn der 70-er Pro-und Hauptseminare in der Uni. Das Wesentliche, was damals weitgehend mangels Internets unbekannt war, ist heute in Wikipedia zu finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Josef_R%C3%B6der Sicher ist es aber eine auszuzeichnende Tat, dies nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

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