Cowpunk in der Stadt mit Warzen

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Besuch aus der oberschwäbischen Heimat: Liebenswerte, rechtschaffene Häuslebauer, die das Leben noch vor sich haben. Kennengelernt haben wir uns irgendwann einmal auf dem Flug von Memmingen nach Mallorca. Zurzeit sind sie auf Tour durch den Osten Kanadas und der USA.

Man geht zusammen zum Vietnamesen, schickt sie auf einen Stadtspaziergang und auf die Formel-Eins-Strecke und auch zum Casino und in die Markthalle. Und trifft sich abends im tiefsten Osten von Montréal in einer Bar wieder.

Dort tritt „Bobby Dove“ mit ihrer Truppe auf, eine gute Bekannte, die eigentlich Cecile heißt. Sie spielt Country & Western und etwas, das sich Cowpunk nennt – ein Genre, das so gar nicht in die Hipster-Metropole Montréal passt. Mit am Tisch sitzt Bobbys Vater Mark, ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einem halben Dutzend Firmen.

Sitzt da einfach und trinkt Bier mit uns und pfeift durch die Zähne, wenn seine TochterIMG_5117 Cecile, die sich jetzt Bobby nennt, wieder einen Song gut zu Ende gebracht hat. Klatscht sich vor Freude die Hände wund, wenn sie beim Gitarrenstimmen kalauert „We tune, because we care“. Das Ganze in einer Bierkneipe, in der die riesigen Wasserflecken an der Decke die Dimension von Marks Swimmingpool haben dürften und das Graffiti im Klo schwindelerregend ist.

Das alles passt irgendwie nicht so richtig zusammen und ist dann doch wieder stimmig. Denn was passt schon in so eine Stadt, in der sich Hunderte von Nationen versammeln, die Dutzende von Sprachen sprechen.

Flüchtlinge? Die gab’s hier schon immer. Und sie waren schon immer willkommen in dieser Stadt, diesem Land, dieser Gesellschaft. Turban? Burka? Kippa? Wo ist das Problem? Montreal ist offen für alles. Und genau deshalb lieben Besucher wie die oberschwäbischen Freunde diese Stadt – meine Stadt – so sehr. Und die Stadt liebt sie.

Nichts ist perfekt, auch Montreal nicht. Montreal ist eine zauberhafte Stadt, aber es ist eine Stadt mit Warzen: Umleitungen, die ins Nirvana führen. Schlaglöcher, in die Fußbälle passen. Müll, verursacht von Menschen, die das Wort „Recycling“ nicht kennen.

Aber es ist eine Stadt mit einer Willkommenskultur, wie ich sie nirgendwo in der Welt erlebt habe. Und meine schwäbischen Freunde mittendrin.

 

2 Gedanken zu „Cowpunk in der Stadt mit Warzen

  1. Nein. Gibt es nicht. Aber natuerlich gibt es immer mal wieder ein paar Irre, die glauben, anderen ihre fremdenfeindlichen Ideologien aufzwingen zu wollen. Aber die spielen im gesellschaftspolitischen Altag keine Rolle.

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