30.000 Fotos sind nicht genug

Screen Shot 2018-06-21 at 20.47.12.pngIch weiß nicht, wie es auf ihrem Rechner, ihrem Tablet oder Smartphone aussieht. Ich weiß nur: So langsam ertrinke ich in einer Flut von Bildern. Genau 30.000 sind es in diesem Moment. Dazu ein paar Dutzend Videos – macht zusammen ein Bildermeer, das kaum mehr zu navigieren ist.

Früher … nein, Opa erzählt jetzt nicht vom Krieg. Aber früher war das wirklich eine klare Sache. Fotografiert wurde an Weihnachten, beim Ostereiersuchen, an der Erstkommunion und am 1. Schultag. In den Wochen und Monaten dazwischen durfte sich die Kamera in Vaters Schreibtisch ausruhen, oberste Schublade links. Papierfotos waren teuer und deshalb rar. Außerdem gab es, mal unter uns, in Ummendorf nicht so wahnsinnig viel, das unbedingt im Bild festgehalten werden musste.

Auch später, während der Journalistenausbildung, wurde nur im überschaubaren Rahmen fotografiert. Die Polaroid-Kamera lag immer im Dienstwagen, um notfalls kurzerhand ein Sofortbild schießen zu können. So auch, als mir völlig aus dem Nichts eine damals

Mein erstes Selfie (1973)

ziemlich bekannte Showgröße namens Gus Backus in einer Kneipe begegnete. Also kurz die Polairoid gezückt und draufgehalten. „Blitzen könn’se“, sagte der Deutsch-Amerikanische Schlagerstar, „aber donnern nicht“. Fragen Sie mich nicht, warum ich mir diesen dämlichen Satz gemerkt habe. Jedenfalls ist er genau so gefallen. Das muss anno 1968 gewesen sein.

Die richtig guten Fotos schossen in der Zeitungsredaktion ohnehin nicht die schreibenden Journalisten. Dafür hatten wir Fotoreporter wie den später überaus erfolgreichen Gründer der Reportagen-Agentur Zeitenspiegel, Uli Reinhardt. Mit ihm, der noch heute weltweit unterwegs ist, verbindet mich auch 50 Jahre später noch ein freundschaftliches Verhältnis.

Als Hörfunkjournalist hatte die Kamera dann ihren Reiz etwas verloren. Jetzt waren Töne angesagt. Also konzentrierten sich meine überschaubaren technischen Kenntnisse auf Mikrofone, Aufnahmegeräte und Schnittprogramme.

Dann kam das Internet. 2001 schickte mich der WDR von Montreal nach New York, um für die Onlineredaktion über die Terroranschläge vom 11. September zu berichten. Ich hatte vieles – nur keine geeignete Kamera. Also besorgte ich mir das Einstiegsmodell einer Luminex-Digicam. Die Bedienungsanleitung dazu studierte ich im Zug auf dem Weg nach New York. Gleichzeitig machte ich mich mit meinem ersten richtigen Laptop vertraut, den ich ebenfalls kurz vor New York im „Future Shop“ besorgt hatte.

Bei der Ankunft im Manhattan hatte ich beides im Griff. Meine erste Fotoreportage fürs Internet war auch gleichzeitig die erschütterndste meiner langen Journalistenlaufbahn. New York war eine verwundete Stadt. Und ich musste darüber berichten.

So tragisch der Anlass für meine erste Bildstory war, so sehr war ich jetzt von der Technik der Digitalfotografie angefixt. Es gab nichts mehr, das ich nicht auf meine SD-Karte speicherte, um die Bilder danach im Rechner hochzuladen. Blumenwiesen und Meeresrauschen. Menschen mit und ohne Geschichten. Stadt und Land, Himmel und Erde. Und natürlich jede Menge Katzenfotos.

Mit dem ersten iPhone wurde die Sammlung immer größer. Als der Rechner schließlich überquoll, musste eine externe Festplatte her. Als auch diese angesichts der Datenflut schlapp machte, wurde eine Cloud angemietet. Jetzt bin ich bei 30.000 Fotos – und kein Ende in Sicht.

Die größte Herausforderung beim Fotografieren ist inzwischen nicht mehr die Aufnahme selbst, sondern die Frage: Welche Fotos lösche ich, wie viele behalte ich. Und vor allem: Wer soll die eigentlich alle anschauen?

Weil ich den Bilderschwall weder Freunden noch Verwandten zumuten möchte, bin ich selbst zum größten Fan meiner Fotosammlung geworden. Kein Tag, an dem ich nicht im Datenarchiv krame, um mir Urlaubsfotos und Kinderbilder zu Gemüte führe.

Und natürlich auch das eine oder andere Katzenfoto.

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