Weltklasse-Tennis mit Jean

Die Besten der Besten unter sich: Simona Halep und Sloane Stephens bei den Canadian Open. Foto: Bopp

Wenn die Weltbeste im Tennis gegen die Nummer drei spielt, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Die Crème-de-la-Crème der Tenniswelt – Simona Halep und Sloane Stephens – lieferten sich am Sonntag Nachmittag fast drei Stunden lang in der Montrealer Sommerhitze ein leidenschaftliches Match. Und ich verstand nur Bahnhof.

Dass die Rumänin gegen die Amerikanerin als Siegerin hervorging, war für mich eher unerheblich. Was zählte, war ein wunderbarer Nachmittag in Begleitung eines Freundes, der hundertmal mehr über Tennis weiß als ich.

Und genau darin lag der eigentliche Spaßfaktor. Tiebreak? Keine Ahnung, aber Jean weiß, was es ist. Matchball? Woher soll ich das wissen? Jean kennt sich aus. Deuce? Eher nicht. Love? Ja, aber nicht dieses Love. Jean wird es mir sicher erklären.

Sie wissen, was ich meine.

Als Reporter hatte ich zwar in den 80er- und 90er-Jahren gut ein Dutzend Mal über Tennis berichtet. Nur eben nicht über das Spiel selbst, sondern über die Stimmung am Centre Court und die Tücken der Stars.

Boris Becker, Steffi Graf, Ivan Lendl, Pete Sampras, Andre Agassi, Martina Navratilova – sie alle hatte ich vor dem Mikrofon. Nur nicht zum Spielverlauf, sondern zum Drumherum.

Wie finden Sie Montreal? Das beste Restaurant, der schönste Platz, die coolsten Clubs? Das Play-by-play, also den eigentlichen Spielverlauf, kommentierten Kollegen, die etwas davon verstanden. Der Kanada-Korrespondent war für das Grüne da.

So wie in jener schwülen Sommernacht, als Boris Becker um Platz drei auf einem Nebenplatz spielte und Barbara Feltus es nicht erwarten konnte, bis ihr Mann endlich fertig war. Zwei Jungs, vielleicht sechzehn, tauchten gegen Ende des Spiels mit einem Poster von Boris auf und baten seine geduldig wartende Ehefrau, ob sie ihren Gatten nach dem Match doch bitte um ein Autogramm für sie bitten könne.

Boris kam unmitelbar nach einer zermürbenden Hitzeschlacht zu Barbara, die neben mir auf der um diese Zeit nur noch spärlich besetzten Zuschauertribüne saß. Boris wollte nur eins: so schnell wie möglich ins Hotel. Doch Barbara stoppte ihren Göttergatten. Er solle jetzt gefälligst ein Autogramm auf sein Konterfei setzen, auf die paar Minuten komme es auch nicht mehr an. Schließlich hätten die beiden Jungs den ganzen Abend auf ihn gewartet.

Bobbele schrieb, Babs überreichte den Teenagern das signierte Poster. Und ich freute mich total, Zeuge eines solch liebenswerten Akts geworden zu sein.

Heute Nachmittag saß ich nicht mehr als Reporter auf der Pressetribüne, sondern dank zweier (geschenkter) Spitzentickets ein paar Meter hinter den beiden Stars Simona Halep und Sloane Stephens. In meiner Begleitung mein Freund Jean, der bis vor wenigen Jahren noch genau auf jenem Platz Club-Tennis spielte, wo heute die Besten der Welt zum Finale antraten.

Jean freute sich wie ein Schneekönig über unsere unverschämt tollen Plätze und verklickerte mir mit der Expertise des Tenniscracks jedes Spieldetail. Nur in einem Punkt war er auch nicht weiter als der Tennisbanause, der ihn zum Finale eingeladen hatte:

Warum ignoriert uns der Wasser- und Bierboy mit seiner Kühlbox eigentlich immer, obwohl er davon ausgehen kann, dass wir bei 32 Grad Sommerhitze nicht weniger durstig sind als all die anderen, die er mit Getränken versorgt?

Antwort: Weil alle anderen unserer Zeit voraus waren. Sie wussten etwas, das wir nicht wussten. Dass man seine Getränke heutzutage nämlich per App mit dem Handy an seinen Sitzplatz bestellen muss.

Wie war das nochmal mit dem guten, alten Dosenbier, das man sich in den Pausen am Tresen holte?

#ThanksOlivia

#MerciJean

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