St. Jakobus mag uns doch

JAKOBSWEG, Tag 23  –  20 Kilometer von Villadangos del Páramo nach Santibáñez de Valdeiglesias

FÜR ELSA

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise Menschen, die uns viel bedeutet haben, aber nicht mehr unter uns weilen.


Was für ein Unterschied ein Tag macht! Gestern noch der Höllenmarsch an lärmenden Highways entlang, durch Industriegebiete und Vorstadt-Tristesse. Heute früh dann ein begnadeter Sonnenaufgang überm Brummi-Parkplatz – und schon ist der Tag dein Freund.

Klar, die ersten paar Kilometer ging es auch heute noch entlang der Bundesstraße weiter. Aber schon bald schickte uns Herr Jakob über Land – und der Rest des Tages hätte nicht schöner sein können.

Temperaturen wie im Hochsommer und endlich mal wieder etwas für die Sinne:

Kuckuck, Rotkehlchen und Störche. Irgendwo ein herzhaftes Schinken-Käse-Bocadillo mit Blick auf die Römerbrücke. Und in der Ferne immer schneebedeckte Berge.

Dass wir die auf dem Weg nach Santiago demnächst überqueren müssen, soll heute unser Problem nicht sein.

Manchmal lässt der Camino dich entscheiden: Willst du die Hauptroute weiter gehen, oder doch lieber die etwas weitere, aber fast immer pittoreskere Nebenstraße?

Ein Glück, dass wir uns heute für Plan B entschieden haben. Sonst wären wir nicht in dem zauberhaften Dorf Santibáñez de Valdeiglesia gelandet, das allein schon wegen seines wohlklingenden Namens einen Besuch wert ist.

Und würde der Name allein nicht als Verkaufsargument ausreichen – spätestens beim Einchecken in dieses wunderschöne Hostel war uns klar: Der Umweg hat sich gelohnt.

Wirtsleute, die wissen, womit man zwei hungrige Pilger glücklich macht. Mit so schmackhaft gebratenen Hühnerbeinen, dass man dafür glatt das Abendessen ausfallen lassen könnte.

Überhaupt haben die meisten spanischen Gastwirte das volle Verwöhnprogramm drauf, wenn Pilger anklopfen. Fast immer gibt es zum bestellten Cortado, Tonic oder Wein ein paar Tapas als kostenlosen Gruß aus der Küche. Oder, wie eben, ein Stück vom Huhn, das der Patron bei deiner Ankunft gerade seiner Familie zum Mittagessen serviert.

Santibáñez de Valdeiglesia, wo wir eben angekommen sind, ist ein winzig kleines Dorf in einem Tal hinter einer hügeligen Landschaft, die zu überqueren nicht ganz ohne war.

Aber ist man dann erst einmal hier und sitzt vor dem „Camino Francés Hostel“ in der Sonne beim Wein, sind die 20 Kilometer schnell vergessen, die auch heute wieder zusammen gekommen sind.

Unmittelbar neben unserer Herberge ist der Dorfbrunnen. Er scheint das Kommunikationszentrum von Santibáñez de Valdeiglesia zu sein. Gut gelaunte Frauen treffen sich hier zum Samstagabend-Schwatz, während sie die mitgebrachten Gefäße mit frischem Trinkwasser auffüllen.

Und wie selbstverständlich grüßen sie die müden Pilger, eine nach der anderen, mit einem fröhlichen „Buen Camino!“

Diesen schönen Pilgergruß, den wir täglich dutzendfach zu hören bekommen, gebe ich hiermit einfach weiter und wünsche ein entspanntes Wochenende!

3 Gedanken zu „St. Jakobus mag uns doch

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