Palmsonntag in der Posada

JAKOBSWEG, Tag 24  –  13 Kilometer von Santibáñez de Valdeiglesias nach Astorga

FÜR ANNA H.

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise Menschen, die uns viel bedeutet haben, aber nicht mehr unter uns weilen.


Wir sitzen vor irgendeiner Bar ohne Namen am Straßenrand, trinken gemütlich unseren Cortado, genießen das wie immer leckere Bocadillo und freuen uns, dass wir es so gut haben. Dann kommen zwei wildfremde Frauen aus dem Dorf auf uns zu, beschenken uns je mit einem geweihten Olivenzweige und wünschen uns „Buen Camino“!

Kann so ein Tag noch besser werden? Besser vielleicht nicht, aber weiterhin schön.

Das fängt an bei der inzwischen wieder zauberhaften Landschaft, mit schneebedeckten Bergen am Horizont und fruchtbaren Äckern und Wiesen auf beiden Seiten des Caminos. Und geht weiter in der Unterkunft, die wir uns für die Nacht ausgesucht haben.

Es ist eine wunderschöne Posada, mitten in der Altstadt von Astorga. In dem ehemaligen Kloster sind nicht nur die Zimmer mit erlesenen, antiken Möbeln ausgestattet. Man kann es sich bei heute wieder sommerlichen Temperaturen im Klostergarten gemütlich machen und sich von der Tageswanderung erholen, die wir heute bewusst nach bescheidenen 13 Kilometern beendet haben.

Wir takten unsere Strecken bis auf weiteres so, dass wir nicht über Ostern in Santiago de Compostela ankommen werden. Den Trubel würden wir uns nämlich gerne ersparen.

Man sieht übrigens jetzt immer mehr Pilger auf dem Camino. Viele davon sind Reisende, die nicht wie wir den ganzen Camino wandern, sondern nur bestimmte Etappen.

Viele dieser Pilger wandern in Gruppen mit vorgebuchten Hotels, in die sie ihr Reisegepäck per Bus vorausschicken lassen. Diese „Peregrinos“ erkennt man meist daran, dass sie lediglich mit kleinen Rucksäcken für den Tagesproviant unterwegs sind.

Die Schwertransporter auf zwei Beinen, zu denen wir gehören, sind inzwischen fast in der Minderzahl. Eine Gruppenwanderin aus Nevada, die heute zeitweilig neben uns her marschiert ist, meinte, der Nachteil der organisierten Reisen sei, dass man sich meist immer nur in der eigenen Gruppe bewege und kaum Leute von außerhalb kennen lerne.

Der Vorteil liegt freilich auf der Hand: Weniger schleppen und Planungssicherheit bei der Wahl der Unterkünfte.

Wir nehmen dies allerdings gerne in Kauf und genießen in jeder Hinsicht unsere Freiheiten.

Allein auf dem nur 13 Kilometer langen Weg von Santibáñez de Valdeiglesias nach Astorga sind uns heute wieder begegnet: Pilger aus Österreich, Norwegen, Sibirien, Nevada, Brasilien, Spanien, Deutschland und der Karibikinsel Guadeloupe.

Mehr Völkerverständigung an einem Tag geht nicht.

Unterwegs dann wieder eine Art Hippie-Treff mitten im Nirgendwo: Ein paar von einer besseren Welt beseelten Free Spirits bieten gegen eine Spende frisches Obst, Brot und Getränke an.

Als wäre dieser Palmsonntag nicht schon ereignisreich genug, wurden wir kurz nach der Ankunft in Astorga auch noch von einer dieser schwermütigen, wegen der Kostüme fast bizarr anmutenden „Semana Santa“-Prozessionen begrüßt.

Sankt Jakobus hat uns also wieder einmal verwöhnt. Dafür und für vieles mehr sind wir ihm an diesem besinnlichen Abend hinter Klostermauern äußerst dankbar.

Aus Astorga schicken wir herzliche Grüße in die weite Welt hinaus und sagen:

Buen Camino!

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