Sehnsucht nach der Postkarte

Screen Shot 2019-10-23 at 12.02.04Texten Sie schon oder suchen Sie noch? WhatsApp, SMS, Facebook-Messenger, Google Chat, Instagram-Messenger … Nicht zu vergessen das gute, alte Email-Programm. War da noch was? Achja, die Postkarte und der Brief. Aber die sind ja längst im Museum.

Das Abrufen aller Nachrichten auf den diversen Kanälen im Internet ist nicht nur zeitaufwändig. Es nervt auch. Außerdem fällt schon mal eine Nachricht durch das Textsieb und man wundert sich, dass auf die Einladung keine Antwort gekommen ist.

Wäre ich IT-Spezialist, würde ich ein längst überfälliges Programm entwickeln, das alle Kommunikationswege in einer App bündelt.

Eine Zeitlang dachte ich: WhatsApp ist das ultimative Chat-Programm. Vor allem unter meinen deutschen Freunden ist es sehr beliebt, hier in Kanada übrigens weitaus weniger. Es ist schnell, nutzerfreundlich und übersichtlich in der Navigation.

Zu den Vorteilen von WhatsApp zählten für mich immer die Häkchen. Ist der Haken blau, hatte der Empfänger der Nachricht den Text gelesen. Ein graues Häkchen bedeutet: Geduld! Der Leser lässt sich mit der Lektüre noch Zeit.

Doch auf die Häkchenfarbe ist neuerdings auch kein Verlass mehr. Unter den Whatsapp-Einstellungen kann jeder selbst entscheiden, ob er als „gelesen“ oder „ungelesen“ gesehen werden möchte.

Ach, übrigens: Wussten Sie, dass Sie mit einem kleinen Trick auch bei Whatsapp Texte in kursiv oder fett schreiben können? So geht’s:

  • Kursiv: Unterstrich _vor dem ersten und letzten Zeichen_
  • Fett: Ein Sternchen *zu Beginn und am Ende des Satzes*

Am nervigsten finde ich Nachrichten, die mich auf Instagram erreichen. Die Antwort, vor allem wenn sie länger ausfällt, muss ich bei Instagram dann mühsam ins Handy tippen. Eine Computerversion von Instagram-Nachrichten gibt es meines Wissens nicht. (Falls ich mich täuschen sollte: bitte melden!)

Da wiederum finde ich Whatsapp toll. Hier gibt es nicht nur eine Smartphone-Variante sondern auch die Whatsapp-Version für den Computer (leider jedoch nicht fürs Tablet). Ich kann mir also mit der Antwort Zeit lassen und sie später via Keyboard tippen. Ähnlich bei der herkömmlichen SMS. Auch Facebook-Nachrichten können geschmeidig am Rechner verfasst werden.

Wie schön wäre da also ein schlankes Programm, das ich so konfigurieren könnte, dass alles, was ich verschicke und empfange über einen einzigen Kanal läuft, den ich wahlweise vom Computer, dem Smartphone oder dem Tablet aus bedienen kann.

Am besten mit blauen Häkchen, Sternchen und Unterstrichen. Und natürlich mit ganz vielen Emojis. (Den oben, im Banner, habe ich übrgens mit dem Apple-Programm selbst gebastelt.)

Manchmal bekomme ich Sehnsucht nach der guten, alten Postkarte. Doch selbst in diesem Punkt musste ich neulich eine Illusion begraben.

Kurz bevor wir uns auf den Jakobsweg machten, bat uns eine alte Dame, ihr doch eine Postkarte vom Camino zu schicken. Vesprochen ist versprochen.

Also suchten wir  in einem Dorf ohne Namen nach dem einzigen Papiergeschäft, wählten eine besonders schöne Bildpostkarte aus, machten uns auf die Suche nach einer Briefmarke auf den Weg zum Postamt, das natürlich – wir sind in Spanien – um diese Zeit geschlossen war. Beim 2. Versuch klappte es dann. Kuli gezückt, Text geschrieben, ab die Post. Adieu Karte.

Genau sechs Monate später ist die Postkarte immer noch nicht bei der alten Dame in Montreal gelandet.

Vielleicht sind ein paar Chat-Programme im Handy ja doch nicht so schlecht.

4 Gedanken zu „Sehnsucht nach der Postkarte

  1. Lieber Herbert, ich schreibe von meinen Reisen noch immer fleißig Ansichtskarten, suche mitunter schöne Briefmarken dazu aus und sende sie los. Das bleibt noch etwas Tradition. In der Regel kommen diese auch an, wie ich weiß. Allerdings scheint es nicht mehr en vogue zu sein, den Empfang in irgendeiner Form zu erwähnen, geschweige denn, sich zu bedanken, wenn man sich spricht. Postkarten haben früher also Freude gemacht und gebracht, heute sind sie wahrscheinlich nur noch lästig, da Distanzen zu anderen Ländern in Kürze anderweitig aufgehoben werden, vor allem durch elektronische Medien. Herzgrüße aus einem Postamt irgendwo auf der Welt :), Mario

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  2. Übrigens, wir haben 2017 in Südengland, bei „Landsend“ Postkarten inkl. Briefmarken gekauft und u.a. an meine Schwiemu geschickt, allerdings nicht direkt von dort, sondern ein paar Dörfer weiter in die rote mailbox geworfen….. Die kamen kurz vor Ostern 2018 an….. Also, it is not always due to the spanish… :-D

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  3. Doch, ich freute mich früher unglaublich über dicke, 16 Seiten langen Briefe von meiner Schwester….. Oder einen Brief meiner Eltern…. Das wurde zelebriert: zunächst wurden die anstehenden Pflichten erfüllt, dann wurde eine Tasse Kaffee zubereitet, Zigarettchen angezündet und genussvoll der Briefumschlag geöffnet…. Ich hatte nie den Eindruck, dass der Gedankenfluss gehemmt wurde, im Gegenteil! Unterhaltsame Dinge wurden in epischer Breite ausgeschmückt und trübe Gedanken, die wahrscheinlich am nächsten Tag schon wieder „Schnee von gestern“ waren, wurden oft nicht mitgeteilt, weil die Situation sich natürlich schon längst wieder geändert hatte, als der Brief endlich seinem Empfänger zugestellt wurde…..
    Und solche Briefe wurden auch nicht an einem Tag verfasst, sondern waren Konglomerate mehrerer Abende.

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  4. Wenn Dir Nachrichten von Menschen wirklich wichtig sind oder Du Menschen wichtig bist, wirst Du oder werden Sie Wege finden, Kontakt herzustellen. ;)
    Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch in Deinem Umfeld, der sich whatsapp/facebook/instagram verweigert.

    Ich hatte noch nie Sehnsucht nach Postkarten und Briefen. Beides ist förmlich, lahm und hemmt den Gedankenfluss. Aber ich werde nie Sehnsucht nach etwas haben, was mich moralisch zwingt, genau jetzt oder innerhalb einer Stunde oder eines Tages angemessen zu reagieren.

    Ich habe erlebt, wie sich die Stimmung eines Freundes innerhalb kürzester Zeit schlagartig verfinsterte, als seine Tochter nicht zeitnah auf eine seiner Nachrichten reagierte. Wir hatten an dem Abend jede Menge zu tun, um für ihn nachvollziehbare Gründe aufzuzählen….

    Wir haben es dann geschafft. Ohne Messenger-Dienste, nur mit Wein und lustigem Beisammensein.

    Ach ja, an eine nicht angekommene SMS würdest Du Dich nicht erinnern. An die Postkarte vom Camino schon. ;)

    LG
    Prensal

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