Ein Wiedersehen auf hoher See

IMG_2382-1Naja, das mit der „hohen See“ stimmt nicht ganz. Aber es passt halt so gut in den Titel, dass ich nicht widerstehen konnte. Korrekt wäre gewesen: „Wiedersehen auf dem See“. Dort nämlich haben wir gestern unsere Freunde Marjolaine und Doug zu einem „Wine-o’Clock“ getroffen.

Von unseren beiden Tretbooten aus, die wir aneinander gebunden hatten, prosteten wir uns Punkt 16 Uhr zu. Für unser denkwürdiges Treffen hatten wir uns zuvor auf der Großen Bucht des Lac Dufresne verabredet.

Wir hatten uns seit der gemeinsamen Silvesterparty nicht mehr gesehen. Wobei: So ganz stimmt das auch nicht. Seit Beginn der Pandemie prosten wir uns immer freitags via Facetime zu. Doug, als Journalist ein Meister des Worts, hat dafür den schönen Begriff „Wine-o’Clock“ geprägt.

Wir kennen uns seit 23 Jahren. Doug war damals noch Redakteur bei der „Montreal Gazette“, Marjolaine arbeitete als Archäologin beim Montrealer Pointe-à-Callière-Museum. Lore hat damals mit ihrer fotorealistischen Trompe-l’œil-Kunst schöne Gebäude noch schöner gemacht. Und ich hatte den Spaß meines Lebens als Kanada-Korrespondent.

Kennengelernt haben wir uns, weil sich unsere Cottages am Lac Dufresne genau gegenüber liegen. Was lag da näher, sich als Kollegen irgendwann mal gegenseitig zu besuchen.

Aus den anfänglichen Blockhaus-Besuchen ist eine lange Freundschaft geworden.

Aus der Archäologin Marjolaine wurde eine engagierte Bundestagsabgeordnete, die in der Hauptstadt Ottawa acht Jahre lang einen der größten Montrealer Wahlkreise repräsentierte. Doug hat sich schon vor vielen Jahren vom tagesaktuellen Journalismus verabschiedet, um Mediendirektor der renommierten McGill-Universität zu werden.

Lore und ich sind unseren Leisten bis heute treu geblieben. Die Künstlerin und der Korrespondent sind noch immer ein starkes Team.

Worüber spricht man dann bei so einem „Wine-o’Clock„?

Über die gut geratenen Kinder, zum Beispiel. Aber auch über neue Bücher und Filme und auch über Kochrezepte, deren Umsetzung hier am See stets mit großem logistischem Aufwand verbunden ist. Weder Doug und Marjolaines Cottage, noch unser Blockhaus sind mit dem Auto zu erreichen. Sämtliche Zutaten müssen mit dem Boot angeschleppt werden.

Und natürlich haben wir auch über unser gemeinsames Lieblings-Urlaubsziel Spanien geplaudert. Jetzt, da Marjolaine und Doug, wie wir, im Ruhestand sind, würde es sich anbieten, dort noch mehr Zeit als bisher zu verbringen, wo uns der Vino am besten schmeckt.

Aber solange noch Corona unsere Reisepläne bestimmt, werden wir künftig wohl noch häufiger am See zu finden sein als in den letzten 23 Jahren.

Mit einem „Wine-o’Clock“ lässt es sich hier schließlich wunderbar aushalten.

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Der Lac Dufresne heute früh: Ein Traum in Blau und Grün.

2 Gedanken zu „Ein Wiedersehen auf hoher See

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