Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Anders schön: Leben als Rentner

IMG_6248.jpgRentner sein ist ganz einfach: Abends glüht das Internet bis zum Sendeschluss. Morgens lässt du dich von den Mittagsnachrichten wecken. Und weil du ja jetzt jede Menge Zeit hast, checkst du stündlich deinen Kontostand, ob die Rente schon eingegangen ist. Ganz so toll ist es nicht. Aber mal ehrlich: Rentner zu sein, hat schon was.

Der Anfang war nicht leicht. Auch wenn es deine eigene Entscheidung war, erstmals nach 40 Jahren nicht mehr auf Reportage zu gehen, keine Live-Beiträge mehr fürs Radio anzubieten und auch keine Fortbildungsseminare für JournalistInnen mehr zu geben, fehlte etwas. Nicht nur Anerkennung, sondern auch die Motivation, morgens aufzustehen, denn der Wecker hat jetzt ja ausgedient.

Wer sein Korrespondenten-Dasein gelebt und geliebt hat, definiert sich zwangsläufig über seinen Job. Ist der weg, fehlt auch ein elementarer Teil deiner Daseins-Bestimmung.

Jetzt heißt es aufpassen! Plötzlich ruft nicht mehr fünfmal am Tag ein Sender an, um einen Hörfunkbeitrag über Bären, Indianer oder eine Unterwasser-Eishockeymannschaft in Manitoba abzurufen. Wenn das Handy klingelt, heißt die Ansage jetzt allenfalls: „Milch mitbringen!“ oder auch: „Treffen wir uns zum Lunch beim Thailänder?“

Dass du ein paar tolle Kollegen in dein Rentnerleben hinüberretten konntest, die inzwischen zu Freunden geworden sind, gehört zu den positiven Dingen, die so ein Abschied vom Job mit sich bringt.

Nicht mehr „gebraucht“ zu werden, ist der weniger schöne Teil. Findest du dann noch eine Kanada-Reportage in irgend einer Mediathek, die du – was sonst? – selbstverständlich mit Sicherheit zehnmal besser gemacht hättest als der Kollege, der jetzt dein Gebiet abdeckt, musst du ganz stark sein. [Ironie aus].

Die Erkenntnis, dass der Abschied vom Berufsleben gleichzeitig der Einstieg in ein neues, nicht weniger, aber eben anders schönes Leben ist, kommt schleichend. Ist sie dann bei dir angekommen, dauert es ein wenig, bis du dein Leben, 2. Teil, schmerzfrei, neidlos und ohne Negativ-Nostalgie genießen kannst. Das ist dann die schönste Phase des Rentnerdaseins.

Dabei muss „vor dem Urlaub“ nicht immer gleich „nach dem Urlaub“ sein. Allein die Tatsache, dass man könnte, wenn man wollte, schafft wunderbare Freiräume im Kopf. Die wiederum bringen Energie, Motivation und Lebensfreude mit sich.

Aber was macht eigentlich so ein Rentner den ganzen Tag? Kommt darauf an. Man hat mehr Zeit, miteinander zu reden und hört wieder mehr Bücher und Musik. Man liest Fachzeitschriften, Nachrichtenseiten und Medienblogs nur noch dann, wenn die Themen dich auch wirklich interessieren und nicht, weil man von dir verlangt, immer „ganz weit vorne“ zu sein.

Hin und wieder ist deine Stimme noch für eine Sprecherrolle gefragt. Oder – ganz selten – schickt dich die Agentin zu einem Casting für einen Film. Ansonsten: Nichts als Kür, so weit das Rentnerauge reicht.

Man plant spontan und nutzt bei Kurztrips die Stausituation auf der Stadtautobahn immer schön nervenschonend zu seinen Gunsten. Zeit ist ja jetzt fast immer da. Es sei denn, du musst dir von irgendeinem Amt, das 22 Bushaltestellen entfernt liegt, eine „Lebensbescheinigung“ für die Rentenbehörde ausstellen lassen.

Du triffst Freunde, die genau so wenig mit ihrer Zeit haushalten müssen wie du, denn viele von ihnen sind ja auch Rentner oder Freiberufler.

Oder du gehst zur Blutabnahme ins Krankenhaus, weil sich mal wieder ein Zipperlein eingestellt hat.

Achja, die Zipperlein! Mit meinem Freund Peter habe ich eine Abmachung: Jeder darf fünf Minuten über seine Krankheiten reden, dann ist Schluss.

Und manchmal schreibst du: Mails, Texte, Bücher. Nicht mehr, weil du unbedingt Geld verdienen musst, sondern ganz einfach, weil du dir und anderen damit eine Freude machen willst.

So wie jetzt.

Wo der Fluss zum Meer wird

IMG_6662TADOUSSAC – Dort, wo der gewaltige Sankt-Lorenz-Strom sich mit dem halbstarken  Bruder Saguenay-River verbündet und die Beiden sich einfach nicht mehr zähmen lassen und zum Meer werden, liegt Tadoussac. Von dort, an der Mündung dieser beiden gewaltigen Flüsse gelegen, kommt der heutige Blogpost.

Es ist eine grandiose Landschaft, die sich einem hier, sieben Autostunden von Montréal, im Nordosten von Québec auftut. Atemberaubend steile Fjorde, durch die sich die beiden Flüsse im Laufe von Millionen Jahren ihren Weg gebahnt haben. Pittoreske Dörfer, in denen noch ehrliche regionale Küche zu fairen Preisen serviert wird. Und die Möglichkeit, vom Ufer aus mit bloßem Auge Beluga- und Blauwalen beim Tanz durchs Wasser zuzuschauen – wo sonst wird einem dieses Schauspiel geboten?

Als Justin Trudeau im Frühsommer die sieben Regierungschefs der wichtigsten Nationen der Welt in die „Charlevoix“-Region eingeladen hatte, hatte sich mir die Faszination für diese Gegend zunächst  nicht richtig erschlossen.

Heute, wo ich diesen Blogpost unweit des Städtchens La Malbaie schreibe, wo der G7-Gipfel stattfand, weiß ich es besser: Es ist eine begnadete Gegend, die inzwischen Touristen aus aller Welt anzieht. Nur der wütende Trampel aus Washington hatte die Szenerie damals polternd verlassen. Diese prollige Respektlosigkeit hat diese fabelhafte Landschaft nicht verdient. Von den anderen Regierungsschefs ganz zu schweigen.

Hier, im „Hotel Tadoussac“, sind es zu 95 Prozent Franzosen, die ihren Brüdern und Schwestern der Provinz Québec einen Besuch abstatten. Man sieht sie beim Strandspaziergang entlang der Bucht von Tadoussac, hört sie an den Fjorden entlang des Saguenay-Rivers und trifft sie abends im Hotel-Restaurant, an der Bar oder in den Bierkneipen entlang der Bucht.

Eine Tagestour mit dem Auto von Tadoussac in den 130 Kilometer entfernten Ort Saguenay entlang des Sankt-Margaret-Flusses lässt den Besucher oft ratlos mit der Frage zurück: Wer wohnt hier eigentlich und wovon leben diese so sympathischen, gastfreundlichen Menschen?

Es sind Bauern, Fischer und Holzfäller, von denen manche ihre Scheune den Sommer über als Bed & Breakfast vermieten.

Abgelegene Farmen, umgeben von Kuhwiesen so schön wie im Allgäu, ein verrostetes Stahl-Beton-Konstrukt, das irgendwann einmal eine Tankstelle gewesen sein muss. Hin und wieder eine Brasserie, eine „Casse Croute“-Snackbar oder auch ein Fischerboot, das mitten im Getreidefeld seine letzte Ruhe gefunden hat. Berge, die an einen Kochtopf oder auch einen Zylinderhut erinnern. Und auch im noch so kleinsten Dorf eine weiße Holzkirche.

„La Belle Province“ heißt der Slogan von Québec. Nirgends in der Provinz wird einem der Wahrheitsgehalt dieses Marketingversprechens authentischer vorgeführt als hier im Charlevoix.

Bei Ebbe hatte heute früh unsere vierstündige Strandwanderung entlang der felsigen Bucht von Tadoussac begonnen. Als die Flut kam, war es Mittag. Am Nachmittag ging es dann am Sankt-Margarete-Fluss entlang bis kurz vor den Ort Saguenay, vorbei an wilden Fjorden, saftigen Wiesen und durch Wälder, die kein Ende zu nehmen schienen.

Am Abend hatte uns das „Hotel Tadoussac“ wieder. Wer Trivia mag, kommt hier auf seine Kosten: Hier wurde Anfang der 80er-Jahre der Roman „Hotel New Hampshire“ von John Irving mit hochkarätiger Besetzung verfilmt. Die Hauptrolle spielte damals Nastassja Kinski. Mit dabei: Beau Bridges, Rob Lowe und Jodie Foster.

Kanada – das bessere Amerika?

Einmal Journalist, immer Journalist. Der Morgen beginnt bei mir auch nach Jahren des Ruhestandes noch immer mit der Zeitungslektüre im Internet. Vom SPIEGEL über DIE ZEIT, von WDR bis tagesschau.de, La Presse, Washington Post, Le Devoir, New York Times und Radio Canada.

Mehr als eine Stunde im Netz schadet den Augen. Wenn die Zeit reicht, nehme ich noch die taz ins Visier und manchmal auch die Schwäbische Zeitung.

Habe ich was vergessen? Achja, BILD. Sie bildet zwar nicht, bietet aber die beste Sportberichterstattung weit und breit. Das stimmt wirklich und ist ungefähr so, wie wenn man früher sagte, man lese den Playboy nur wegen der tollen Artikel. Auch das stimmte ganz oft. BILD ist zwar eine Hauruck-Zeitung, die eigentlich in die Tonne gehört. Aber Sport können sie bei Springer.

In letzter Zeit macht es keinen richtigen Spass mehr, die erste Stunde nach dem Aufwachen mit Zeitunglesen zu verbringen. Chemnitz hier, Syrien da. AfD, Pegida und Hutbürger. Und immer dieser Trump, dessen Idiotie keine Grenzen zu kennen scheint.

Keine Angst, Opa erzählt jetzt nicht aus dem Krieg. Aber es sei mir gestattet zu sagen: In diesem Punkt war früher wirklich alles besser.

Schlagzeilen wie „MIT DEM MOTORRAD ZUM NORDPOL“ oder „IM GURKENFASS ÜBER DIE NIAGARAFÄLLE“ hatten beim Kanada-Korrespondenten lange Zeit eine geradezu elektrisierende Wirkung.

Heute? „TRUMP WILL NAFTA NEU VERHANDELN“. Oder auch: „JUSTIN TRUDEAU LOSES HIS APPEAL“.

Welchen Appeal jetzt, den Sexappeal oder den politischen? Wir leben in einer Welt, in der beides gleich wichtig ist. Deshalb ist mir ehrlich gesagt der Sexappeal in diesem Fall sympathischer.

Am widerwärtigsten finde ich zur Zeit das, was ich über Chemnitz lese. Schon mal überlegt, wie man diesen Hutbürger-Hass einem kanadischen Freund beibringt, den man über Jahre hinweg zu überzeugen versuchte: Wir sind nicht so, wie ihr denkt?

Überzeugungsarbeit kann ganz schön anstrengend sein. „Die aus dem Osten sind doch auch Deutsche. Warum sind die dann so anders als ihr?“ Oder: „Ihr sprecht doch dieselbe Sprache, oder?“

Schon, Jean, aber Sächsisch und Deutsch ist ungefähr so wie Polnischrückwärts und Französisch. Gut, so viel besser ist Schwäbisch dann auch nicht. Aber Sie wissen, was ich meine.

Einfacher als Deutschland seinen kanadischen Freunden zu verklickern ist es, wenn deutsche Freunde Kanada verstehen wollen. Da genügt der tägliche Blick auf Trump.

Wer neben dem nicht glänzt, muss irgendwas verkehrt gemacht haben im Leben. Vielleicht ist Kanada ja doch das bessere Amerika.

Chad für Notre-Dame-de-Grâce

Für Freunde, die sich engagieren, engagiert man sich gern. Chad Walcott ist so ein Freund. Eigentlich ist er einer von Cassians Jugendfreunden. Ein Glück, dass Freundschaften sich auch auf die Eltern vererben können.

Wenn am 1.Oktober 2018 hier in Quebec ein neues Provinzparlament gewählt wird, also ein neuer Landtag, ist Chad der Kandidat der Grünen für den Bezirk Notre-Dame-de-Grâce. Bis eben haben wir in dieser lauen Sommernacht Plakate aufgehängt.

Mehr Montreal als Chad geht nicht: Vater aus Barbados, Mutter Slowenin. Ein Bruder spielt Profi-Eishockey in der NHL, der andere hat sich als Schauspieler und Model einen Namen gemacht.

Und dann ist da noch Chad, der Mann, der immer für alle da ist, wenn man ihn braucht.

Nachtwanderung für einen guten Zweck.

Die Grünen sind in Quebec bisher nicht im Parlament vertreten. Aber wer weiss, mit Chad könnte sich das ändern. Der Wahlkreis Notre-Dame-de-Grâce, kurz: NDG, braucht so einen wie ihn. Er will sich für die Begrünung der Straßen einsetzen, für den Tierschutz, für sozialen Wohnungsbau und natürlich für alles, was mit Umweltschutz zusammenhängt.

Aber Chad Walcott hat sich auch vorgenommen, mehr für die Integration ethnischer Minderheiten zu tun. In NDG, wo ein hoher Anteil von Montrealern mit afro-amerikanischem Hintergrund lebt, gibt es viel zu tun für einen wie ihn.

 

ALTE ERINNERUNGEN WURDEN WACH

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Memories: Unsere Plakatroute für Notre-Dame-de-Grâce.

Notre-Dame-de-Grâce, wo wir heute Nacht jede Menge Plakate an Straßenlaternen,Verkehrsampeln, Bäumen und Umleitungsschildern angebracht haben, ist uns sehr vertraut. Wir haben dort in den Achtzigern eine Zeitlang gelebt.

Beim nächtlichen Plakatieren wurden denn auch Erinnerungen an den Anfang meiner Montrealer Zeit vor genau 36 Jahren wach.

Die Restaurantsezene lebt dort nach wie vor, aber sie hat sich verändert.

Wo damals der Grieche war, hat sich heute ein Inder niedergelassen. Wo der jüdische Diner zu gefülltem Fisch und Smoked Meat einlud, ist jetzt ein Chinese. Fastfood statt Thailänder, Vegetarisches Restaurant statt Steakhaus.

Aber der Charme des alten Notre-Dame-de-Grâce lebt weiter. Und wenn es einer versteht, diesen Charme zu pflegen, dann ist es Chad Walcott.

PS: Über Chad und Matt, einen anderen von Cassians Jugendfreunden, hatte ich neulich schon mal gebloggt.  >> Hier geht’s zum Beitrag <<

Weltklasse-Tennis mit Jean

Die Besten der Besten unter sich: Simona Halep und Sloane Stephens bei den Canadian Open. Foto: Bopp

Wenn die Weltbeste im Tennis gegen die Nummer drei spielt, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Die Crème-de-la-Crème der Tenniswelt – Simona Halep und Sloane Stephens – lieferten sich am Sonntag Nachmittag fast drei Stunden lang in der Montrealer Sommerhitze ein leidenschaftliches Match. Und ich verstand nur Bahnhof.

Dass die Rumänin gegen die Amerikanerin als Siegerin hervorging, war für mich eher unerheblich. Was zählte, war ein wunderbarer Nachmittag in Begleitung eines Freundes, der hundertmal mehr über Tennis weiß als ich.

Und genau darin lag der eigentliche Spaßfaktor. Tiebreak? Keine Ahnung, aber Jean weiß, was es ist. Matchball? Woher soll ich das wissen? Jean kennt sich aus. Deuce? Eher nicht. Love? Ja, aber nicht dieses Love. Jean wird es mir sicher erklären.

Sie wissen, was ich meine.

Als Reporter hatte ich zwar in den 80er- und 90er-Jahren gut ein Dutzend Mal über Tennis berichtet. Nur eben nicht über das Spiel selbst, sondern über die Stimmung am Centre Court und die Tücken der Stars.

Boris Becker, Steffi Graf, Ivan Lendl, Pete Sampras, Andre Agassi, Martina Navratilova – sie alle hatte ich vor dem Mikrofon. Nur nicht zum Spielverlauf, sondern zum Drumherum.

Wie finden Sie Montreal? Das beste Restaurant, der schönste Platz, die coolsten Clubs? Das Play-by-play, also den eigentlichen Spielverlauf, kommentierten Kollegen, die etwas davon verstanden. Der Kanada-Korrespondent war für das Grüne da.

So wie in jener schwülen Sommernacht, als Boris Becker um Platz drei auf einem Nebenplatz spielte und Barbara Feltus es nicht erwarten konnte, bis ihr Mann endlich fertig war. Zwei Jungs, vielleicht sechzehn, tauchten gegen Ende des Spiels mit einem Poster von Boris auf und baten seine geduldig wartende Ehefrau, ob sie ihren Gatten nach dem Match doch bitte um ein Autogramm für sie bitten könne.

Boris kam unmitelbar nach einer zermürbenden Hitzeschlacht zu Barbara, die neben mir auf der um diese Zeit nur noch spärlich besetzten Zuschauertribüne saß. Boris wollte nur eins: so schnell wie möglich ins Hotel. Doch Barbara stoppte ihren Göttergatten. Er solle jetzt gefälligst ein Autogramm auf sein Konterfei setzen, auf die paar Minuten komme es auch nicht mehr an. Schließlich hätten die beiden Jungs den ganzen Abend auf ihn gewartet.

Bobbele schrieb, Babs überreichte den Teenagern das signierte Poster. Und ich freute mich total, Zeuge eines solch liebenswerten Akts geworden zu sein.

Heute Nachmittag saß ich nicht mehr als Reporter auf der Pressetribüne, sondern dank zweier (geschenkter) Spitzentickets ein paar Meter hinter den beiden Stars Simona Halep und Sloane Stephens. In meiner Begleitung mein Freund Jean, der bis vor wenigen Jahren noch genau auf jenem Platz Club-Tennis spielte, wo heute die Besten der Welt zum Finale antraten.

Jean freute sich wie ein Schneekönig über unsere unverschämt tollen Plätze und verklickerte mir mit der Expertise des Tenniscracks jedes Spieldetail. Nur in einem Punkt war er auch nicht weiter als der Tennisbanause, der ihn zum Finale eingeladen hatte:

Warum ignoriert uns der Wasser- und Bierboy mit seiner Kühlbox eigentlich immer, obwohl er davon ausgehen kann, dass wir bei 32 Grad Sommerhitze nicht weniger durstig sind als all die anderen, die er mit Getränken versorgt?

Antwort: Weil alle anderen unserer Zeit voraus waren. Sie wussten etwas, das wir nicht wussten. Dass man seine Getränke heutzutage nämlich per App mit dem Handy an seinen Sitzplatz bestellen muss.

Wie war das nochmal mit dem guten, alten Dosenbier, das man sich in den Pausen am Tresen holte?

#ThanksOlivia

#MerciJean

Politik, die Früchte trägt

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, so lange auf amerikanische Produkte zu verzichten, bis dieser unsägliche Präsident das Handtuch wirft oder, noch besser, des Amtes enthoben wird. Aber das hat sich als ein schwieriges Unterfangen herausgestellt.

Zum einen, weil es im Moment nicht danach aussieht, dass Trump abdankt oder mit Schimpf und Schande aus Washington verjagt wird. Zum anderen, weil wir, die wir nur eine knappe Autostunde von der amerikanischen Grenze entfernt wohnen, nicht für alle US-Produkte, die uns im Laufe der Jahre lieb geworden sind, einen kanadischen Ersatz finden.

Schon klar: Nicht alle Amerikaner sind Trumpisten. Ich kenne wunderbare, intelligente, liebenswerte und tolerante Menschen, die dort beheimatet sind. Denen werde ich mit meinem Boykott hoffentlich nicht schaden. Vielmehr möchte ich meinen kleinen Protest als ganz persönlichen Mittelfinger gegen Trump und seine verqueren „Followers“ verstanden wissen.

Wie damals, als bei uns kein südafrikanischer Wein auf den Tisch kam, solange die Apartheid den Alltag bestimmte.

Bei Ahornsyrup ist die Sache einfach. Da der kanadische ohnehin besser ist als das, was uns aus Vermont und New Hampshire über die Grenze gespült wird, bleiben wir natürlich beim „Maple Syrup made in Canada“, auch wenn der ein bisschen teurer ist als das amerikanische Äquivalent.

Bei Wurst, Fleisch, Käse und Gemüse können die Amis ohnehin nicht mit uns konkurrieren. Nie habe ich während meiner zahlreichen Amerikareisen besseren Käse gegessen als den aus Québec. Auch der Gemüseanbau in der Provinz meines Herzens muss sich nicht hinter dem der Amerikaner verstecken.

Auch beim Toilettenpapier gibt es die besseren – und vermutlich umweltfreundlicheren – Alternativen aus Kanada. „Cascade“ hat ihren Hauptsitz ganz hier in der Nähe. Die nehmen wir.

Beim Obst wird’s schon schwierig.

Grapefruits aus Florida sind unerreicht gut und können, egal wie sehr sich meine kanadischen Freunde das Klima schöntrinken, im hohen Norden einfach nicht gedeihen. Dies galt übrigens lange Zeit auch für Kirschen.

Doch die kanadische Antipathie gegenüber der Trump-Regierung zeigt offensichtlich Früchte – und das sogar im Wortsinn.

Eben komme ich vom Supermarkt bei mir um die Ecke. Und was sehe ich zum erstenmal in diesem Sommer? Kirschen aus Kanada! Genau: Aus British-Columbia. Fast schon wieder süß, in welcher Schriftgröße auf die kanadische Herkunft der kanadischen „Cherries – Product of Canada – Canada No. 1“ hingewiesen wird.

Wunderbar. Braucht sich die Verkäuferin in der Markthalle künftig nicht mehr verschämt die Hand vor den Mund halten, wenn ich sie, wie vor ein paar Tagen, frage, woher ihre Kirschen denn kommen. Ihre Antwort: „So sorry, but they are from the United States“.

Zugegeben: Kanadische Kirschen sind nicht ganz so süß wie die aus Oregon, Washington oder Kalifornien.

„Denk’ dir sie einfach süß“, sagt SIE, die nie um eine Antwort verlegen ist, wenn es darum geht, Amerika die Stirn zu zeigen.

Genau. Canada First.

Leben ohne digitales Störfeuer

fb

Ich bin dann mal wieder weg. Habe Facebook und Instagram wieder einmal adieu gesagt und lebe seit zwei Tagen enthaltsam, ohne digitales Störfeuer.

Ich habe nichts gegen Facebook und auch nicht gegen Instagram. Dass es sich bei beiden um Datenkraken handelt, ist bekannt. Aber das Internet ist keine Einbahnstraße, es ist ein Geben und Nehmen. Dafür, dass mir das WorldWideWeb mit all seinen faszinierenden Facetten so unglaublich viel gibt, bin ich, mit Abstrichen, auch bereit, ein bisschen von mir preiszugeben. Wer sich entschlossen hat, öffentlich zu leben, darf sich nicht wundern, wenn seine Daten später nichtöffentlich abgegriffen werden.

Nur: Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass nicht ich derjenige bin, der die Sozialen Medien kontrolliert. Sie kontrollieren mich. Viel zu viele Sommerabende habe ich am Rechner und am Handy mit Posten und Liken von Beiträgen verbracht. Oft war es schade um die schöne Zeit. Deshalb habe ich mich jetzt von Facebook & Co verabschiedet. Zumindest vorübergehend.

Eigentlich mag ich ja Facebook. Der Austausch mit Menschen, mit denen man zwar keine Brieffreundschaft unterhalten würde, die einen aber trotzdem irgendwo interessieren – das alles gefällt mir. Instagram mag ich fast noch lieber. Es ist ein „Seh“-Medium, hier werden aussagestarke, oft wunderschöne Fotos gepostet. Von Reisen und Rezepten (“foodporn“). Und, ja, auch von Katzen.

Die „Insta-Stories“, die man dort dramaturgisch geschickt aneinanderreihen kann, haben mich nie sonderlich interessiert. Aber allein die Technik, die dafür verwendet wird, fasziniert mich. Dieser Teil der digitalen Wundertüte wird mir fehlen. Aber dafür gibt es Technik-Blogs und andere Quellen.

Warum ich bei all der Begeisterung dann trotzdem abgesprungen bin? Weil es mir unheimlich geworden ist, wie zeitintensiv die Pflege von „Freundschaften“ bei den Sozialen Medien ist. Mein angeborener Voyeurismus verbietet es mir, bei von Freunden veröffentlichten Posts einfach weiterzuscrollen. Ich habe jede Zeile von ihnen gelesen, jedes Foto angeschaut, jeden Link angeklickt und die Geschichte, die sich dahinter aufbaut – meistens – gelesen. Und das bei mehr als 300 „Friends“.

Nur mit „Memes“ konnte ich nie viel anfangen. Das sind diese Grafiken mit einer Bildunterschrift, die oft aus einem Zitat bestehen, das Menschen zugeschrieben wird, die das womöglich gar nicht so gesagt haben. Mit anderen Worten: Fake News.

Witzig fand ich bei Instagram all die kuriosen Hashtags. Das sind jene mit einem Kreuzchen versehenen Stichworte, die sich dann, wie bei einem Link, anklicken lassen. Hinter diesem Hashtag findet man dann gebündelt Meinungen, Bilder, Videos oder auch echte Links zum jeweiligen Thema.

Wie lange meine Abstinenz von Facebook und Instagram dauern wird, oder ob sie diesmal wirklich endgültig ist, kann ich nicht sagen. Im Moment schaue ich mir noch gebannt bei der Entwöhnungsphase zu. So ungefähr muss es einem Alkoholiker auf Entzug gehen.

Übrigens: Ich mag meine Facebook-Freunde noch immer, auch wenn ich sie künftig nicht mehr liken werde.

Hitzewelle im coolen Kanada

Es gab Zeiten, da habe ich mindestens zweimal pro Jahr im ARD-Hörfunk über Kältewellen in Kanada berichtet. Zum Beispiel darüber, wie man sich bei minus 40 Grad am besten kleidet und auch, was Inuit-Mütter tun, um ihre Kinder vor dem Erfrieren zu bewahren. Von einer Hitzewelle, wie sie schon sei Tagen in Montreal herrscht, konnte ich nie berichten. Bietet sich also an, es hier zu tun.

Fangen wir mit der Frage an: Wie heiß ist es eigentlich? Antwort: Sehr heiß. Nein: Brütend heiß. Brüllend heiß sogar. Konkret: In diesem Moment steht das Thermometer auf 36 Grad. Macht eine gefühlte Temperatur von 42 Grad. Ganz schön glühend heiß, oder?

Aber wie verhält man sich nun, wenn die Stadt zum Brutkasten wird? Meinen Kumpel Julian zum Beispiel zieht es an so einem Tag wie heute in die Bibliothek. „Dort haben sie wenigstens Air Condition“, textet er eben. Seine Frau Meriem geht, obwohl heute in Kanada Feiertag ist, freiwillig zur Arbeit. Im Institut haben sie Klimaanlage.

Mein Freund Mike, damals noch BBC-Korrespondent in Montreal, hatte eine andere Methode auf Lager. Nennen wir sie, ganz Mike, „die britische Methode“. In seiner Wohnung standen an mehreren Stellen 6-Liter-Behälter mit gefrorenem Wasser. Die hausgemachte Klimaanlage verfehlte ihre Wirkung nicht. Ich kann das nach mehreren Besuchen in seiner damaligen Bleibe im „Plateau Montréal“ bezeugen.

Und sonst so? Wunder bewirkt auch ein eisgekühltes Handtuch um den Hals. Oder, warum nicht?, ein T-Shirt direkt aus dem Gefrierschrank. Eisbeutel im Baseballkäppi? Eher nicht.

Die schönste Erlösung bringt die Natur selbst. So wie in diesem Moment, da ein satter Regenguss auf Mensch und Natur herabprasselt.

So viel Kühlwasser auf einmal! Umweltfreundlich. Kostenlos. Wirksam. Und total entspannend.

Vielleicht haben Sie ja noch andere Tipps auf Lager.

 


Hier sind einige Tipps aus dem Mallorca Forum, wo über das Thema „Affenhitze“ diskutiert wird.

Paradiesvogel: Hier auf Mallorca ist das bei Hitze ja recht einfach: ins Meer hüpfen und Gott einen guten Mann sein lassen. In Montreal fehlt euch natürlich das Mittelmeer. Da bleiben wohl nur Pool und Klimaanlage.

Philbehr: Morgens durchlüften und die Fenster schließen, wenn die Außentemperatur höher ist, als die gewünschte (/aktuelle) Innentemperatur. Bei hoher Außentempertur nur kurz lüften (niemals gekippte Fenster). Bewegte Luft bei geöffnetem Fenster gibt einem nur das Gefühl der Abkühlung – in Wirklichkeit erhöht sie die Raumtemperatur. Für Außenbeschattung sorgen, also die direkte Sonnenbestrahlung nicht durch die Scheiben lassen (Innenjalousien sind nur eine Notlösung).

Herbstzeit: Markisen ausfahren, exponierte Fenster mit Isoliervorhängen schützen, nachts die Schlagläden zu und Fenster auf, morgens Fenster zu, Klima im Schlafzimmer 1 Std. vorm zu Bett gehen einschalten….., lauwarm – kühl duschen, Kopf unter den Wasserhahn halten….., kühle, ungezuckerte Drinks oder Tees, bzw. Wasser trinken, Wassermelone würfeln und in den Kühlschrank stellen…… und möglichst nicht viel tun.

Str-Omi: Tunlichst vermeiden sollte man bei solchen Temperaturen, viel bergauf und durch schattenlose Weinberge zu wandern, wie wir kürzlich bei ähnlichen Temperaturen. Das ist keine grenzenlose Freude und nicht sonderlich bekömmlich. – In Waschbecken, Schüssel o.dgl. kaltes (nicht zu kalt, eher in Richtung lau, sonst muss der Körper wieder Wärme produzieren um das auszugleichen oder gibt gar einen Schock) Wasser einlaufen lassen und dann die gesamten Unterarme mit Puls und Armbeuge für eine Weile eintauchen. Kann man von Zeit zu Zeit wiederholen. Die Schnellmethode davon wäre: über Puls und Armbeuge Wasser laufen lassen. Danach nicht abtrocknen = ergibt Verdunstungskälte.

chico: Versuche im Auto wenig die Klimaanlage einzuschalten, damit man nicht zu große Temperaturunterschiede hat. Meine Freundin, Kräuterhexe, empfiehlt Salbeitee, Zimmertemperatur. Leiche Baumwoll- oder Leinenkleidung. Viel Trinken, nur leichte Speisen.

 

 

30.000 Fotos sind nicht genug

Screen Shot 2018-06-21 at 20.47.12.pngIch weiß nicht, wie es auf ihrem Rechner, ihrem Tablet oder Smartphone aussieht. Ich weiß nur: So langsam ertrinke ich in einer Flut von Bildern. Genau 30.000 sind es in diesem Moment. Dazu ein paar Dutzend Videos – macht zusammen ein Bildermeer, das kaum mehr zu navigieren ist.

Früher … nein, Opa erzählt jetzt nicht vom Krieg. Aber früher war das wirklich eine klare Sache. Fotografiert wurde an Weihnachten, beim Ostereiersuchen, an der Erstkommunion und am 1. Schultag. In den Wochen und Monaten dazwischen durfte sich die Kamera in Vaters Schreibtisch ausruhen, oberste Schublade links. Papierfotos waren teuer und deshalb rar. Außerdem gab es, mal unter uns, in Ummendorf nicht so wahnsinnig viel, das unbedingt im Bild festgehalten werden musste.

Auch später, während der Journalistenausbildung, wurde nur im überschaubaren Rahmen fotografiert. Die Polaroid-Kamera lag immer im Dienstwagen, um notfalls kurzerhand ein Sofortbild schießen zu können. So auch, als mir völlig aus dem Nichts eine damals

Mein erstes Selfie (1973)

ziemlich bekannte Showgröße namens Gus Backus in einer Kneipe begegnete. Also kurz die Polairoid gezückt und draufgehalten. „Blitzen könn’se“, sagte der Deutsch-Amerikanische Schlagerstar, „aber donnern nicht“. Fragen Sie mich nicht, warum ich mir diesen dämlichen Satz gemerkt habe. Jedenfalls ist er genau so gefallen. Das muss anno 1968 gewesen sein.

Die richtig guten Fotos schossen in der Zeitungsredaktion ohnehin nicht die schreibenden Journalisten. Dafür hatten wir Fotoreporter wie den später überaus erfolgreichen Gründer der Reportagen-Agentur Zeitenspiegel, Uli Reinhardt. Mit ihm, der noch heute weltweit unterwegs ist, verbindet mich auch 50 Jahre später noch ein freundschaftliches Verhältnis.

Als Hörfunkjournalist hatte die Kamera dann ihren Reiz etwas verloren. Jetzt waren Töne angesagt. Also konzentrierten sich meine überschaubaren technischen Kenntnisse auf Mikrofone, Aufnahmegeräte und Schnittprogramme.

Dann kam das Internet. 2001 schickte mich der WDR von Montreal nach New York, um für die Onlineredaktion über die Terroranschläge vom 11. September zu berichten. Ich hatte vieles – nur keine geeignete Kamera. Also besorgte ich mir das Einstiegsmodell einer Luminex-Digicam. Die Bedienungsanleitung dazu studierte ich im Zug auf dem Weg nach New York. Gleichzeitig machte ich mich mit meinem ersten richtigen Laptop vertraut, den ich ebenfalls kurz vor New York im „Future Shop“ besorgt hatte.

Bei der Ankunft im Manhattan hatte ich beides im Griff. Meine erste Fotoreportage fürs Internet war auch gleichzeitig die erschütterndste meiner langen Journalistenlaufbahn. New York war eine verwundete Stadt. Und ich musste darüber berichten.

So tragisch der Anlass für meine erste Bildstory war, so sehr war ich jetzt von der Technik der Digitalfotografie angefixt. Es gab nichts mehr, das ich nicht auf meine SD-Karte speicherte, um die Bilder danach im Rechner hochzuladen. Blumenwiesen und Meeresrauschen. Menschen mit und ohne Geschichten. Stadt und Land, Himmel und Erde. Und natürlich jede Menge Katzenfotos.

Mit dem ersten iPhone wurde die Sammlung immer größer. Als der Rechner schließlich überquoll, musste eine externe Festplatte her. Als auch diese angesichts der Datenflut schlapp machte, wurde eine Cloud angemietet. Jetzt bin ich bei 30.000 Fotos – und kein Ende in Sicht.

Die größte Herausforderung beim Fotografieren ist inzwischen nicht mehr die Aufnahme selbst, sondern die Frage: Welche Fotos lösche ich, wie viele behalte ich. Und vor allem: Wer soll die eigentlich alle anschauen?

Weil ich den Bilderschwall weder Freunden noch Verwandten zumuten möchte, bin ich selbst zum größten Fan meiner Fotosammlung geworden. Kein Tag, an dem ich nicht im Datenarchiv krame, um mir Urlaubsfotos und Kinderbilder zu Gemüte führe.

Und natürlich auch das eine oder andere Katzenfoto.

Fanclub für Musik und Umwelt

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MENSCHEN MIT WÜNSCHEN: Der Liedermacher Matt Holubowski (2. v. l), der Kandidat der „Grünen“, Chad Walcott (4. v. l) der Blogger vom Dienst (3. v. l.) und andere Leute, denen zwei Dinge am Herzen liegen: Eine gesunde Umwelt und gute Musik.             Foto © Marie Balaguy

Ein Abend voller Überraschungen: Erst meldete sich Cassian zusammen mit seinem Uraltfreund Matt zum Schnitzel-Essen an. Und während aus den Desserttellern noch Lores hausgemachte Clafoutis lachte, fiel die Entscheidung: Matt geht mit mir ins „Brutopia“ zu einer Veranstaltung der „Green Party“.

Chad, ein anderer Freund aus Cassians Kindheit, hatte sich in dem Montrealer Pub mit Freunden versammelt, um die Strategie für den Wahlkampf zu besprechen. Am 1. Oktober wird in der Provinz Quebec ein neuer Landtag gewählt. Chad kandidiert für die „Parti Vert“ in Notre-Dame-de-Grâce (NDG).

Chad Walcott passt wunderbar in diesen Multikulti-Wahlkreis: Der Vater stammt aus Barbados, die Mutter aus Slowenien. Ein Bruder spielt professionell Eishockey, der andere ist Schauspieler. Und mittendrin Chad, dessen bisheriges Leben um Dinge wie „Fundraising für caritative Zwecke“ und „Gutes tun“ kreiste.

Das größte Entrée des Abends hatte jedoch unser gemeinsamer Freund Matt Holubowski, ein veritabler Star in Quebec, der gerade von einer Europatournee zurückgekommen war, bei der er sein Publikum unter anderem in der vollbesetzten Elbphilharmonie in Hamburg begeisterte.

Entsprechend euphorisch war der Empfang gestern Abend in der Bierkneipe an der Rue Crescent. Als Matt an meiner Seite das „Brutopia“ betrat, fing ein Tisch voller weiblicher Fans an zu kreischen. Mich erinnerte die Szene ein bisschen an Matts Auftritt im Corona-Theatre vor zwei Jahren. Dort hielt ein Teenager ein Plakat hoch mit der Aufschrift: „I want your baby, Matt!“.

Im „Brutiopia“ gestern Abend wurden zwar auch Plakate hochgehalten. Aber es waren keine Fanposters sondern Wahlplakate der Grünen. Die Partei hat sich vorgenommen, meinen Freund Chad Walcott am 1. Oktober ins Parlament nach Quebec-City zu schicken.

Meine Unterstützung hat er. Bald geht’s ans Plakate kleben. Auch Matt Holubowksi, der mit seiner genialen Musik seit einiger Zeit nicht nur kanadische Teenager in Ekstase bringt, will seinem und Cassians Kindheitskumpel unter die Arme greifen, so gut es geht.

Witzig, wie sich der Kreis wieder schließt: Bei einigen Bieren und Gin Tonics verriet mir Matt, dass ausgerechnet ich es gewesen sei, der ihm die ersten Griffe auf der Gitarre beigebracht hatte. Bei „The House of the Rising Sun“ hatten wir die A-Moll, C-Dur und F-Dur-Akkorde bis zur Schmerzgrenze geübt. Daran konnte ich mich noch erinnern.

Was ich bis gestern Abend nicht wusste: Während eines mehrwöchigen Aufenthalts in unserem Haus in Hudson hatte Matt seinen ersten eigenen Song geschrieben. Er heißt „Bopp-Room Number 3“.

Wer Matt live erleben möchte, sollte nächste Woche nach Paris und London reisen. Dort hat er mehrere Auftritte.

Wer Chads politische Karriere verfolgen will, muss einfach ab und zu in den BLOGHAUSGESCHICHTEN stöbern. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Versprochen.