About Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Sieben Tage in der Wildnis

IMG_8740

Eine Woche im Busch: Ohne fließendes Wasser. Ohne Fernsehen. Ohne Badezimmer und Wasserspülung. Und der nächste Tante-Emma-Laden ist 16 Kilometer entfernt. Geht das überhaupt? Ja klar. Und wie!

Unser Blockhaus liegt an einem glasklaren See. Von dort schleppen wir zwei-, dreimal am Tag ein paar Kanister Wasser in die Hütte. Es dient uns zum Spülen, zum Eier und Nudeln kochen, zum Zähne putzen und auch, um die Solardusche nachzufüllen.

IMG_8952

Ganz ohne Hightech: Solardusche.

Was nach Hightech klingt, ist nichts anderes als ein schwarzer Plastiksack, in dem das Wasser von der Sonne aufgewärmt wird. An einem Schlauch kann der Wasserdruck reguliert werden. Und schon wäre das Problem „keine Dusche“ abgehakt.

Wasserspülung? Wozu denn! Es gibt doch das gute, alte Plumpsklo, 10 Schritte vom Haus entfernt. Fein sauber ist es da und es riecht sogar gut. Blätter, die hin und wieder in die Öffnung geschüttet werden, verbreiten einen erdigen Duft. Wieder ein Problem gelöst. Doof nur, wenn es regnet und du musst nachts raus. Ein Regenschirm und eine Taschenlampe sind immer griffbereit.

Fernsehen? Klar, einen Kabelanschluss gibt es nicht und auch keinen Satelliten. Aber seit ein paar Jahren haben wir Handy-Empfang am See. So entgeht mir keine Nachricht, keine Mail, kein Anruf. Und zum Füttern meines Blogs, meines Facebook- und Instagram-Accounts reicht es auch. Habe ich dann noch vor der Abreise zwei Netflix-Filme runtergeladen, kann ich diese zeitunabhängig bequem im Blockhaus abspielen – ohne jeglichen Datenverbrauch. Denn der Download ist ja noch in der Stadtwohnung erfolgt.

IMG_8953

Wenn’s dann mal sein muss: Das Plumpspklo im Wald.

Abfall – den gibt es auch im Wald. Aber wer weiss, dass er die nächsten sieben Tage ohne Müllkippe leben muss, denkt eben schon beim Lebensmitteleinkauf daran, wenig Müll zu produzieren. Haltbare Grundnahrungsmittel und ein paar Gewürze sind immer in der Hütte. Obst, Gemüse und Wurst werden rationiert. Nach 21 Jahren bekommt man langsam Übung darin.

Aber was macht man denn so eine ganze Woche lang im Wald und am See? Das Auto steht am anderen Ufer, das nur mit dem Boot zu erreichen ist, notfalls auch über eine Kletterpartie und eine kurze Wanderung über den Berg. Eine Zufahrt zum Haus gibt es nicht.

Man liest, hört Musik und Hörbücher, spielt Gitarre, bringt sich eine neue Software bei, paddelt um den See (kein Motorboot!), geht im glasklaren Wasser schwimmen, schreibt Mails, Buchtexte und Blogbeiträge, kocht, probiert neue, unaufwändige Rezepte aus und übt sich alles in allem in einem Lifestyle, der auch mit “Minimalismus” umschrieben werden kann. Oder man wandert auf den 838 Meter hohen Hausberg und besucht auch mal gute Bekannte am anderen Seeufer – mit dem Boot natürlich.

FullSizeRender

Ein Loon – mehr Kanada geht nicht.

Und weil der Tag 24 Stunden hat, bleibt genügend Zeit, um nebenher alles zu reparieren, was in einem Cottage-Leben so alles kaputt gehen kann. Zum Beispiel der Bootssteg, den die Eismassen während des Winters verschoben haben. Ansonsten lässt man den lieben Gott einen guten Mann sein.

Ganz so frugal, wie es sich anhört, ist das Leben am See dann doch nicht: Heute, am Abreisetag, sind genau noch übrig: Zwei daumendicke Stückchen Käse, vier Eier, ein halbes, selbst gebackenes Brot, drei Dosen Bier und zwei Grapefruit. Genau: Drei Dosen, keine Flaschen. Die wären zwar umweltfreundicher, aber auch schwerer. Denn schließlich musste der ganze Vorrat erst mal in die Hütte geschleppt werden.

Der Tag ist noch jung und die Abreise erst in ein paar Stunden. Das mit dem Biervorrat könnte sich bis dahin noch ändern.

wifi_lake

Aber ein Leben ohne Laptop? Unvorstellbar!

Advertisements

Endlich mal wandern in Québec

FullSizeRender 55Wenn der Tag mit einem erfrischenden Bad im See vor der eigenen Haustür beginnt und mit einer Bootsfahrt zum am Ufer geparkten Auto weitergeht, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Stimmt: Es war der perfekte Spätsommertag. Mit einer Wanderung auf den zweithöchsten Berg des „Laurentiden“-Gebirges, zwei Autostunden nördlich von Montreal.

Keine Ahnung, warum wir mehr als zwei Jahrzehnte gewartet haben, um endlich unseren 838 Meter hohen Hausberg Mont Kaikopp zu besteigen, der nur ein paar Kilometer von unserer Cottage aus in den Himmel ragt. Vielleicht, weil man doch lieber in die Ferne schweift, auch wenn das Gute noch so nah’ ist.

Auf Mallorca, wo wir seit vielen Jahren den Winter verbringen, haben wir Dutzende von Bergen erklommen. Doch hier in Quebec, wo doch unser Zuhause ist, hat es bisher allemal zu gemütlichen Spaziergängen in den Herbstwäldern gereicht.

Heute war Schluss mit lustig. Der Aufstieg zum Mont Kaikopp war eine echte Herausforderung, Mit einem Gipfelblick, der sich hinter keinem Panorama von Mallorca verstecken muss. Zwar weit und breit kein Meer. Dafür jedoch Ahornwälder, Bergbäche und Felsformationen, die älter sind als fast alles, was in Europa zu finden ist. Das „Canadian Shield“ hat mehr als eine Milliarde Jahre auf dem Buckel und gehört zu den ältesten Steinlandschaften der Welt.

Vom Basislager „L’Interval“ aus, einem Sommercamp am Ufer eines Sees, der wohl nach meinem Steuerberater benannt wurde („Lac Legault“), geht es schnurstracks in Richtung Gipfel. Der freundliche Kerl an der Camp-Rezeption spricht von Etappen, die „leicht“ und „mittelschwer“ sein sollen. Ganz ehrlich? Ich empfand die Wanderung als eine der schwierigsten der letzten Jahre.

838 Höhenmeter waren zurück zu legen. Steigung ist nicht gleich Steigung. Wenn der Wanderweg fast schnurgerade zum Gipfel führt, dann ist „mittelschwer“ die Untertreibung des Jahres.

Aber die Anstrengung hat sich gelohnt. Nach zwei Stunden ist der Gipfel des „Mont Kaikopp“ erreicht – von den Algonquin-Indianern so benannt, weil er a) hoch liegt und b) der Aufstieg felsig ist. Die Aussicht von dort oben ist grandios: Plötzlich blickst du auf Landschaften, die du bisher allenfalls mit dem Zeigefinger auf der Landkarte berührt hattest.

Wandern in Quebec – was für eine tolle Erfahrung! Nur das mit den Schwierigkeitsgraden müssen sie noch üben.

 

 

 

 

Das Kreuz mit dem Kreuzchen

Screen Shot 2017-08-15 at 20.13.26Die Frau mit der Raute? Oder der Mann mit Bart? Wer immer am 24. September das Rennen machen wird, sollte nicht vergessen: Auch wir Auslandsdeutschen drehen ein ganz klein wenig am Schräubchen der Demokratie mit.

Dass die Wahl wirklich zur Qual wird, hat nicht so sehr mit der Kanzlerkandidatin und ihrem Kontrahenten zu tun – diese Entscheidung ist ohnehin längst gefallen. Es ist vielmehr das Prozedere, das es uns schwer macht, unsere Stimme in die Waagschale zu werfen, bzw. in den Briefkasten.

Vor der Wahl geht’s erst einmal ins WWW. Dort wartet ein wuchtiges Formular auf den Download. „Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis zur Bundestagswahl 2017 und Wahlscheinantrag gemäß § 18 Absatz 5 der Bundeswahlordnung für im Ausland lebende Deutsche“, nennt sich das komplizierte Konstrukt. Auszufüllen „in Druck- oder Maschinenschrift“.

Vor dem geistigen Auge des Bundeswahlleiters sitzen vermutlich Millionen Auslandsdeutsche in Manitoba, Burkina Faso oder Paraguay in ihren Plüschsesseln, die jetzt ein DIN-A-4-Formular in ihre angestaubten Schreibmaschinen einführen und bei einem Tässchen Malzkaffee per Adler-Suchsystem ihre Daten eingeben.

Erst wer es schafft, sich der beiden Wohnorte zu erinnern, an denen der Antragsteller zuletzt in Deutschland gemeldet war, nebst Zeitspanne und Straßenbezeichnungen mit Hausnummern, darf sich zumindest Hoffnung machen, ins Wählerverzeichnis eingetragen zu werden.

Von der Stimmabgabe ist der willige Wähler im Ausland zu diesem Zeitpunkt allerdings noch immer weiter entfernt als Berlin von Brasilia. Erst wenn das ausgefüllte Formular spätestens 21 Tage vor der Wahl, also am 3. September 2017, beim Einwohnermeldeamt des letzten deutschen Wohnorts eingeht, steigen die Chancen auf eine Teilnahme an den Bundestagswahlen.

Jetzt liegt es am zuständigen Bürgermeisteramt, ob dem Antrag stattgegeben wird oder nicht. Bestenfalls leitet eine Verwaltungsangestellte das Papier an die „Abt. Datenerfassung für den Bundeswahlleiter, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn“ weiter. Von dort müsste dann, wenn alles gut geht, der Stimmzettel in die weite Welt hinausgeschickt werden. Return to Sender eben.

Ist das Kreuzchen dann in Inuvik, Jerewan, Baku oder Barcelona gemacht, schlüpft der Stimmzettel wieder fix in den Umschlag. Und tritt per Schneckenpost die Heimreise an.

Da sage noch einer, Demokratie sei ein Kinderspiel.

 

 

 

Kontrastprogramm Amerika

Irgendwie werde ich aus den Amerikanern nicht schlau. Da stehst du irgendwo in Maine an der Kasse eines Supermarkts und wirst von der Person hinter dir fast gekreuzigt, weil du eine Schachtel Zigaretten gekauft hast.

„Du rauchst“?, will die Frau von mir wissen, als die Kassiererin gerade die Packung „American Spirit“ einscannt. „Nein, die sind für jemand anders“. „Oh, you must really hate that person“. Im Weggehen verrate ich ihr, dass das Gegenteil der Fall sei und ich „that person“ alles andere als hasse: Die Kippen sind für meine Frau.

Kinnladenklappen.

Kinnladenklappen auch darüber: Während Zigarettenschachteln im Rest der Welt mit Horrorfotos von verschrumpelten Föten, einäugigen Gesichtern, angefressenen Lippen und schwarzen Lungen verunstaltet werden, bleibt die Packung zumindest hier in Maine clean. Hier darf der “American Spirit” noch das sein, was er einmal war: sauber, frei, unverdorben. NATURAL.

Wenig später biegst du aus dem Parkplatz in die Landstraße ein und stellst wieder einmal verwundert fest: All die Harley-Fahrer hier dürfen zwar mit ihren ungedämpften Auspuffen einen Heidenkrach veranstalten. Aber Helmpflicht? Nein, Danke!

Da werden Schnaps, Wein und Bier in jedem Supermarkt angepriesen und verkauft, als gelte es der Prohibition noch nachträglich einen Streich zu spielen. Aber im Restaurant verlangt der Kellner vom Sohn den Ausweis.

Alkohol dürfe er an Personen unter 21 leider nicht ausschenken, sagt Jason, der sich – wie die meisten Kellner hier – namentlich vorstellt, ehe er die Bestellung aufnimmt. Hallo? Der Sohn wird demnächst Dreißig. „Jeder, der bis zu 35 aussieht, muss kontrolliert werden“.

Okay, wenn das sooo ist …

Dass der Strand rauchfrei bleibt und Alkohol nur in ausgewiesenen Zonen konsumiert werden darf, versteht sich angesichts dieser Sünden-Politik von selbst. Und auch dass Oben-Ohne hier einem Spießrutenlauf gleichkommen würde.

IMG_8329Dann aber wieder: So viele liebenswerte, freundliche, hilfsbereite Menschen wie hier habe ich selten erlebt. Ob es lediglich das berühmte Kratzen an der Oberfläche ist, gespielte Höflichkeit also, oder aber ernst gemeinte Sympathie, sei dahingestellt. Es fühlt sich jedenfalls gut an.

Noch besser fühlt es sich an zu wissen, dass die Trump-Wahl hier bei vielen Menschen als Ausrutscher abgehakt wird, als Mückenschiss der Geschichte.

Dass aber die Hälfte dieser netten Menschen einen Mückenschiss gewählt hat, macht mir trotzdem Angst.

Amerika, Land der unbegrenzten Gegensätze.

Anmutende Schönheit am Meer

Es ist nicht schwer, Maine lieb zu gewinnen. Der US-Bundesstaat, sieben Autostunden von Montreal, gehört zu den liberalsten des Landes. Und zu den schönsten.

Es ist nicht die spektakuläre Schönheit der Rocky Mountains, die den Besucher erwartet. Hier werden keine Rekorde gebrochen. Weder der höchste Berg, noch der längste Strand des Landes werden Maine zugeordnet.

Aber die durchgehende Ästhetik, die sich von Nord nach Süd und von Ost nach West wie ein Alleinstellungsmerkmal für einen gelungenen Landstrich treu bleibt, wirkt auf den Besucher wie ein Verwöhnprogramm für die Sinne.

Das fängt an bei der für die Neuenglandstaaten typischen Architektur. Schlicht, unprätentiös, klare Farben. Und immer aus Holz, meistens weiss und in der Schindeltechnik erbaut.

Da ist der herbe Geruch des Atlantiks, der einen nicht nur in einem der vielen „Lobster Shacks“ in seinen Bann zieht, sondern auf Schritt und Tritt verfolgt.

Da sind malerische Städtchen wie Kennebunkport, die den Besucher – wieder einmal – an der stupiden Agenda des Präsidenten zweifeln lassen. Was, bitteschön, soll eigentlich angesichts einer so zauberhaften Gegend die Phrase “Let’s make America great again“? Wie viel schöner kann ein Landstrich denn noch aussehen?

Da sind die erlesenen Meeresfrüchte, die es in dieser Qualität wohl in wenig anderen US-Bundesstaaten gibt, allein voran der weltbekannte Hummer aus Maine.

Aber Schönheit und Qualität haben ihren Preis. Eine „lobster roll“, ein mit Hummerfleisch belegtes Brötchen, kostet auf die Hand satte 18 Dollar, das sind mehr als 15 Euro.

Die Freundlichkeit der Menschen, die zauberhaften Strände, die klare Luft, die die ohne schon spektakulären Sonnenuntergänge an der Küste erst richtig zum Glühen bringt – all das verlangt nach mehr.

Mehr Meer. Mehr Maine. Und irgendwo auch mehr Amerika.

 

Das etwas andere Amerika

Okay, ich bin meinem Vorsatz untreu geworden. Seit Monaten erzähle ich Freunden und Verwandten, dass ich keinen amerikanischen Boden mehr betreten werde, solange der böse Mensch aus Washington regiert. Und wo bin ich heute? Im amerikanischen Bundesstaat Maine. Und fühle mich dabei kein bisschen schlecht.

Der erste Tag in den USA nach vielen Jahren war ein guter Tag. Keiner, der seine Waffe auf mich gerichtet hätte. Kein Zollbeamter, der mich in den Senkel gestellt hat. Niemand, der mir eine amerikanische Flagge verkaufen oder mich für die Republicans anwerben wollte.

Ganz ohne Politik geht es trotzdem mich. Gleich das erste Tischgespräch mit einer Gruppe von US-Amerikanern mittleren Alters verlief erfreulich harmonisch und endete mit einem Appell: „Sag deinen kanadischen Landsleuten und auch allen Deutschen, dass uns dieser Präsident nur peinlich ist“!

Maine ist nicht Amerika und Amerika ist nicht Maine. Hier, an der Ostküste der USA, sieben Autostunden von Montreal, ist fast alles anders als im Rest der Vereinigten Staaten.

Es ist der einzige Bundesstaat mit zwei offiziellen Landessprachen, Englisch und Französisch. Hier werden traditionsgemäß Demokraten gewählt und die gleichgeschlechtliche Ehe ist schon seit fünf Jahren legal. Seit November 2016 sind sogar der Anbau und Verkauf von Marihuana in kleinen Mengen erlaubt.

Rednecks“, wie der Proll hier heißt, sind in Maine seltener zu finden als in vielen anderen Teilen des Kontinents. Trumpisten muss man mit der Lupe suchen.

Dass mich mein erster USA-Trip seit vielen Jahren ausgerechnet nach Maine geführt hat, ist also kein Zufall. Er hat auch Familiengeschichte. Gut ein Dutzend Mal waren wir hier campen, als der Bub noch klein war. Ferien in Bar Harbor, mit Zelt, Schlafsack und gerösteten Marshmellows überm offenen Feuer, waren ein Teil von Cassians Kindheit.

Wie schön, dass der Bub, der inzwischen ein Mann ist, seine Eltern zu diesem fast historischen Amerika-Urlaub eingeladen hat.

So schreibe ich diese Zeilen in einem verwunschenen Holzhäuschen am Meer, ganz in der Nähe von Kennebunkport, das den meisten Amerikanern als Sommersitz der ehemaligen Präsidenten-Familie Bush bekannt ist.

“Lobster Rolls” sind mit Hummerfleisch belegte Brötchen

Die Morgensonne scheint hier nicht, sie streichelt dich. Das Meer rauscht hier nicht, es flüstert. Die Vögel zwitschern nicht, sie singen. Und „lobster rolls“, mit Hummerfleisch belegte Brötchen, sind hier so populär wie andernorts Hot Dogs und Hamburger.

Ich bin froh und glücklich, dass ich Amerika wieder eine Chance gegeben habe. Bei den meisten der Menschen hier käme man nicht einmal auf die Idee, dass sie sich von einem Mann regieren lassen müssen, über den der Rest der Welt lacht, weil es zum Weinen nicht ganz reicht.

Mehr Text und Fotos dazu gibt’s  >> HIER <<

Seien Sie doch keine Pappnase!

Eine befreundete Kollegin von mir, Anita Horn, bat mich neulich, doch einen Gastbeitrag für ihren Blog zu schreiben. Es sollte um das Thema „Pappnasen“ gehen. Sagt Ihnen nichts? Dann überlegen Sie doch bitte mal, wann Sie zum letztenmal ihren Starbucks-Kaffee im Einwegbecher getrunken haben. Ertappt? Na also. Auch so eine Pappnase.

Das erste Mal, dass ich mit dem Pappnasen-Syndrom konfrontiert wurde, war vor 27 Jahren. DIE ZEIT hatte mich damals für eine Reportage in die Subarktis geschickt. In einem Indianerreservat namens Waskaganish sollte ich recherchieren, was die dort lebenden Cree-Indianer so alles mit 225 Millionen Dollar anstellen. Für diese astronomische Summe hatten die Ureinwohner gerade ihre Land- und Wasserrechte an die Regierung der Provinz Québec verkauft – bis heute ein umstrittener Deal.

In dem abgelegenen Dorf Waskaganish, mehr als tausend Kilometer nördlich von Montréal, war Umweltschutz ein Fremdwort. Es gibt bis heute keine Straße, die dort hinführt. Das Indianerreservat ist nur mit dem Buschflugzeug zu erreichen. Dass sich ausgerechnet im Norden Kanadas knöchelhohe  Müllberge ansammeln können, hat mich erschüttert. Coladosen, Chipstüten, Zigarettenschachteln. Und, ja, auch damals schon Kaffeebecher aus Plastik und Pappe.

Eine junge Indianerin hatte das Coffee-to-go-Konzept nach einem Besuch in Montréal übernommen und sich dabei den großen Reibach erhofft. Im Norden Kanadas herrschte nach dem Millionendeal mit der Regierung von Québec so etwas wie Goldgräberstimmung.

„Wie kommt’s“?, wollte ich von dem mit Umweltfragen betrauten Cree-Indianer Wayne River wissen, „dass sich bei euch der Müll türmt, wo doch die Natur um euch herum vom Feinsten ist“? Wayne River hob zu einer Erklärung an, die ich hier nur in Kurzform wiedergeben möchte.

Zum einen liegt es am arktischen Klima. Wo Permafrost herrscht, erfüllen herkömmliche Mülldeponien nicht mehr ihren Zweck. Wo die Erde niemals auftaut, kann der Abfall nicht verbuddelt werden. Das leuchtete mir ein.

Aber dann sagte Wayne River etwas, über das ich bis dahin nie nachgedacht hatte: Wenn es um die Müllbeseitigung geht, verfährt der Indianer nach dem Prinzip aller Ureinwohner: „Was du der Natur genommen hast, musst du ihr wieder zurück geben“.

Eine edle Philosophie. Das Fleisch des erlegten Bären wird gegessen. Der Pelz schützt vor der arktischen Kälte. Das Geweih des erlegten Elches wird zu Backpulver gemahlen. Leider funktioniert diese Art von Recycling heute nicht mehr. Dagegen sprechen die Halbwertzeiten von Plastik und Pappbecher, von Chipstüten und Stanniolpapier.

Doch die meisten Indianer haben die Uralt-Philosophie so verinnerlicht, dass sie nicht von ihr loslassen wollen. Sie werfen ihre Kaffeebecher weg, als gäbe es kein Morgen. Das mag im Süden Kanadas etwas zivilisierter vonstatten gehen als im Norden. Aber auch hier ist die Entsorgung von Einwegbechern ein Riesenproblem.

In einer mittleren Großstadt wie Calgary werden täglich zwischen 800-tausend und einer Million Kaffeebecher weggeworfen. Rund 20 Prozent des gesamten Müllaufkommens setzt sich aus Kaffee- und Cola-Bechern zusammen. Im Zug, in der U-Bahn, bei Sportveranstaltungen und Open-Air-Events – Einwegbecher sind noch immer die Regel, mitgebrachte Trinkflaschen die Ausnahme.

Kanadier umzustimmen, ist kein leichtes Unterfangen. Es wird hier mehr Kaffee getrunken als in den meisten Ländern der Welt. Unter 80 von „Euromonitor“ untersuchten Nationen steht Kanada mit jährlich 152 Liter Kaffee pro Personen erster Stelle.

Egal, wie umweltfreundlich sich das zweitgrößte Land der Erde gibt: Die Pappnasen sind noch lange nicht ausgestorben.

Hier geht’s zu Anitas Blog ahornzeit.de

Das Pappnasen-Syndrom bekämpft sie unter dem Hashtag #seikeinepappnase

 

Spannender geht Fernsehen nicht

Wer das Glück hat, eine ganze Anzahl von erfolgreichen Autorinnen und Autoren in seinem Freundeskreis zu haben, wird entsprechend oft mit frischer Lektüre eingedeckt. Jetzt kommt ein neues Buch hinzu: Mein befreundeter Kollege Torsten Engel, im Hauptberuf richtig wichtig beim NDR, hat einen Thriller geschrieben. Ein Muss.

Lange hat mich ein Krimi nicht mehr so gefesselt wie „Primetime“. Der Plot, das Tempo, die Protagonisten, das Lokalkolorit, die Schreibe, das Tempo – selten so mitgefiebert.

Während der Gameshow “Eine Million Cash”, die live aus den Drachenhöhlen auf Mallorca in deutsche Wohnzimmer übertragen wird, nimmt ein Verbrecher das komplette Publikum in der Höhle Geisel.

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse: Während der Moderator auf der Bühne gute Miene zum bösen Spiel macht, wird im Kontrollzentrum der Macht – im Bundeskanzleramt – um die Freilassung der Geiseln gekämpft.

Es geht um Geld und Macht, um Karriere und Eitelkeiten. Vor allem aber geht es um Fernsehen, wie es sich vermutlich nicht nur hinter den Kulissen abspielt. Immer wieder blitzt ein Stück realityTV auf, das den Leser in Hochspannung versetzt.

Schwer zu glauben, dass es sich bei Torsten Engels „Primetime“ um einen Erstling handeln soll. Wer so viele Schauplätze mit so einer komplizierten Handlung so mühelos geschmeidig und gleichzeitig atemberaubend spannend zu einem Roman verarbeitet, hat das Zeug zum Bestseller-Autor.

Bei der Lektüre kommen nicht nur Krimifans auf ihre Kosten, sondern auch Medienschaffende, Politikjunkies und Mallorca-Liebhaber.

 >> HIER << geht’s zur Bestellseite bei Amazon. „Primetime“ gibt’s als Taschenbuch und zum Download als eBook.

Eine äußerst kreative Facebook-Seite zu “Primtime” gibt’s  >> HIER <<

Ganz schön cool, die alte Dame

CANADA DAY PARADE in Montreal. Alle Fotos © Bopp

Nein, das Land, in dem ich lebe, ist nicht perfekt. Kein Land ist perfekt. Aber ein Blick über den Tellerrand genügt und mir wird in diesen Tagen wieder einmal klar: Mit Kanada habe ich mir ein verdammt gutes Land ausgesucht. Am Wochenende feierte die coole alte Dame ihren 150. Geburtstag.

Als in Deutschland vor einigen Tagen ein regelrechter Hype ausbrach, nachdem die Legalisierung der Ehe für alle beschlossen wurde, fühlte sich das irgendwie ein bisschen schal an. Gab es tatsächlich noch Länder, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe verboten war? Und Deutschland war eines davon?

In Kanada war dieses Gesetz bereits vor zwölf Jahren erlassen worden. Wenn ich mich richtig erinnere, hielt sich der Hype darüber in Grenzen. Die liberale Regierung unter dem damaligen Premierminister Paul Martin fand, dass es höchste Zeit war für dieses Stück Freiheit.

Als Justin Trudeau, der jetzige Regierungschef, kurz nach seiner Wahl gefragt wurde, warum sich sein Kabinett genau zur Hälfte aus Frauen und Männern zusammensetzt, meinte er fast etwas kurz angebunden: „Warum? Weil wir das Jahr 2015 schreiben“.

So sieht eine Gesellschaft aus, die in mein Weltverständnis passt.

Kanada mag in manchen Dingen kranken, das Gesundheitssystem ist eines davon. Doch wenn es um Menschenrechte und Minderheiten geht, ist Ottawa ganz weit vorne.

Als bei der „Canada Day Parade“ am vergangenen Samstag Sikhs, Muslime, Christen und Vertreter der jüdischen Gemeinde in friedlicher Eintracht nebeneinander her marschierten, sah ich um mich herum viele feuchte Augen – und nicht alle waren dem strömenden Regen geschuldet.

Kanadas offene Arme für geflüchtete Menschen sind inzwischen legendär.

“When others build walls, you open doors“!, rief U2-Frontman Bono am „Canada Day“ in Ottawa in die Menge – ein Seitenhieb auf den US-Präsidenten und seine fremdenfeindliche Politik. An einem narzisstischen Selbstdarsteller wie D. T. dürfte die Schmach jedoch abgeblättert sein wie die Goldbeschichtung seiner Insignien.

Ein Grund mehr auf das Land anzustoßen, das seit 35 Jahren so etwas wie Heimat für mich ist.

HAPPY BIRTHDAY, CANADA 🇨🇦

Wer hat den Sauerzeh gestohlen?

Schau(der)platz “River Rat Bar” Der Autor mit dem Original-Sauerzeh.

Der Yukon ist für vieles bekannt: Goldgräber, Abenteuer, Hundeschlittenrennen. Und auch für den berühmtesten großen Zeh der Welt: Den Sauerzeh. Jetzt ist der Sauerzeh gestohlen worden. Seither herrscht helle Aufregung in der “River Rat Bar” in Daswon City. 

Vor ziemlich genau sechs Jahren war an dieser Stelle “DIE GESCHICHTE VOM SAUERZEH-COCKTAIL” zu lesen. Hier ist sie aus aktuellem Anlass noch einmal:

Es gibt Geschichten, die sollte man sich nicht zum Frühstück erzählen. Auch nicht zum Mittagessen. Und gleich gar nicht zum Abendbrot, wenn sich alle auf Schweinebraten und Spätzle freuen und du fängst plötzlich an vom Sauerzehcocktail. Es gibt Geschichten, die sollte man sich eigentlich gar nicht erzählen. Dazu gehört die Geschichte vom Sauerzehcocktail.

Doch weil der Sauerzehcocktail im Laufe der Jahre viele unterhaltsame Tischgespräche geliefert und sogar für gute Einkünfte in der Korrespondenten-Kasse gesorgt hat, darf die Story hier noch einmal zu Ehren kommen.

Es begann an der Mündung des Klondike River

Die Geschichte des Sauerzehcocktails  ist eine jener Geschichten, die es nur in Kanada geben kann. Denn nur hier, wo die Winter lang und die Tage kurz sind, scheinen Menschen die Begabung zu besitzen, spielerisch mit einem menschlichen Körperteil umzugehen, das schon seit hundert Jahren tot ist.  Der Tatort ist eine kleine Bar in der Goldgräbersiedlung Dawson, nicht weit von der Mündung des Klondike Rivers in den Yukon. Dorthin waren während des größten Goldrausches (1896-1898) in Nordamerika Zigtausende von Abenteuersuchenden geströmt. Der Flusskapitän Dick Stevenson verdiente sein Geld damit, Männer, die bis von Kalifornien in den Norden Kanadas gereist waren, vom Ausgangspunkt Dawson City im Yukon aus zu den Goldminen am Klondike River zu schippern.

Der Goldrausch vom Klondike brachte das Beste im Menschen zum Vorschein, aber auch das Hässlichste, Gemeinste, Schrecklichste. Als die Schürfer dem Fels- und Sandgestein an der Grenze zu Alaska auch noch den allerletzten Nugget abgerungen hatten, waren sagenhafte 12,5 Millionen Unzen gehoben. Genug, um Dutzende von Lkw-Container mit purem Gold zu füllen.  Manche der Männer wurden als Goldgräber unbeschreiblich reich. Andere, wie zum Beispiel der Abenteuer-Schriftsteller Jack London, wurden weltberühmt. Wieder andere wurden körperlich krank oder einfach verrückt.  Käpt’n Stevenson passt in keine der oben genannten Kategorien. Ihm war schlicht und einfach langweilig geworden.

urkunde

Der Beweis: Meine Urkunde nach dem Genuss des Sauerzeh-Cocktails.

Nachdem er Tausende von Golddiggern durch das Flussgewirr des kanadischen Yukon-Territoriums geschifft hatte, gab es nach dem Ende des gold rush nicht mehr viel für ihn zu tun. Also baute er sich ein Blockhaus in dem Ort Dawson und vermietete die Zimmer im oberen Stockwerk an freizügige Damen, die sich von freigiebigen Herren für ihre Liebesdienste bezahlen ließen. „Whorehouses“ hießen diese Etablissements in Dawson ganz unverblümt. Bei den Damen, die in den Bordells arbeiteten, handelte es sich um meist junge Frauen, die den Abenteurern hinterher gereist waren, in der Hoffnung, auf ihre Art den Goldrausch ein wenig mitträumen zu dürfen. Die Rechnung ging auf. Viele der Huren wurden so reich wie die Goldgräber selbst. Seither hat der Begriff „golddigger“ in der englischen Sprache eine doppelsinnige Bedeutung. Mit „golddigger“ sind nicht nur die Schürfer selbst gemeint, sondern auch die Frauen, die sich am Reichtum älterer Männer laben, ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen. Sieht man einmal von gelegentlichen Leibesübungen ab.

Besuch in der “River Rat Bar”

Im Erdgeschoss des Holzhauses, das sich Kapitän Stevenson gebaut hatte, befindet sich heute wie damals die “River Rat Bar”. Weil ein Flusskapitän nicht nur gut navigieren können muss, sondern auch erste Hilfe leistet, wenn es die Situation erfordert, diente die Bar gelegentlich als Notfallstation. Manche der Hilfesuchenden hatten sich beim Goldschürfen verletzt, andere beim Trinken zu viel zugemutet, wieder andere Erfrierungen zugezogen. Im Yukon sinken die Temperaturen schon mal auf minus 45 Grad.

Einer von denen, die mit Erfrierungen Hilfe in der „River Rat Bar“ gesucht hatten, war ein namenloser Trunkenbold, der nicht einmal in der Lage war, den Whisky zu bezahlen, mit dem der Käpt’n den erfrorenen Zeh des Mannes desinfizierte. Ehe er ihn schließlich amputierte. Den Zeh legte Mister Stevenson in ein Marmeladeglas mit hochprozentigem Alkohol ein. Damit war die Konservierung des guten Stückes garantiert. Im Laufe der Jahre schrumpelte der Zeh zu einem hässlichen, sehnigen Fleischbrocken zusammen. Allenfalls der Nagel erinnert heute noch daran, dass es sich tatsächlich einmal um den großen Zeh eines männlichen Wesen gehandelt haben muss.

Ein verschrumpelter Zeh im Whiskyglas

Der in Whisky eingelegte Zeh wurde zur Legende. Für Männer, die sich im Yukon etwas beweisen wollten, gehörte es fortan zur verdammten Pflicht und Schuldigkeit, ein Glas Whisky zu trinken, in denen der verschrumpelte Zeh schwamm. Der Sauerzehcocktail war geboren. Die Idee mit dem eingelegten Zeh brachte dem Flusskapitän so viel Geld ein, dass er sich einen angenehmen Altersruhestand gönnen konnte.

Nach dem Tod von Mister Stevenson setzte ein entfernter Verwandter, ebenfalls Kapitän, den Brauch mit dem Sauerzehcocktail fort. Heute sind es fast nur noch Touristen (und gelegentlich auch Journalisten), die den Whisky nicht „on the rocks“ trinken, sondern „on the toe“.  Am Ritual selbst hat sich seit den Stevenson-Tagen nichts geändert: Nur wer es geschafft hat, sich ein Glas Whisky hinter die Binde zu kippen und den verdorrten Zeh mindestens fünf Sekunden im Mund zu belassen, ehe er ausgespuckt werden darf, bekommt als Beweis für diese zweifelhaften Mutprobe eine Urkunde ausgehändigt.

Meine Urkunde trägt das Datum vom 7. September 2004. An diesem Tag, übrigens dem 65. Geburtstag meiner Schwester Irmtraud, führt mich der Weg in die „River Rat Bar“ in Dawson. Es ist ein regnerischer Abend, die bissige Luft riecht nach frühem Winter. Der unbefestigte Schotterweg, der durch den 1200-Einwohner-Ort Dawson City führt, ist aufgeweicht. Die Bar ist brechend voll. Auf einer kleinen Holzbühne in der Ecke spielt eine Country & Western- Band. Auf dem Tresen steht ein großes Glas mit eingelegten Eiern, daneben ein Fass mit sauren Rollmöpsen. Um mich herum gut gelaunte Menschen: Einheimische, ausgelassene Touristen und ein paar kreischende Frauen, die sich allein schon beim Anblick des berühmten Marmeladeglases ekeln.

Ich bin hierher gekommen, um mir den Sauerzehcocktail anzutun. “Are you ready?”, will der Barmann wissen. Das Gekreische in der Kneipe wird lauter. „Are you ready?“, fragt der Brummbär jetzt noch einmal, diesmal mit erhobener Stimme. Klar doch. Hatte ich eine andere Wahl? Jetzt, da ich dem legendären Marmeladeglas mit dem abgestorbenen Zeh näher gekommen bin als die meister der Hörer und Leser, denen ich darüber berichtet hatte, gab es kein Zurück mehr.

Ex oder langsam? Ich entscheide mich für den schnellen Tod

„Her damit“, rufe ich dem Barkeeper zu. „Und hinterher gleich noch einen Extraschnaps, um den Ekel wegzuspülen.“ Der Barbesitzer setzt sich die Kapitänsmütze auf, die angeblich schon Dick Stevenson getragen haben soll. Dann greift er mit Mittelfinger und Daumen in den Marmeladetopf, holt vorsichtig, aber nicht sehr angeekelt die gelblich-bräunliche Zehe heraus und lässt sie in ein leeres Glas fallen. Ein Schuss Whisky drüber – und es kann losgehen. „Schluckweise oder ex?“, will der Barkeeper wissen.  Ich entscheide mich für den schnellen Tod.

Geschafft: Ex und hopp und eklig

Das Gefühl, fünf Sekunden lang den vergilbten, verschrumpelten Zeh eines Goldgräbers im Mund zu haben, den ich nicht einmal kannte, ist unbeschreiblich ekelhaft. Aber auch aufregend. Es schmeckt nach Essig und Salz, nach Zucker und Jod, nach Schnee und Eis. Und auch ein bisschen nach Menschenfleisch.  Oder bilde ich mir das nur ein?  Vor allem aber schmeckt der Sourtoe-Cocktail nach Abenteuer. Da fallen einem Schleppesel ein, die Zelte und Kochgeschirr der Goldgräber transportieren, Campfeuer und gebratene Grizzlytatzen, aber auch kalifornische Girls, die es allen Männern recht machen wollen. Und viel, viel Gold.  Weniger aufregend ist die Gewissheit, nicht der Erste gewesen zu sein, der dieses Stück Menschenfleisch in seinem Mund gehabt hat. Meine Urkunde trägt die Nummer 14 376

Den aktuellen Bericht über den jetzt gestohlenen Sauerzeh finden sie >> HIER <<

UPDATE: Der gestohlene Zeh ist wieder da!