„Rosh Hashanah“ mit Freunden

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© Bopp

Glücklich ist der, der Freunde hat. Noch glücklicher ist, wer Freunde aus möglichst vielen Kulturkreisen hat. Glücklicherweise haben wir besonders gute Freunde aus dem jüdischen Kulturkreis. Bei denen waren wir gestern zum traditionellen Neujahrs-Essen eingeladen.

Rosh Hashanah“ erstreckt sich über zwei Tage. Wir waren am Sonntag, dem ersten der beiden Tage, dabei. Nach Sonnenuntergang wurde getafelt.

Unsere jüdischen Freunde wissen zu feiern. Dass dazu auch Essen und Trinken gehören, versteht sich von selbst.

An Gesprächsstoff fehlt es bei uns ohnehin nie. Erst recht nicht, wenn drei BerufsmusikerInnen mit am Tisch sitzen, von denen eine gerade von einer vierwöchigen Tournee aus China zurückgekehrt ist.

Wenn diese Frau, eine junge Jazz-Pianistin übrigens, dann noch erzählt, wie sie vor fünf Jahren auf dem Camino gepilgert war, den auch wir gerade hinter uns gebracht haben, dann konnte es eigentlich nur ein rundherum gelungener Abend werden.

An traditionellen jüdischen Speisen wurden serviert:

  • Gefilte Fish mit Rote-Beete-Meerrettich (Eine Rolle mit dreierlei Fisch)
  • Challah and honey  (Zopfbrot mit Honig)
  • Chicken soup with matzo balls (Hühnersuppe mit Griesknödel)
  • Kasha and bow ties  (Schmetterlingsnudeln mit Buchweizen)
  • Sweet potato Kugel (Geraspelter Kartoffelauflauf)
  • Roast brisket (Rinderbraten)
  • Sweet and Sour meatballs (Süß-saure Fleischbällchen)
  • Salat

Als Nachtisch wurden Honigkuchen mit Eiscreme gereicht. Nicht ganz traditionell, aber lecker.

Und was wünscht man sich an so einem Abend?

Shanah Tovah Umetukah.

Ein gutes und süßes neues Jahr!

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Gefilte Fish © Bopp

 

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Rote-Beete-Meerrettich © Bopp

 

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Challah and honey (Zopfbrot mit Honig) © Bopp

 

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Chicken soup with matzo balls. © Bopp

 

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Kasha and bow ties (Schmetterlingsnudeln mit Buchweizen) © Foodblog

 

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Sweet potato Kugel © Foodblog

 

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Roast brisket (Rinderbraten) © Foodblog

 

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Sweet and Sour meatballs (Süß-saure Fleischbällchen) © Foodblog

 

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Grüner Salat © Bopp

 

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Honigkuchen © Foodblog

Ein ganz normaler Tag im Studio

dubbingVon den vielen Jobs, die ich in meinem Leben als Freelancer schon hatte, ist der, den ich zurzeit ausübe, einer der ungewöhnlichsten: Dialog-Coach einer neuen Fernseh-Serie für den weltweit wohl bekanntesten Streamingdienst. Die Serie wird voraussichtlich noch dieses Jahr gesendet.

Der Dialog-Coach achtet darauf, dass die muttersprachlich englisch- oder französischsprachigen Synchronsprecher deutsche Worte und Sätze nicht nur korrekt aussprechen. Es müssen auch die Mundbewegungen stimmen. Das ist nicht immer ganz einfach.

Der Tag im Studio sieht ungefähr so aus: Der Regisseur sitzt am Kommandopult und fährt auf einer riesigen Leinwand Szene für Szene des Originalfilms ab, der ursprünglich auf Französisch gedreht wurde. Über jeder Szene liegt ein dicht beschriebenes Textband, das jeden Satz, jedes Stöhnen, jedes Räuspern eines jeden Schauspielers enthält.

Die Synchronsprecher kennen die Symbole für Ein- oder Ausatmen, für hohe oder tiefe Stimm-Modulation, sie wissen, wann sie laut oder leise werden müssen und auch, wenn eine Sprechpause mitten im Satz notwendig ist, damit die Mundbewegungen mit dem Originalfilm übereinstimmen.

Nur eines wissen sie nicht: Wie man Sätze wie „Ich habe gestern Nacht an Selbstmord gedacht“ oder: „Willst Du wirklich mitten in der Nacht nach Hause fahren?“ auf Deutsch ausspricht. Denn tatsächlich gibt es in dieser Serie jede Menge deutsche Sätze zu sprechen. Da kommt dann der Dialog-Coach ins Spiel.

Im Film geht es um einen deutschen Austauschschüler, der einen Sommer bei einer Gastgeberfamilie in Frankreich verbringt und sich dort unsterblich verliebt.

Wenn dann der Regisseur mitten in den Aufnahmen feststellt, dass die Produktionsfirma dummerweise vergessen hat, für einen einzigen Satz im Film einen extra Sprecher anzuheuern, dann ist das nicht weiter schlimm. Da springt dann auch gerne der Dialog-Coach ein.

„Sam, möchtest du noch Tee haben?“, lautet dieser Satz.

Wenn Sie also diesen Satz irgendwann in einer Fernsehserie hören werden, dann wissen Sie, wer ihn gesprochen hat: Der Mann von den Bloghausgeschichten.

In einem Montrealer Aufnahmestudio tagelang mit hochprofessionellen Sprechern aus mehreren Ländern zusammen zu arbeiten, ist eine Herausforderung für alle Beteiligten:

Für die Sprecher, die in diesem Fall allesamt bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler sind.

Für den Regisseur, der dem Dialog-Coach vertrauen muss, dass das Deutsch, das in der Serie gesprochen wird, hinterher nicht klingt wie Polnisch rückwärts.

Und natürlich für den Dialog-Coach, der eine Szene so lange wiederholen lassen muss, bis jeder Umlaut, jedes i-Tüpfchen, jeder noch so gutturale Laut in der korrekten Tonlage richtig ausgesprochen wird.

Ein paar Sätze Spanisch seien für sie kein Problem, sagte mir eine Schauspielerin aus Los Angeles in einer Pause. Auch Mandarin und Japanisch musste sie für einen Film schon sprechen. Aber Deutsch? Da komme sie an ihre Grenzen.

Sätze wie: „Hört die Krähe eigentlich irgendwann mal auf zu krächzen?“ oder: „Die Hochzeit war ursprünglich für den zweiten Weihnachtsfeiertag vorgesehen“ erinnern an Annegret Kramp-Karrenbauer, die mit ihrem Namen Radiosprecher immer wieder zur Verzweiflung bringt. Stichwort AKK.

Wem das alles zu kryptisch ist, muss sich gedulden. Aus naheliegenden Gründen ist es mir an dieser Stelle nicht gestattet, Einzelheiten über die neue Serie zu nennen. Auch keine Sprecher- und Schauspielernamen darf ich verraten.

Treue Blogleserinnen und –leser wissen jedoch: Irgendwann wird hier der Schleier gelüftet.

Dann wird Tacheles geredet.

Blumengarten über der Großstadt

IMG_8065 (1).jpgWer im Herzen einer Millionenstadt lebt und die Natur liebt, hat leicht ein Problem. Wo, bitte, geht’s denn hier in den Garten?

In der ehemaligen Zigarettenfabrik, in der sich unser Loft befindet, liegen Stadt und Land nah beieinander. Dafür sorgt ein Mann namens Carlos Hernandez. Er hegt und pflegt seinen Blumengarten über den Dächern der Großstadt.

Rund um den Swimmingpool auf der Dachterrasse blüht es schon im Frühjahr, lange bevor die ersten Badegäste kommen. Mit kleinem Budget lässt Carlos dann seine große Fantasie walten.

Carlos kommt aus Uruguay und ist eigentlich Juwelier. Als er in den 70er-Jahren nach Kanada auswanderte, vermisste er die Blumenpracht seiner südamerkanischen Heimat. Also sattelte er um auf Gärtner. „Doch als Gärtner war nicht viel zu verdienen“, sagt er heute. Deshalb habe er sich eben nach wie vor auf seinen erlernten Beruf konzentriert.

Jetzt, da er im Ruhestand ist, kommt ihm – und uns, den Bewohnern der Loft-Anlage – sein Grüner Daumen wieder zugute. Die Dachterrassen von „Imperial Loft“ sind von auserlesener Schönheit. So schön, dass der Fernsehsender CBC uns jetzt für eine Reportage besuchte.

>> Hier ist der Bericht mit einem kurzen Video <<

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Der Indian Summer ziert sich noch

IMG_8215.jpgHerbststrauß gefällig? Bitteschön. Eben kommen wir von einem 10 Kilometer langen Spaziergang rund um den Lac Dufresne zurück.

Noch ziert sich der Indian Summer. Die meisten der Laubbäume stehen noch nicht in voller Blüte. In sieben bis zehn Tagen dürfte es dann wieder soweit sein, dass der Wald knallbunt dasteht.

Weil wir bis dahin nicht warten können, gibt’s eben heute schon eine kleine Bilderauswahl.

Spektakulärere Herbstbilder gab’s in früheren Blogposts. Einfach „Indianersommer“ in das Suchfenster eingeben – und schon steht der Wald in Flammen. Zum Beispiel  >HIER <

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PSSST … KANADA-GÄNSE. BITTE TON AN! Hier gibt’s was auf die Ohren:

 

 

Der tote Gangster Joe und ich

IMG_8089Eine der ersten Begegnungen, die ich nach meiner Ankunft in Montreal vor 37 Jahren hatte, war die mit einem Gangster. Es war ein Mafioso namens Joe. Aber als ich Joe sah, war er schon tot. Jemand hatte ihn vom 23. Stock des „Aldred Building“ in Alt-Montreal geschubst.

Joe starb in dem Film „Es war einmal in Amerika“ von Sergio Leone. Ich stieß zu den Dreharbeiten, als sie Joe gerade zum xten Mal vom Hochhaus gestoßen hatten – als lebensgroße Puppe. Ich erinnere mich noch genau, wie eine Maskenbildnerin nach jedem Wurf mit roter Farbe nachhalf. „Once Upon A Time In America“ sollte ein blutiger Gangsterfilm werden.

Ich war tief beeindruckt von dem, was ich sah. Bis dahin war ich noch nie bei Dreharbeiten eines Films dabei gewesen. Und dann gleich ein Hollywoodfilm mit Robert de Niro in der Hauptrolle!

Heute, an einem wunderschönen Herbsttag in Montreal, habe ich mir den Tatort zum erstenmal genauer angesehen.

Das „Aldred Building“ am „Place des Armes“, unmittelbar neben der Notre-Dame-Basilika, ist eines der schönsten Art-Deco-Gebäude in Montreal.

Mit seinen 23 Stockwerken war das Sandstein-Konstrukt das erste Hochhaus in Montreal überhaupt. Damit der amerikanische Architekt Ernst Isbell Barott 1927 den Kasten in der von ihm vorgesehenen Höhe von 96 Meter bauen durfte, mussten eigens dafür die Bauvorschriften von Montreal neu geschrieben werden. Bis dahin waren nur 61 Meter erlaubt.

Die Stadtverwaltung wollte das Projekt auf keinen Fall verlieren, denn der Architekt Ernst Isbell Barott war ein Großer seines Fachs. Zeitgleich mit dem Montrealer Turm baute er das Empire State Building in Manhattan. Das hat 102 Stockwerke.

So ist es zu erklären, dass das Alred Building ein Spiegelbild der obersten 23 Stockwerke des Empire State Buildings geworden ist.

Dass ich heute ganz spontan beschloss, „L’Alred“, wie die Montrealer den imposanten Bau nennen, mal von innen zu besichtigen, hat keinen speziellen Grund. Vielleicht den, dass ich allen meinen Besuchern irgendwann das eindrucksvolle Gebäude in Alt-Montreal zeige und dabei immer die Episode vom toten Gangster Joe erzähle. Und Besucher hatten wir im Laufe dieses Sommer mal wieder jede Menge.

Alles ist aus Marmor, Messing, erlesenen Hölzern und handgeschliffenem Glas. Die imposante Eingangshalle, der Aufzug, die langen Flure, von denen es in die verschiedenen Büros geht: Anwaltskanzleien, Notare, Schiffsreeder, Banker und Immobilienbroker. Auch eine Agentur  für Filmschauspieler habe ich gesehen.

Irgendwelche Mafiosi sind mir allerdings nicht über den Weg gelaufen. Zumindest nicht solche, die ich aus dem Kino kenne.

TRAILER ZU „ES WAR EINMAL IN AMERIKA“:

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Blick vom 23. Stock auf Downtown Montreal.

Mein Freund gibt mir Rätsel auf

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Besuch beim Freund in Sherbrooke: Dr. Peter Bernath (rechts)

Es gibt Freunde, die einem auch nach 35 Jahren noch Rätsel aufgeben. Der Freund: Peter. Das Rätsel: Wie kann ein fast Achtzigjähriger noch diese mentale und körperliche Fitness aufbringen?

Ich vermute mal, die Lösung des Rätsels – oder zumindest ein wesentlicher Teil davon – besteht aus acht Buchstaben: L*A*U*R*E*T*T*E. So heißt die Frau an Peters Seite.

Dass sie selbst die 80 schon überschritten hat und dabei ein Beispiel für geistige und körperliche Gelenkigkeit ist, soll hier lediglich im Flüsterton der Überzeugung weitergegeben werden. Laurette hat es nämlich nicht so mit dem Scheinwerferlicht.

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Des Rätsels Lösung heißt Laurette

Peter dagegen schon. Er, der schon als junger Kerl im heimischen Berlin auf der Theaterbühne und vor der Filmkamera stand, ließ es sich nicht nehmen, mir bei meinem jetzigen Besuch in Sherbrooke wieder einmal eine Kostprobe seines Showtalents zu geben.

Quasi zum Nachtisch ließ er Wagners Wotan singend und mit dramatischen Worten Abschied nehmen von seiner Lieblingstochter:

„Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“

Allein diese Solo-Darbietung war es schon wert gewesen, die zweistündige Autofahrt von Montreal nach Sherbrooke zurück zu legen. Dort, in der lieblichen Hügellandschaft der „Eastern Townships“, haben es sich Peter und Laurette nett gemacht.

Vorbei ist die Zeit, da Peter sich mit einer Dissertation über Kleist zwei Buchstaben vor

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Spätzle, Wagner und Rouladen: Warum Blaukraut in Berlin Rotkohl heißt, ist ein weiteres Rätsel.

den Namen erschreiben musste. Vorbei auch die Phase, da Dr. Peter Bernath an einer angesehenen kanadischen Universität lehrte.

Und erst recht passé sind die Jahre, da Peter als Sprecher und Produzent beim angesehenen Sender Radio Canada International aktiv war. Damals lernten wir uns kennen. Das war in den 80er-Jahren.

Wer jedoch glaubt, ein Peter Bernath würde nur noch Rouladen mit Spätzle und Blaukraut („Rotkohl“, heißt es in Berlin) für den hungrigen Schwabokanadier zubereiten, der jetzt besuchsweise bei ihm aufgetaucht ist, irrt.

Einen Großteil seiner Zeit verbrachte der Mann aus Berlin in den letzten Wochen und Monaten damit, Hunderte von Vinyl-Opern-Schallplatten zu digitalisieren.

Das geschieht in Echtzeit. Takt für Takt. Rille für Rille. Arie für Arie.

Was für viele ein Gräuel wäre, ist für meinen Freund Peter ein Geschenk an sich selbst. So kann er all die Wagners, Puccinis und Bellinis noch einmal hochleben lassen.

Das tut er übrigens wirklich. Peter ist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich ein Dirigentenpult gebaut hat, um gelegentlich mit dem Taktstock Arien und Opern mit zu dirigieren. Das Dirigieren, sagt er, sei für ihn nervenberuhigend und schmeichle, da ist der Peter ganz ehrlich, auch seinem Ego.

Wie sonst könne einer für fünf Minuten Karajan und Furtwängler in Personalunion sein?

Dass er selber Musik nur im angeheiterten Zustand produziere, sagt Peter, „und dazu noch mit zwölftonigen Varianten“, lasse sich an diesem wunderbaren Walküre-Ausschnitt abhören, der als Video am Ende dieses Beitrags zu finden ist. Peters innigster Wunsch ist es, dass dieses Video hoffentlich nicht der Nachwelt erhalten bleibt.

Pech für Peter: Das Internet schläft nie. Vor allem aber: Es vergisst nichts.

Mit Dingen wie diesen beschäftigt sich also mein Freund, wenn er nicht gerade kocht, Weine kostet, neue Käsesorten ausprobiert oder Computerprogramme testet.

Auch dafür bleibt ihm freilich nur die Zeit, in der er nicht gerade auf Reisen nach Bora Bora, Peru oder Ägypten unterwegs ist. Oder Vorträge hält über das Berlin von damals und heute oder einen deutschen Spion, der aus der kanadischen Kälte kam.

Wie es Peter Bernath eher nebenher geschafft hat, den 16 Stunden dauernden Ring des Nibelungen mit unglaublichem Aufwand zu editieren, bzw. zu kürzen, könnte irgendwann das Thema eines eigenen Blogposts werden. Für eine Doktorarbeit darüber dürfte die Zeit knapp werden.

Ach, übrigens: Peters Transfer-Job von Vinyl auf Mp3 ist kein gänzlich selbstloser Akt. Mein Freund möchte nämlich seine komplette Sammlung mit vielen auserlesenen Sammler-Stücken verkaufen.

Und jetzt kommt das größte aller Rätsel: Wie stellt man so etwas am besten an?

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Mail an den Blogmaster genügt auch.

Treue Blogleser kennen meinen Freund schon. Vor genau drei Jahren gab es hier schon einmal eine Geschichte über Peter Bernath. Und zwar  >> H I E R  <<

PETER SINGT WAGNER:

Boyband mit grauen Haaren

IMG_7921Was tun, wenn die „Rolling Stones“ Besseres zu tun haben, als an einem verregneten Samstagabend nach Montreal zu kommen? Man geht mit einem Kumpel in den „Wheel Club“ und wippt die nicht mehr ganz taufrischen Hüften zum Sound der „B#Bandits“. Auch die sind nicht mehr ganz taufrisch. Aber gerade deshalb sind wir ja hier.

Graues Haar so weit das Auge reicht. An der Kasse. An der Bar. Am Billiardtisch. Auf der Tanzfläche. Und natürlich auf der Bühne.

Auch der Kellereingang zum „Wheel Club“ im Stadtteil Notre-Dame-de-Grâce im Westend von Montreal ist schon in die Jahre gekommen.

Und natürlich machen mein Begleiter Jean und ich da keine Ausnahme. Hilfe, wir sind alt!

Willkommen zum „Rolling Stones-Tribute“, wie Reginald Howatson und seine Boys den Abend getauft haben.

Ich hatte „Reggie“ erst vor kurzem über einen traurigen Anlass kennengelernt. Er war es, der mir nach meiner Rückkehr vom Camino im Mai die Nachricht vom Tod meines Freundes Steve Petitpas überbracht hatte.

Steve, als Straßenmusiker in Montreal eine Institution, war mit nur 56 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Die „B#Bandits“ sind eine Boyband, die aus älteren Herren besteht. Ausser Reggie kenne ich keinen davon und weiss auch nicht, was der Hashtag im Namen bedeutet. Muss ich alles noch recherchieren.

Aber es geht hier nicht um Hashtags und auch nicht darum, dass der „Wheel Club“ im vorigen Winter nach 53 Jahren um ein Haar schließen musste, weil der in die Jahre gekommene Besitzer keinen Bock mehr auf Rock hatte. Als älterer Herr Abend für Abend ältere Herren ankündigen zu müssen, hat etwas Zermürbendes.

Aber dann hat sich ein jüngerer Mann gefunden, dem es nichts ausmacht, ältere Männer ankündigen zu müssen. Der Laden brummt.

Dass es in der Stadt meines Herzens noch immer Ecken und Events gibt, von denen ich auch 37 Jahre nach meiner Ankunft nie etwas gehört hatte, wundert mich zwar. Aber ich freue mich auch, eine neue Bar gefunden zu haben. Ich glaube, wir werden Freunde.

Man muss Alt-Herren-Abende nicht mögen. Aber Reggie und seine Boys sind auch so etwas wie Hoffnungsträger für eine Generation von Grauhaarigen, die ihre müden Glieder am Samstagabend lieber zu den Riffs der Stones bewegen als bei der Tagesschau einzuschlafen.

In diesem Sinne: More Power to Grey Power!

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Gestern Abend im Wheel Club: „I CAN’T GET NO SATISFACTION“ (Kurzes Video)

Schlemmen unterm Stadion

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Da laden dich deine Freunde an einem ganz normalen Freitagabend „unters Olympiastadion“ ein. Und was findest du da vor? Eine wahre Schlemmer-Orgie mit Dutzenden von Foodtrucks und Tausenden von Menschen, die vor ihnen Schlange stehen.

Wenn es gerade nichts zu feiern gibt, wird in Montreal eben das Essen zelebriert. Jeweils am ersten Freitag im Monat verlassen die etwa 50 Food Trucks ihre Standplätze in der Innenstadt und treffen sich vor dem Olympiastadion.

Dann nimmt die Schlemmerei ihren Lauf.

Ob Spanferkel, Sushi, Pad Thai, Singapore Noodles oder Lobster. Ob Nougat, Gelato oder Deep Fried Bananas – auch der noch so anspruchsvolle Gaumen kommt hier auf seine Kosten.

Zu moderaten Preisen werden Speisen und Getränke aus Ländern serviert, die viele von uns nicht einmal mit dem Finger auf der Landkarte (oder der App) finden würden.

Immer beliebt ist vor allem bei den überwiegend jungen Quebeckern die Nationalspeise „Poutine“.

Muss man nicht mögen, sollte man aber einmal versucht haben. Oder, wie ich, zweimal. Nämlich zum ersten und zum letzten Mal.

Einen Blogpost dazu gibt’s >> hier <<

Bon appétit!

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Besuch beim Nachbarn im Süden

IMG_7828 (1)Was tun, wenn man als Montrealer dem funkelnagelneuen Auto mal kurz die Nachbarschaft zeigen will? Man fährt einfach über die Grenze in die USA. Vermont und New-York sind immer eine Reise wert. Auch das Auto sagt: Gefällt mir!

Vorurteile sind dazu da, gepflegt zu werden. Schon klar: Alle Amis sind blöd, verfettet und haben orangefarbene Haut. Außerdem tragen alle von ihnen mindestens eine Waffe.

Echt jetzt?

Mein Kurzbesuch beim südlichen Nachbarn erbrachte genau das Gegenteil: Die Amerikaner, die wir getroffen haben, waren durchweg freundlich, ja liebenswert. Und ihr IQ war garantiert weitaus höher als die zulässige Höchstgeschwindkeit. Die liegt auf amerikanischen Freeways bei 70 m/ph.

So viel zum Thema Vorurteile.

Dass die Neuengland-Staaten von ausgesuchter Schönheit sind, soll hier nur der Vollständgkeit erwähnt werden. Eine Fahrt mit der Fähre über den Lake Champlain von Burlington nach Plattsburgh, das Ganze bei noch immer hochsommerlichen Temperaturen, ist auch für den reiseerprobten Touristen der Hammer.

Der im Spätsommerlicht glänzende See vor der zauberhaften Kulisse der Adirondacks: ein Gedicht.

Nur eins kriegen sie noch immer nicht richtig gebacken, meine amerikanischen Freunde: Die feine Küche. Zumindest die im mittleren Preissegment.

Wer aus Montreal kommt, wo die Quebecker Küche der Haute Cuisine des französischen Mutterlandes kaum nachsteht, kann sich nur wundern.

Musste der eigentlich schmackhafte Teller mit Meeresfrüchten wirklich mit einer dicken Schicht fettiger Brotkrümel zugeschüttet werden?

Und warum wird die Clam Chowder mit ihrer sämigen Sauce mit einem Schuss Ketchup verhundst?

À propos Schuss: Wir mussten auf unserer ganzen Reise in keinen einzigen Gewehrlauf blicken!

Wieder ein Vorurteil weniger.

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Schmetterlinge und Schnitzel

IMG_7773.jpgSchon klar: Es gibt Aufregenderes als einen Sonntagsspaziergang im Park. Wenn dieser Park jedoch aus fünf Inseln besteht, die mitten im Sankt-Lorenz-Strom liegen, wird es schon spannender. Für mich gab es heute eine Premiere: Eine Inselwanderung im Nationalpark Boucherville, 20 Km außerhalb von Montreal.

Aufmerksame BlogleserInnen wissen es schon lange: Mein Herz schlägt für die Großstadt. Straßencafés statt einsame Wanderwege. Bierkneipen statt Blumenwiesen. Und immer wieder Menschen, Menschen, Menschen.

Heute dann das Kontrastprogramm: Raus aus der Stadt, die noch immer unter der hochsommerlichen Hitze stöhnt. Und rein ins Insel-Abenteuer.

In Kanada ist langes Wochenende: Labour Day beschließt offiziell den Kalender-Sommer. Warum dann also nicht noch mal kurz eintauchen ins Sommervergnügen?

Kommentare zu den Fotos erspare ich mir. Nur so viel: Dass es gerade mal 20 Minuten von Downtown Montreal so viel geballte Natur gibt, hat mich angesichts der zahllosen Schmetterlingen beflügelt, öfter mal den Wald zu genießen statt immer nur am Weinglas zu nippen.

Wobei: Eigentlich geht auch beides. Und wenn man hinterher noch kurz über den Straßenmarkt auf dem Boulevard-Saint-Laurent schlendert, kommt keiner der Sinne zu kurz, die das pralle Leben ausmachen. Schnitzel und Schmetterlinge mit Zuckerwatte.

Und endlich wieder Menschen!

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