Vor 50 Jahren begann mein Traum

VOR 50 JAHREN FING ALLES AN: Von links nach rechts: Oskar Beck, Uschi Entenmann, Uli Reinhardt, Herbert Bopp, Ingrid Eißele.

Der 1. Mai 1968 war ein Mittwoch. Über den Weinbergen des Remstals ging ein warmer Frühlingsregen nieder. Der Fußweg von meinem möblierten Zimmer zur Redaktion der Waiblinger Kreiszeitung dauerte eine halbe Stunde und führte an der Bahnhofswirtschaft vorbei.

Männer mit lustigen Hüten tranken auf nassen Holzbänken ihr Viertele. Ich tippte lässig mit der rechten Hand an meine karierte Schlägermütze. Die Männer grumselten irgend etwas von „Wo kommt der denn her?“ und ich ging meines Wegs, schnurstracks in die Zukunft.

So begann der Tag, an dem sich der Traum meines Lebens erfüllt hatte. Es war der Tag, an dem ich Journalist geworden bin. Das heißt: Noch war ich Redaktionsvolontär, damit fängt jede ordentliche journalistische Ausbildung an.

 Mein Volontariat begann am 1. Mai 1968 in Waiblingen im Remstal.

Das moderne Redaktions-, Druckerei- und Verlagsgebäude an der Siemensstraße 11 hatte ich nur einmal zuvor betreten. Es war der Tag, an dem ich mich bei meinem künftigen Chefredakteur vorgestellt hatte. Richard Retter blieb bis zu seinem Lebensende mein Freund.

An meinem ersten Arbeitstag in der Redaktion fielen mir zwei Dinge auf: Fast Jeder rauchte (ich auch). Und: Es standen unzählige Flaschen Wein und Bier auf den diversen Schreibtischen (auf meinem – noch – nicht).

Auch auf dem Arbeitsplatz, der mir zugeteilt worden war, saß ein schlacksiger Mann und rauchte. Er begrüßte mich zwischen zwei hektischen Zügen und breitete Dutzende von Papierfotos vor uns auf. „Welches würdest du nehmen“?, fragte er mich. „Das hier“, sagte ich und tippte mit dem Finger auf ein Bild, das mehrere Männer und Frauen zeigte, die Transparente zum „Tag der Arbeit“ vor sich hertrugen. Der Fotograf stimmte mir zu. Er hieß Dieter.  An seinen Nachnamen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Unter Anleitung des diensthabendenden Sonntagsredakteurs tippte ich auf der schweren Schreibmaschine eine mehrzeilige Bildunterschrift unter das Foto und setzte dahinter in Klammern „heb“. Das war von jetzt an mein Autoren-Kürzel. Ich hatte „hebo“ vorgeschlagen, so hatten mich meine Kumpels in Biberach genannt. Aber „hebo“ ging nicht. Erlaubt waren höchstens drei Buchstaben. Dann also „heb“.

Fünf Jahre blieb ich bei der Waiblinger Kreiszeitung, die ihren Mantelteil von den Stuttgarter Nachrichten bezog. Dann verschlug es mich zum erstenmal nach Kanada. Fünf Jahre „heb“ waren genug, um den Journalismus von der Pike auf zu lernen. Ich musste über Mord und Totschlag berichten, über Sexualverbrechen und Oberbürgermeisterwahlen. Ich war bei Gemeinderatssitzungen eingenickt, bei denen es um Farbleitpläne für städtische Garagen ging. Und auch eine Reportage über die „Waiblinger Hausfrau des Jahres“ wurde von mir verlangt. Alice Schwarzer hätte mir den Kopf abgerissen.

Fünfzig Jahre später sitze ich mit zwei Frauen und zwei Männern an einem Wirtshaustisch in Weinstadt im Remstal. Es sind Kolleginnen und Kollegen aus alten Zeiten. Uschi und Ingrid kamen erst später zur Zeitung. Uli und Oskar waren fast von Anfang an dabei.

Uschi Entenmann leitet heute die Reportagenagentur „Zeitenspiegel“, schreibt für fast alle namhaften Publikationen, einschließlich GEO. In Havanna baute sie die kubanische Niederlassung der Agentur auf und lebte mehrere Jahre auf der Karibikinsel. Wenn sie nicht gerade schreibt, managed oder reist, spielt sie Saxophon in einer Jazzband.

Ingrid Eißele, ebenfalls eine erfahrene Journalistin mit weltweiten Reporter-Einsätzen, leitet heute das „stern“-Büro für Baden-Württemberg. Eine wunderbare Kollegin mit einfühlsamen Texten und klugen Interviews, die in vielen renommierten Publikationen erschienen sind.

Oskar Beck ist eine der Edelfedern im deutschen Sportjournalismus. Seine Reisen haben ihn rund um den Globus geführt. Er hat über Olymische Spiele, Weltmeisterschaften und andere Events berichtet und lebt heute auf der Schwäbischen Alb und in Miami/Florida. Die nächste Fußball-WM in Russland wird ohne „Ocke“ stattfinden: „Wo Putin ist, gehe ich nicht hin“. Einmal Revoluzzer, immer Revoluzzer.

Uli Reinhardt hat nach seiner Zeit als Fotograf bei der Waiblinger Kreiszeitung zusammen mit anderen mutigen Kreativen die feine Reportage-Agentur Zeitenspiegel gegründet. Inzwischen gehört eine hauseigene Journalistenschule dazu.

Uli erwähnte bei unserem Wirtshaustreff in Wenstadt eher nebenbei, als müsste er kurz mal Brezeln holen, dass er morgen eine dreiwöchige Reporterreise durch Südafrika, Kenia und Nigeria antreten werde. Der Mann ist über 70, sein Energiepegel noch immer enorm. Auch ein Autounfall, bei dem er sich vor ein paar Monaten eine schwere Rückenverletzung zugezogen hatte, schaffte es nicht, ihn auszubremsen. Der Unfall passierte übrgens in Irland. Genau dort war ich mit Uli, kurz nach unserem Kennenlernen vor 50 Jahren, wochenlang unterwegs.

Gestandene Journalisten, die eines gemeinsam haben: Die Zeit bei der Waiblinger Kreiszeitung. Der Wichtigste fehlte leider in unserer Runde: Richard Retter, dem alle von uns so viel zu verdanken haben.

Felix – eine schöne Geschichte

GALLERY

Es gibt da diese Geschichte von Cassian und Felix: Als unser Sohn in die Montrealer Waldorfschule kam und sich unter all denen, die da ihren Namen tanzen konnten, etwas verloren fühlte, stand plötzlich dieser kleine Junge mit stahlblauen Augen und pechschwarzem Haar neben ihm und nahm ihn bei der Hand. Es war Felix Bujold. Heute, 20 Jahre später, gehört er zu den erfolgreichsten Fotomodellen der Welt.

„Komm mit“, sagte der Bub auf Französisch „ich stell’ dir meine Freunde vor“. Wenn Cassian heute die Zeit an der Montrealer „École Rudolf Steiner“ als „die schönste meines Lebens“ bezeichnet, hat das viel mit dem kleinen Jungen von damals zu tun. Mit Felix Bujold.

Cassian und Felix: Einmal Freunde – Immer Freunde

So unterschiedlich ihre beiden Leben auch verlaufen sind – der Kontakt zwischen Felix und Cassian ist nie abgerissen. Heute, ausgerechnet am kältesten Tag des Jahres, stattete uns der Bub von damals, der inzwischen in der ganzen Welt zuhause ist, einen Besuch ab.

Circa 2000; Felix (links) und Cassian. Foto: Privat

Die Haut vom letzten Fotoshooting in Bora Bora ist noch leicht gebräunt. Viel Zeit kann Felix diesmal nicht in Montreal verbringen. Er muss zum Shooting nach New York. Dort hat er seinen Lebensmittelpunkt.

Seine Wohnung in Montreal sieht er nur selten. Das Apartment in Los Angeles hat er kürzlich aufgegeben. Dafür verbringt er jetzt mehr Zeit in den Catskill-Mountains, nördlich von New York City. Dort besitzt er ein großes Grundstück, hackt Feuerholz, geht wandern und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Bis vor kurzem verbrachte er dort noch viel Zeit mit seiner Partnerin, einem brasilianischen Model, und ihrem Sohn. Eine Zweierbeziehung zwischen zwei globetrottenden Fotomodellen ist nicht immer ganz einfach.

Heute kommt Felix zur Tür rein, bewundert mit seinen immer noch strahlenden blauen Augen Lores Aquarelle an der großen Wand, kann sich noch an jedes einzelne von ihnen erinnern, damals in Hudson, als wir noch auf dem Land wohnten und Felix ein gern gesehener Gast bei uns war. An noch etwas erinnert sich Felix: „Cassian, Felix – Frühstück!“, hätten wir immer gerufen, sagt er. Damals, als er noch häufig die Wochenenden bei uns verbrachte.

Felix im O-Ton: „Guten Morgen, Frühstück ist fertig!“

Aber wie um Himmels Willen wird ein Waldorfschüler zum Model?

Angefangen hatte alles auf einem Parkplatz in Salt Lake City/Utah. Felix war damals mit seiner Patchwork-Familie auf einem Roadtrip quer durch Amerika unterwegs. „Auf einem Parkplatz kam eine Frau auf uns zu, die sich als Model-Agentin ausgab“, erinnert sich Felix. Ob er sie morgen in ihrem Büro aufsuchen könne, habe die Agentin seine Muter gefragt. Nein, konnte er nicht. Die Familie wollte weiter, nach Kalifornien. Aber eine Visitenkarte ließ sich Felix’ Mutter von der Frau auf dem Parkplatz dann doch geben.

„Irgendwie waren wir da angefixt“, erzählt mir Felix heute Nachmittag. Wenn er lacht – und er lacht oft -, strahlen seine Zähne so weiß wie die fetten Schneeflocken, die sanft vom Himmel fallen.

Als die Familie Wochen spaäter von ihrem Roadtrip wieder zu Hause ankam, in Montreal,  habe die Schwester eine befreundete Hobbyfotografin eingeladen. Und gleich eine Kosmetikerin dazu. Die drei Mädels bearbeiteten den jungen Felix so lange, bis ein paar passable Fotos dabei herauskamen.

Mit vierzehn fing alles an

Felix war 14. Und der Rest ist Geschichte. Die Fotos gingen an verschiedene Model-Agenturen. Schon kurze Zeit später klingelte das Telefon. Casting hier, Casting dort. Und schon bald kamen die ersten Aufträge. Nichts Großes. Da ein Katalog-Foto, dort eine Modenschau.

Den ersten fetten Modelling-Job landete Felix, als er 17 war. „Um 15 Uhr war ich mit meiner Abschlussprüfung am College fertig. Um 17 Uhr musste ich zu einem Casting. Um 21 Uhr saß ich im Flieger nach Mailand“. Mutter Céline war dabei. „Sie wollte wissen, worauf ich mich da eingelassen hatte“.

Besuch bei den Bopps: Felix heute Nachmittag auf der Dachterrasse. Foto: Bopp

Von da an flossen die Aufträge. Immer aufwendiger, immer weiter, immer größer. Auch immer mehr Geld. Kosmetik-Werbung in Südafrika, Herrenbekleidung in Tokio, Schuhe in Italien. Schokolade in Frankreich. So ging es rund um die Welt. Er jettete jetzt von New York nach Hongkong und von da nach Neuseeland, London, Paris, Hamburg, Berlin. Und immer wieder Mailand. Jahr für Jahr. Für „4711“ stand er in Kapstadt vor der Kamera. Das Produkt sollte „Wunderwasser“ heißen. Felix weiß nicht, ob etwas daraus geworden ist.

Als sehr junges Model hatte er seine größten Erfolge in Europa. „Damals waren da große, feingliedrige Männer gefragt“. In Nordamerika sei es genau umgekehrt gewesen. „Die wollten eher den Holzfällertypen“.

Heute ist Felix Bujold beides. Der trotz seiner 30 Jahre immer noch jugendlich wirkende, hoch gewachsene Sunnyboy. Und im richtigen Leben der Lumberjack, der so viel Zeit wie möglich auf seinem Stück Land in den Catskill-Mountains verbringt.

New York – Tokio – Kapstadt – Paris …

Er modelt noch immer gerne, auch 16 Jahre nach seinem ersten Shooting. Die Welt ist inzwischen seine Auster. Er kennt sich in Paris so gut aus wie in New York, Tokio oder Kapstadt. Er verdient viel Geld. Aber er bringt auch die eiserne Disziplin des Erfolgsmenschen auf, trainiert seine Sixpacks, achtet auf gesunde Ernährung.

Wer für das „Men’s Health“–Cover posiert, darf kein Fett ansetzen. In Kuba hatte er neulich ein Fotoshoting für GQ. In Italien lichtete ihn VOGUE ab. ELLE, Esquire, Equinox – Felix Bujold wurde schon von allen großen Magazinen gedruckt. Sein Gänsehaut-Moment? „Das war, als ich mich riesengroß auf einem Leuchtreklame-Billboard am Times Square entdeckte“.

Erfolg verpflichtet. Alkohol trinkt er in Maßen. „Wenn bei einem Shooting am anderen Ende der Welt 20 Leute stehen, die nur wegen dir hierher geflogen sind – Fotografen, Beleuchter, Kosmetikerinnen, Stylisten -, dann kommst du nicht verkatert zur Arbeit“, sagt Felix. Das gebiete schon der Respekt, den er für all die anderen Profis in seinem Job habe.

Den „Plan B“ gibt’s auch schon: Felix will aufs Land

Felix weiß, das Modelling ein Job auf Abruf ist. Klar gibt es auch ältere Fotomodelle. Aber will er das? „Eher nicht“, sagt er. Irgendwann sei genug. Zum richtigen Zeitpunkt den Absprung schaffen, das sei wichtig. Nur: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Einen Plan B für die Zeit danach hat er jedenfalls schon. Er hat ja dieses Stück Land bei New York. Und ein noch schönerer Flecken Erde gehört ihm am Lago Maggiore. „Cabins“ will er darauf bauen, einfache Cottages aus Holz. Die will er später vermieten. An Leute, die in der Hektik des Alltags zwischendurch mal tief durchatmen wollen.

So wie er. Felix, der Bub von der Waldorfschule, der es zum weltberühmten Fotomodell gebracht hat.

Felix Bujolds Facebook-Profil: Die Welt ist seine Auster.

Mit Mike und Kate durch Montreal

Montreal Memories: Mike Fox mit seiner Frau Kate Rew.

Als ich Michael Fox im Herbst 2001 kennenlernte, fielen mir zunächst seine riesigen Schuhe auf. Größe 49. Manchmal, sagte er, nehme er auch Größe 50. Ich kannte bis dahin keinen, der auf so großem Fuß lebte. Einen körperlich so imposanten Menschen wie ihn vergisst man nicht mehr. Erst recht nicht, wenn einen ein Terroranschlag in New York zusammenschweißt. Jetzt besuchte uns Mike Fox zusammen mit seiner Frau Kate Rew in Montreal.

Unmittelbar nachdem Terroristen am 11. September 2001 in New York zwei Wolkenkratzer gefällt hatten, waren Mike und ich vor Ort. Er berichtete für die British Broadcasting Corporation (BBC) über 9/11, ich schrieb für die Internetredaktion des WDR das „NEW YORKER TAGEBUCH“ .

Beide arbeiteten wir zu jener Zeit von Montreal aus als Korrespondenten. Weil der Luftraum über Nordamerika jedoch kurz nach den Terrorangriffen für den Flugverkehr geschlossen wurde, machten wir uns auf dem Landweg von Montreal nach New York. Mike wählte den Mietwagen, ich die Bahn.

In Manhattan trafen wir uns wieder und bildeten während der kommenden zehn Tage ein Reporterteam. Im Tandem ließ sich das Leid besser ertragen, mit dem wir Tag für Tag, Nacht für Nacht konfrontiert wurden. Den achtstündigen Rückweg von NYC nach Montreal traten wir gemeinsam an. Diesmal im Auto. In stundenlangen Gesprächen versuchten wir das Unfassbare aufzuarbeiten, das wir gerade erlebt hatten.

Seit diesen denkwürdigen Tagen in New York haben wir uns immer wieder gesehen – auch dann noch als Michael Fox längst wieder im BBC-Mutterhaus arbeitete. Wir trafen uns in Kanada, in England und auf Mallorca. In London gab mir Mike unvergessliche Einblicke in seine Stadt, die nur einer geben kann, der in London geboren wurde.

Reporter unter sich: 2016 auf Mallorca.

Auf Mallorca dann die Rollenverteilung. Diesmal durften Lore und ich ihm „unsere“ Insel zeigen, die für uns seit neun Jahren Winterquartier ist. Doch auch auf Mallorca war Michael kein Tourist wie jeder andere. Er mietete sich ein Rennrad, trat mit seinen großen Füßen in die Pedale und erkundete die Insel bei Wind und Wetter.

Das jüngste Wiedersehen in Montreal fand unter den schönsten aller Voraussetzungen statt. Strahlender Sonnenschein, 24 Grad. Gute Laune und weit und breit kein Terroranschlag. Perfekt für eine rund 18 Kilometer lange Stadtwanderung, die wieder einmal bei der Vietnamesin unseres Herzens ein kulinarisches Ende fand.

Gestern auf der Jacques-Cartier-Brücke: Mike und Kate.

Lore und ich haben diese Strecke schon häufig zurück gelegt. Doch diesmal war nicht nur Michael dabei, sondern auch dessen Frau Kate Rew. Eine beeindruckende Persönlichkeit mit einer eigenen Geschichte, die diesen Blogpost sprengen würde. Nur so viel: Mit einem Pariser Sorbonne-Studium in der Tasche arbeitete sie für den British Council in Moskau. Der Präsident hieß damals Boris Jelzin.

Seit unserer ersten Begegnung vor 16 Jahren hat sich das Leben von Mike und Kate grundlegend geändert. Die beiden Jungs Oscar und Barney sind jetzt erwachsen. Kate und Mike haben sich, könnte man sagen, noch einmal neu erfunden.

Mike, ein brillanter Radioprofi in Festanstellung beim wohl renommiertesten Sender der Welt, hat sich mit Mitte 50 von der BBC und damit vom Journalismus verabschiedet. Zusammen mit Kate legte er sich in der englischen Kleinstadt Crewkerne/Somerset ein stillgelegtes Fabrikanwesen zu, eine Art Dorf im Dorf – mit Bäckerei, Klavier- und Orgellehrer und allem, was sonst noch zu so einem Dorfleben gehört. Die Beiden haben das Anwesen mithilfe von Handwerkern aus dem Ort in jahrelanger Arbeit selbst umgebaut.

Auf großem Fuß: Schuhgröße 49 bis 50.

Ein Leben so ganz ohne Journalismus für einen, der mit Leib und Seele Reporter war – geht das überhaupt? Doch, schon, sagt Mike. Aber der Wechsel vom Wortschmied zum Handwerker verlief nicht immer ganz geschmeidig. Es zieht ihn zurück zur Schreibe.

Ein eigener Blog, das wär’s. Oder ein Buchprojekt. Das Thema „Radfahren ohne Gangschaltung“ interessiert ihn sehr.

Ob mit oder ohne Gang – bei einem wie Michael Fox wäre das Lesevergnügen garantiert.

Der Tag, als Norbert von uns ging

norbert

Der SWR3-Moderator Norbert Diener ist tot. Copyright: SWR

Heute vor einem Jahr ist mein Freund und Kollege Norbert Diener gestorben. Er wurde gerade mal 61 Jahre alt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht um diesen ausserordentlichen Menschen trauere.

Mit seiner Witwe Sandra bin ich sporadisch in Kontakt. Sie sagt, es gehe ihr langsam wieder besser. Die Lücke, die Norbert hinterlassen hat, wird freilich nie mehr zu füllen sein. Seine liebenswerte Art, gepaart mit hoher fachlicher Kompetenz, hat diesen Mann zu etwas ganz besonderem gemacht.

Kein Wunder, dass der Blogpost, den ich kurz nach seinem Tod geschrieben hatte, häufiger angeklickt wurde als jeder andere Beitrag, den ich seit Bestehen dieses Blogs veröffentlicht habe.

Zur Erinnerung an den SWR3-Moderator Norbert Diener hier noch einmal der Nachruf vom September 2016:

Mensch, Norbert!

Noch vor 2 Wochen machten wir uns gegenseitig Mut. Ich dir bei deinem Leiden, du mir bei meinem. Bei dir war es der Krebs, bei mir das Gehör. „Lass den Ohren Zeit, bau keinen Stress auf”, schriebst du mir und schicktest 7 (sieben!) Smileys hinterher. Und zum Abschied: „Halt die Schweinsöhrchen steif“.

Ich hatte dir zurück geschrieben, aber du hast nicht geantwortet. Jetzt weiss ich, warum. Gerade mal 61 bist du geworden.

Die „Schweinsöhrchen“ waren das letzte, das ich von dir gehört habe. Und jetzt? Bleibt mir nur noch die Erinnerung. An einen wunderbaren Freund, einen feinen Kollegen. An einen von uns.

Deinen Geburtstag habe ich nie vergessen. War ja auch einfach: Der 21. März ist auch Lores Geburtstag.

Deine Stimme war das, was ich Anfang der 80er-Jahre als erstes von dir mitbekommen habe. Der frischgebackene Kanada-Korrespondent auf SWF3 im Live-Gespräch mit The Voice.

„Am Mikrofon: Norbert Diener“, hast du deine Hörer begrüßt. „Herbert Bopp aus Montreal für SWF3“, verabschiedete sich der Korrespondent. Zwei Jungspunde im Radio. Mann, war das aufregend!

Dutzende Mal waren wir hinterher noch gemeinsam auf Sendung. Und oft haben wir uns, ganz ohne Mikro und Headset, einfach so, über Gott, die Welt, unsere Familien, unsere Kinder, unsere Hunde unterhalten.

Und natürlich über Fußball. „Norbert, alter Borusse“, schrieb heute unser WDR-Kollege Rainer Assion bei Facebook. „Beim nächsten Heimspiel singt die Süd nur für dich: You’ll never walk alone…“.  Unfassbar, dass du es nicht mehr hören kannst.

Später, als du uns in Montréal besucht hast, ein unvergesslicher Dialog. „Was für ein Idiot pfeift denn da die ganze Zeit so verdammt schlecht?“, hast du mich gefragt, als wir auf der Terrasse saßen. „Es ist ein Blue Jay, Norbert“.

Vögel waren nicht deine Stärke. Du warst einer, der sich mit Leder und Denim auskannte. Wie viele Jeansjacken hast du eigentlich verschlissen in den letzten 35 Jahren? Eine, zwei? Ich wette eine BVB-Karte für die Südtribüne, dass du zu deinem eigenen Begräbnis auch in Jeans oder Leder auftauchen würdest, du alter Schimanski.

Oh, Norbert! Warum gibt es nicht mehr von deiner Sorte? So klug, so liebenswert, so hilfsbereit, so geerdet, so Norbert.

Wir lachten zusammen und rauchten und tranken Bier und Wein und Schladerer und schlugen uns die Wampe voll mit allem, was die Küche so hergab. In Montréal, in Hudson, in Baden-Baden, in Köln … immer wieder, irgendwo. Schön war es mit dir immer. Und auch mit Sandy, der tollen Frau an deiner Seite.

Wusstest du eigentlich, dass Lore dich länger kannte als ich? Noch bevor ich den ersten Satz im Radio sagen durfte, warst du bereits in Bettelhofen zu Gast auf der Ranch von Bernd, unserem gewaltigen Freund aus dem Allgäu. Immer dann, wenn sie den Leutkirchern das Aquarellmalen beibrachte, wohnte auch Lore dort. Da hat sie dich kennen gelernt – und später auch mich. Du erinnerst dich: Bernd war es, der den „Verein zur Begrüßung der Morgenröte“ ins Leben gerufen hat. Und wir mittendrin.

Auch Bernd geht es nicht gut, das weisst du ja. Aber wir haben heute, am ersten Tag ohne dich, gemeinsam beschlossen, dass wir „The Last Men Standing“ sein werden. Unser Vermächtnis an dich, Norbert.

Mein Gott, was haben wir gefeiert! Du, Bernd, Frank, ich. Mit und ohne unsere Frauen. Manchmal kam Andreas Ernst dazu und haute noch einen drauf: „Was haben wir früher gelacht!“, sagte er dann – und kriegte sich kaum mehr vor lachen.

Jetzt könnt ihr gemeinsam lachen: Du, Andreas, Manni Bornschein. Und wenn’s zum Weinen mal nicht reicht, lache ich einfach mit.

norbert

2004 in Köln: Der Moderator und der Korrespondent.

„Die Stimme“ ist verstummt

norbert

Der SWR3-Moderator Norbert Diener ist tot. Copyright: SWR

Mensch, Norbert!

Noch vor 2 Wochen machten wir uns gegenseitig Mut. Ich dir bei deinem Leiden, du mir bei meinem. Bei dir war es der Krebs, bei mir das Gehör. „Lass den Ohren Zeit, bau keinen Stress auf”, schriebst du mir und schicktest 7 (sieben!) Smileys hinterher. Und zum Abschied: „Halt die Schweinsöhrchen steif“.

Ich hatte dir zurück geschrieben, aber du hast nicht geantwortet. Jetzt weiss ich, warum. Gerade mal 61 bist du geworden.

Die „Schweinsöhrchen“ waren das letzte, das ich von dir gehört habe. Und jetzt? Bleibt mir nur noch die Erinnerung. An einen wunderbaren Freund, einen feinen Kollegen. An einen von uns.

Deinen Geburtstag habe ich nie vergessen. War ja auch einfach: Der 21. März ist auch Lores Geburtstag.

Deine Stimme war das, was ich Anfang der 80er-Jahre als erstes von dir mitbekommen habe. Der frischgebackene Kanada-Korrespondent auf SWF3 im Live-Gespräch mit The Voice.

„Am Mikrofon: Norbert Diener“, hast du deine Hörer begrüßt. „Herbert Bopp aus Montreal für SWF3“, verabschiedete sich der Korrespondent. Zwei Jungspunde im Radio. Mann, war das aufregend!

Dutzende Mal waren wir hinterher noch gemeinsam auf Sendung. Und oft haben wir uns, ganz ohne Mikro und Headset, einfach so, über Gott, die Welt, unsere Familien, unsere Kinder, unsere Hunde unterhalten.

Und natürlich über Fußball. „Norbert, alter Borusse“, schrieb heute unser WDR-Kollege Rainer Assion bei Facebook. „Beim nächsten Heimspiel singt die Süd nur für dich: You’ll never walk alone…„.  Unfassbar, dass du es nicht mehr hören kannst.

Später, als du uns in Montréal besucht hast, ein unvergesslicher Dialog. „Was für ein Idiot pfeift denn da die ganze Zeit so verdammt schlecht?“, hast du mich gefragt, als wir auf der Terrasse saßen. „Es ist ein Blue Jay, Norbert“.

Vögel waren nicht deine Stärke. Du warst einer, der sich mit Leder und Denim auskannte. Wie viele Jeansjacken hast du eigentlich verschlissen in den letzten 35 Jahren? Eine, zwei? Ich wette eine BVB-Karte für die Südtribüne, dass du zu deinem eigenen Begräbnis auch in Jeans oder Leder auftauchen würdest, du alter Schimanski.

Oh, Norbert! Warum gibt es nicht mehr von deiner Sorte? So klug, so liebenswert, so hilfsbereit, so geerdet, so Norbert.

Wir lachten zusammen und rauchten und tranken Bier und Wein und Schladerer und schlugen uns die Wampe voll mit allem, was die Küche so hergab. In Montréal, in Hudson, in Baden-Baden, in Köln … immer wieder, irgendwo. Schön war es mit dir immer. Und auch mit Sandy, der tollen Frau an deiner Seite.

Wusstest du eigentlich, dass Lore dich länger kannte als ich? Noch bevor ich den ersten Satz im Radio sagen durfte, warst du bereits in Bettelhofen zu Gast auf der Ranch von Bernd, unserem gewaltigen Freund aus dem Allgäu. Immer dann, wenn sie den Leutkirchern das Aquarellmalen beibrachte, wohnte auch Lore dort. Da hat sie dich kennen gelernt – und später auch mich. Du erinnerst dich: Bernd war es, der den „Verein zur Begrüßung der Morgenröte“ ins Leben gerufen hat. Und wir mittendrin.

Auch Bernd geht es nicht gut, das weisst du ja. Aber wir haben heute, am ersten Tag ohne dich, gemeinsam beschlossen, dass wir „The Last Men Standing“ sein werden. Unser Vermächtnis an dich, Norbert.

Mein Gott, was haben wir gefeiert! Du, Bernd, Frank, ich. Mit und ohne unsere Frauen. Manchmal kam Andreas Ernst dazu und haute noch einen drauf: „Was haben wir früher gelacht!“, sagte er dann – und kriegte sich kaum mehr vor lachen.

Jetzt könnt ihr gemeinsam lachen: Du, Andreas, Manni Bornschein. Und wenn’s zum Weinen mal nicht reicht, lache ich einfach mit.

norbert

2004 in Köln: Der Moderator und der Korrespondent.

Dampfplauderer unter sich

rauchVerrückt: Da hat Kanada eben einen hippen Premierminister gewählt, der Marihuana legalisieren will. Und genau einen Monat später erlässt Quebec, die zweitgrösste Provinz des Landes, ein Gesetz, das selbst noch den Gebrauch von Elektro-Zigaretten in Straßencafés verbietet. So ist das eben, wenn zu viele Köche im Brei rühren.

Pikant: Das Land Kanada und die Provinz Quebec werden beide von liberalen Politikern angeführt. Justin Trudeau heisst der kanadische Regierungschef. Philippe Couillard der Ministerpräsident von Quebec. Wenn es um Gesetze wie Gesundheit und Bildungswesen geht, haben die Provinzen das Sagen – und nicht der Staat Kanada.

Noch ein Kuriosum: In keinem Teil des Landes wurde noch bis vor kurzem mehr gepafft als im frankokanadischen Quebec. Die meist filterlose Kippe gehörte in jeden Film, in jedes Café, in die Bar ohnehin und selbst in die Bibliotheken.

Der legendäre Separatistenführer und Ministerpräsident René Lévesque war ein Kettenraucher vor dem Herrn. Wie Helmut Schmidt, so ließ auch er sich das Rauchen nicht einmal im Fernsehstudio verbieten. Nur in einem unterschied sich Lévesque von Schmidt: Der Quebecer rauchte am liebsten die filterlosen Schwarzen. Der Ex-Kanzler stand auf Menthol.

Nicht falsch verstehen: Von mir aus können die Nichtraucher dieser Welt ruhig mehr Rechte bekommen. Nur: Sinn machen sollten diese Rechte schon. So muss mir erst einmal einer erklären, warum der Betreiber eines Straßencafés in Montreal künftig 100.000 Dollar Strafe bezahlen soll, wenn er wiederholt erwischt wird, wie Gäste auf seiner Terrasse zur Kippe greifen. Interessanter noch: Wie soll ein kleiner Café-Betreiber diese Monstersumme überhaupt auftreiben?

Viele, die sich das Rauchen in bester Absicht abgewöhnen wollen, greifen zum nächst besten Mittel, zur E-Zigarette. Als Kippenersatz taugen diese Hightech-Stengel angeblich nur bedingt. Kein Nikotin, das die Sinne beflügelt. Alles nur aromatisierter Wasserdampf und somit weitgehend harmlos.

Dass trotzdem jetzt auch E-Zigaretten unter das in Québec verhängte Rauchverbot fallen werden, hat einen Grund: „Québec will als der Nichtraucher-freundlichste Platz der Welt bekannt werden“, sagt die Gesundheitsministerin. Sie sagt das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da in Hollywoodfilmen wieder mehr gepafft wird als je zuvor.

Als Nichtraucher tun mir die Raucher ein bisschen leid. Wem der Staat vorschreibt, dass er künftig nicht mehr auf dem Spielplatz-Bänkchen rauchen darf, während er auf den Kleinen wartet, hat mein Mitleid.

Und plötzlich kommt die Angst

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Vollidiot mit Joker-Maske: „Bringe jede Woche einen Araber um“. © CTV-TV – Screenshot

Diesen Blog gibt es seit etwas mehr als vier Jahren. Als er im August 2011 im Netz auftauchte, lag mir daran, darauf hinzuweisen, warum ich eine Internetplattform dieser Art für an der Zeit hielt: „Weil es Dinge über Kanada zu sagen gibt, die Sie in keiner Zeitung lesen. Schöne Dinge, aber auch nicht so schöne“.

Heute geht es um die nicht so schönen Dinge. Genauer: Warum sind in Blogs und auf den Kommentarseiten der großen kanadischen Sender und Zeitungen in letzter Zeit plötzlich so viele rassistische negative Einträge gegen den Zustrom syrischer Flüchtlinge zu finden? Schlimmer noch: Warum gibt es im sonst so friedlichen Kanada plötzlich vermehrt Übergriffe auf Menschen muslimischen Glaubens und auf Moscheen?

Um nur einige Beispiele zu nennen: In Peterborough/Ontario brannte eine Moschee ab. Im nicht weit entfernten Kitchener wurde ein Hindu-Tempel zerstört. In Toronto griffen unbekannte Idioten eine Kopftuchträgerin vor den Augen ihrer Kinder an. In Dorval/Quebec gingen bei einer muslimischen Gemeinde niederträchtige Drohungen ein. Und in Montreal wurde jetzt ein 24jähriger Looser festgenommen, der nichts Besseres zu tun hatte, als im Internet anzukündigen, er werde von jetzt an jede Woche „einen Araber umbringen“.

Hass-Attacken wie diese machen mich fassungslos, aber auch ratlos. Nach mehr als 30 Jahren Kanada war ich der Meinung, die hirnlosen Hetzer lebten woanders, nicht hier. Keine extreme Partei hat es in Kanada jemals zu irgendwelchen noch so bescheidenen Wahlsiegen gebracht, nicht einmal annähernd. Kopftücher und Turbane gehörten schon zum Stadtbild von Metropolen wie Montreal, Toronto oder Vancouver, als die meisten Menschen in Deutschland nocht nicht einmal richtig wussten, wie „Dschihadist“ und „Sikhs“ buchstabiert wierden.

Und jetzt das. Als ich neulich im Internetforum des öffentlich-rechtlichen Senders CBC einem fremdenfeindlichen User entgegenhielt, dass die  von der neuen kanadischen Regierung geplante Aufnahme von 25.000 syrischen Flüchtlingen sehr wohl bis zum Jahresende machbar sei, schlug mir der Hass nicht nur dieses Kommentators entgegen. Auch viele andere User reagierten mit grober, unsachlicher Kritik an meinen Äußerungen. „Paris hat uns gezeigt, wohin der von dir so gut geheißene Zuzug syrischer Flüchtlinge führt“, musste ich mir in einem Post sagen lassen. Ehe ich mein Gegenargument ablassen konnte, entschied sich der Admin, das Forum zu schließen.

25.000 syrische Flüchtlinge will Premierminister Justin Trudeau ins Land lassen. 25.000! Auf die Provinz Quebec würden gerade mal sechstausend davon fallen. Für deutsche Aufnahmeverhältnisse eine geradezu lächerlich geringe Zahl.

Wovor kommt plötzlich diese Angst vor einer „Überfremdung“? Kanada geht es gut. Die Infrastruktur eines Landes, das 40 mal so groß ist wie Deutschland, würde einen Zuzug viel gröseren Ausmasses erlauben. Mit dem neuen Premierminister Justin Trudeau hat eine neue Ära begonnen, die eigentlich vielen Politikverdrossenen Mut machen müsste.

In einem Punkt haben die Kritiker allerdings nicht unrecht: Die ärztliche Versorgung ist in Kanada miserabel, die meisten Menschen haben keinen Hausarzt. Die Wartezeiten für Fachärzte betragen oft Jahre. Flüchtlinge würden sofort und ohne Wartezeit in den Genuss der medizinischen Versorgung kommen. Das mag manchen Kanadier schmerzen, der seit zwei Jahren auf eine Hüftoperation wartet.

Wenn es überhaupt eine Erklärung für die fremdenfeindlichen Tendenzen in Kanada gibt, dann vielleicht diese: Es fehlt an der politischen Aufklärung in den Schulen, auf der Straße, im Familienkreis. Politik ist, sieht man einmal vom Sprachenstreit in der frankokanadischen Provinz Quebec ab, bei den meisten Menschen hier einfach kein Thema. Es gibt keine Streitkultur. Wer sich erdreistet, bei einer Party das Thema Politik vom Zaun zu brechen, gilt schnell als Spielverderber.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: In Nova Scotia, an der kanadischen Atlantikkuste, sind die Telefonleitungen zusammengebrochen, weil sich nach einem Aufruf so viele Menschen als Flüchtlingshelfer gemeldet hatten.

Und auch die kanadische Geschichte lässt mich hoffen: Kanada ist von Einwanderern gegründet worden, gerade auch von Flüchtlingen. Während der großen Einwanderungswelle vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden mehr als drei Millionen Menschen mit offenen Armen empfangen.

Da müssten doch noch 25.000 Flüchtlinge aus Syrien zu stemmen sein.

poster

Infotafel am Montrealer Hafen. © Bopp

„Sunny Ways, my Friends …“

ctv

Copyright CTV (Screenshot)

Der Verteidigungsminister trägt einen roten Turban und heisst Harjit Sajjan. Die Ministerin für „Demokratische Einrichtungen“ heisst Maryam Monsef und kam als elfjähriges Flüchtlingskind von Afghanistan nach Peterborough/Ontario. Die Sportministerin ist blind, der Minister für Kriegsveteranen sitzt im Rollstuhl. Er stand als 21jähriger zur falschen Zeit am falschen Platz und wurde von Gangstern angeschossen.

Was liegt in so einem Kabinett näher als dass der Verkehrsminister Marc Garneau der erste Kanadier ist, der als Astronaut im Weltraum war und der Fischereiminister ein Inuit namens Hunter Tootoo.

Justin Trudeau hat sein Wahlversprechen wahr gemacht: In Ottawa weht ein frischer Wind. Endlich! Nach zehn düsteren Jahren unter einem erzkonservativen Premierminister namens Stephen Harper, der für seine Heimlichtuerei bekannt ist, zog der jugendlich wirkende Justin Trudeau den Vorhang auf. Frische Luft und Sonne hat er im Wahlkampf versprochen. Bisher ist er sich treu geblieben.

Noch ein Versprechen hat Trudeau gehalten: Das Kabinett, das an diesem herrlich sonnigen Spätherbsttag in Ottawa vereidigt wurde, besteht genau zur Hälfte aus Männern und Frauen. Ob bei dieser Konstellation eine „Ministerin für Frauenangelegenheiten“ allerdings noch ihre Existenzberechtigung hat, wird sich zeigen.

Sunny ways, my friends, sunny ways“ hatte Justin Trudeau am Tag seiner Wahl versprochen. Das Land, das mich vor 35 Jahren adoptiert hatte, ist wieder das, was es damals war: Canada Cool.

Herr Herzog lässt morden

herzogMein Kumpel Uli Herzog hat ein Buch geschrieben. Einen Krimi. „Mord am Schützensamstag“ heißt er. Regionalstoff mit viel Lokalkolorit. Uli kommt aus der Werbung. Und aus Biberach.

Ersteres merkt man seinem Krimi nicht an, letzteres schon. Gut so: Das Biberacher Schützenfest ist der perfekte Rahmen für den Plot. Im Mittelpunkt steht ein „Profiler“ namens Ludwig Hirschberger. Mehr wird nicht verraten.

Nur so viel: Der Krimi ist klasse, die Spannung groß. Und :Der Mord hätte so gar nicht funktioniert. Jedenfalls hat Uli Herzog das der „Schwäbischen Zeitung“ in ihrer heutigen Ausgabe so erklärt. Das komplette Interview finden Sie  >> hier <<.  Zu kaufen gibt’s den Krimi im Buchhandel, aber auch  >> hier <<

Und hier die erste Kundenrezension bei Amazon:

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Gefällt mir: Leben mit Facebook

fbWas jetzt: Ja? Nein? Vielleicht? Später? Gar nicht? Meine Freunde kennen mein gespaltenes Verhältnis zu den sozialen Medien schon seit Jahren. Aber jetzt ist es offiziell: Ich bin – wieder – bei Facebook und auch bei Twitter.

Nicht, weil ich neue Freunde suche. Sondern weil ich mit manchen alten wieder Kontakt halten möchte. Und, ganz ehrlich: Nicht ganz so nebenbei kann ich damit meine beiden eBooks bewerben. Hier nennt man so etwas eine „Win-Win-Combination“.

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Datenkraken gibt es schon mehr als genug. Warum sich also noch einer weiteren ausliefern? Und auch noch freiwillig. Trotzdem: Mein zweiter Facebook-Anlauf hat sich bisher als eine gute Wahl herausgestellt.

Ich bin wieder in Kontakt mit Freunden und Kollegen. Großzügig schenke ich ihnen meine „Likes“. Und freue mich jedesmal, wenn auch ein Post von mir mit einem „gefällt mir“ belohnt wird. Was ich vermisse, ist so etwas wie ein „Mitfühl“-Button. Wie soll ich einen ergreifenden Flüchtlingsbeitrag „liken“?

Faszinierend finde ich, in welchem Tempo man seinen „Freundes“kreis ausbauen kann. Du fängst bei Null an – und zwei Tage später sind es schon 140. Natürlich ist nicht jeder „Friend“ auch ein „Freund“. Aber zu wissen, wo er oder sie inzwischen arbeitet, wie sie beim Triathlon abgeschlossen hat und was er so aus dem Urlaub postet – nicht schlecht, Herr Specht. Da kommt der Voyeur endlich auf seine Kosten.

In einem Punkt hat auch mein zweiter Facebook-Anlauf meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Es ist der Suchtfaktor. Natürlich möchte ich gerne wissen, wer von meinen Kollegen was über die Flüchtlingskrise schreibt und wem Kloppos Trainerwechsel nach Liverpool gefällt oder nicht. Das kostet Zeit. Dabei wohne ich ohnehin schon im Internet.

Ist mein Leben mit Facebook nun reicher, bunter, runder geworden? Nein. Muss ich alles wissen, was meine „Friends“ so posten? Nein.

Und trotzdem: Gefällt mir. Sehr sogar.