Sitzend surfen auf dem See

wifi_lakeJeder hat ja so seine Bucket List. Also Dinge, die man unbedingt noch tun möchte, ehe es zu spät ist. Ein Elefantenritt über die Serengeti. Im Maserati durch den Tunnel von Monte Carlo. Dinner mit Scarlett Johansson. Audienz beim Papst. Simple Dinge, die am Ende des Tages (oder Lebens) im Gedächtnis hängen bleiben. Mein Wunsch: Einmal über den See an der Blockhütte rudern und dabei nach Herzenslust surfen. Im Internet.

Ich hab’s getan! Im Ruderboot das Wetter auf Mallorca gecheckt, kurz bei wdr.de vorbeigeschaut und sogar die Mail von Maggy gelesen: Grillparty am Mittwochabend geht klar.

Das Geheimnis des Surfens ohne Brett heißt Tethering. Beim Tethering (to tether = anbinden) wird der Laptop mit dem Handy verbunden. Das Mobiltelefon übernimmt dann drahtlos per Bluetooth die Hotspot-Funktion des Routers.

Die Voraussetzungen für eine Runde surfen sind heute perfekt: 26 Grad und Sonne. Null Bootsverkehr auf dem See. Und eine Frau, die das Ruder auch dann in die Hand nimmt, wenn’s dem Mann an ihrer Seite um nichts anderes geht als um Fun, Fun, Fun. (Danke, Beach Boys!)

Damit der Mac auf dem Boot auch ja keinen Macken bekommt, wird er zärtlich in ein Handtuch gewickelt. Das Ganze kommt in den Korb. Wasserdicht ist anders. Aber bei so viel Spaß bleibt immer ein Restrisiko.

Noch vor zwei Jahren war an eine Internetverbindung in unserer Blockhütte, zwei Stunden nördlich von Montréal, nicht zu denken. Doch plötzlich hatte BELL, der Provider meines Herzens, ein Einsehen mit uns Junkies in der Wildnis. Und dockte an einem Satellitenmast an, der wie ein wunder Finger aus den Wäldern rund um den Lac Dufresne ragt. Ein kleiner Preis für so viel Vergnügen.

Bilanz eines Selbstversuchs.. Der Empfang: Fünf Punkte auf der Signalskala – mehr geht nicht. Das Feeling: King of Computer! Peinlichkeitsfaktor: 100. Denn irgendwo blickt immer irgendjemand aus irgendeinem Hüttenfenster, um den See zu inspizieren.

Wenn dann just in diesem Moment zwei Crazy Germans mit Ruderboot und im bunt gestreiften Handtuch eingewickelten Laptop unterwegs sind, um das WorldWideWeb in die Wildnis zu holen, könnte das beim nächsten Treffen der Cottagebesitzer durchaus für Gesprächsstoff sorgen.

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Santa kennt Deinen Namen

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Santa will spielen: Mama grüßt Papa, Papa den Sohn. Und wer will, kann auf der Seite „Portable North Pole“ der ganzen Welt mit wenigen Klicks individuell gestaltete Weihnachtsgrüße schicken.

Hier wird das Mitmachmedium Internet optimal eingesetzt. Man gibt Name, Alter und Hobby des Empfängers ein. Danach versieht man das Ganze mit einem Foto und einem persönlichen Zusatztext. Wenige Minuten später entsteht ein wirklich originell gemachtes Internetfilmchen, in dem „Santa“, wie der nordamerikanische Weihnachtsmann heißt, den Adressaten sogar beim Namen nennt.

Leider funktioniert das Spielchen dieses Jahr nur noch auf Englisch und Französisch. In der Vergangenheit sprachen Santa und seine Helfer auch noch andere Sprachen, darunter Deutsch. Aber auch in der abgespeckten Form lohnt es sich, den Weihnachtsmann mosaikartig zusammen zu bauen und dann per Mail auf die Reise schicken.

Für die Sprecherrolle des deutschsprachigen Santa hatte die kanadische Produktionsfirma damals mich unter Vertrag genommen. Zusammen mit meiner befreundeten Kollegin Maggy mussten in tage- und nächtelanger Studioarbeit Hunderte von Namen, Hobbys und persönlich gehaltene Botschaften eingesprochen werden.

Dass die deutsche Version später wieder aus dem Programm genommen wurde, hat einen Grund: „Santa“ passte nicht so richtig in die deutsche Weihnachtslandschaft und wurde entsprechend selten angeklickt. Schließlich steht in Deutschland das Christkind im Mittelpunkt.

Ob mit Christkind oder Santa: Allen Bloghaus-Besuchern ein frohes Weihnachtsfest!

Mein kurzes Leben mit Facebook

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Darf man etwas aufgeben, das man vor nicht einmal zwei Wochen angefangen hat? Ja, darf man. Facebook zum Beispiel. Facebook ist nichts für mich, sorry. Ich brauche keine neuen Freunde, pflege einen wunderbaren Austausch mit interessanten Menschen aus der ganzen Welt.  Die schicken mir Mails mit Fotos, Videos und Babytönen ihrer Kleinen. Sie rufen mich an, wenn ihnen danach ist, oder wir skypen.

Vor allem aber nerven mich meine richtigen Freunde nicht mit Einpeitschparolen, wie: „Personen, die Du vielleicht kennst …“ Oder: „A lot has happened on Facebook since you last logged in. Here are some notifications you’ve missed from your friends.” Danke fürs Mitdenken, aber bei mir nicht mehr nötig.

Nein, ich bin kein Generalverweigerer, dem alles suspekt ist, was nach Woodstock kam. Im Gegenteil: Ich liebe die Medien, besonders die digitalen. Ich weiss, was bei Facebook funktioniert und was nicht. Und Menschen, die ihre Zeit gerne mit und in Facebook verbringen, sind mir genau so lieb wie alle anderen. Nur: Facebook ist nichts für mich.

Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon: Ich möchte mich nicht dafür rechtfertigen müssen, dass ich auf Kontaktanfragen nicht antworte. Ein anderer: Meine Spammail-Flut hat eindeutig zugenommen, seitdem ich bei Facebook angemeldet bin. Soziale Medien keine Datenkraken? Very funny.

Noch ein Punkt, warum ich mich von Facebook verabschiedet habe: Ich hatte den Zeitaufwand unterschätzt, der mit so einer Mitgliedschaft verbunden ist. Ein Account bei einem sozialen Netzwerk darf keine Einbahnstraße sein. Entweder du bist voll dabei und gehst auf deine „Freunde“ ein, postest, likest, kommentierst. Oder aber du lässt es. Zur vollen Hingabe fehlen mir Lust und Zeit. Also lasse ich es. Freunde, Kollegen und Bekannte, die mir etwas Interessantes mitzuteilen haben, wissen auch so, wie sie mich erreichen, Familie ohnehin.

Vielleicht war mein Anspruch an Facebook einfach zu verquer. Oder aber ich habe das Konzept nicht richtig verstanden, das dahinter steht. So oder so: Ich vermisse bei virtuellen Freundschaften die Herzenswärme und irgendwo auch die Authentizität. Frei nach Harald Schmidt: „Ich habe 10 000 Facebook-Freunde. Nur beim Umzug hilft mir keiner.“

Webjunkie, der ich bin, hänge ich ohnehin schon viel zu viel am digitalen Tropf. Und weil ich neben Mails, Blogs, Webseiten, Newslettern und Mediatheken nicht auch noch ständig Facebook-Nachrichten checken will, sage ich jetzt einfach Tschüss.

Ganz ohne Groll und mit großem Respekt für die Erfinder.

PS: Danke für die „Likes“

Das Leben ist ein Passwort

Screen Shot 2013-05-08 at 4.16.52 PMDas Leben, so kommt es mir manchmal vor, besteht nur noch aus Passwörtern. Eins für das Onlinebanking, eins für den Mailverkehr. Wieder eins für den E-Book-Download, der wiederum mit PayPal bezahlt wird – natürlich mit einem separaten Passwort.

Und weil Passwörter nicht mehr lediglich aus einer Aneinanderreihung von Buchstaben bestehen, reicht ein Masterpasswort für alles einfach nicht mehr aus. Wer soll sich das alles merken können?

Der eine Anbieter möchte ein Passwort, das aus Lettern und Ziffern besteht, der andere eins aus einer Kombination von &%$@SONDERZEICHEN$@#* und kleinbuchstaben. Der dritte möchte einfach nur GROSSE LETTERN. Hilfe!

Hilfe bringt ein kleines Programm, eigentlich mehr ein Plug-In als ein Programm, das sich ganz einfach herunterladen und im Browser (etwa Mozilla Firefox) installieren lässt. Es heißt LastPass und ist genau das: Das letzte Passwort, das Sie brauchen.

Unter dieser Adresse finden Sie mehr.

LastPass verwaltet Ihre Passwörter, wie Sie möchten. Es loggt Sie automatisch ein, wenn Sie das wollen. Es erinnert Sie aber auch an Ihr (gespeichertes) Passwort, so dass Sie das Einloggen selbst vornehmen können.

Ich vertraue LastPass vieles, aber nicht alles an. Den Zugang zur Eingabemaske für meinen Blog: Ja. Mein Onlinebanking? Never.

Probieren Sie’s einfach mal aus. Es lohnt sich. Und: Es ist kostenlos.

Paradies für Internet-Junkies

mac

Der Schildkrötenbrunnen in Palma, genau gegenüber der Bar Bosch, ist der perfekte Platz, um Menschen der unterschiedlichsten Art zu beobachten: Geschäftsleute, die auf dem Weg zum Deal noch kurz eine Verschnaufpause einlegen. Besorgte Väter, die ihren Kindern vor dem Gang zum Strand noch eine Fingerkuppe Sonnencreme auftragen. Frauen mit ZARA-Tüten und Jungs mit Messi-Trikots. Vor allem aber trifft man am Font de les Tortugues Touristen, die dort ihre Smartphones checken.

Nicht nur dort. Der Platz um den Brunnen ist nur einer von ca. 100 Wlan-Hotspots der Stadt Palma. Eine halbe Stunde lang kann dort jeder seine Mails checken, skypen, oder einfach nur surfen – kostenlos.

Weil auch eine so internetfreundliche Stadt wie Palma über kein unbegrenztes Datenkontigent verfügt, muss der Onlinejunkie nach genau 30 Minuten vom Tropf. Danach darf er sich erneut einloggen. Das Procedere ist ganz einfach: Den WiFi-Spot bestätigen – und schon bist du drin.

Ein tolles, nutzerfreundliches System, wie ich finde. Eines, das sich viele Städte, die es sich besser leisten könnten als Palma, trotzdem nicht leisten. Ein bisschen wie San Francisco am Mittelmeer. Die kalifornische Metropole hat sich fest vorgenommen, die Innenstadt komplett mit Hotspots zu überziehen. Hallo, Montréal? Herhören, Köln!

Natürlich gibt es in wohl jeder größeren Stadt der Welt Gratis-Wlan-Hotspots. Aber das sind dann fast immer Cafés oder Kneipen, die ihre Zielgruppe im Auge behalten: Meist jugendliche Surfer, die auffallend oft ihre Facebook-Seite geöffnet haben, wenn man ihnen mal versehentlich über die Schulter guckt.

Auch in Palma gibt es viele Cafés und Bars, auch Kultureinrichtungen, die ein kostenloses Wlan-System anbieten. Aber hier hat eben auch das offizielle Mallorca ein Herz für Surfer. Und wenn’s dann doch mal kein WiFi gibt, findet sich für ein Lächeln oder auch einen kleinen Tipp bestimmt eine Kellnerin, die zusammen mit dem Cortado auch die passwortgeschützten Zugangsdaten des Hauses serviert. Café mit Netz gefällig?

Wieder ein Grund mehr, nach Mallorca zu kommen.

Keine Angst: Ich lebe noch!

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Schock am Morgen: Ich bin tot. “Beate und Lena” haben eine Kerze für mich angezündet. Im Internet. Das virtuelle Licht zu Ehren von “Herbert Bopp” wurde am 09.12.2012 um 18:06 Uhr per Mausklick angeknipst und seither 38 mal besucht. Traurig, aber wohl wahr: “Es wurde bisher 0 mal Mitgefühl ausgedrückt”.

Wer im Internet lebt, darf auch im Internet sterben. Nur: Ein bisschen länger hätte der Spaß schon dauern dürfen. Seinen Namen zufällig und ohne Vorwarnung in einer Todesanzeige zu finden, ist nicht gerade das, was man sich in der Woche vor Weihnachten wünscht. Aber ich habe den Schock überlebt. Die virtuelle Kerze auf www.kerze-anzuenden.de ist für einen Namensvetter gedacht, von dem ich nur weiss, dass er in Bonn gestorben ist.

Weitere Recherchen habe ich mir erspart.

Das virtuelle Trauern funktioniert so: Man registriert sich auf einer entsprechenden Seite im Netz. Danach widmet man der verstorbenen Person ein paar Zeilen und zündet per Mausklick eine Kerze an. Aber nicht einfach so: Zünden Sie Ihre persönliche Kerze langsam und mit Bedacht an“, heißt es im Erklärtext,  „und denken Sie beim Anzünden an den geliebten oder geschätzten Menschen und schaffen Sie so eine wunderbare und bleibende Erinnerung“.

Kerze und Trauerbezeugung stehen dann zwei Wochen lang online. Bis hierher ist der Service kostenlos. Will man die Kerze “aufwerten”, wie es auf der kerze-anzünden-Seite heißt, werden 4.99 Euro fällig. Dafür „wandeln Sie diese Kerze in eine goldene Kerze um“. Goldene Kerzen haben den Vorteil, dass sie „zu 100% werbefrei“ sind und sich „deutlich von kostenlosen Kerzen abheben“.

Bisher hat sich allerdings keiner gefunden, der meinem Namensvetter im Internetfriedhof eine goldene Kerze gewidmet hätte. Dafür haben „Beate und Lena“ dem verblichenen Herbert Bopp einen herzerwärmenden Spruch hinterlassen: „Du wirst in unserem Herzen weiterleben. Wir haben dich ganz doll lieb. Gute Reise!“

Danke.

Der „Schlächter von Montréal“ und die deutsche Gründlichkeit

Traurig, aber so ist es: Ausgerechnet einer der scheußlichsten Kriminalfälle der kanadischen Geschichte hat Deutschland nach langer Zeit endlich mal wieder positive Schlagzeilen in Kanada beschert. Die Festnahme des „Schlächters von Montreal“ in einem Berliner Internetcafé wird hier als eine großartige Leistung der deutschen Polizei gewürdigt.

Es ist in den letzten Monaten und Jahren nicht allzu oft passiert, dass Deutschland in den kanadischen Medien richtig gut weg kam. Da ist das Euro-Fiasko, das viele Kanadier, vor allem solche griechischer Abstammung, den Deutschen gerne in die Schuhe schieben. Dann das jahrelange Auslieferungs-Spektakel um den Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Und auch die Neverending Story von den bösen deutschen Tierschützern, die neufundländischen Robbenjägern den Garaus machen wollen, sitzt tief. Für viele Kanadier geht es bei der Jagd auf Seehunde nicht um animalische Grausamkeiten sondern ums blanke Überleben einer gebeutelten Zunft.

Und jetzt kommt ausgerechnet ein Scheusal namens Luka Rocca Magnotta (29) und bringt Deutschland in der öffentlichen Meinung nach vorn. Der Kanadier war am Montag in einem Internetcafé in Neukölln von beherzten Polizeischülern und einem Gruppenführer festgenommen worden, als er, ganz der Narziss, im Netz nach Stories über sich suchte.

Magnotta, ein Porno-Darsteller mit einer jämmerlichen Vergangenheit, hatte vor etwas mehr als einer Woche einen in Montréal lebenden chinesischen Studenten vor laufender Webcam mit einem Eispickel erstochen, zerstückelt und Körperteile per Postsendung an zwei politische Parteien in Ottawa verschickt. Seit gestern gilt als fast sicher, dass er eine abgetrennte Hand und einen Fuß auch an zwei Schulen in Vancouver versandt hat.

Ein halber Tag Schwarz-Rot-Gold für den deutschen Fahndungserfolg in Berlin

Von Montréal aus war Magnotta nach der Tat zunächst nach Paris geflüchtet und von dort mit dem Bus nach Berlin gefahren. Dort wähnte er sich sicher genug, um sich in ein Internetcafé zu begeben, um stundenlang zu surfen. Dem Café-Besitzer Kadir Anlayisli ist es zu verdanken, dass der mutmaßliche Mörder und Kannibale Magnotta geschnappt wurde. So groß ist die Verehrung vor den deutschen, speziell den Berliner Strafverfolgungsbehörden, dass der Fernsehsender CTV auf seiner Internetseite über dem Bericht zum Fahndungserfolg in Berlin einen halben Tag lang die deutsche Flagge wehen liess. Derweil wurde die Montréaler Polizei nicht müde, die Gründlichkeit der deutschen Kollegen zu würdigen.

In Talkshows und Internetforen wird seither die „German Efficiency“ gelobt. Die Präzision, mit der die Polizeikadetten bei der Festnahme vorgegangen seien, wird gerühmt. Dass der Fahndungserfolg im Grunde genommen nicht der Polizei, sondern der Wachsamkeit eines Mannes namens Kadir Anlayisli zu verdanken war, wird zwar auch gewürdigt. Aber die offizielle Version heisst: Deutschland hat mal wieder alles im Griff. Oder so ähnlich.

Nicht so gut schneiden bei diesem Trauerspiel übrigens die Franzosen ab. Die hatten den Killer zwar während seines Paris-Aufenthalts observiert, ihn dann aber wieder aus den Augen verloren.

Rettet den Smiley! ;-)):-@;-)=-P-#

           

Es ist ja inzwischen ein wenig aus der Mode gekommen, Smileys zu verwenden. Sie gelten als ziemlich uncool. Eigentlich schade. Ich mag Smileys und finde sie richtig wichtig. Sie erlauben dem Schreiber einer Mail, einer SMS oder sogar eines getippten Briefes Gefühle zum Ausdruck zu bringen, was ohne diese kleinen Grafiksymbole kaum möglich wäre.

Smileys sollten also bitte nicht ausrangiert werden! Ganz im Gegenteil: Ich bin dafür, Smileys im privaten Mailverkehr wieder salonfähig zu machen. Mehr noch: Als Stimmungsmacher sollten die Grimassen-Grafiken unbedingt auch im geschäftlichen Schriftverkehr erlaubt sein. Das könnte unser Verhältnis zu Behörden grundlegend verändern. Ich möchte sogar behaupten, dass der erste Weg zu einer besseren Welt über den Smiley führt.

Nehmen wir das Finanzamt. Wieviel netter würde ein Schreiben der Steuerbehörde klingen, wenn hinter dem „Widrigenfalls Sie mit einer Gefängnisstrafe rechnen müssen!“ ein  ;-)  stünde. Denn so richtig ernst nimmt die Drohung sowieso keiner, dass ihn der Staat wegen eines ausstehenden Minibetrags vor den Kadi und dann in den Knast schickt. Und weil der Steuerbeamte die gespielte Seriosität schlecht mit einem „Nicht so gemeint, hahaha!“ minimieren kann, müsste ein Augenzwinkern per Smiley erlaubt sein. Einen Smiley habe ich jedoch bislang auf keinem Steuerbescheid entdecken können. Und beim Steuerbeamten sowieso nicht.

Die meisten von uns glauben bestimmt, es gebe nur drei Arten von Smileys. Den :-) lächelnden. Den  :-(  traurigen und den  ;-)  zweifelnden Smiley. Weit gefehlt!

Hier ist eine Liste mit mehr Smileys und anderen Grafik-Grimassen („Emoticons“) als Sie je in Ihrem Leben verwenden werden. Im Ernst ;-)

:-) Einfaches Lächeln (fröhliches Gesicht) = Standard-Smiley
:) Einfaches Lächeln ohne Nase (fröhliches Gesicht) = Miniatur-Smiley
(-: Einfaches Lächeln (fröhliches Gesicht) = Für Linkshänder
:-))) Sehr fröhlich oder witzig (Doppelkinn)
;-)=) Grosses Grinsen (Zähne sichtbar)
;-) Lächeln mit Augenzwinkern, Ironie
‚-) Lächeln mit Augenzwinkern
,-) Fröhliches Gesicht mit Augenzwinkern
,-} Süsssaures Lächeln mit Augenzwinkern
:-, Noch ein Grinsen
:-r Zunge rausstrecken
:-P Zunge rausstrecken
:-J Einen Spass machen
:-7 Ironische Bemerkung
:-D Mit einem Lächeln sagen oder Lachen/Auslachen (Mund offen)
:-d Mit einem Lächeln sagen
:D Lachen
:´-) Zum Weinen glücklich sein
:*) Herumalbern
%-} Blödsinn
:-x Kuss
:-* Kuss oder Oh oh!
:-X Dicker Schmatz oder Grosser nasser Kuss
@>–>– Rose
:-( Traurig sein oder unglücklich oder „find ich nicht lustig“
:-(( Ganz traurig sein
:-c Ganz ganz traurig sein
:-C Wirklich unglücklich oder wirklich unglaublich
(:-( Sehr unglücklich
:-/ Finde ich nicht lustig oder skeptisch sein oder untentschieden
:- Unentschieden/offen oder untentschlossen oder männlich
:-| Weder gut noch schlecht oder grimmig/leicht verärgert
>:-< Verärgert, ungehalten
:-|| Wütend, sehr verärgert
:-@ Brüllen oder extrem verärgert
:-V Schreien
:-o Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-O Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-0 Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen) oder sprechaktiv
:-e Enttäuscht sein
:´-( Weinen
:~/ Völlig durcheinander
:-S Was Du sagst, macht keinen Sinn
%-} Blödsinn
:—) Du lügst wie Pinocchio
:-(*) Dieser Kommentar macht mich krank
>;-> Sehr unanständige Bemerkung
<:-) Dummkopf oder dumme Frage! (Eselskappe)
:-] Dummkopf
:-r Zunge rausstrecken
:-P Zunge rausstrecken
:-t Bitteres Lächeln
:-} Krummes Lachen
}-) Böses Lachen
:-> Eher sarkastisch
:-[ Sehr scharfer Sarkasmus oder Vampir/Dracula
>:-> Grauenhaftes
:-0 Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-# Meine Lippen sind verschlossen oder nicht weitererzählen!

Wir schalten um zum Testbild

 

Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen zu Hause ist. Aber mein Tag könnte 25 Stunden haben und trotzdem hätte ich das Gefühl, nicht einen Bruchteil dessen gesehen und gelesen zu haben, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Dass mein Leben so aufregend verläuft, hat vor allem mit dem Internet zu tun. Kein Sendeschluss. Kein Programmbeginn. Und immer was zu gucken. Mit dem Testbild im Fernsehen hatte alles angefangen.

Als ich ein Kind war, bin ich oft ins Haus der Geschwister Klasen gegangen, die in meiner Straße wohnten. Zwei ältere Damen, nie verheiratet, sehr kultiviert und auch nicht ganz arm. Sie hatten etwas, was die meisten in Ummendorf zu jener Zeit noch nicht hatten: einen Fernseher. Einen sperrigen Kasten mit einer düsteren Glasscheibe, die sich leicht konisch und etwas bedrohlich in Richtung Wohnzimmer wölbte. Das war der Bildschirm.

Meistens war es Antonie Klasen, die Ältere der Beiden, die es sich mit mir im Wohnzimmer nett machte. Sie setzte sich neben mich aufs Sofa und strickte oder las ein Buch. Vor uns standen ein Teller Kekse und eine Tasse mit Kakao. Dann machte Fräulein Klasen feierlich den Fernseher an. Bis sich die Röhre erwärmt hatte und der Fernseher sendebereit war, verging manchmal eine Minute oder mehr. Erhellte sich der Bildschirm dann endlich, war der Nachmittag gerettet.

© telegraphuk

Dabei gab es zu jener Zeit noch kein Nachmittagsprogramm. Erst Punkt 17 Uhr verkündete die Fernsehansagerin mit der hochgesteckten Frisur, was der Abend so bringen würde. Doof nur, dass ich um 17 Uhr zu Hause sein musste. Nur manchmal, ganz selten, schaffte ich es, bis 17:05 zu bleiben. Länger ging nicht, sonst hätte es Ärger gegeben. Aber auch vor 17 Uhr war es ein erhebendes Gefühl, im Kreise kultivierter Damen fernsehen zu dürfen. Es war nämlich nicht so, dass der Schwarz-Weiß-Bildschirm bis zum Auftritt der blonden Ansagerin schwarz geblieben wäre. Es gab ja schließlich das Testbild. Viele Striche in allen Schattierungen, ein paar kleine Kreise und ein großer um das Ganze herum. Und viele Buchstaben und Zahlen, die ich nicht entziffern konnte. Sah ein bisschen aus wie die QR-Codes für Smartphones.

Mein Nachmittags-Vergnügen: Testbild live vom Übelhorn

So saßen wir manchmal stundenlang, die Fräuleins und ich. Sie strickten. Ich kuckte das Testbild des Bayerischen Rundfunks. Es kam vom Sender Grünten, auf dem Gipfel des Übelhorns. Wo das Übelhorn liegt und warum der Sender Grünten hieß, war mir wurscht. Was zählte, war: Über diese Holzkiste mit der Glasscheibe hatte ich Kontakt zu einer Welt, die mir bis dahin verschlossen war.

Als ich längst in Kanada lebte und schon sehr früh das Internet in unser Haus holte, gab es ein Déjà-vu. Auch jetzt konnte ich stundenlang vor dem unförmigen Schwarzweiß-Monitor sitzen und mir Bilder auf einigen spärlich bestückten Seiten anschauen.

Im Schneckentempo über die Datenautobahn

Auf der „Datenautobahn“ gab es damals noch eine ziemlich fiese Geschwindigkeitsbegrenzung. Die lag bei 56 kbit/s. So viel schaffte das Schneckenmodem gerade noch. Eine Verbindung war nur über Telefon möglich. Bis sich eine Seite aufgebaut hatte, verging, wie damals beim Schwarzweiß-Fernseher der Fräuleins Klasen, eine Minute und mehr. Auch wenn im Internet die Langsamkeit neu erfunden wurde, war auch jetzt wieder dieses prickelnde Gefühl da, einen Draht zur Welt da draußen gelegt zu haben.

Die Faszination des Internets ist geblieben. Auch heute noch kann ich mich stundenlang auf Seiten verlieren, die ich zufällig angeklickt habe. Neulich bin ich auf der Homepage eines afrikanischen Fernsehsenders gelandet. Ehe die Sicht auf den Seiteninhalt frei wurde, ritt erst einmal ein Prinz auf einem Elefanten seelenruhig von rechts nach links über den Monitor. Und anschließend noch einmal von links nach rechts. Dann öffnete sich ein virtueller Vorhang. Das nenne ich Stil. Oder eine karibische Homepage, auf der lustige Affen einen richtigen Zirkus veranstalten, ehe es zum Radioprogramm geht. Total exotisch auch die Homepage des nordkoreanischen Staatsrundfunks. Ich liebe solche Seiten.

Sie kennen doch bestimmt auch jede Menge davon. Schicken Sie mir den Link? Danke. Ich klicke mich derweil durch die neue Homepage der sozialistisch-sandinistischen Minderheitsimmigranten in Antarktika.

Das Internet kennt keine Gnade

© handysektor.de

Ich will Ihnen ja keine Angst machen. Aber überlegen Sie sich gut, was Sie mir ins Gästebuch schreiben. Das Internet ist wie ein hungriger Elefant, der nichts vergisst. Nehmen wir einfach mal den früheren Formel-Eins-Boss Max Mosley. Er ist reich und berühmt. Aber dank des Internets ist er ein gehetzter, armer Wicht. Im Netz werden nämlich wie verrückt Bilder angeklickt, die Mr. Mosley bei einer Sex-Orgie zeigen.

Dabei wäre es für Google & Co. ein Leichtes, die peinlichen Treffer zu löschen. Aber die Suchnasen weigern sich, Herrn Mosley von seiner Scham zu erlösen. Angeblich, weil sie „nicht Internet-Polizei spielen“ wollen. Selbst wenn sich die Suchmaschinen-Betreiber doch zur Tilgung entschließen könnten, wären garantiert noch irgendwo Restbestände im WWW zu finden, die nicht mehr einzufangen sind.

So manchen holt die digitale Vergangenheit wieder ein

Anderes Beispiel: Bei einem Reportereinsatz nach den 9/11-Anschlägen in New York hatte ich in Manhattan einen jungen Deutschen interviewt, der dabei war, als die Türme fielen. Dieser Mensch hatte mir einige Beschimpfungen in den Block diktiert, auf die er hinterher nicht mehr stolz war. George Bush habe Blut an den Händen. Seine Politik sei Kriegstreiberei. Dinge, die einem in der damaligen Hektik schon mal durch den Kopf gehen konnten. Die man aber, anstatt sie einem Onlinejournalisten zu erzählen, vielleicht doch lieber für sich behalten sollte. Die Zitate standen hinterher auf der Internetseite eines öffentlich-rechtlichen Onlineportals.

© ZDF

Letzte Rettung digitaler Radiergummi. © ZDF

Jahre später wurde mein Gesprächspartner von seiner Vergangenheit eingeholt. Aus dem Heißsporn von damals war ein Politik-Reisender geworden. Klar, dass er sich jetzt nicht gerne mit Beschimpfungen gegen die damalige US-Regierung googeln lassen möchte, eher er vielleicht auf amerikanischem Boden eine Rede hält. Seine 9/11-Zitate wurden zwar auf Bitten des Mannes hin gelöscht. Aber vermutlich sind noch immer Datenbrösel davon im Netz zu finden.

Selbst wenn es gelingt, Grenzwertiges aus dem Internet zu nehmen, ist die Gefahr groß, dass die Inhalte nicht lückenlos entfernt werden konnten. Der Google-Zwischenspeicher – „Cache“ genannt – grabscht sich oft die erste Version einer Seite ab. Die schlummert dann unter Umständen für die digitale Ewigkeit im Nirvana des Internets.

Der „digitale Radiergummi“ funktioniert nur bedingt

Für manche ist das gute Gedächtnis des Internets jedoch ein Glücksfall geworden. Es gibt Firmen, die sich auf die Löschung von Internet-Inhalten spezialisiert haben. Mit guten, aber nicht immer herausragenden Ergebnissen, wie ich beim Selbstversuch im Auftrag eines Kumpels festgestellt habe. Offensichtlich gibt es den perfekten digitalen Radiergummi eben immer noch nicht.

Und überhaupt: Facebook? Viel Glück, wenn Sie dort mit 800 Millionen anderen unterwegs sind! Ich bin’s nicht. Mein Feuersessel ist der Blog. Auch nicht ganz ungefährlich, aber überschaubar.

Über Ihren Kommentar zu diesem und anderen Themen freue ich mich sehr. Jetzt erst recht.