Ab heute: New Kid on the Blog

Es gibt sie noch, die guten Seiten. Eine davon kommt aus Paris und heißt www.easyvoyage.de/kanada Einen Link dazu finden Sie ab sofort auf der rechten Navigationsleiste der Startseite unten.

Warum iausgerechnet diese Seite? Weil sie, im Gegensatz zu Dutzenden anderer Länderseiten, gute Tipps und wertvolle Informationen bietet.

Hanna Werner von easyvoyage.de hat mir eine nette Mail geschickt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

„Wir sind nach einiger Recherche im World Wide Web auf Ihren Kanada Blog gestoßen und waren begeistert, denn er macht auf eine humorvolle Art und Weise Lust zu verreisen. Der Inhalt Ihres Blogs ist qualitativ hochwertig und beruht auf gut recherchierten Informationen, das kann man leider nicht von jedem Blog behaupten.“

Danke für die Blumen. Und damit mich eine elegante Gelegenheit, meinen Blog einem neuen Leserkreis vorzustellen, ohne dafür Anzeigen auf meiner Seite platzieren zu müssen. Nach wie vor gilt natürlich: Das Abo für den Kanada-Blog ist kostenlos und ich verdiene damit keinen Cent.

Warum dann der Aufwand? Weil es Spaß macht, möglichst viele Facetten meiner zweiten Heimat Kanada zu bedienen und sie in Form eines digitalen Tagebuchs mit Freunden, Familie und Bekannten, aber auch mit mir völlig fremden Menschen zu teilen.

Deshalb: Weiterhin viel Spaß beim Lesen. Und: Herzlich willkommen, Easyvoyagisten!

Befreier mit Pistolen-Logo

Der Sender, für den ich zurzeit arbeite, ist ein guter Sender. Er gehört zu den größten in Europa, sein Einfluss ist enorm. Politisch, kulturell, auch medienpolitisch. Wer für diesen Sender arbeiten darf, kann sich glücklich schätzen. Die Bedingungen sind hervorragend, die Lage ist beneidenswert. An klaren Tagen winkt ein 157 Meter hoher Dom in den Seminarsaal. So macht arbeiten Spaß. Wenn man nicht gerade im Aufzug steckt.

Manchmal gebärdet sich dieser Sender wie ein fetter, satter Elefant. Zum Beispiel bei technischen Problemen. „Der Technik-Support steht Ihnen jederzeit zur Verfügung“, sagt mein Chef beim Sender. Jederzeit. Nur nicht sonntags vor 13 Uhr. Diese Erfahrung musste ich neulich im Aufzug machen. Der steckte nämlich fest. Wie damals in New Orleans. Nur ist es diesmal morgens um zehn. An einem Sonntag. In enem ausgestorbenen Bürohochhaus.

Die Code-Karte, die mich zu Vorbereitungen in den Seminarsaal bringen soll, erkennt der Aufzugsleser also erst ab 13 Uhr an. Warum nicht früher? Weil offenbar bisher kein Seminarleiter auf die Idee gekommen war, den Sonntag Vormittag mit Vorbereitungen im Leersaal zu verbringen.

Beim dritten Versuch, dem Lift meinen Wunsch nach einer Beförderung mitzuteilen, schließt sich sanft die Aufzugstür, der Deckenlautsprecher fängt an zu kreischen. „Achtung!“, knarrt es, „Sie befinden sich im Sicherheitsbereich eines großen deutschen Senders mit drei Buchstaben und einem Firmenlogo, das aussieht wie eine blaue Pistole!“ Oder so ähnlich. Ob man mich bitte aus dem Sicherheitsbereich retten könne, frage ich die Gegensprechanlage. „Das kann dauern“, bellt der Lautsprecher zurück, „heute ist Sonntag“. Danke, das wusste ich bereits.

Ich bin jetzt Gefangener eines der größten Kommunikationsunternehmens  Europas. Nur versteht mich leider niemand, keiner hilft mir. Eingesperrt. Verlassen im Verlies. Wie Julia Timoschenko. Ich könnte jetzt eigentlich einen Hungerstreik antreten. Aber es würde keinen interessieren. Außerdem würde es bei meiner Statur Monate dauern, bis es jemandem auffällt.

Im Aufzug kommen einem wichtige Erkenntnisse, wie: Ich hätte beim Frühstück weniger Kaffee trinken sollen. Oder: Irgendwann kaufe ich mir ein Handy, das auch im Aufzug funktioniert. Nach 15 Minuten oder 15 Stunden, ich weiß es nicht mehr genau: Schritte auf dem Flur. Ein kleiner Mann mit Sonnenbrille vor dem Immigrationshintergrund öffnet die Aufzugstür von außen. Einfach so. Ich möchte ihm um den Hals fallen. Aber er hat die Sonntagszeitung unter den Arm geklemmt und eine Sonnenbrille im gegeelten Haar. Ich darf ihm nicht nahe kommen, es würde ihn stören. Ich kenne diesen Typ Mann.

Nun beschimpft mich der gegeelte Hausmeister auch noch. Das machen Menschen gerne, die eine Unform, eine Sonnenbrille im Haar und ein Pistolenlogo mit Namensschild auf der Brust tragen. Ob ich nicht wüsste, dass der Kartenleser an Sonntagen erst ab 13 Uhr zu benützen sei?!

Jetzt weiß ich es. Necat hat es mir gesagt. Necat ist der Mann mit dem eingestickten Schriftzug seines schönen Namens auf seinem Arbeitsanzug, direkt unter dem Pistolenlogo. Necat ist der Mann des Tages, er ist mein Hero, mein Sonntagskind. Er hat mich aus der Gefangenschaft befreit.

Später erfahre ich: Wer Necat heißt, ist verdammt noch mal verpflichtet, Menschen in misslichen Situationen zu helfen. Necat, recherchiere ich im Namens-Wiki, heißt nämlich „die Befreiung“.

Per Mausklick um die Welt

Es ist mal wieder soweit: Ein Deutschlandflug steht bevor. Nur: Mit welcher Airline? Und zu welchem Preis? Der wiederum hängt nicht nur mit der Airline zusammen, sondern auch mit der Internetseite, auf der Sie buchen.

Hier ist eine Auswahl von Links, die ich nach und nach gesammelt habe:

  • Liste aller Airlines der Welt
  • cheaptickets   Schnäppchen – nicht nur Last Minute
  • Hotwire.com   Discountflüge mit gelegentlich wirklich tollen Angeboten
  • Expedia           Eine der ältesten und bekanntesten Travel-Seiten
  • Travelzoo       Immer gut für Schnäppchen-Reisen
  • Megaflieger   Discounter-Reisen wie ALDI, Tchibo etc.
  • Billigfliegervergleich   Hier werden Flugpreise verglichen
  • Farecompare                 Hoch gelobte Vergleichsseite für internationale Flüge
  • momondo                       Sucht Flüge auf 685 Reiseseiten
  • Seatguru                        Bei welcher Airline sitzt man wo am besten?
  • flightradar24                  Aktuelle Flugzeugpositonen weltweit

Bestimmt kennen Sie auch die eine oder andere Booking-Seite. Wollen wir teilen?

Mail an: bloghausmail@herbertbopp.com genügt. Ich stelle Ihre Tipps gerne auf die Kommentarseite.

Liebeserklärung an mein Hotel

My Hotel is my Castle. Zumindest, wenn ich auf Geschäftsreise bin. Das Hotel, das mir mein Auftraggeber nun schon seit zehn Jahren immer dann bucht, wenn ich in Köln zu tun habe, ist nicht das erste Hotel am Platze. Aber es hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Der Empfangschef kennt meinen Namen. Und wenn mir die Nase läuft, stellt mir die Frühstückskellnerin einen Obstteller ins Zimmer.

In diesem Hotel habe ich schon viele Monate vebracht, rechnet man alle Aufenthalte zusammen. Dass die Wasserspülung gelegentlich hängt und der Heizkörper Klopfgeräusche von sich gibt, stört mich nur ein bisschen. Das Foyer meines Hotels ist vollbehängt mit Fotos aus vergangenen Zeiten. Peter Kraus und Conny Froböss waren schon hier. Auch Bill Ramsay und Peter Frankenfeld haben ihr handsigniertes Konterfei hinterlassen. Sogar der große Kulenkampff ist hier schon abgestiegen. Und selbst Roy Black muss sich irgendwann mal ins weisse Hotelbett gelegt haben. Aber das ist lange her. Schlafe ich heute Nacht in einem Bett, in dem sich schon Caterina Valente geräkelt hat?

Teller voll? Einer geht immer noch drauf!

Ich liebe also mein kleines Hotel. Was mich dagegen tierisch nervt, sind Gäste, die ihre Teller beim Frühstücksbüffet mit solchen Bergen Schinken und Rührei beladen, dass regelmäßig Wursträdchen auf den Teppich fallen. Wenn dann noch mehrere Scheiben Brot und eine halbe Gallone frisch gepresster Orangensaft auf dem Tisch zurück bleiben, macht mich das rasend und auch ein wenig traurig. Oft verhalten sich ja gerade solche Gäste so rücksichtslos, die aus Regionen kommen, wo nicht gerade die Reichsten leben.

Was mir dagegen gut gefällt an meinem Hotel, ist die Lage. Es liegt mitten im Zentrum von Köln, mittiger geht’s nicht. Rechts der Dom, links die Funk- und Fernsehstadt WDR. Dazwischen Köln, wie es leibt und lebt. Nur zweimal habe ich mein Hotel verflucht. Einmal während der Fußball-Europameisterschaft und dann noch während des Karnevals. „Kannst du bitte das Fenster zumachen, solange du mit mir telefonierst? Ich versteh ja kein Wort!“, hatte mich Lore während eines Telefonats aus Kanada gebeten. Ich musste meine Frau enttäuschen: Die Fenster meines Hotelzimmers waren zu. Und den Höllenlärm, der morgens um zwei noch draußen herrschte, konnte man nur schwer auszuhalten.

Berühmt – aber leider kennt sie niemand

Toll finde ich, dass ich in meinem Stammhotel andere Stammgäste treffe. Einen Dirigenten aus Wien, zum Beispiel, der gelegentlich das WDR-Symphonieorchester leitet. Oder einen „Tatort“-Pathologen, den jeder an seiner Vollglatze erkennt. Oder einen Fernsehmoderator, den jeder schon gesehen hat, aber dessen Namen sich keiner merken kann. Und dann die Sprecherin, die immer die Presseschau im Radio vorliest. Herrlich, wie sie ihre Stimmbänder morgens mit Lindenblütentee und Honig ölt. Sie zelebriert die Stimmpflege so unübersehbar öffentlich, dass Jeder weiß: Diese Frau ist stimmlich in wichtiger Mission unterwegs. Und bestimmt ist sie total berühmt.

Schon doof, wenn man als eitler Mensch beim Radio arbeitet, wo die Stimme kein Gesicht hat.

100 Mal Deutschland und zurück

Ich reise gern. Aber ich hasse fliegen. Der Weg ist längst nicht mehr mein Ziel. Seit meiner Auswanderung nach Kanada bin ich mehr als 100 Mal über den Atlantik geflogen. Und 100 Mal wieder zurück. Heute Abend werde ich wieder im Flieger sitzen. Bilanz nach gut 1.2 Millionen Flugkilometern: Die Sitze werden enger. Die Passagiere dicker. Das Essen schlechter.

75 Tage – zweieinhalb Monate meines Lebens habe ich allein in Flugzeugen zwischen Kanada und Deutschland vebracht. Dazu kommen Reisen nach Südamerika, Australien und andere Teile der Welt. Dabei herrschte nicht immer pure Langeweile.

Aufregung gab es auf einem Flug von Montréal nach Havanna. Die Broschüre mit den Sicherheitsbestimmungen der kubanischen Airline war von Hand geschrieben, der Text hektographiert. Wie die Einladungen, die mir mein Vater für Kindergeburtstage vervielfältigt hat. Alles nicht besonders vertrauenserweckend in einer Maschine, die aussah, als hätte sie schon Kampfeinsätze in Afghanistan hinter sich. Dafür waren die Cocktails umso schöner. Mojito mit Sonnenschirm. Irgendwann kam der Kapitän aus dem Cockpit und grüßte elegant ins Publikum. So sehen Sieger aus. Nachdem der Käpt’n mäßig stürmische Ovationen für gutes Fliegen entgegengenommen hatte, ließ sich auch noch der Co-Pilot von den Passagieren beklatschen. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich gerne umgekehrt. Wer die Maschine eigentlich geflogen hat, weiß ich nicht. Ich vermute mal der Flugingenieur. Vielleicht auch der Autopilot. Oder der liebe Gott.

Auf dem Flug in den Norden: Wasser tropft von der Decke

Richtig ungemütlich wurde es auf einem Flug mit Air Creebec nach Waskaganish. Die Maschine war auf dem Weg zur Sub-Arktis fast ausschließlich mit Indianern und Inuit besetzt. Irgendwann verteilte die Stewardess – eine Cree-Indianerin – Küchenrollen. Dann bat sie alle Passagiere aufzustehen und mit den Papierhandtüchern das Wasser aufzufangen, das von der Flugzeugdecke tropfte. Es war weniger schlimm als es aussah: Die Feuchtigkeit war nicht durch die Flugzeugdecke gedrungen. Es handelte sich lediglich um Kondenswasser.

Und dann wäre da noch die Geschichte mit den Tauben: Auf dem Weg von Montréal nach Berlin legte ich einen neunstündigen Zwischenstopp in London ein. Alles passte: Ankunft Heathrow am Morgen. Weiterflug nach Berlin am soäten Abend. Dazwischen englische Freunde besuchen. Nach der Landung in Berlin erkannte ich meinen Koffer nicht wieder. Er war zubetoniert mit Vogelscheiße. Die Briten hatten mein Gepäckstück den ganzen Tag auf dem Rollfeld stehen lassen. Tauben und Möwen benützten meinen Koffer neun Stunden als ihr Privatklo. Noch in der Nacht gab’s eine geharnischte Mail an British Airways. Mit Fotos vom Kackkoffer. Die Airline ließ sich nicht lumpen: Rückflug Erster Klasse von Berlin über London nach Montréal. Lachs statt Tauben.

Zwei-Klassenausflug: Trüffel und Röschen aus der First Class

Richtig unangenehm finde ich es, wenn auf deinem Flieger noch jemand sitzt, den du kennst. Neulich entdeckte ich von der Holzklasse aus einen Bekannten in der First Class. Der Kollege fand den Zwei-Klassen-Ausflug ziemlich lustig und zeigte sich spendabel – auf Kosten der Airline. Er brachte mir Trüffel an meinen Platz, hinten in der Bronx. Lore bekam eine Rose.

In diesem Moment hätte ich dem Kollegen gerne das Fliegen beigebracht.