Köln: Wie Palma ohne Palmen

Dort, wo ich Dutzende Male beruflich zu tun hatte, war ich am Wochenende zur Abwechslung mal ganz privat. Bilanz eines Blitzbesuchs: Köln hat seinen Zauber nicht verloren.

Alles war diesmal anders als sonst. Ich flog nicht aus Montréal ein, sondern aus Mallorca. Das Hotel lag nicht am Dom, sondern im Szenenviertel.

Viel Zeit blieb nicht, um die Stadt zu genießen, die für viele Jahre so etwas wie ein „home away from home“ für mich war. Gerade mal 30 Stunden hatte der Logistikregisseur für meine Blitzvisite vorgesehen. Genug, um ein Stück Köln kennen zu lernen, das ich so noch nicht kannte.

Da war es wieder, das Geh-Gen. Schon kurz nach dem Frühstück meldete es sich und wollte wieder Forrest Gump spielen, so weit die Füße tragen. Sie trugen uns genau 17 Kilometer weit, vom Dom bis nach Rodenkirchen und zurück – immer am Rhein entlang. Die Nacht war kurz gewesen, der Fußmarsch dafür umso länger.

Ein bisschen Montréal, ein wenig Palma: Die Frachtschiffe auf dem Rhein erinnern an den Sankt-Lorenz-Strom. Die Kneipen und Straßencafés, die Masse an Touristen – das alles ähnelt schon sehr der Altstadt von Palma.

Achtung, Spaßbremse: Dass die meisten Straßenmusiker auch in Köln unterirdisch schlecht sind, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Köln werde auch das „Rom des Nordens“ genannt, hatte in der Nacht noch der Taxifahrer gesagt. Mich wundert diese Charakterisierung nicht. Ein gewisses mediterranes Flair ist diesem lebenslustigen Flecken Erde nicht abzusprechen. Millowitsch meets Mallorca.

Zwar wachsen in Köln, soweit ich weiss, keine Palmen. Dafür werden auf Marktständen Pfingstrosen und Spargel angeboten. Auch das noch: Vor einem loftigen Designerstudio gucken frech mit dunklen Augen ein gutes Dutzend Olivenbäume ins rheinische Land – so, als stünde ihre botanische Wiege am Rheinufer und nicht am Mittelmeer.

Feste feiern, Freunde sehen, gewohnte Wege mit neuen Augen begehen. Frische Perspektiven gewinnen, vor deren Hintergrund sich alte Ansichten relativieren. Menschen besuchen, deren Geschichte – und Geschichten – mit zunehmendem Alter wichtiger werden.

Erinnerungs-Optimismus, der vieles aus der Vergangenheit erklärt, manches aber auch verklärt, ist eine feine Sache.

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Mallorca: Menschen am Meer

Ein typischer Tag an der Playa de Palma: Menschen gehen ihrer Arbeit nach. Die Straßenhändler verkaufen am Strand so ziemlich alles: Von der Sonnenbrille über den aufgesetzten Nasenpenis bis zum Kuschelaffen. Die Frauen, in landesüblicher Tracht, bieten Haarverlängerungen an. Es handelt sich fast ausschließlich um Menschen aus dem Senegal. Sie haben es nicht leicht auf Mallorca. Viele von ihnen haben keine Aufenthaltsgenehmigung. Polizeirazzien sind an der Tagesordnung. – Mehr zum Thema gab’s neulich hier im Blog: „Hundert Jahre Garantie auf die Rolex“.

 

 

Der Klassiker zum Schluss

Wie oft wir die Strecke von Sóller nach Deià schon gewandert sind? Ich weiss es nicht mehr. Sechsmal vielleicht? Vielleicht auch mehr. Egal. Für mich ist und bleibt es die perfekte Wanderung auf der Insel. So schön. So abwechslungsreich. So Mallorca.

Schon oft war im Blog von dieser Wanderung die Rede. Deshalb schenke ich mir heute Details. Nur so viel: Es war heiß. Und es war wunderschön!

Es hat schon Tradition: Die jeweils erste und letzte Wanderung unserer Mallorca-Winter führen immer von Sóller nach Deià. Oder auch umgekehrt, so wie heute. Egal welche Richtung: Die etwa 13 Kilometer lange Strecke ist zu jeder Jahreszeit ein Traum.

Im mallorquinischen Winter ist die Luft klar und frisch und man freut sich über jede Blüte. Im Frühjahr, wenn die Natur aus allen Nähten platzt, erahnt man bereits, was der Frühsommer bringen wird: Ein Feuerwerk von Blumen, Früchten, Wildgräsern und Vögeln.

Bei Temperaturen von um die 28 Grad war es heute fast schon zu heiß für diese Wanderung. Deshalb wird es für dieses Jahr wohl auch die letzte gewesen sein.

Wie schön: Der nächste (Wander-)Winter kommt bestimmt!

Damit die früheren Wanderungen nicht in Vergessenheit geraten – heir sind einige Links dazu:

Sóller: Berge, Meer und Piraten

Sóller-Deià: Steiniger Weg durchs Paradies

Kurz vor Kanada noch eine Memory-Tour

Der Klassiker: Von Deià nach Sóller

 

Wanderung mit Widersprüchen

„Warum“, fragte der Bruder vor ein paar Tagen,“ geht ihr eigentlich immer wieder nach Mallorca und nicht auch mal woanders hin“? Die Antwort kannte er schon: Weil ich nirgends in der Welt auf so kleinem Raum so viel geballte Schönheit gesehen habe wie auf Mallorca. Nicht in Kalifornien, nicht in der Karibik, nicht in Südamerika, nicht in Australien. Nicht einmal auf Hawaii. Und das will etwas heißen.

Heute hätte ich Eberhard den Beweis für diese gewagte These antreten und alle Zweifel ausräumen können.

Die Wanderung von Cala Agulla über Talaia de Son Jaumell zur Cala Mesquida zurück nach Cala Ratjada war der Hammer. Anstrengend war sie und lang und steil und dabei war es auch noch sommerlich heiß. Doch der Panoramablick von dem ehemaligen Piraten-Aussichtsturm in Richtung Cap Formentor und bis nach Menorca war schlicht sensationell.

Dabei war die heutige Tour eine Wanderung der Widersprüche.

Nie zuvor waren wir so früh aufgestanden (05:30 Uhr) und so lange unterwegs (4 Stunden), um überhaupt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen. Weil der Zug von Palma nach Manacor Verspätung hatte, saßen wir fürs Erste in der zweitgrößten Stadt Mallorcas fest. Höhepunkt unseres Stadrundgangs war die Orgelprobe in einer wahrhaft schönen Kirche, deren Pforten – gottseidank – doch geöffnet waren.

Irgendwann kam dann auch der Anschluss-Bus und brachte uns in das Touristenstädtchen Cala Ratjada. Schon bald verzogen sich die Wolken – und schon waren wir am Strand. Nicht zum Chillen, sondern zum Auftakt-Cortado. Vom Strand aus führte die Wanderung über steiles, schwer zu navigierendes Gelände hinauf zur Ruine des Wachturms Torre de Son Jaumell.

Erst kam das Vesper – und dann der Abstieg.

Der führte über einen alten Schmugglerpfad in ein Idyllisch gelegenes, aber leider mit Hotels vollgepflastertes Touristendorf: Cala Mesquida.

Endstation? Keine Spur! Jetzt ging es über einen sandigen, mit Wurzeln gespickten Weg zurück zur Cala Agulla und anschließend nach Cala Ratjada.

Als hätte der Tag nicht ohnehin schon genügend Highlights geboten, sorgte der Besuch von Tinas Toasteria in Cala Ratjada für einen würdigen Abschluss. Tina und Gerhard Kolberg – sie aus Berlin, er aus Dortmund – hatten das Lokal erst zwei Tage zuvor eröffnet.

Die Speisekarte liest sich verheißungsvoll. Das Wirtsehepaar strahlt genau jene Liebenswürdigkeit aus, die zwei müde Wanderer nach den vorausgegangenen Strapazen besonders zu schätzen wissen.

Der Weißwein und die Halbe Warsteiner schmeckten nie besser.

 

Ummendorf und das pralle Leben

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Ummendorfer unter sich: Bernhard, Herbert (nicht der!), Alfred, Josef, Claudia, Herbert (ja, der!), Irmgard und Arthur (von links nach rechts).

Es passt viel rein in so ein Wochenende – wenn man es dann auch reinlässt. Das vorgezogene Geburtstagsessen mit den Geschwistern fand in einem Landgasthof statt. Zum anschließenden Kaffeeklatsch luden Bruder und Schwägerin dann ins Geburtshaus des Autors ein. Der war für drei Tage vom heißen Mallorca ins eisgekühlte Oberschwaben gereist.

Der Temperatursturz tat der Stimmung keinen Abbruch. Es war das schönste Familientreffen, das man sich wünschen konnte. Mit Wurstplatten und Hochzeitssuppe, mit Plaudereien über die Zeiten beim Gesangverein, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fußballclub, der einfach nie aufsteigen wollte.

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Leichtes Frühstück  bei der Familie.

Es gibt da eine Frau in meinem Heimatdorf, von der es heißt, sie blicke alles, kenne jeden und sei dazuhin noch eine prächtige Organisatorin. Wenn der Bruder von dieser Frau dann noch vorschwärmt, sie sei vermutlich „die einzige Frau im Dorf ohne Feinde“, dann ist eigentlich klar, an wen man sich wendet, wenn man während des Blitzbesuchs in der alten Heimat noch einen Abend frei hat.

Diese Frau heißt Irmgard Ströbele und hat mir ganz kurzfristig eine zauberhafte Begegnung mit Menschen aus meiner Jugend beschert. KlassenkameradInnen, Nachbarn, Weggenossen – sie alle waren gekommen, um den vor 35 Jahren in Kanada verloren gegangenen Sohn in ihrer Mitte aufzunehmen.

Da war von gefangenen Lachsen in Alaska die Rede, die, hört man dem Erzähler zu, länger waren als der Ummendorfer Kirchturm hoch ist. Von einem Buch wurde gesprochen, das Sepp, ein früherer Postbediensteter, über „Ummendorfer Leute“ schrieb.

Eine frühere Nachbarin, Claudia, ließ ihren längst verstorbenen Vater noch einmal aufleben – auch so einer ohne Feinde im Dorf. Dass ausgerechnet dieser honorige Mann, der zeitweise Bürgermeister von Ummendorf war, dem Autor das Rauchen beibrachte, als der fünfzehn war, erstaunte selbst die Tochter nach so vielen Jahren.

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Bisschen Biskuitrolle von der Schwägerin.

Alfred war da, Sohn des einzigen Friseurs in Ummendorf. Mit ihm lassen sich genussvoll Schmankerln aus vergangenen Zeiten teilen. Und, ja: Ich konnte mich noch genau daran erinnern, dass der Figaro immer eine Salem ohne Filter rauchte und das Nescafé-Tütchen mit der Friseurschere öffnete. Da war der Alfred baff.

Dass unvermittelt noch zwei Frauen aus meiner Jugendzeit zu unserem „Silverhair-Club“ stießen, obwohl sie erst wenige Stunden zuvor von einer anstrengenden Wandertour entlang der Amalfiküste zurückgekommen waren, muß an dieser Stelle unbedingt auch dankend erwähnt werden.

Auch all die anderen, die an diesem denkwürdigen Abend zu „Giovanni“ gekommen waren, trugen zum Gelingen dieser Nostalgie-Veranstaltung bei.

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Oberschwaben: Senfgelb mit Wolken.

Aber das war noch lange nicht alles, was dieses lange Wochenende so brachte. Da passte noch ein Kurzbesuch bei Freunden im Allgäu rein. Und auch eine weitere Kaffeerunde mit Uli Herzog, dem lokalen Krimi-Schriftsteller, der demnächst seines zweites Buch auf den Markt bringt.

Wer immer der Regisseur war, der zu diesem Treff noch einen weiteren Klassenkumpel aus Biberacher Gymnasial-Zeiten an unseren Kaffeetisch spülte, hat einen Orga-Oscar verdient. Hansi, der jahrzehntelang als Landarzt gearbeitet hatte, freute sich wie der Schneekönig von Winterstetten, dass er jetzt in den Ruhestand kann.

Fehlt noch was? Achja, der Rückflug von Memmingen nach Palma. Der war diesmal ganz besonders kurzweilig. Irgendwie passt es es zu diesem Wundertüten-Wochende, dass man im Gespräch mit einer Sitznachbarin namens Julia tatsächlich noch gemeinsame Bekannte entdeckte.

Steine, Strand und ganz viel Meer

Wieder einer dieser paradiesischen Tage auf Mallorca: Eine Strandwanderung von Cap de ses Salines bis Colònia de Sant Jordi. In umgekehrter Richtung hatten wir die Tour bereits zweimal genossen. Jetzt war also der Leuchtturm am südlichsten Punkt der Insel Ausgangspunkt unseres „Beach Walk“.

Die – mit Pausen – etwa vierstündge Strecke selbst ist kein Problem und deshalb auch für unerfahrene Wanderer geeignet. Es gibt so gut wie keinen Höhenunterschied. Lediglich das Navigieren auf den steinigen Pfaden kann hin und wieder zur Wackelpartie werden. Aber es gibt nichts, das nicht zu bewältigen wäre.

So war denn die größte Herausforderung für uns nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin. Manchmal rächt es sich, wenn man sich als Auto-Verweigerer auf öffentliche Verkehrsmittel verlässt.

Sorgfältiges Fahrplan-Studium und persönlicher Schalterbesuch am Busbahnhof in Palma nützten nichts. In Campos hingen wir fest. Dabei hatte uns der freundliche Fahrer des tib-Busses nach einem Anruf bei der Zentrale versichert, ein Umsteigen in Richtung Salines sei möglich. War es aber nicht.

Da half nur ein Taxi.

Das war mit 30 Euro zwar nicht ganz billig. Dafür aber bot es eine halbstündige Plaudermöglichkeit mit einem super informierten Fahrer, der gnädig mit den holprigen Spanischkenntnissen eines deutschkanadischen Teilzeit-Mallorquiners umzugehen verstand. Von Real Madrid über Trump und Le Pen bis hin zum sagenhaften Reichtum der mallorquinischen Privatbank-Familie March – wir ließen nichts aus.

Bei der Ankunft am Cap de ses Salines fallen drei Dinge auf: Ein pittoresker Leuchtturm. Eine grandiose Sicht auf die im Mittelmeer liegende Insel Cabrera. Und ein Heer von Steinmännchen – gebaut mit herumliegenden Felsbrocken.

Diese Männchen sind – sorry für die plumpe Pointe – in letzter Zeit zum Stein des Anstoßes geworden. Umweltwissenschaftler der Balearen-Regierung wollen herausgefunden haben, dass der Bau dieser Steinmännchen das ökologische Gleichgewicht auf der Insel durcheinander bringt. Mit einer Warnung von oben wird neuerdings an Strand-Besucher appelliert, keine Männchen mehr zu bauen.

Ob diese eigentlich hübschen Figuren wirklich eine Gefahr für die Küstenfauna darstellen, kann ich nicht beurteilen. Im Vergleich zum Plastikmüll, der sich an den meisten Stränden ansammelt, dürften einige liebevoll aufgebaute Steinmännchen eher das kleinere Übel sein.

Wobei: Gestern zeigte sich die traumhaft schöne „Playa d’es Caragol“ von ihrer besten Seite. Tüchtige HelferInnen müssen kurz vor unserer Wanderung mit der Müllbeseitigung beschäftigt gewesen sein. Bei den Beach-Walks der letzten beiden Jahre war der Strand noch in einem jämmerlich vermüllten Zustand.

Aufreger des Tages: Es gibt immer noch Touristen, die sich nicht um die Absperrungen scheren, die aus Gründen des Naturschutzes errichtet worden sind.

Wie blöd muss man eigentlich sein, über diese mit Seilen, Holzpfosten und Warnschildern gekennzeichneten Absperrungen zu klettern und sich dann in einem offensichtlich ökologisch fragilen Teil eines Naturschutzgebietes seinen eigenen Vorgarten einzurichten, in den Liegestuhl zu legen und sich dabei von den vorbeispazierenden Wanderern beim Doofsein und Bräunen zugucken zu lassen?

Diese Ignoranz macht mich fassungslos.

Die Strandwanderung selbst ist ein Naturerlebnis vom Feinsten. Einzelheiten möchte ich mir an dieser Stelle ersparen, da es bereits zwei frühere Blogposts zu diesem Thema gab. Hier sind sie:

STRANDWANDERUNG MIT HIPPIE-END

DER STRAND DER VERLIERER

Markt mit Menschen und Tieren

Seit neun Jahren verbringen wir nun schon Teile des kanadischen Winters auf Mallorca. Dass wir bis heute eine der Hauptattraktionen der Insel noch nie besucht haben, hat einen Grund: Auf dem Wochenmarkt von Sineu werden neben Obst, Gemüse, Fleisch und Käse auch lebende Tiere verkauft – und das ist so gar nicht unser Ding.

Tiere hin oder her – heute haben wir uns nun endlich ins Getümmel gestürzt. Der Markt ist riesig und erstreckt sich über den gesamten Ortskern der 3000-Einwohner-Gemeinde Sineu. Und tatsächlich bieten, soweit man das als Besucher beurteilen kann, auch „echte mallorquinische Bauern“ ihre Produkte an.

Der Ort selbst liegt genau in der Mitte der Insel. Wir haben, wie üblich, öffentliche Verkehrsmittel gewählt, um dort hin zu kommen. Die Bahn in Richtung Manacor benötigt, einschließlich einmal umsteigen, von Palma aus etwas mehr als eine Stunde.

Die Pfarrkirche Nuestra Senyora de los Angeles thront imposant über dem Dorf. Sie wurde 1248 erstmals geschichtlich erwähnt, war aber, wie das so oft auf Mallorca der Fall ist, genau zu unserer Besucherzeit geschlossen.

Es herrschten fast hochsommerliche Temperaturen, entsprechend voll waren die Straßen des kleinen Dorfes, als wir am späten Vormittag dort ankamen. Es waren überwiegend Touristen aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien, die oft Mühe hatten, sich zwischen den Hunderten von Marktständen einen Weg zu bahnen.

Ein Vergleich zu unserem Lieblingsmarkt in Santa Maria sei erlaubt: Die meisten landwirtschaftlichen Produkte waren in Sineu billiger als in Santa Maria, das nur wenige Kilometer außerhalb von Palma liegt. Die Auswahl an Wurst, Schinken, Käse, Obst und Oliven ist in Santa Maria jedoch größer.

Zwei Dinge hat Sineu, auf die ich liebend gerne verzichten könnte:

Als Straßenmusik-geschädigter Altstadtbewohner von Palma fand ich die diversen Bands, die den Marktplatz beschallten, schlicht zu laut und teilweise auch qualitativ unterirdisch.

Dass ich kein Freund von eingepferchten Lebenttieren bin, die in der Sommerhitze auf einen Käufer warten, versteht sich fast von selbst. Deshalb gibt’s davon auch keine Fotos in der Bildergalerie.

Biker-Treff: Einmal um die Insel

Wenn 5000 Motorradfahrer gleichzeitig ihre Motoren aufheulen lassen, gibt’s zwei Möglichkeiten: Man macht sich schnellstens aus dem Staub, um keinen Hörschaden davonzutragen. Oder aber man hat vorgesorgt und trotzt dem Feind mit Oropax. Wer sich dann noch eine Bandana vor den Mund bindet, um nicht den Abgastod zu sterben, ist im Vorteil. Hurra, ich lebe noch!

Ein entspannter Sonntagmorgen sieht anders aus: Vor dem größten Kaufhaus von Mallorca, dem El Corte d’Ingles auf der Avenida d´Alexandre Rossello in Palma, versammelten sich schon kurz vor neun Tausende von Motorradfahrern. Sie sind gekommen, um einmal die Insel zu umrunden.

Die 250 Kilometer lange Strecke führte durch die Tramuntana, die Nordostküste entlang und über Manacor zurück.

Die Volta Internacional a Mallorca en Moto hat Tradition. Die Insel-Umrundung fand bereits zum 41. Mal statt.

Gekommen waren sie alle: Die Harley-Biker, die Rollerfahrer und die Quads- und Trikes-Piloten. Ein ganz Mutiger kam sogar auf dem Moped daher.

Mit dabei: Die „Königin der Wüste“. So nennen die Spanier ihre Star-Bikerin Laia Sanz, die schon mehrfach die legendäre Dakar-Rallye gewonnen hat.

Dass ausgerechnet an diesem Wochenende auch das größte Fahrrad-Event der Insel stattfand, war Zufall. An der Playa de Muro, im Nordosten Mallorcas, waren Tausende Radler unterwegs.

Am Ende gab es 5000 glückliche Biker, 6500 stolze Radler. Und eine Menge frustrierter Autofahrer, die im Slalom die Insel passieren mussten, um den Zweiradfahrern nicht in die Quere zu kommen.

Die Hassliebe zum Radfahrer

Schick sehen sie aus in ihren Votec-Jerseys und den hautengen Power-Trail-Shorts mit dem eingebauten Schnitzel im Schritt. Wenn sie dann wie Asthmatiker auf Steroid an dir vorbeirauschen, könnte man sie glatt für Gladiatoren im Sattel halten.

Aber es sind nicht einmal so sehr die eng anliegenden Trikots, mit denen sie ihre sportliche und sonstige Potenz zur Schau stellen. Es ist dieser metallene Gleichklang, wenn Dutzende von ihnen sekundengenau die Gänge wechseln.

Willkommen im Radlerparadies Mallorca! Fast 200 000 von ihnen kommen jedes Jahr auf die Insel, um ihren Stahlrössern endlich mal so richtig die Sporen geben zu können.

Vermutlich ist kein anderer Landstrich der Welt besser geeignet für Radfahrer als Mallorca. Hier stimmen Geografie, Topografie, Infrastruktur und Gastronomie. Hier ist der Radler noch König. Auch wenn hin und wieder das gemeine Volk die Damen und Herren hoch zu Ross am liebsten in den Abgrund stürzen würde.

Sie sind die Anarchisten der Landstraße. Sie blockieren Fahrspuren, die eigentlich Autos und Linienbussen gehören, rasen mit einem Affenzahn durch Fußgängergruppen und nerven selbst noch dann, wenn sie ihr Tagespensum längst erledigt haben.

Wo Wanderer im Gasthaus ihre müden Leiber genüsslich in den Sessel fallen lassen, kennt der Radfahrer keine Gnade. Nichts ist wichtiger als sein Fußleiden. Da darf auch mal der Esstisch als Ablage herhalten.

Der Radler, das seltsame Wesen: Ich beobachte in meinem Stammlokal jeden Winter einen schwer übergewichtigen Norweger, dessen größte sportliche Leistung darin besteht, seine Pfunde in die Radlerhose zu quetschen, ohne je Berührung mit einem Fahrradsessel aufzunehmen. Nach dem Motto: Keine Sportart ist schöner als die, die man in sitzender Position betreiben kann.

radMan liebt sie und man hasst sie. Sie werden zum Teufel gewünscht und herbeigesehnt. Selbst Kneipiers und Restaurantbetreiber sind sich nicht ganz einig, ob die Radler nun Fluch oder Segen sind.

Wenn er sitzt, der Radler, dann sitzt er lange. Gerne auch bei einer Radler-Halbe, die dem Kneipier noch nicht einmal den Klopapier-Verschleiß bezahlt, den die Damen und Herren von und zum hohen Ross verursachen.

Aber Mallorca braucht die Fahrrad-Touristen. Vor allem während der Wintermonate, wenn der Ballermann noch ganz weit weg ist, bilden die Radler eine wichtige Einkommensquelle.

Hotels, die sonst vor Leere gähnen würden, erwachen bereits im Januar aus dem Dornröschenschlaf, wenn die Radler zu Tausenden in Can Picafort, Alcudia oder Can Pastilla einfallen.

Nachdem sie sich und ihre Mitwelt lange genug traktiert haben, packen die Radtouries dann ihre mitgebrachten Bikes wieder ein, nicht ohne sie vorher mit erlesenen Tüchern abgewienert zu haben – so, als gelte es, die Geliebte in Samt und Seide zu verschnüren.

Ende April, Anfang Mai wird es selbst dem coolsten Radler zu warm. Es macht sich ein Aufatmen breit unter Bus- und Pkw-Fahrern, aber auch unter Wanderern und gemeinen Fußgängern.

Endlich gehört Mallorca wieder denen, die auch ohne Elite-Pants und Cube-Trägerhose Spaß haben können.

(Sorry Fränkie, Gerald, Anita, Fred, Robert, Sabine, Mike … Ich weiß: Nichts ist geiler als Radfahren auf Mallorca!)

Ein Ostermärchen auf der Finca

finca_bannerEs war einmal eine Insel – so wunderschön und begehrt, dass sie immer wieder von Piraten heimgesucht wurde. Als die wilden Gesellen irgendwann müde wurden von ihren ständigen Eroberungsversuchen, fiel die Insel wieder an die zurück, denen sie ja schließlich gehörte: Spaniern vom Stamme der Mallorquiner.

Im Nordosten dieser Insel, unweit des Hafenstädtchens Porto Cristo, gibt es inmitten von Wiesen und Feldern, auf denen Schafe grasen, Schmetterlinge sich sonnen und Bienen sich um die besten Plätze balgen, ein wahrlich zauberhaftes Gehöft. Leidergottseidank wurde es erneut von Piraten eingenommen.

Das Gehöft ist eine „Finca“, die Piraten heißen „Touristen“. Es sind sechs Freunde, die aus der Schweiz und aus Kanada eingefallen sind. Doch anders als die Piraten von damals, hatten die Touristen von heute nur Gutes im Sinn.

Sie verbrachten in diesem traumhaften Anwesen zusammen ein Osterwochenende wie im Märchen. Die Finca wurde vorübergehend zum Schloss mit vielen Gemächern, wunderschönen Bädern und Kaminen zum Träumen. Eine Sommer- und eine Winterküche luden zum Kochen ein, in einer Sauna durfte geschwitzt werden und eine kleine Turnhalle lockte seine Benutzer mit allerlei Foltergeräten.

Es wurde gebrutzelt und gegrillt, gegessen und getrunken, geplaudert, gewandert und geschwommen und danach auf edlen Liegen geruht. Wer immer noch nicht genug hatte, durfte mit den Kinderpiraten, die sich „Prinzessin“ und „Räuber“ nannten, Fußball spielen. Nur so viel sei verraten: Die Spitzenposition des FC Basel war nie gefährdet.

Und immer wieder machten Anekdoten aus vergangenen Zeiten die Runde, denn zwei der Schweizer Finca-Piraten hatten lange Zeit in Kanada gelebt.

Obwohl nach zwei Tagen und Nächten die Schokoeier immer noch nicht alle waren und sich weder der Gesprächsstoff, noch der Weinvorrat dem Ende zuneigten, verabschiedeten sich die Deutschkanadier nach dem Frühstück in Richtung Palma und überließen das märchenhafte Gehöft wieder den Piraten aus der Schweiz.

Und weil sie nicht gestorben sind, leben sie dort noch heute. Zumindest so lange, bis ihr Urlaub vorbei ist.