Eine leidenschaftliche Affäre

Es gibt Liebesaffären, die nicht mit zwei Menschen beginnen, sondern mit einem Ort. Dieser Ort ist in meinem Fall die Plaça de la Reina im Herzen von Palma.

Hier, in dem rosaroten Stadthaus, oberster Stock mit Dachterrasse, haben wir die ersten fünf von insgesamt zehn Wintern in Palma de Mallorca verbracht.

Und jetzt also ein Wiedersehen mit dieser Perle von Stadt, diesem Juwel von Architektur.

Die Entscheidung, nicht noch eine weitere Woche in Malaga zu bleiben, sondern nach Mallorca überzusetzen, ehe unser nächster Camino in Sevilla beginnt, hat sich als Glücksfall erwiesen.

Nicht nur konnte ich bei traumhaftem Frühsommerwetter viele Freunde und Bekannte wieder sehen, sondern mir auch die Schönheit dieser Insel, speziell dieser Stadt Palma, noch einmal einverleiben.

Ein bisschen wehmütig, aber auch voller Vorfreude auf unser nächstes Camino-Abenteuer, werde ich also Abschied nehmen von hier.

Den nächsten Blog gibt’s wieder vom spanischen Festland, vermutlich aus Sevilla.

Dort beginnt dann unser 1000-Kilometer-Abenteuer auf der Via de la Plata.

Die Fotos stammen alle vom gestrigen Samstag. Eine letzte Liebeserklärung an die Insel, mit der mich nach all den Jahren noch immer eine Leidenschaft verbindet – so, als wären wir uns gestern zum erstenmal begegnet.

Mallorca und Málaga: Alte Liebe, neues Mädchen

„Die alte Liebe hat gegen das neue Mädchen gewonnen.“ Schöner kann man es nicht sagen. Und wenn dieser Satz dann noch auf Französisch gesprochen wird – er stammt nämlich von meinem Montréaler Freund Jean -, klingt er geradezu zauberhaft.

Mit der alten Liebe ist Mallorca gemeint. Das neue Mädchen heißt Malaga.

Nach einer Woche Malaga bin ich heute früh kurzentschlossen nach Mallorca geflogen. Zu groß war die Verlockung gewesen, unserem langjährigen Winterquartier eine Stippvisite abzustatten – jetzt, da die Insel gerade mal eine Stunde und zehn Minuten von der Costa del Sol entfernt liegt.

Einem kurzen Flug folgte ein langer Tag. Es war ein schöner Tag, auch wenn sich die alte Liebe bei der Ankunft in Palma etwas scheu in dicke Wolken gehüllt hatte.

Das neue Mädchen Malaga dagegen strahlte beim Abflug heute Morgen, als müsste es bei mir doch noch einen letzten, verzweifelten Balzversuch wagen.

Nach zehn Wintern hintereinander hatten wir uns ein Jahr Pause von Mallorca gegönnt. Der Jakobsweg war uns letztes Jahr wichtiger gewesen als die Strandbars von Can Pastilla.

Und auch dieses Jahr haben wir uns einen Camino vorgenommen: Die Via de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostela. Mitte nächster Woche soll’s endlich losgehen.

Aber vorher dürfen es jetzt noch ganz unplanmäßig ein paar Tage Mallorca sein.

Und wie fühlt sie sich an, die alte Liebe?

Wunderbar! Sehr vertraut, sehr heimelig, geradezu kuschelig und von anmutender Glückseligkeit.

Wie eine schöne Frau, die aus ihrem Alter kein Geheimnis macht und man sie gerade deshalb so unverschämt unwiderstehlich findet.

Das Café Cappuccino in einem ehemaligen Stadtpalast in der Carrer San Miguel ist für mich nach wie vor das schönste Kaffeehaus, das ich kenne.

In meiner Stammbar, der Bar Bosch, bestellen die Camareros die Speisen und Getränke jetzt vom Straßencafé aus per Touchscreen im Schankraum.

Wie es denn mit dem neuen System so klappe, will ich von meinem Lieblingskellner wissen. Er so: „Im Prinzip“ – lange Pause – „also im Prinzip überhaupt nicht!“

Was ist auch anders zu erwarten von einem Mann, der sein bisheriges Kellner-Leben lang Bestellungen im Dutzend ohne Stift und Block fehlerfrei ausgeführt hatte?

Das wirklich Sensationelle aber: In der Bar Bosch, seit ich sie kenne eine reine Männer-Domäne, arbeiten jetzt doch tatsächlich drei Frauen.

Bis auf den Einzug der Bar Bosch in die Neuzeit und ein paar Buslinien, die neue Bezeichnungen bekommen haben, ist also so ziemlich alles beim Alten geblieben.

Gulasch mit Spätzle schmecken im „Ballermännle“ nach wie vor wie daheim, bei Muttern in Ummendorf. Abgesehen davon gab es bislang keine kulinarischen Höhepunkte.

Wann denn auch? Ich war einfach zu beschäftigt damit, alte Kontakte zu pflegen und neue Eindrücke zu sammeln.

Jean hatte recht: Alte Liebe rostet nicht. Meine Liebe zu Mallorca ist auch nach einem Jahr Pause ungebrochen.

Und das neue Mädchen Malaga ist, auch wenn es keine Lovestory zwischen uns geben wird, verdammt hübsch.

Es muss ja nicht immer gleich Heirat sein.

Málaga: Wunderschön, aber …

Seit fünf Tagen sind wir jetzt in Málaga und haben mehr als 100 Kilometer zurückgelegt – zu Fuß und einmal mit dem Bus ans Meer, nach Torremolinos und Belmadena. Keine Frage: Es ist eine wunderschöne Stadt. Und doch ist der Funke bisher nicht so richtig übergesprungen. Woran das wohl liegt?

Die Gassen der Altstadt sind, wie in allen Städten des Südens, Fluch und Segen zugleich. Sie sind höllisch laut, aber meistens auch wunderschön.

In Palma, wo wir elf Winter hintereinander verbracht haben, hätten uns Straßenmusiker fast an den Rande des Wahnsinns gebracht.

Hier in Málaga ist es der Straßenverkehr, der unmittelbar an unserem Schlafzimmerfenster vorbei rauscht.

Rauschte, sollte ich sagen. Denn die Wohnungsvermieterin hatte Erbarmen mit uns und stellte ganz unbürokratisch und überaus freundlich ein anderes Apartment zur Verfügung. Erstbezug, tolle Ausstattung, vielleicht die schönste Ferienwohnung, die wir je hatten.

Nur die Schallisolierung fehlt.

Sämtliche Fenster führen in eine Altstadtgasse. Und dort ist auch ohne Straßenverkehr die Hölle los.

Besonders, wenn am Wochenende um die Ecke noch ein Sportevent stattfindet und die Stadtjugend morgens um drei noch immer den heimischen Verein gröhlend abfeiert. Schlafen gilt hier allenfalls als Option.

Aber das Leben in der Stadt besteht schließlich nicht nur aus schlafen.

Die zahllosen Erkundungsgänge durch Málaga waren ein willkommenes Training für den bevorstehenden Camino. Der kann für uns aus einem ganz bestimmten Grund frühestens in etwa zehn Tagen beginnen, und zwar von Sevilla aus.

Das Mittelmeer-Feeling wollte sich in Málaga nie so richtig einstellen. Dabei ist und war die Zeit hier wirklich schön. Aber manchmal fehlt einfach das gewisse je-ne-sais-quoi, das den feinen Unterschied zwischen einem „Gesamteindruck nachhaltig“ oder „nachhaltig positiv“ prägen wird.

Das Wetter: ein Frühsommertraum. Kein Tag unter 22 Grad. Die Menschen: liebenswert, hilfsbereit und rundherum nett (wenn sie nicht gerade morgens um drei gröhlend durch die Gassen ziehen).

Die Gastronomie: vorzüglich! Nicht ein einziges Mal hatten wir in Málaga am Essen etwas auszusetzen. Dabei waren es, bis auf ein Dinner zu einem besonderen Anlass, nie hochpreisige Restaurants, die wir besucht haben.

Doch die Größe der Stadt mit ihren 600.000 Einwohnern macht die Erkundung dieser architektonischen Perle nicht ganz unanstrengend.

Ursprünglich war eine zweite Woche Málaga geplant gewesen, doch jetzt gibt es einen Tapetenwechsel.

Wo die neue Tapete hängen wird, lesen Sie demnächst hier.

Nur so viel: Es ist auch dort wunderschön. Auch dort gibt es Palmen und Meer. Und im Gegensatz zu Málaga haben wir dort Freunde, die unser Herz berühren.

Zuviel verraten?

Nach dem Frost in Montréal: Frühling in Málaga

Von Montréal nach Málaga sind es gerade mal sieben Flugstunden. Mit „Sabine“ im Rücken(wind) sogar noch weniger. Aber was für ein Tapetenwechsel! Waren wir in Montréal auf dem Weg zum Flughafenbus noch durch den Tiefschnee gestapft, erwartete uns in Málaga der andalusische Frühling.

Es sind gefühlte hundert Jahre her, dass ich zum letzten Mal in Málaga gewesen bin.

Erinnerungen? So gut wie keine. Als Teenager hat man andere Dinge im Kopf als den Geburtsort von Picasso.

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Málaga ist mit gut 600.000 Einwohnern viel größer als ich es in Erinnerung hatte.

Und: Die Touristendichte ist weitaus geringer als befürchtet. Ein wohltuendes Gefühl nach unserem letztjährigen Besuch von Porto und Lissabon, wo wir Touris uns gegenseitig die besten Selfie-Locations streitig machten.

Noch nagt der Jetlag an uns. Deshalb heute nur kurz ein paar Takte ins iPhone getippt.

Achso: Die berühmten „15 minutes of fame“ dauerten bei mir fast sieben Stunden. So lange konnte ich auf dem Herflug im Bordmagazin mein Konterfei betrachten.

Doof: Meine kleine Karriere als Seniorenmodel für AirTransat bemerkte außer Lore und mir wohl niemand im Flieger. Aber immerhin: Einmal im Leben Posterboy gewesen!

In Málaga werden wir noch einige Tage bleiben. Das Abenteuer „Via de la Plata“ muss noch warten.

Bis dahin deshalb heute Abend nur ein zartes Buen Camino aus dem andalusischen Frühling!

Die Packliste für den Caminoj

Packen für den Camino – das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Wer zweieinhalb Monate lang sein Schneckenhaus auf dem Rücken trägt, muss genau überlegen, was mit kommt und was daheim bleibt. Immer im Hinterkopf: Die Kleidung muss wasserdicht sein, dabei aber gleichzeitig atmungsaktiv und warm. Und immer spielt das Gewicht die Hauptrolle.

Lore kann nicht mehr als 6 Kilo schleppen, ich komme bei 8 Kilo an meine Grenzen. Es kommen ja immer auch noch, je nach Etappe, ein bis zwei Liter Trinkwasser dazu.

Weil wir immer mal wieder danach gefragt werden – hier ist meine Packliste:

  • Hochwertiger Rucksack, z.B. VAUDE oder OSPREY (35 L) Gepackt sollte er nicht mehr als 8 Kilo wiegen
  • Regenüberzieher für den Rucksack
  • Regenfester, atmungsaktiver bis unter den Hintern reichender Anorak. Am besten mit Innentaschen.
  • Bequeme Wanderhosen mit abnehmbaren Beinen – nicht zu eng. Wir sind hier nicht auf dem Laufsteg!
  • Ersatzhose für Abends oder wanderfreie Tage (KEINE Jeans, die sind zu schwer. Irgend etwas Leichtes)
  • Regenhosen zum schnellen Überziehen über die Wanderhose.
  • Knöchelhohe Wanderschuhe mit festem Halt. Sie sollten sowohl für stundenlanges Wandern als auch für leichte Kletterpartien tauglich sein. Ich habe „MERRELL Flexconnect Hyperlock“.
  • 1 Paar leichte Halbschuhe, Sketchers o.ä. für abends
  • 1 Paar Plastiklatschen aus Hygienegründen für die Dusche
  • 2 schnell trocknende T-Shirts
  • 1 langärmliger, dünner Pulli aus Merino-Wolle, evtl. für die Nacht oder kalte Tage. (Riechen nicht!)
  • 1 weiterer langärmliger, dünner, aber warmer Pulli. Wir verwenden Kaschmir. Merino-Wolle hat sich auch immer bewährt, weil auch nach mehrmaligen Tragen geruchsfrei. Immer gut: Anziehen in Schichten nach dem Zwiebelschalen-Prinzip.
  • 1 schnell trocknendes Sporthemd für abends
  • 3 schnell trocknende Unterhosen
  • 1 Paar lange Unterhosen für kalte Tagen, evtl. zum Schlafen. Auch hier eignet sich Merino-Wolle am besten.
  • 1 schnell trocknendes und absorbierendes Handtuch, das notfalls als Schal benutzt werden kann.
  • 2 Paar eng anliegende spezielle Wandersocken, die evtl. bis zum Knie reichen und gleichzeitig Stützstrumpf-Funktion haben.
  • 1 Paar Perlonsocken als erste Schicht unter den Wandersocken, um Blasen zu vermeiden.
  • 1 Paar kurze Socken für abends.
  • 1 Paar leichte Handschuhe für kalte Tage
  • Spezial-Schlafsack: Leicht, aber warm
  • Baseballkäppi, Wollmütze und/oder mehrere bunte Bandanas, die wahlweise als Kopfbedeckung (bei starker Sonneneinstrahlung) oder Halstuch dienen.
  • USB-Ladegerät mit zwei Steckmöglichkeiten. (Oft gibt es in Wanderhütten und Hostels nicht genügend Steckdosen.)
  • Gute Kopfhörer für Music on the Go (oder in meinem Fall Hörbücher)
  • Ohrenstöpsel gegen Schnarchattacken in den Hostels. 
  • Leichter Toilettenbeutel, am besten durchsichtig zum schnellen Finden.
  • 1 Paar Teleskop-Wanderstöcke. Es müssen nicht die teuersten sein. Wichtig ist, dass sie beim Abstieg nicht einknicken, falls man sich mit vollem Körpereinsatz aufstützt.
  • Alles wird je nach Anwendung (Socken für sich, Hemden für sich, Pullis für sich etc.) in separate, stabile Plastiktüten mit Zip-Verschluss gepackt und im Vakuumverfahren platzsparend zusammengepresst. Das hat den Vorteil, dass man nicht jedes Mal den kompletten Rucksack durchsuchen muss, um etwas zu finden. Außerdem schützen ZIP-Locks vor Nässe. Auch Pässe, Dokumente etc. sollten bei Regen zusätzlich in ZIP-Locks gepackt werden.
  • Bücher, Musik, Kartenmaterial sammeln wir alles in diversen Apps auf unseren iPhones. Die fungieren auch als die einzigen Kameras, die wir dabei haben.
  • Notwendige Medikamente teilen wir uns auf, falls ein Rucksack gestohlen werden sollte. Und natürlich müssen auch sie wasserdicht verpackt werden.
  • Ganz wichtig: Vaseline (in Deutschland wird gerne Hirschtalgsalbe verwendet) für die Füße, um Wasserblasen zu verhindern.

Billig reisen ist anders. Weil jedes Stück handverlesen und entsprechend hochwertig ist, kommen pro Person schnell 2500 Dollar zusammen.